Kniearthrose (Gonarthrose)

Kniearthrose beginnt typischerweise mit Knieschmerzen, die zuerst nur bei Belastung auftreten. Ist die Arthrose fortgeschritten und gelingt es nicht, sie durch Bewegung und Schmerzmittel ausreichend zu lindern, kann ein Gelenkersatz infrage kommen.

Auf einen Blick

  • Kniearthrose äußert sich zu Beginn typischerweise mit Knieschmerzen, die zunächst nur auftreten, wenn man das Knie belastet.
  • Man kann selbst viel für seine Gelenke tun, insbesondere mit Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen.
  • Bei Übergewicht kann es helfen abzunehmen.
  • Die verbreitete Vorstellung, die Kniegelenke müssten bei einer Arthrose geschont werden, trifft nicht zu.
  • Wenn eine Kniearthrose bereits fortgeschritten ist und den Alltag und die Lebensqualität stark beeinträchtigt, kann ein Gelenkersatz infrage kommen.
  • Gegen Arthrose werden auch viele Mittel und Methoden angepriesen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist und die sogar schädlich sein können.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine ältere Dame sitzt auf dem Bett und fasst sich an das schmerzende Knie.

Was ist eine Kniearthrose?

Wenn sich das Knie nach Ruhepausen zunächst steif anfühlt und beim Bewegen schmerzt, kann eine Arthrose dahinterstecken. Zu Kniearthrose – auch als Kniegelenksarthrose oder Gonarthrose bezeichnet – kommt es, wenn der Gelenkknorpel dünner wird und nicht mehr so gut schützt.

Die verbreitete Vorstellung, man müsste bei einer Arthrose die Kniegelenke schonen, trifft nicht zu – im Gegenteil: Gut ausgebildete Muskeln stabilisieren und schützen die Gelenke. Bewegung sorgt dafür, dass der Gelenkknorpel mit Nährstoffen versorgt wird. Die wichtigste Behandlung sind daher Bewegungs- und Trainingsarten, die Knorpel und Gelenk fit halten. Bei Übergewicht kann schon eine geringe Gewichtsabnahme das Knie entlasten.

Ist die Kniearthrose bereits vorangeschritten und beeinträchtigt sie den Alltag und die Lebensqualität stark, kann ein Gelenkersatz infrage kommen – vor allem, wenn es nicht gelingt, die Beschwerden durch Bewegung oder Schmerzmittel ausreichend zu lindern.

Wichtig zu wissen: Es werden auch viele Mittel und Methoden gegen Arthrose angeboten, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist und die sogar Schaden verursachen können.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Kniearthrose?

Kniearthrose beginnt typischerweise mit Knieschmerzen, die zunächst nur bei Belastung auftreten. Wenn die Arthrose mit der Zeit fortschreitet, werden die Schmerzen häufiger und stärker. Sie können dann auch in Ruhe oder nachts auftreten und den Schlaf stören. Außerdem können andere Beschwerden wie steife Gelenke hinzukommen. Manchen Menschen mit einer Kniearthrose tun die Gelenke vor allem gegen Abend oder am Morgen weh.

Je nachdem, welcher Teil des Knies betroffen ist, kann eher die Innen- oder Außenseite des Knies schmerzen. Wenn der Bereich unter der Kniescheibe betroffen ist, treten die Schmerzen vor allem beim Aufstehen und Treppensteigen auf.

Symptome bei Kniearthrose: Schmerz nach Ruhe, Schmerz bei Belastung, Schmerz bei Ruhe.

Bei einer starken Arthrose treten die Schmerzen auch in Ruhe auf. Sie fühlen sich dann oft dumpfer an und können zeitweise sehr stark sein, zu Erschöpfung führen und den Alltag erheblich einschränken.

Das Kniegelenk kann auch druckempfindlich und steifer werden. Wird es weniger bewegt, schwächt das die Muskeln und Bänder. Dadurch kann sich das Knie instabil anfühlen.

Bei manchen Menschen löst die Arthrose akute Schübe aus, die einige Tage andauern. Dann nehmen die Schmerzen plötzlich zu und fühlen sich eher stechend, pulsierend oder brennend an. Das Knie kann auch vorübergehend anschwellen, steifer und warm werden. Da Schübe schwer vorhersehbar sind, können sie besonders belastend sein.

