Kompartmentsyndrom

Ein Kompartmentsyndrom entsteht meist nach einem Knochenbruch. In der Folge lagert sich Flüssigkeit in bestimmten Muskelgruppen ein. Es kommt zu einer Schwellung und starken Schmerzen. Wird es rasch behandelt, kann sich das Gewebe vollständig erholen.

Auf einen Blick

  • Beim Kompartmentsyndrom sammelt sich Flüssigkeit in Muskelgruppen (Kompartimenten), was den Druck im Gewebe erhöht.
  • In der Folge wird die Blutversorgung der betroffenen Körperteile gestört.
  • Mögliche Symptome eines Kompartmentsyndroms sind sehr starke Schmerzen und geschwollene Muskelgruppen.
  • Häufig sind Knochenbrüche die Ursache.
  • Menschen unter 35 Jahren haben besonders oft ein Kompartmentsyndrom.
  • Das Kompartmentsyndrom lässt sich gut behandeln.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Nahaufnahme einer Frau mit geschientem Unterarm, die auf einer Behandlungsliege sitzt.

Was ist das Kompartmentsyndrom?

Die Muskeln der Arme und Beine werden in Gruppen eingeteilt, in sogenannte Kompartimente. In jeder Gruppe befinden sich jeweils mehrere Muskelstränge dicht an dicht. Die Muskelkompartimente sind umhüllt von kaum elastischem Bindegewebe (Faszien). Innerhalb und zwischen den benachbarten Kompartimenten verlaufen Blutgefäße und Nerven.

Bei einem Kompartmentsyndrom lagert sich innerhalb eines Kompartiments Flüssigkeit in das Muskelgewebe ein. Der Grund dafür kann ein Knochenbruch sein, etwa am Unterschenkel oder Unterarm. Durch das Einlagern von Flüssigkeit schwillt das Gewebe an, was die Durchblutung stört und Nerven schädigen kann.

Häufig tritt ein Kompartmentsyndrom am Bein oder am Unterarm auf. Aber auch Füße und Hände sowie Gesäß, Unterleib und Brustkorb können betroffen sein. 

Unbehandelt kann ein Kompartmentsyndrom dazu führen, dass Teile der Muskeln nicht mehr richtig durchblutet und schwer geschädigt werden. Das Kompartmentsyndrom lässt sich aber gut behandeln.

Welche Symptome deuten auf ein Kompartmentsyndrom hin?

Die Symptome eines Kompartmentsyndroms treten schrittweise auf. Bei einem Knochenbruch beispielsweise beginnen sie innerhalb weniger Stunden nach der Verletzung und können rasch zunehmen.

Typische Beschwerden eines Kompartmentsyndroms sind unter anderem starke Schmerzen, Gefühlsstörungen und geschwollene, verhärtete Muskeln.

Typische Beschwerden sind:

  • starke Schmerzen, die lang anhalten und als tief und brennend beschrieben werden
  • Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl
  • geschwollene, verhärtete Muskeln

Wodurch wird ein Kompartmentsyndrom verursacht?

Die Bindegewebehüllen, welche die Muskelkompartimente umgeben, sind sehr fest und dehnen sich kaum aus. Schwillt infolge einer Verletzung wie einem Knochenbruch das Muskelgewebe innerhalb eines Kompartiments an, nimmt der Druck schnell zu. Dies stört den Blutfluss und führt zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe. 

Besonders häufig verletzt werden das Schienbein und die Unterarmknochen – vor allem beim Sport. Mit etwa 75 Prozent sind Knochenbrüche die häufigste Ursache für ein Kompartmentsyndrom. Auch Einblutungen in den Muskel können zum Anschwellen der Kompartimente führen.

Bei Kindern sind oft Knochenbrüche in der Nähe des Ellenbogengelenks oder des Unterarms Ursache für ein Kompartmentsyndrom. 

Knochenbrüche sind die häufigste Ursache für ein Kompartmentsyndrom.

Weitere Ursachen können sein:

  • Quetschungen, etwa nach Unfällen
  • Verbrennungen
  • einschnürende Verbände, Schienen oder Gipsverbände
  • Blutungen im Muskel
  • Gefäßerkrankungen und Thrombosen

Wie häufig kommt es zu einem Kompartmentsyndrom?

