Beschwerde über ärztliche Behandlung: Diese Möglichkeiten gibt es

Patientinnen und Patienten, die sich schlecht oder falsch behandelt fühlen oder davon ausgehen, dass ihr Arzt oder ihre Ärztin gegen Regeln verstoßen hat, können sich beschweren. Welche Möglichkeiten gibt es hier genau? Was ist dabei zu beachten?

Auf einen Blick

  • Patientinnen und Patienten haben verschiedene Möglichkeiten, sich über eine Ärztin oder einen Arzt zu beschweren.
  • Es gibt verschiedene Anlaufstellen, an die man sich vor Einlegung einer Beschwerde wenden kann.
  • Wo die Beschwerde eingelegt werden sollte, hängt vom Anlass und dem Ziel der Beschwerde ab.
  • In Krankenhäusern gibt es ein spezielles Beschwerdemanagement.
  • Beschwerden bei der Ärztekammer müssen schriftlich erfolgen.
  • Wer Beschwerde einlegt, erfährt nicht unbedingt, was dabei herauskommt.
Beschwerde über ärztliche Behandlung: Ein Mann und eine Frau stehen dicht beinander, eine Ärztin steht ihnen gegenüber. In einer Hand hält der Mann ein Medikament. Er schaut die Ärztin fragend an.

Wenn das Patienten-Arzt-Verhältnis gestört ist

Wie bei allen zwischenmenschlichen Beziehungen kann es auch im Verhältnis von Ärztin oder Arzt und Patientin oder Patient zu Problemen kommen. Sollten Sie sich als Patientin oder Patient schlecht oder falsch behandelt fühlen oder davon ausgehen, dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gegen Regeln verstoßen hat, können Sie sich auf verschiedenen Wegen beschweren. Zunächst kann es aber oft sinnvoll sein, das persönliche Gespräch mit der jeweiligen Ärztin oder dem Arzt zu suchen – etwa, um eventuelle Missverständnisse zu klären.

Lässt sich der Konflikt aber nicht im Gespräch lösen, hängen Ihre weiteren Möglichkeiten unter anderem davon ab, was der Anlass Ihrer Beschwerde ist.

Gründe für eine Beschwerde können sein:

  • mangelnde Aufklärung durch die Ärztin oder den Arzt
  • mögliche Behandlungsfehler
  • unzureichende medizinische Versorgung
  • Verletzung von Vertragsarztpflichten zum Beispiel Verweigerung der Behandlung
  • Verweigerung von Patientenrechten
  • Datenmissbrauch in einer Praxis oder Klinik
  • Verstöße gegen Hygienebestimmungen
  • unangemessene Wartezeiten

Wichtig zu wissen: Wenn Sie sich beschweren, kann es dazu kommen, dass die betroffene Ärztin oder der betroffene Arzt das zur Behandlung erforderliche Vertrauensverhältnis als nicht mehr gegeben sieht. Die Ärztin oder der Arzt wird den Behandlungsvertrag mit Ihnen dann möglicherweise kündigen. Sie müssen dann für die weitere Behandlung eine andere Ärztin oder einen anderen Arzt aufsuchen.

Wo kann ich mich zunächst beraten lassen?

Bevor Sie eine offizielle Beschwerde einreichen, kann es sinnvoll sein, sich über die Möglichkeiten fachkundig beraten zu lassen. Als Patientin oder Patient können Sie sich unter anderem an folgende Stellen wenden:

  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)
  • Kassenärztliche Vereinigungen
  • Selbsthilfeorganisationen
  • Verbraucherzentralen
  • Patientenbeauftragte des Bundes oder Ihres Bundeslandes
  • Aufsichtsbehörden der Länder für den Datenschutz

Insbesondere, wenn Sie sich wegen eines möglichen Behandlungsfehlers beschweren und Schadensersatzansprüche geltend machen möchten, können Sie sich auch an Ihre gesetzliche Krankenkasse wenden. Gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten haben einen Anspruch auf Unterstützung durch die Krankenkassen.

Welche Beratungsstelle ist für welche Fälle zuständig?

Beschwerde über ärztliche Behandlung: Eine Ärztin und eine Frau stehen sich gegenüber. Die Frau, womöglich eine Patientin oder Angehörige, hält gestikulierend beide Hände vor die eigene Brust und redet. Die Ärztin schaut sie an.

Je nachdem, worüber Sie sich beschweren möchten, sind unterschiedliche Stellen die richtigen Ansprechpartner:

Ärztekammer

An die Ärztekammer wenden Sie sich, wenn Sie davon ausgehen, dass Ihre niedergelassene Ärztin oder Ihr niedergelassener Arzt gegen die Berufsordnung oder die ärztliche Ethik verstoßen haben könnte. Gleiches gilt bei vermuteten Behandlungsfehlern. Zuständig ist dabei jeweils die Ärztekammer des Bundeslandes, in dem sich die Praxis der Ärztin oder des Arztes befindet. Die Ärztekammern beaufsichtigen die Ärztinnen und Ärzte und müssen Sorge tragen, dass diese ihre Berufspflichten einhalten.

Krankenkasse

Ihre Krankenkasse kann zuständig sein, wenn es bei der Beschwerde um Verordnungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, um Überweisungen oder Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen geht. Die Beschwerde sollte schriftlich eingereicht werden. Auch Beschwerden über Mängel bei der Versorgung in einem Krankenhaus, beispielsweise bei Hygienemängeln, können an die gesetzlichen Krankenkassen gerichtet werden. Diese haben bei nachvollziehbaren Hinweisen auf Verstöße gegen Qualitätsvorgaben die Möglichkeit, Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst zu veranlassen.