Welche Ursachen hat eine Kniearthrose?

Das Kniegelenk verbindet die Ober- und Unterschenkelknochen sowie die Kniescheibe miteinander. Die Knochenenden und die Innenseite der Kniescheibe sind mit Knorpel überzogen. Ein gesunder Knorpel ist eine glatte Gleitfläche, die eine reibungsarme Bewegung im Gelenk ermöglicht. Arthrose entsteht, wenn der Knorpel aufweicht, rissig und dünner wird. Knorpel kann sich nicht so gut regenerieren wie andere Gewebe. Einmal entstandene größere Schäden bleiben deshalb bestehen.

Kniearthrose kann in drei Bereichen des Knies auftreten:

  • auf der Innenseite des Kniegelenks (medial)
  • auf der Außenseite des Kniegelenks (lateral)
  • unter der Kniescheibe (patellofemoral)

Wie entsteht eine Arthrose?

Das folgende Video berichtet über die Entstehung und die Ursachen einer Arthrose.

Dieses und weitere Videos gibt es auch auf YouTube

Jetzt ansehen

Es gelten die dort bekanntgegebenen Datenschutzhinweise.

Welche Faktoren begünstigen die Entstehung einer Kniearthrose?

Bei allen Menschen nutzt sich der Gelenkknorpel im Lauf des Lebens etwas ab. Umgangssprachlich bezeichnet man Arthrose deshalb als „Gelenkverschleiß“. Das ist jedoch irreführend, denn es erweckt den Eindruck, dass das Gelenk durch normale Nutzung „verbraucht“ wird. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil: Im Gelenk finden fortwährend Auf- und Abbauprozesse statt. Um die Aufbauprozesse und Durchblutung zu fördern, braucht das Gelenk Bewegung.

Zu den Ursachen für Knorpelschäden gehören:

  • Verletzungen des Kniegelenks: zum Beispiel durch einen Meniskusschaden, einen Riss des vorderen Kreuzbands, ein Ausrenken der Kniescheibe oder einen kniegelenksnahen Knochenbruch
  • Starkes Übergewicht (Adipositas): Als stark übergewichtig (adipös) gelten Menschen, die einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30 haben. Je höher der BMI, desto größer ist die Belastung für die Gelenke.
  • Häufige starke Belastungen des Knies: Wer zum Beispiel im Beruf oft knien, hocken oder schwer heben muss, hat ein höheres Arthrose-Risiko.
  • Anatomie: beispielsweise unterschiedlich lange Beine oder Fehlstellungen des Knies (X- und O-Beine)

Wichtig zu wissen: Manche Menschen denken, dass Bewegung die Kniegelenke zusätzlich belastet und dadurch „Verschleiß“ begünstigt. Tatsächlich ist Bewegungsmangel für Gelenke aber schädlich. Zum einen schwächt er die Muskulatur. Zum anderen ist der Gelenkknorpel auf Bewegung angewiesen: Der wechselnde Druck, der zum Beispiel beim Gehen auf den Knorpel wirkt, sorgt für den Austausch von Flüssigkeit und ernährt den Knorpel.

Wie häufig kommt es zu einer Kniearthrose?

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen in Deutschland eine Kniearthrose haben. Nach Schätzungen aus anderen Ländern betrifft sie etwa 4 Prozent aller Erwachsenen.

Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu: So haben ungefähr 10 bis 15 Prozent der Menschen über 60 mit Kniearthrose zu tun; Frauen etwas häufiger als Männer.

Wie entwickelt sich eine Kniearthrose?

Eine Arthrose bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Knie irgendwann so stark geschädigt ist, dass man einen Gelenkersatz benötigt. Viele Menschen kommen trotz der Beschwerden gut im Alltag zurecht.

