Rhabdomyolyse

Ein Zerfall von Muskelfasern – Rhabdomyolyse genannt – hat verschiedene Ursachen. Mögliche Gründe sind zum Beispiel Muskelquetschungen und die Einnahme von Medikamenten. Der Zerfall kann mild verlaufen, aber auch zu schweren Komplikationen führen. Mitunter ist eine Intensivbehandlung im Krankenhaus nötig.

Auf einen Blick

  • Der medizinische Begriff Rhabdomyolyse beschreibt einen Zerfall von Muskelfasern.
  • Zu den Auslösern gehören unter anderem Muskelquetschungen und sportliche Überanstrengung, Infektionen, die Einnahme von Medikamenten sowie der Konsum von Alkohol und Drogen.
  • Die Folgen des Muskelzerfalls reichen von milden Muskelschmerzen bis zum akuten Nierenversagen.
  • Bei Anzeichen für einen schweren Verlauf ist eine rasche Behandlung im Krankenhaus erforderlich.
  • Dort lassen sich Komplikationen durch eine intensive Überwachung und Behandlung meist gut in den Griff bekommen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine Frau mit grauen Haaren beim Joggen: Sie greift sich mit der linken Hand an die rechte Schulter, die offenbar stark schmerzt.

Was ist eine Rhabdomyolyse?

Als Rhabdomyolyse bezeichnet man einen Zerfall von Muskelfasern. Ursachen sind etwa Muskelquetschungen und extreme körperliche Aktivität, die Einnahme bestimmter Medikamente oder Infektionen.

Der Muskelzerfall kann sich durch Muskelschmerzen äußern oder unbemerkt bleiben. Bei manchen Menschen führt er dagegen zu ernsten Komplikationen wie einem akuten Nierenversagen und muss rasch im Krankenhaus behandelt werden – manchmal auch auf der Intensivstation.

Welche Symptome können bei einer Rhabdomyolyse auftreten?

Leichtere Formen einer Rhabdomyolyse können unbemerkt bleiben. Falls nicht, sind folgende Symptome charakteristisch:

  • Muskelschmerzen
  • Muskelschwäche
  • rötlich-brauner Urin
Charakteristische Symptome einer Rhabdomyolyse sind Muskelschmerzen, Muskelschwäche und rötlich-brauner Urin.

Typischerweise sind die Schmerzen besonders in den rumpfnahen Muskelpartien zu spüren, beispielsweise in den Schultern, Oberschenkeln und im Kreuz. Die Muskeln können auch verkrampfen.

Weitere Anzeichen – gerade bei schweren Verläufen – können sein:

  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Fieber
  • schneller Pulsschlag
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen

Interessant zu wissen: Der Urin kann sich bei einer Rhabdomyolyse verfärben, weil ein bestimmtes Eiweiß (Myoglobin) aus den zerfallenden Muskelfasern in den Blutstrom gelangt und über die Niere ausgeschieden wird. Myoglobin ist in den Muskelzellen für den Sauerstofftransport zuständig und verleiht dem Muskel seine rote Farbe.

Welche Ursachen hat eine Rhabdomyolyse?

Die Rhabdomyolyse hat vielfältige Ursachen. Häufige Auslöser sind beispielsweise:

  • Muskelquetschungen infolge eines Unfalls oder Stoßes
  • langes Liegen in derselben Position (Immobilität)
  • Operationen
  • Extremsport, der den Körper überfordert – etwa ein Marathonlauf ohne vorheriges Training
  • Konsum von Alkohol und Drogen
  • Einnahme von Medikamenten, unter anderem Cholesterinsenker: hier vor allem die Kombination aus Fibraten und Statinen
  • Infektionen, insbesondere bei Kindern
  • gestörte Regulation des Salzhaushalts (Elektrolytstörung)
  • Überhitzung des Körpers (Hyperthermie), etwa durch Hitzschlag
  • Nebenwirkung einer Behandlung von psychischen Erkrankungen mit zum Beispiel Neuroleptika
  • Nebenwirkung einer Behandlung mit Narkosemitteln
  • ein Kompartmentsyndrom: Bei diesem lagert sich infolge einer Verletzung Flüssigkeit im Muskelgewebe ein. Das verursacht starke Schmerzen.

Bei einer Rhabdomyolyse kommen oft verschiedene Faktoren zusammen.

Wie häufig ist eine Rhabdomyolyse?

Jeder Mensch kann eine Rhabdomyolyse entwickeln. Sie tritt jedoch häufiger bei Kindern unter 10 Jahren und Menschen über 60 Jahren auf. Auch Menschen mit Übergewicht sowie Männer entwickeln eher eine Rhabdomyolyse.

