Gesund leben Chemikalien im Haushalt: Mögliche Risiken erkennen und meiden
Wasch-, Spül- und Reinigungsmittel enthalten verschiedene Chemikalien. Bei unsachgemäßer Benutzung können sich diese negativ auf die Gesundheit auswirken. Wie man sich und andere vor möglichen Risiken schützen kann, erfahren Sie in diesem Artikel.
Auf einen Blick
- Bei falscher Anwendung können Haushaltschemikalien ein Gesundheitsrisiko darstellen.
- Bei Kontakt mit den Augen oder der Haut können Reizungen, Verätzungen oder Allergien ausgelöst werden.
- Beim Verschlucken kann es zu Vergiftungen kommen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder.
- Nach einem Unfall mit chemischen Haushaltsprodukten ist es wichtig, schnell zu handeln.
- Wer beim Kauf und im Umgang mit Haushaltschemikalien auf bestimmte Dinge achtet, kann sich und andere vor gesundheitlichen Risiken schützen.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Wie kommen Chemikalien in den Haushalt?
Chemikalien sind aus modernen Haushalten kaum wegzudenken. Sie kommen in unterschiedlichen Produkten vor, beispielsweise in Waschpulver, Putzmitteln und Klebstoffen.
Chemische Stoffe und chemische Produkte sind nicht automatisch gesundheitsschädlich oder giftig. Wichtig ist, sich vor der Anwendung gründlich zu informieren und die Anwendungshinweise sowie die Dosierung genau zu beachten.
Chemische Produkte können im Haushalt sehr nützlich sein, um beispielsweise Kleidung, Bad und Küche gründlich zu reinigen. Manche Chemikalien, die im Haushalt zu finden sind, können sich jedoch negativ auf die Gesundheit auswirken – zumindest dann, wenn sie unsachgemäß verwendet werden oder ungewollt in Kontakt mit dem Körper kommen. Wenn sie verschluckt werden, können sie Vergiftungen auslösen.
Ein bewusster, sparsamer und vorschriftsgemäßer Umgang mit chemischen Mitteln beugt gesundheitlichen Problemen vor. Auch eine für Kinder unzugängliche Lagerung von Haushaltschemikalien ist sehr wichtig, um Unfälle zu vermeiden.
Welche Gesundheitsrisiken gibt es?
Bei sachgemäßer Anwendung der meisten Haushaltschemikalien ist ein Risiko für die Gesundheit nicht zu erwarten. Bei fehlerhafter Verwendung oder Verwechslung kann die Gesundheit jedoch beeinträchtigt werden – manchmal kann das sogar gefährlich werden.
Reizungen und Verätzungen
Aggressive Reinigungsmittel wie zum Beispiel Chlorreiniger können bei Hautkontakt schon in geringen Mengen Reizungen und Verätzungen hervorrufen, da sie den Säureschutzmantel der Haut angreifen.
Um das zu verhindern, ist es sinnvoll, beim Putzen Gummihandschuhe zu tragen. Auch die Augen können bei Kontakt mit bestimmten Chemikalien stark gereizt oder verätzt werden. Benutzt man ätzende oder reizende Mittel, sollte man daher eine Schutzbrille tragen. Hinweise zur Gesundheitsgefährdung befinden sich auf der Verpackung der Produkte.
Allergien und Ekzeme
Der Körper kann auf viele unterschiedliche Stoffe allergisch reagieren. Sowohl natürlich vorkommende Substanzen wie Pollen als auch chemische Inhaltsstoffe aus Putzmitteln wie zum Beispiel Duftstoffe können Allergien auslösen. 81 Duftstoffe gelten als besonders leicht allergieauslösend. Wenn einer dieser Stoffe in einer bestimmten Konzentration in einem Produkt enthalten ist, muss dies auf der Verpackung angegeben werden. Zu diesen kennzeichnungspflichtigen Duftstoffen gehören unter anderem Citral, Farnesol und Linalool.
Duftstoffe sind unter anderem in Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Weichspülern enthalten. Bei direktem Kontakt mit diesen Produkten, beispielsweise beim Putzen ohne Gummihandschuhe, gelangen die Duftstoffe an die Haut. Dort können sie Kontaktallergien und Unverträglichkeiten auslösen. Außerdem können sie an der Haut eine Entzündung, ein sogenanntes Ekzem, auslösen.