Wie eine Arthrose im Knie verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Manche Menschen haben viele Jahre nur wenig Beschwerden, bei anderen schreitet die Arthrose schneller voran. In einer großen niederländischen Studie, in der Menschen mit Kniearthrose über 5 Jahre immer wieder untersucht wurden, zeigte sich, dass etwa:

  • 60 Prozent mittelstarke Schmerzen hatten, die nur leicht zunahmen oder sogar nachließen
  • 25 Prozent leichte, relativ gleichbleibende Schmerzen hatten
  • 10 Prozent starke, relativ gleichbleibende Schmerzen hatten
  • 5 Prozent leichte Schmerzen hatten, die über die Jahre deutlich zunahmen

Die Schmerzen können auch in Schüben auftreten: Dann wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit beschwerdefreien oder beschwerdearmen Phasen ab. Ungünstige Bewegungen oder kleine Verletzungen können Arthroseschmerzen vorübergehend verstärken. Sie klingen dann aber oft von selbst wieder ab.

Wichtig zu wissen: Bei sehr stark fortgeschrittener Arthrose kann der Knorpel stellenweise so abgenutzt sein, dass der Knochen freiliegt. Schäden am Meniskus, schwächere Muskeln und gelockerte Bänder sind weitere mögliche Folgen einer fortgeschrittenen Kniearthrose. Zudem kann sich mehr Gelenkflüssigkeit bilden und im Inneren des Gelenks ansammeln (Gelenkerguss), was ebenfalls schmerzhaft sein kann.

Wie wird eine Kniearthrose diagnostiziert?

Um eine Kniearthrose festzustellen, fragt die Ärztin oder der Arzt nach Symptomen wie wiederkehrenden oder andauernden Schmerzen und vorübergehender Steife im Knie. Sie oder er prüft den Bewegungsumfang des Kniegelenks, betrachtet die Beinstellung und prüft, ob es andere mögliche Ursachen für die Schmerzen gibt, beispielsweise Schäden am Meniskus oder an den Bändern.

Normalerweise reicht ein Röntgenbild des Kniegelenks aus, um eine Arthrose festzustellen. Speziellere Untersuchungen wie eine Röntgenaufnahme des ganzen Beines, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) sind meist nicht nötig.

Wenn die Diagnose feststeht, sind keine regelmäßigen Röntgenkontrollen nötig. Die Behandlung richtet sich ohnehin nach den Beschwerden und nicht nach dem, was auf den Röntgenbildern zu sehen ist. Weitere Untersuchungen sind nur sinnvoll, wenn die Arthrose unerwartet schnell fortschreitet oder Beschwerden hinzukommen, die auf eine andere Erkrankung hindeuten könnten.

Weitere Aufnahmen des Kniegelenks werden auch vor dem Einsetzen eines künstlichen Gelenks (Gelenkersatz) gemacht. Sie helfen dabei, die Operation zu planen.

Wie lässt sich eine Kniearthrose behandeln?

Zur Behandlung einer Kniearthrose gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wie weit die Arthrose im Knie fortgeschritten ist, ob es Begleiterkrankungen gibt und was man von der Behandlung erwartet.

Trotz Arthrose möglichst aktiv zu bleiben tut den Gelenken gut. Viele Studien belegen, dass regelmäßige Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern können.

Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die Gelenke entlasten. Wie Studien zeigten, half eine Gewichtsreduktion von mehr als 5 Prozent, die Beweglichkeit zu verbessern und die Gelenkschmerzen etwas zu lindern.

Häufig wird empfohlen, auf gut sitzende Schuhe mit dämpfenden Sohlen zu achten. Sie sollten das Fußgewölbe stützen und ausreichend Platz für die Zehen bieten. Schuhe mit hohen Absätzen sind dagegen ungünstig.

Gegen Beschwerden bei Kniearthrose helfen: aktiver Lebensstil, Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen, Gewichtsabnahme bei Übergewicht, dämpfende Schuhe.

Vertiefende Informationen, beispielsweise wie Sie Ihre Knie stärken können, lesen Sie unter gesundheitsinformation.de.