Zu welchen Komplikationen kann es bei einer Rhabdomyolyse kommen?

Unabhängig vom konkreten Auslöser werden bei einer Rhabdomyolyse Zellbestandteile in den Blutkreislauf eingeschwemmt. Bei einem sehr milden Zerfall der Muskelfasern entstehen dadurch praktisch keine Beschwerden, bei schweren Formen kann es aber zu teils lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.

Eine vergleichsweise häufige Komplikation ist akutes Nierenversagen: Man nimmt an, dass das eingeschwemmte Muskeleiweiß Myoglobin die Nierenkanälchen verstopft und die Nierenzellen schädigt. Außerdem werden die Nieren schlechter durchblutet. Dadurch verringert sich die Harnproduktion oder kommt sogar zum Erliegen.

Auch ein Mangel oder ein Überschuss an bestimmten Salzen (Elektrolyten) im Blut zählen zu den typischen Folgen der Rhabdomyolyse. Beispielsweise können Muskelkrämpfe auftreten, wenn im Blut zu wenig Kalzium ist (Hypokalzämie). Umgekehrt ist oft die Menge an Kalium im Blut erhöht (Hyperkaliämie), was das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöht.

Seltener passiert es, dass die eingeschwemmten Substanzen die Blutgerinnung im gesamten Gefäßsystem aktivieren. Im Extremfall kommt es zu einem Multiorganversagen, bei der auch Lunge und Leber in Mitleidenschaft gezogen werden.

Komplikationen einer Rhabdomyolyse lassen sich meist durch eine Überwachung und Behandlung im Krankenhaus in den Griff bekommen.

Bei den meisten Menschen lassen sich die Komplikationen einer Rhabdomyolyse durch eine intensive Überwachung und Behandlung im Krankenhaus in den Griff bekommen. Dann heilt auch die ursächliche Muskelschädigung in der Regel folgenlos aus.

Wie lässt sich eine Rhabdomyolyse diagnostizieren?

Ein ausführliches Patientengespräch dient dazu, erste wichtige Anhaltspunkte für einen möglichen Muskelzerfall zu erhalten. Besteht der Verdacht auf eine Rhabdomyolyse, wird dieser mithilfe von Labortests bestätigt.

Dabei gehen Ärztinnen und Ärzte in der Regel von einer gesicherten Diagnose aus, wenn die Menge des Eiweißes Kreatinkinase im Vergleich zum Normalwert im Blut sehr stark erhöht ist. Kreatinkinase gelangt aus den zerfallenden Muskelzellen in den Blutkreislauf und ist ein Kennzeichen für die Schwere der Erkrankung.

Darüber hinaus lässt sich mit einem Urin-Teststreifen rasch feststellen, ob das Muskeleiweiß Myoglobin mit dem Harn ausgeschieden wird und eine sogenannte Myoglobinurie vorliegt.

Auch ein Elektrokardiogramm (EKG) zählt zur Standard-Diagnostik einer Rhabdomyolyse, da der Muskelzerfall nicht selten zu Herzrhythmusstörungen führt.

Wie wird eine Rhabdomyolyse behandelt?

Grundsätzlich versuchen Ärztinnen und Ärzte zunächst, die Ursache der Rhabdomyolyse zu beseitigen. So werden in der Regel Medikamente abgesetzt, die einen Muskelzerfall auslösen können. Geht der Zerfall auf sportliche Überanstrengung zurück, kann es bei sehr milden Beschwerden bereits ausreichend sein, sich einige Tage körperlich zu schonen und reichlich zu trinken. Dies muss jedoch die Ärztin oder der Arzt beurteilen.

Besteht ein Risiko für Komplikationen, ist ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig. Dort wird Flüssigkeit über einen dünnen Kunststoffschlauch in einer größeren Vene (Venenkatheter) zugeführt, um die Ausscheidung schädlicher Substanzen zu fördern und ein Nierenversagen zu vermeiden.

Bei einem schweren Verlauf können auch eine vorübergehende Nierenersatztherapie (Dialyse) und eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich sein – vor allem dann, wenn sich der Kaliumhaushalt nicht mehr regulieren lässt, was lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen zur Folge haben kann.

Liegt der Verdacht nahe, dass ein Kompartmentsyndrom die Ursache für den Muskelzerfall ist, werden Chirurginnen und Chirurgen für die Therapie hinzugezogen.

Wichtig zu wissen: Trotz der möglichen Komplikationen ist die Behandlung einer Rhabdomyolyse bei den meisten Menschen erfolgreich. Rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einem ausgeprägtem Muskelzerfall und Nierenversagen erholen sich wieder.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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