Vergiftungen
Von einer Vergiftung spricht man, wenn ein gesundheitsschädlicher Stoff über Atemwege, Mund, Haut oder die Augen in oder auf den Körper gelangt und ihn schädigt. Vor allem bei Kindern kommt es häufiger zu Vergiftungen im Haushalt, zum Beispiel durch das Verschlucken von Reinigungsmitteln. Laut den Giftinformationszentren werden Vergiftungen im Haushalt zum Großteil durch schäumende Reinigungsmittel wie Allesreiniger, Spül- oder Waschmittel hervorgerufen. Von diesen werden aber in der Regel keine schweren Vergiftungen verursacht. Anders ist es bei Grillreinigern, Backofensprays sowie WC-, Chlor- und Rohrreinigern: Diese Produkte sind besonders gefährlich.
Erstickungsgefahr
Auch wenn von schäumenden Produkten eher eine geringe Vergiftungsgefahr ausgeht, stellt eine verstärkte Schaumbildung nach dem Verschlucken ein Risiko dar: Wenn der Schaum oder Erbrochenes in die Atemwege gelangt, kann es zu Atemproblemen bis zum Ersticken kommen. Selten können schäumende Produkte eine Entzündung des Lungengewebes auslösen. Um starker Schaumbildung entgegenzuwirken, kann man Entschäumer mit den Wirkstoffen Dimeticon oder Simeticon einnehmen beziehungsweise dem Kind als Erste-Hilfe-Maßnahme geben. Gerade in einem Haushalt mit Kindern empfiehlt es sich, einen Entschäumer in der Hausapotheke vorrätig zu haben.
Auch das Verschlucken von Lampenöl oder flüssigem Grillanzünder kann schon in geringsten Mengen zu schweren Atemstörungen führen.
Gefährliche Mischungen
Vorsicht ist geboten, wenn man mehrere Reinigungsmittel gleichzeitig benutzt oder kombiniert. Einige Kombinationen können miteinander reagieren und in der Folge ein hohes Gesundheitsrisiko darstellen. Beispielsweise entsteht Chlorgas, wenn man Chlorreiniger mit Entkalkern oder anderen sauren Reinigern mischt. Wenn Chlorgas eingeatmet wird, kann es die Lunge stark und langanhaltend schädigen. Auch wenn Chlorreiniger und Entkalker nacheinander angewandt werden, kann noch Chlorgas entstehen. Daher ist es wichtig, ausreichend zu lüften und einige Zeit abzuwarten, bevor man zum nächsten Reinigungsmittel greift.
Wie erkennt man mögliche Gefahren durch Chemikalien?
Kennzeichnungen für geringe Umweltgefahren
Beim Kauf von Haushaltsprodukten kann man auf bestimmte Kennzeichnungen und Umweltsiegel achten, um den Gebrauch von umweltschädlichen Produkten im Haushalt weitestgehend zu reduzieren.
Für eine Vielzahl von Produkten geben das Umweltsiegel der Europäischen Union („EU-Ecolabel“) oder der deutsche „Blaue Engel“ verlässlich Auskunft über die Umweltverträglichkeit. Diese Umweltzeichen kennzeichnen Produkte, welche die Umwelt weniger gefährden als vergleichbare Produkte. Sie finden sich nicht nur auf Wasch-, Putz- und Geschirrspülmitteln sowie Seifen, sondern auch auf diversen anderen Alltagsprodukten – etwa auf Toilettenpapier oder bestimmten Baustoffen.
Weitere Informationen zu den Umweltzeichen erhalten Sie auf blauer-engel.de und eu-ecolabel.de.
Auf den Seiten des Umweltbundesamts finden Sie weitere Tipps, wie Sie im Haushalt umweltfreundlich reinigen und wie Sie Chemikalien in Verbraucherprodukten erkennen und meiden können.
Gefahrensymbole für Gesundheitsgefahren
Wenn eine Gesundheitsgefahr von einem Produkt ausgehen kann, dann muss dieses entsprechend gekennzeichnet sein. Die Gefahrenkennzeichnung besteht aus:
- Signalwort
- Gefahrensymbol (Gefahrenpiktogramm)
- Gefahren- und Sicherheitshinweisen
Bestenfalls sollte der Gebrauch solcher Produkte vermieden oder so weit wie möglich reduziert werden. Wenn Sie solche Produkte benutzen wollen oder müssen, nehmen Sie unbedingt die Gefahrenhinweise auf dem Etikett ernst und schützen Sie sich vor dem direkten Kontakt – beispielweise bei reizenden und ätzenden Stoffen durch das Tragen von Gummihandschuhen und einer Schutzbrille. Die Sicherheitshinweise stehen ebenfalls auf dem Etikett der Produkte.