Am häufigsten ist ein Kompartmentsyndrom bei Menschen unter 35 Jahren. Bei Männern kommt es etwa zehnmal häufiger vor als bei Frauen.

Bei bis zu 10 Prozent der Menschen mit einem gebrochenen Schienbein entwickelt sich ein Kompartmentsyndrom. 

Treten bei Sportlerinnen und Sportlern nach langanhaltender Muskelbelastung Beinschmerzen auf, so ist die Ursache bei etwa einem Drittel der Frauen und Männer ein Kompartmentsyndrom. Besonders anfällig dafür sind Läuferinnen und Läufer.

Wie entwickelt sich ein Kompartmentsyndrom?

Wird ein akutes Kompartmentsyndrom innerhalb von 6 Stunden nach einer Verletzung diagnostiziert und behandelt, heilt das Gewebe oft ohne bleibende Schäden ab.

Unbehandelt oder erst später behandelt sind Muskelgewebe und Nerven mitunter stark geschädigt. Dann können folgende Komplikationen auftreten:

  • chronische Schmerzen
  • verkürzte Muskeln
  • Muskelschwäche
  • Taubheitsgefühl und Lähmungen
  • Infektionen

Selten bleibt die Beweglichkeit von Armen und Beinen dann dauerhaft eingeschränkt. 

Es sind aber auch schwerwiegende Folgen möglich wie:

  • das Absterben (Nekrose) von Muskelgewebe
  • der Zerfall von Muskeln (Rhabdomyolyse) mit nachfolgendem akuten Nierenversagen

Da diese Folgen lebensbedrohlich sein können, ist unter Umständen eine Amputation der betroffenen Gliedmaßen notwendig.

Wie wird ein Kompartmentsyndrom diagnostiziert?

Um ein Kompartmentsyndrom festzustellen, untersucht die Ärztin oder der Arzt zunächst das verletzte Körperteil, beispielsweise auf Hautrötungen. Durch Abtasten stellt sie oder er fest, ob ein Kompartiment verhärtet, geschwollen oder druckempfindlich ist. Zusätzlich kann der Druck direkt im Kompartiment gemessen werden. 

Knochenbrüche lassen sich mithilfe einer Röntgenuntersuchung feststellen. Bei einer Ultraschall-Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt sehen, ob der Blutfluss im Gewebe gestört ist. 

Außerdem verändern sich im Verlauf der Erkrankung bestimmte Blutwerte. Ist etwa der Wert für das Eiweiß Kreatinkinase erhöht, deutet das auf eine geschädigte Muskulatur hin. Werden diese Werte regelmäßig gemessen, zeigt sich, ob und wie stark die Schädigung des Muskelgewebes voranschreitet.

Wie behandelt man ein Kompartmentsyndrom?

Besteht nach einer Verletzung das Risiko eines Kompartmentsyndroms, werden betroffene Gliedmaßen auf Herzhöhe gelagert und einengende Verbände oder Gipsschienen entfernt. 

Kommt es trotz dieser Maßnahmen zu einem Kompartmentsyndrom und ist der Druck im Kompartiment zu hoch, ist ein operativer Eingriff nötig. Bei der sogenannten Faszienspaltung (Fasziotomie) wird die Bindegewebehülle um die betroffene Muskelgruppe aufgeschnitten. Das geschwollene Muskelgewebe kann sich ausdehnen, was den Druck im Kompartiment unmittelbar senkt.

Unterstützend behandeln Ärztinnen und Ärzte die Beschwerden zum Beispiel mit Schmerzmitteln. Um Gewebeschäden zu verhindern, wird unter bestimmten Bedingungen Sauerstoff sowie Flüssigkeit als Infusion gegeben.

Wie sieht die Reha bei einem Kompartmentsyndrom aus?

Manchmal sind Gliedmaßen nach einem überstandenen Kompartmentsyndrom kraftlos oder steif. Übungen im Rahmen einer Ergo- oder Physiotherapie helfen, die Muskeln wieder zu kräftigen und zu lockern.

Nach einigen Wochen sind die Muskeln meist wieder schmerzfrei beweglich.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Stand:

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