Gesund leben Sehen im Alter: Regelmäßige Augenarztbesuche sind wichtig
Schlechteres Sehen im Alter entsteht häufig im Rahmen des Alterungsprozesses. Doch neben der normalen Alterssichtigkeit steigt mit den Jahren auch das Risiko für weitere Augenerkrankungen. Frühzeitig erkannt, lassen sie sich behandeln und unter Umständen heilen. Verschiedene Sehhilfen können den Alltag bei Sehproblemen erleichtern.
Auf einen Blick
- Wenn das Sehen im Alter in der Nähe schlechter wird, handelt es sich oft um Alterssichtigkeit. Aber auch Augenkrankheiten nehmen zu.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt können helfen, Augenkrankheiten frühzeitig zu erkennen, rechtzeitig zu behandeln und damit mögliche Sehbehinderungen und Erblindung zu vermeiden.
- Umgestaltungen im Wohnumfeld und eine breite Palette an Hilfsmitteln helfen älteren, sehbehinderten Menschen, ein möglichst selbstständiges Leben zu führen.
- Ein großes Netzwerk aus Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen bietet Rat und Unterstützung.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Wie verändert sich das Sehen im Alter?
Dass sich das Sehen in der Nähe mit zunehmendem Alter verschlechtert und eine Lesebrille nötig wird, ist ein normaler Prozess. Sollte die Sehschärfe des Auges auch mit der richtig eingestellten Brille nachlassen, kann eine Augenerkrankung, wie ein beginnender Grauer Star der Grund sein. Beim grauen Star kann sich neben der Sehverschlechterung die Farbwahrnehmung verändern, man kann sich leichter geblendet fühlen und Kontraste schlechter wahrnehmen.
Auch das Risiko für andere Augenkrankheiten nimmt im Alter zu. Diese können zu ernsthaften Sehproblemen bis hin zu Sehbehinderungen und Blindheit führen.
Bei einigen Augenerkrankungen treten die Beschwerden erst nach längerer Zeit auf. Zu diesem Zeitpunkt können bereits bleibende Schäden am Auge entstanden sein. Der Berufsverband für Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands e.V. empfiehlt daher Menschen ab einem bestimmten Alter, regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen der Augen wahrzunehmen.
Diese Untersuchungen können dazu beitragen, Augenerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Besonders bei manchen Erkrankungen wie Diabetes oder der Einnahme bestimmter Medikamente wie Kortison ist eine regelmäßige augenärztliche Kontrolluntersuchung sinnvoll. Das gilt auch, wenn in der eigenen Familie bereits Augenerkrankungen wie beispielsweise die altersbedingte Makuladegeneration oder ein grüner Star (Glaukom) aufgetreten sind.
Bestehen Beschwerden oder ein begründeter Verdacht auf eine Augenerkrankung, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel die Kosten der Untersuchung. Vorsorge-Untersuchungen ohne einen solchen Anlass werden für Erwachsene in der Regel als individuelle Gesundheitsleistungen angeboten und müssen selbst bezahlt werden.
Trotz zunehmender Einschränkungen beim Sehen ist ein weitgehend selbstbestimmtes Leben für ältere Menschen möglich. Individuell angepasste Sehhilfen, ärztliche Behandlung des Auges, Hilfsmittel für den Alltag – beispielsweise Haushaltsgeräte mit Sprachausgabe und Vorlesegeräte – und Umgestaltungen im Wohnumfeld tragen dazu bei. Ein großes Netzwerk aus Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen bietet Rat und Unterstützung.
Warum sind regelmäßige Besuche beim Augenarzt im Alter wichtig?
Wenn das Sehen in der Nähe im Alter schlechter wird, handelt es sich in den meisten Fällen um Alterssichtigkeit. Diese normale Fehlsichtigkeit betrifft die meisten Menschen spätestens ab dem 50. Lebensjahr. Alterssichtigkeit entsteht, weil sich die Augenlinse verändert. In jungen Jahren ist sie elastischer, kann ihre Form besser verändern und sich so auf unterschiedliche Entfernungen einstellen. Mit zunehmendem Alter wird diese Anpassungsfähigkeit jedoch geringer, sodass nahe Objekte nicht mehr scharf wahrgenommen werden können.
Eine Alterssichtigkeit kann durch Brillen ausgeglichen werden. Da die Anpassungsfähigkeit der Linse für das Sehen in der Nähe stetig nachlässt, ist es wichtig, die Sehhilfen regelmäßig anpassen zu lassen.
Andere, meist altersbedingte Veränderungen, wie beispielsweise der Graue Star (Katarakt) oder Fehlstellung der Lider können durch operative Eingriffe gut behandelt werden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können dazu beitragen, weitere Erkrankungen am Auge auszuschließen. Unbehandelt können diese zu Sehbehinderungen und Blindheit führen.