Beispiele für Gefahrenkennzeichnungen sind:
- Ausrufezeichen: Produkte, die gesundheitsschädlich, reizend oder betäubend wirken sowie Produkte, die Allergien auslösen können
- Gesundheitsgefahr: beispielsweise Produkte, die beim Verschlucken schwere Atembeschwerden verursachen oder Krebs auslösen können
- Totenkopf mit gekreuzten Knochen: Chemische Produkte, die schon in kleinsten Mengen Vergiftungen auslösen und lebensbedrohlich sein können, wenn sie auf die Haut gelangen, verschluckt oder eingeatmet werden
- Ätzwirkung: Produkte, die Verätzungen der Haut oder schwere Augenschädigungen verursachen können
- Flamme: Stoffe, die leicht entzündlich sind
Wie kann man sich und andere vor möglichen Risiken schützen?
Weitestgehend auf aggressive Mittel verzichten
Im Haushalt sind aggressive und intensive Reinigungsmittel in der Regel nicht nötig. Oberflächlichen Schmutz kann man allein mit einem feuchten Tuch beseitigen. Zum Beispiel in Bad und Küche sollte man jedoch nicht auf Reinigungsmittel verzichten. Hier genügt in der Regel ein Allzweckreiniger. Dabei kann man auf pH-Wert-neutralen Reiniger zurückgreifen, dieser ist auch gut hautverträglich.
Chemische Produkte niemals in Lebensmittelbehälter umfüllen
Bei den meisten der im Haushalt verwendeten Chemikalien ist bei sachgemäßer Anwendung kein Gesundheitsrisiko zu erwarten. Anders ist es jedoch, wenn man diese Stoffe versehentlich in größeren Mengen aufnimmt, also beispielsweise verschluckt. Um das zu verhindern und Verwechslungen auszuschließen, müssen Putzmittel und andere chemische Produkte immer im Originalbehälter mit entsprechendem Etikett aufbewahrt und niemals in Getränke- oder Lebensmittelbehälter gefüllt werden.
Wichtig zu wissen: Haushaltschemikalien sollten niemals umgefüllt werden.
Wenn Sie den Wasserkocher entkalken, sollten Sie sicherstellen, dass währenddessen niemand versehentlich den Inhalt des Wasserkochers benutzt. Kleben Sie einen Zettel an den Wasserkocher, mit dem Hinweis, dass er gerade entkalkt wird und der Inhalt nicht getrunken werden darf. Spülen Sie den Wasserkocher nach der Entkalkung mehrmals mit klarem Wasser aus, um alle Rückstände zu entfernen.
Für Kinder unzugänglich verstauen
In Haushalten mit Kindern sollten alle chemischen Produkte so gelagert werden, dass sie für die Kinder unerreichbar sind. Das gilt im Speziellen für besonders gefährliche Produkte wie Rohr-, Backofen-, WC- und Grillreiniger. Diese können die Haut und Schleimhäute verätzen. Auch bei Waschmittel-Gelkapseln („Liquid Caps“) ist Vorsicht geboten, da Kinder diese besonders häufig mit Süßigkeiten verwechseln. Die Waschmittel-Gelkapseln bergen außerdem ein erhöhtes Vergiftungsrisiko, da sie höher konzentriert sind als andere marktübliche Flüssig- oder Pulver-Waschmittel.
Frostschutzmittel sollten ebenfalls sicher verwahrt werden. Einige Frostschutzmittel enthalten Ethylenglykol. Diese Chemikalie kann schon in geringen Mengen schwere Vergiftungen auslösen und dabei die Nieren schädigen. Wenn ein Kind Frostschutzmittel getrunken hat, sollte man sofort ärztlichen Rat einholen oder die Giftnotrufzentrale kontaktieren.
Wie handelt man im Notfall richtig?
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es manchmal zu Unfällen oder Verwechslungen kommen. Schwere Vergiftungen durch Haushaltschemikalien sind selten. Dennoch ist nach Augen- oder Hautkontakt sowie Einatmen oder Verschlucken von Gefahrstoffen rasches Handeln wichtig.