Zudem gibt es zahlreiche Behandlungsansätze bei Kniearthrose:

  • Schuheinlagen, Orthesen und Entlastungsschuhe: Das sind risikoarme Möglichkeiten, die man ausprobieren kann. Ihre Wirkung ist bislang aber nicht gut erforscht. In einer aussagekräftigen Studie linderte ein spezieller Entlastungsschuh Kniebeschwerden über mehrere Monate nicht besser als normale, gut sitzende und dämpfende Schuhe.
  • entzündungshemmende Schmerzmittel zum Auftragen auf das betroffene Gelenk wie Gel mit Diclofenac: Sie können die Arthroseschmerzen bei manchen Menschen lindern und sind eine einfache und nebenwirkungsarme Behandlungsmöglichkeit.
  • entzündungshemmende Schmerzmittel zum Einnehmen wie Diclofenac, Ibuprofen und Etoricoxib: Sie können Arthroseschmerzen ebenfalls nachweislich lindern. Paracetamol ist bei Kniearthrose nicht wirksam.
  • Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide: Sie helfen oft nicht besser als entzündungshemmende Schmerzmittel. Zudem haben sie mehr Nebenwirkungen und können abhängig machen.
  • Akupunktur: Studien deuten darauf hin, dass sie Kniearthrose lindern kann – allerdings nicht besser als eine sogenannte Scheinakupunktur, bei der die Nadeln nur oberflächlich oder an der „falschen“ Stelle gesetzt werden.
  • Spritzen in das Gelenk: Kortisonspritzen können die Beschwerden für bis zu 8 Wochen lindern, aber bei wiederholter Anwendung auf Dauer den Knorpel schädigen. Spritzen mit Hyaluronsäure sind umstritten. In den bislang aussagekräftigsten Studien wirkten sie nicht besser als Kochsalzlösungen. Sie müssen außerdem selbst bezahlt werden. Ein Nutzen von Eigenbluttherapien – Gelenkspritzen mit aufgearbeitetem, körpereigenem Blutplasma – ist nicht nachgewiesen.
  • Gelenkersatz: Dieser kann bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose infrage kommen. Ein künstliches Kniegelenk lindert die Beschwerden einer fortgeschrittenen Kniearthrose bei den meisten Menschen deutlich. Nach der Operation ist eine aktive Rehabilitation wichtig – und Geduld, bis man sich an das neue Knie gewöhnt hat.
  • Umstellungs-Osteotomie: Dieses Verfahren kommt manchmal alternativ zu einem Gelenkersatz infrage. Dabei werden Fehlstellungen korrigiert, die das Knie einseitig belasten.
  • Röntgenreizbestrahlung oder Orthovolttherapie: Dabei wird das Gelenk über mehrere Wochen 6- bis 12-mal mit schwacher Röntgenstrahlung behandelt. Vergleichsstudien gibt es zu dieser Behandlung bislang nicht. Ob sie hilft, ist daher unklar.
  • Radiosynoviorthese (RSO): Hier wird eine schwach radioaktive Substanz in das Kniegelenk gespritzt. Ein Nutzen ist durch Studien nicht belegt, es gibt jedoch Berichte über Komplikationen wie Knochen- und Gelenkentzündungen.
  • Eingriffe zur Behandlung des Knorpels: Davon raten Fachleute bei einer Kniearthrose ab – sie können die Beschwerden noch verstärken und haben keinen nachgewiesenen Nutzen. Hierzu gehören zum Beispiel die Pridie-Bohrung, Mikrofrakturierung und Knorpelzell- oder Knorpel-Knochen-Transplantationen.
  • endoskopische Kniespülung und Knorpelglättung (Arthroskopie): Aus mehreren Studien weiß man, dass das bei Kniearthrose nicht hilft.

Wichtig zu wissen: Ist der Einsatz eines Kniegelenkersatzes geplant, ist es ratsam, sich vor dem Eingriff eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einzuholen.

Die Entscheidungshilfe von gesundheitsinformation.de kann Sie darin unterstützen, sich für oder gegen einen Gelenkersatz zu entscheiden.

Zur Behandlung von Kniearthrose werden außerdem noch viele weitere Produkte und Therapien angeboten, deren Nutzen nicht nachgewiesen ist. Dazu zählen:

  • Duloxetin
  • pflanzliche Präparate wie Teufelskralle oder Weihrauchextrakt
  • Nahrungsergänzungsmittel mit Chondroitin oder Glucosamin
  • Lebensmittel oder Lebensmittelextrakte zum Beispiel auf Basis von Soja, Avocado oder Kurkuma (Curcumin)
  • Ultraschall-Therapien
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Blutegel-Therapie
  • Hochton-Therapie
  • Magnetfeld-Therapie
  • Mikrowellen-Therapie

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Stand:
Fanden Sie diesen Artikel hilfreich?