In Deutschland sind dafür überwiegend drei Krankheiten verantwortlich:
- die altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
- der Grüne Star (Glaukom)
- Schädigungen der Netzhaut durch Diabetes mellitus (diabetische Retinopathie)
Werden diese Erkrankungen frühzeitig erkannt, lässt sich ihr Fortschreiten weitgehend vermeiden und eine zunehmende Sehbehinderung oder Erblindung kann unter Umständen verhindert werden.
Viele Augenerkrankungen beginnen schleichend. Oft kann das andere, gesunde Auge die nachlassende Sehleistung des kranken Auges ausgleichen. Daher ist es sinnvoll, im Alltag einige Tests zu kennen, die man selbst durchführen kann.
Der „Ein-Augen-Check“
Ein einfacher Test für die allgemeine Sehschärfe ist der „Ein-Augen-Check“. Im Alltag schaut man normalerweise mit beiden Augen. Testen Sie das Sehvermögen beiden Augen, indem Sie einmal pro Woche beispielsweise beim Lesen oder Fernsehen kurz abwechselnd ein Auge zuhalten.
Der Amsler-Gitter-Test
Mit dem Amsler-Gitter-Test können frühe Anzeichen für eine Erkrankung der zentralen Netzhaut (Makula) erkannt werden. Amsler-Gitter gibt es als Vorlage im Internet, die man ausdrucken kann. Sie können aber auch ein kariertes Blatt Papier mit einem dicken, schwarzen Punkt in der Mitte verwenden.
Der Amsler-Gitter-Test
So geht’s:
- Setzen Sie, falls vorhanden, Ihre Lesebrille auf.
- Halten Sie das Amsler-Gitter in normalem Leseabstand vor sich.
- Decken Sie ein Auge mit der Hand ab.
- Schauen Sie mit dem offenen Auge ruhig auf den Punkt in der Mitte.
Worauf Sie achten sollten:
- Sehen alle Gitterlinien gerade aus?
- Sind alle Quadrate gleich groß?
- Fehlen Ecken oder Bereiche des Gitters?
Warnsignale:
Wenn die Linien verzerrt oder verbogen aussehen oder Sie fehlende Bereiche innerhalb des Gitters wahrnehmen, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung der zentralen Netzhaut (Makula) sein. In einem solchen Fall sollten Sie dringend eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen.
Warum werden Sehprobleme im Alter zum Risiko?
Sehprobleme und Sehbehinderungen können die Lebensqualität älterer Menschen erheblich einschränken: Gutes Sehen ist nicht nur wichtig, um ein selbstständiges Leben zu führen, in Bewegung zu bleiben oder Informationen und Eindrücke aufzunehmen, sondern auch, um zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen.
Folgen des Sehverlusts können Vereinsamung und Depressionen sein. Außerdem ist schlechtes Sehen oft mitverantwortlich, dass ältere Menschen häufiger stürzen und Medikamente falsch einnehmen. Es ist daher wichtig sich beraten zu lassen und gut angepasste Sehhilfen in Anspruch zu nehmen. Augenärztinnen und Augenärzte, Optikerinnen und Optiker sowie Beratungsstellen sind hier die richtigen Ansprechpartner.
Video Wie beugen Senioren Stürzen vor?
Im folgenden Video erfahren Sie, was Seniorinnen und Senioren tun können, um Stürze im Alltag zu vermeiden.
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Was sind geeignete Hilfen bei Sehproblemen?
Zusätzlich zu einer augenärztlichen Behandlung können Anpassungen im Wohnumfeld und optische und elektronische Hilfsmittel den Alltag erleichtern und zu einem selbstbestimmten Leben im Alter beitragen – auch wenn das Sehvermögen stark eingeschränkt ist.
Mit bestimmten Maßnahmen lässt sich das eigene Wohnumfeld gut an das Sehvermögen älterer Menschen anpassen. Wichtig ist beispielsweise eine gute Beleuchtung, die viel indirektes Licht abgibt und nicht blendet. Klare Farben und kräftige Kontraste tragen zu einer höheren Sicherheit und zum Schutz vor Unfällen bei. Schwellen sollten gut gekennzeichnet oder beseitigt werden, da sie sonst leicht zu Stolperfallen werden können.
Weiterführende Informationen für eine barrierefreie Wohnung finden Sie in unserem Artikel Barrierefrei wohnen: Hinweise zu Umbau und Hilfsmitteln.
Wenn individuell angepasste Brillen oder Sehhilfen wie Lupen und Lupenbrillen nicht mehr ausreichen, helfen weitere, praktische Hilfsmittel für den Alltag:
- eine geeignete Display-Einstellung für Sehbehinderung auf dem Smartphone
- Telefone mit großen Tasten und Sprachausgabe
- sprechende Uhren und Waagen und eine Vielzahl anderer Hilfen für Haushalt, Hobby und den Medizin- und Gesundheitsbereich
- Bildschirmlesegeräte
- Elektronische Brillen
Wer berät bei Sehproblemen im Alter?