Erste Hilfe leisten
Nach Kontakt oder Verschlucken von Produkten wie Allzweckreiniger, Geschirrspülreiniger und WC-Reiniger sollten folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt werden:
- Verschlucken: den Mund mit Wasser ausspülen und (bei wachem Zustand) etwas Wasser nachtrinken. Kein Erbrechen auslösen. Bei schäumenden Produkten einen Entschäumer einnehmen.
- Augenkontakt: unter fließendem, lauwarmem Wasser vorsichtig etwa 10 Minuten lang spülen und bei anhaltenden Beschwerden augenärztlich kontrollieren lassen
- Hautkontakt: mit Wasser abspülen und getränkte Kleidung wechseln
Weitere Informationen zu Notfallmaßnahmen finden Sie in unserem Artikel Erste Hilfe bei Vergiftungen.
Was zu vermeiden ist
Bestimmte Dinge sollte man bei Vergiftungen (oder dem Verdacht) nicht tun:
- kohlensäurehaltige Getränke oder Milch trinken, stattdessen besser Wasser oder Tee nachtrinken
- Erbrechen hervorrufen, beispielsweise durch das Trinken von Salzwasser
- eigenmächtig Kohlepräparate einnehmen – sie sind nicht immer geeignet und sollten nur nach Rücksprache mit dem Giftnotruf, einer Ärztin oder einem Arzt verwendet werden
Ärztlichen Rat einholen
Bei Unsicherheit, einer Vergiftung oder dem Verdacht auf eine Vergiftung zögern Sie nicht, den Giftnotruf zu kontaktieren. Die Giftinformationszentren sind 24 Stunden am Tag erreichbar. Das Fachpersonal kann entscheiden, ob eine Vorstellung beim Arzt notwendig ist. Beim Anruf sind folgende Informationen wichtig:
- Wer ist betroffen? Wie alt ist die Person und wie viel wiegt sie (ungefähr)?
- Was wurde eingenommen? Hier kann es hilfreich sein, wenn Sie die Verpackung griffbereit haben und dort nachschauen können. Gesundheitlich gefährliche Haushaltsprodukte müssen einen 16-stelligen UFI-Code (beispielsweise UFI: R3NN-3KVT-2XSG-W43J) zur schnellen Identifizierung der Rezeptur eines Produkts tragen. Dieser UFI-Code hilft der beratenden Ärztin oder dem beratenden Arzt im Giftinformationszentrum dabei, die Zusammensetzung des Produktes zu bestimmen.
- Wie viel und wann wurde es eingenommen?
- Wie wurde es eingenommen – verschluckt, eingeatmet, ins Auge, auf die Haut?
- Welche Symptome zeigt der oder die Betroffene?
- Was wurde bereits unternommen?
- Wer ruft an (Name und Telefonnummer für einen Rückruf)?
Eine vollständige Übersicht der Giftnotruf-Telefonnummern für den deutschsprachigen Raum finden Sie auf der Website des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
Wichtig zu wissen: Wählen Sie bei lebensbedrohlichen Symptomen wie Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, starken Atem- oder Kreislaufbeschwerden sowie Kreislauf- und Atemstillstand sofort den Notruf 112.
Wo gibt es weitere Informationen?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt die kostenfreie App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ zur Verfügung, die alle wichtigen Informationen zu Vergiftungen enthält und über die man direkt das zuständige Giftinformationszentrum anrufen kann.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Rezepturen von Wasch-und Reinigungsmitteln mit dem UFI-Code eindeutig zuordnen und Leben retten. 03.01.2025.
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Kennzeichnung von Duftstoffen. Aufgerufen am 07.11.2025.
- Giftnotruf Berlin. Vergiftungen: Erste Maßnahmen. Aufgerufen am 07.11.2025.
- Stiftung Gesundheitswissen. Was tun bei Vergiftungen? Aufgerufen am 07.11.2025.
- Miedaner, T., Krähmer, A. (2023). Gifte im Haushalt – Weichspüler, Lacke und Desinfektionsmittel. In: Gifte in unserer Umwelt. Springer, Berlin, Heidelberg.
- Umweltbundesamt (UBA). Umweltzeichen. Aufgerufen am 07.11.2025.
- Vergiftungsinformationszentrale. Vergiftung: Gefahren im Haushalt. Aufgerufen am 07.11.2025.
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