Kassenärztliche Vereinigungen

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind die richtige Anlaufstelle, wenn es darum geht, zu prüfen, inwiefern Vertragsärzte (früher als Kassenärzte bezeichnet) ihre vertragsärztlichen Pflichten nicht einhalten. Gleiches gilt, wenn Vertragspsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten ihre vertragspsychotherapeutischen Pflichten nicht einhalten. Wenn Sie als gesetzlich Versicherter also zum Beispiel davon ausgehen, dass eine Vertragsärztin oder ein Vertragsarzt Ihre Behandlung ohne hinreichenden Grund ablehnt oder Ihnen einen notwendigen Hausbesuch verweigert, können Sie sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung beschweren. Zuständig ist dabei jeweils die Kassenärztliche Vereinigung des Bundeslandes, in dem sich die Arztpraxis befindet.

Psychotherapeutenkammer

Die Psychotherapeutenkammer ist in der Regel zuständig, wenn sich die Beschwerde gegen eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten richtet. Für ärztliche Psychotherapeuten ist allerdings die Ärztekammer zuständig.

Zahnärztekammer oder Kassenzahnärztliche Vereinigung

Geht es bei Ihrer Beschwerde um eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt, gibt es je nach Fall verschiedene Anlaufstellen. Bei Beschwerden über mangelhaften Zahnersatz können Sie sich an Ihre Krankenkasse wenden. Vermuten Sie einen Behandlungsfehler, sind die Krankenkassen oder die Schlichtungsstellen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes mögliche Anlaufstellen. Zur Beratung können Sie sich auch an die Patientenberatungsstellen der (Landes-)Zahnärztekammern und der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen wenden.

Aufsichtsbehörden der Länder für den Datenschutz

Die Aufsichtsbehörden der Länder für den Datenschutz sind die richtige Anlaufstelle für Beschwerden bezüglich unzulässiger Datenverarbeitung und Datenmissbrauchs.

Wie kann ich mich in Krankenhäusern beschweren?

Krankenhäuser müssen seit 2013 für ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement sorgen.

Krankenhäuser müssen seit 2013 für ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement sorgen. Dazu gehört unter anderem, dass die Klinik Beschwerdemöglichkeiten gestaltet und die Patientinnen und Patienten vor Ort über diese Möglichkeiten informiert. Zudem müssen Beschwerden zügig und transparent bearbeitet werden.

In einigen Bundesländern, etwa in Rheinland-Pfalz, Hessen und Berlin, sind sogenannte Patientenfürsprecherinnen bzw. Patientenfürsprecher im Krankenhaus gesetzlich vorgeschrieben. Sie werden auch Ombudsfrauen oder Ombudsmänner genannt. Aber auch in anderen Bundesländern gibt es solche unabhängigen Patientenfürsprecher, die Beschwerden von Patienten gegenüber dem Krankenhaus vertreten. Sie vermitteln als unabhängige und meist ehrenamtlich tätige Kontaktpersonen die Anliegen von Patientinnen und Patienten gegenüber den zuständigen Stellen des Krankenhauses.

Krankenhäuser stehen unter staatlicher Aufsicht, soweit das jeweilige Landesrecht dies vorsieht. Sie können sich daher gegebenenfalls auch bei der zuständigen Aufsichtsbehörde beschweren. Diese ist normalerweise im Gesundheitsministerium des jeweiligen Bundeslandes angesiedelt. Allerdings eignet sich dieser Weg weniger für Beschwerden im Einzelfall als für Hinweise auf erhebliche grundsätzliche Mängel in einem Krankenhaus.

Da im Krankenhaus angestellte Ärzte oder Ärztinnen auch Mitglied in der Ärztekammer sein müssen, können Sie sich mit Ihrer Beschwerde auch an die zuständige Ärztekammer wenden.

Beispiel für einen Beschwerdeweg: Wie beschwere ich mich bei der Ärztekammer?

Ihre Beschwerde bei einer Ärztekammer müssen Sie schriftlich einreichen. Achten Sie darauf, dass sie folgende Angaben enthält:

  • Ihren vollständigen Namen
  • Ihre Adresse
  • Die zusätzliche Angabe von Telefonnummer und E-Mail-Adresse erleichtert mögliche Rückfragen.
  • den vollständigen Namen und die Adresse der Ärztin oder des Arztes, über den Sie sich beschweren möchten
  • eine möglichst genaue Beschreibung des Sachverhalts, weswegen Sie sich beschweren
  • auch Angaben zur Zeit, zum Ort und zu möglicherweise sonstigen beteiligten Personen
  • eventuell Kopien von Unterlagen, die für die Beschwerde von Bedeutung sind

Die Ärztekammer kann Sie zudem dazu auffordern, eine unterschriebene Schweigepflichtentbindungserklärung einzureichen. Diese ist beispielsweise erforderlich, wenn Befunde angefordert werden müssen. Die Ärztin oder der Arzt, gegen die oder den sich Ihre Beschwerde richtet, muss dabei nicht von der Schweigepflicht entbunden werden.

Nachdem Ihre Beschwerde eingegangen ist, prüft die Ärztekammer, ob sie begründet ist und die Ärztin oder der Arzt gegen ärztliche Berufspflichten vorstoßen hat. Sieht die Ärztekammer dies als gegeben, kann sie berufsrechtliche Maßnahmen ergreifen und den Arzt oder die Ärztin rügen. Bei besonders schweren Verstößen kann sie auch ein berufsgerichtliches Verfahren einleiten.

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