Wenn die Augen nachlassen, stellt das besonders ältere Menschen vor eine große Herausforderung. Oft kommen noch weitere gesundheitliche Probleme hinzu und erschweren ein selbstständiges Leben. Neben der augenärztlichen Behandlung sind deshalb Beratung und Unterstützung wichtig, um sich besser an die neuen Lebensbedingungen anpassen zu können.
Deutschlandweit bieten Beratungsstellen und Selbsthilfeorganisationen Rat und Orientierung zu finanziellen Hilfen, Sachleistungen und Hilfsmitteln. Sie geben praktische Tipps für das tägliche Leben, der Gestaltung des Wohnumfelds, Mobilität und Freizeit und vermitteln bei Bedarf psychosoziale Unterstützung. Auch Angehörige und Freunde können sich beraten lassen. In Selbsthilfegruppen tauschen sich Betroffene aus und geben ihre Erfahrungen weiter, wie man mit der neuen Lebenssituation umgehen kann.
Eine Übersicht mit Beratungsstellen und Gruppenangeboten in Deutschland finden Sie auf der Website blickpunkt-auge.de, einem Angebot des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V.
Was sind Anzeichen für Sehverlust?
Es gibt verschiedene Anzeichen dafür, dass ältere Menschen schlechter sehen. Bei sehr alten Menschen, so zeigen Erfahrungen, kann es hin und wieder zu irritierenden und wechselnden Verhaltensweisen kommen, da sich Augenkrankheiten beispielsweise durch die bestehenden Lichtverhältnisse unterschiedlich auswirken. Zusätzlich können Kreislaufschwankungen und die Tagesform der betroffenen Person eine Rolle spielen.
Fortbewegung
Betroffene bewegen sich eventuell zögerlich und stolpern häufiger. Sie schrecken zusammen, wenn sie unvermittelt angesprochen werden. Unter Umständen meiden sie Spaziergänge bei Sonnenschein oder in der Dämmerung.
Orientierungsprobleme
Betroffene Personen bewegen sich beispielsweise auch in bekannter Umgebung unsicher, irren sich bei Uhrzeit oder Datum und greifen öfter daneben. Sie können Unsicherheit beim Wechsel von Hell nach Dunkel zeigen und umgekehrt. Unter Umständen können sie Gesichter nicht sicher erkennen und es fällt ihnen daher schwerer, Personen richtig zuzuordnen.
Ungewohntes Aussehen
Betroffene tragen unter Umständen fleckige oder nicht zusammenpassende Kleidung, wirken unordentlich oder ungekämmt. Der Wohnraum ist eventuell nicht mehr so sauber wie vorher üblich.
Auffällige Augen- oder Kopfbewegung
Betroffene Personen halten sich oft Gegenstände und Texte dicht vor die Augen. Eventuell können sie sich nicht richtig auf einen Gegenstand oder ein Gegenüber fokussieren und blicken daran vorbei. Sie kneifen ein oder beide Augen zusammen. Die Augen können tränen oder schmerzen, gerötet oder verklebt sein.
Veränderung des Verhaltens
Von einer Sehbehinderung betroffene Personen lassen beispielsweise Dinge öfter fallen oder stoßen sie um und sind auch öfter auf der Suche nach etwas. Sie können Desinteresse an gewohnten Tätigkeiten zeigen und ziehen sich allgemein eher zurück. Unter Umständen reagieren sie selbst gegenüber vertrauten Personen und Situationen gar nicht, verändert oder misstrauisch.
Wichtig zu wissen: Einige dieser Verhaltensweisen können auch Anzeichen für eine Demenz sein. Neben der augenärztlichen Untersuchung sollte auch die Hausärztin oder der Hausarzt mit einbezogen werden.
Sehende Menschen sind meistens hilfsbereit, aber unsicher, ob diese Hilfe immer willkommen ist. Auf der anderen Seite vergessen sie, dass Blinde und Sehbehinderte ihnen nicht immer folgen können, wenn sie in gewohnter Weise reden und gestikulieren.
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. bietet vielerlei praktische Tipps zum Umgang mit sehbehinderten und blinden Seniorinnen und Senioren.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Gesund & aktiv älter werden. Sehvermögen erhalten und nutzen. Aufgerufen am 07.01.2026.
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. Sehen im Alter. Aufgerufen am 07.01.2026.
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. BAGSO –Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Sehen im Alter. Lebensqualität erhalten. Ratgeber. 3. vollständig aktualisierte Auflage 2024.
- Robert Koch-Institut (RKI). Blindheit und Sehbehinderung. GBE-Themenheft. doi: 10.17886/RKI-GBE-2017-002 2017.
- Woche des Sehens. Eine Website des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV). Augenkrankheiten – Zahlen für Deutschland. Aufgerufen am 07.01.2026.
Geprüft durch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V.
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