Gesund leben Kinder und Jugendliche im digitalen Alltag begleiten
Digitale Medien sind Bestandteil des Alltags der meisten Kinder und Jugendlichen. Klare Regeln, vertrauensvolle Begleitung durch Bezugspersonen und eine gute Balance mit analogen Aktivitäten sind entscheidend für einen gesunden Umgang.
Auf einen Blick
- Digitale Medien bieten Möglichkeiten für Lernen, Kreativität und soziale Kontakte.
- Gleichzeitig bestehen Risiken, wie körperliche und psychische Auswirkungen, Cybermobbing oder Kontakt mit ungeeigneten Inhalten.
- Zu einem gesunden Umgang mit digitalen Medien gehört mehr als eine reine Zeitbegrenzung. Es braucht Medienkompetenz, klare Regeln, verlässliche Begleitung und eine gute Balance mit analogen Aktivitäten.
- Regeln sollten sich am Alter und an den Lebensumständen der Kinder orientieren und stetig angepasst werden.
- Technische Hilfen wie Jugendschutzfilter können zusätzliche Sicherheit bieten.
- Eltern und andere Bezugspersonen haben eine wichtige Vorbildfunktion.
Welche Rolle spielen digitale Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen?
Im Alltag der meisten Kinder und Jugendlichen spielen digitale Medien eine wichtige Rolle. Bereits im Kleinkindalter beobachten viele Kinder, wie Eltern oder ältere Geschwister mit Smartphone, Tablet oder Fernseher umgehen und entwickeln eigenes Interesse daran. Spätestens mit dem Schulstart wird die digitale Mediennutzung für die meisten Kinder Teil des täglichen Lebens.
In Deutschland verfügen fast alle Familien über einen Internetzugang und eine Vielzahl digitaler Geräte. Bereits in der Altersgruppe der 6- bis 13-Jährigen hat etwa jedes zweite Kind ein eigenes Smartphone. Ab dem 12. Lebensjahr ist das bei fast allen Kindern der Fall. Jugendliche verbringen in ihrer Freizeit im Durchschnitt rund vier Stunden pro Tag im Internet.
Digitale Medien eröffnen jungen Menschen neue Möglichkeiten. Kinder und Jugendliche können zum Beispiel damit lernen, kreativ werden, sich über Entfernungen hinweg austauschen oder sich über aktuelle Themen informieren. Auch der Schulalltag wird zunehmend durch digitale Lerninhalte ergänzt.
Gleichzeitig bringt die Mediennutzung einige Risiken und Gefahren mit sich. Manche Kinder und Jugendliche verbringen sehr viel Zeit vor dem Bildschirm. Sie sehen Inhalte, die sie verunsichern, oder geraten unter Druck durch das, was andere in sozialen Netzwerken tun. Auch Entwicklungsprobleme, Bewegungsmangel, Schlafstörungen, süchtiges Verhalten oder psychische Beschwerden können Folgen übermäßiger Nutzung sein.
Um einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu erlernen, benötigen Kinder und Jugendliche Begleitung. Sie müssen zwischen hilfreichen und problematischen Inhalten unterscheiden können und wissen, wie man digitale Angebote sicher und selbstbestimmt nutzt. Das bezeichnet man auch als Medienkompetenz.
Was ist Medienkompetenz?
Medienkompetenz bedeutet, bewusst, kritisch und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen zu können. Medien sollen nicht nur der Unterhaltung dienen. Sie sollen auch verstanden, hinterfragt und kreativ genutzt werden.
Zur Medienkompetenz gehören unter anderem folgende Aspekte:
- Auswählen: Passende Inhalte erkennen und bewusst entscheiden, was genutzt wird.
- Verstehen: Inhalte einordnen sowie Gefühle wahrnehmen, die durch Inhalte ausgelöst werden und darüber sprechen.
- Hinterfragen: Werbung, Vorbilder oder Botschaften nicht einfach übernehmen, sondern prüfen, von wem sie stammen und welche Absichten dahinterstehen.
- Gestalten: Medien nicht nur konsumieren, sondern kreativ und selbstbestimmt nutzen. Man kann zum Beispiel eigene Fotos, Videos oder Texte erstellen, Webseiten gestalten oder einfache Programme entwickeln.
- Sozial handeln: Rücksichtsvoll im Chat oder in Online-Spielen auftreten und andere respektieren.
- Balance halten: Medienzeiten begrenzen, Pausen einlegen und genug Raum für Bewegung, Freunde, Familie und andere Hobbys lassen.
Eltern, Lehrkräfte und andere Bezugspersonen sollten den Umgang mit digitalen Medien begleiten und Schritt für Schritt gemeinsam üben. Erwachsene haben außerdem eine wichtige Vorbildfunktion. Wer selbst bewusst mit Medien umgeht, zeigt Kindern und Jugendlichen, wie eine gesunde digitale Balance aussehen kann.
SCHAU HIN! bietet eine kostenlose Online-Weiterbildung für Eltern an, um den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag zu unterstützen. Die Webseite ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von ARD, ZDF und der AOK.
Welche Möglichkeiten bieten digitale Medien Kindern und Jugendlichen?
Der sichere Umgang mit digitalen Medien ist heute eine wichtige Fähigkeit für Ausbildung und Beruf. Für viele Kinder und Jugendliche sind digitale Medien daher kein bloßer Zeitvertreib, sondern Teil ihrer Bildung, sozialen Teilhabe und Zukunft.
Digitale Medien eröffnen Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten, die analoge Angebote allein oft nicht bieten können. Über das Internet pflegen junge Menschen Freundschaften und den Kontakt zu Familienangehörigen, lernen gemeinsam und teilen ihre Interessen. Das ist besonders wichtig, wenn weite Entfernungen, eingeschränkte Mobilität oder familiäre Situationen direkte Kontakte erschweren.
Digitale Medien können außerdem den Familienalltag erleichtern. Über Mobiltelefone lassen sich Termine kurzfristig abstimmen und im Notfall schnell Hilfe organisieren. Für Eltern kann das Sicherheit schaffen und Kindern zu mehr Selbstständigkeit verhelfen.
Darüber hinaus laden digitale Medien zum kreativen Ausprobieren ein. Kinder und Jugendliche können zum Beispiel eigene Videos drehen, Fotos bearbeiten oder Musik produzieren. Außerdem haben auch Kinder und Jugendliche in ländlichen Regionen oder mit eingeschränktem Zugang zu Bildungsangeboten mehr Möglichkeiten, Informationen zu finden.
Wichtig zu wissen: Digitale Medien können Kindern und Jugendlichen neue Wege eröffnen, zu lernen, kreativ zu werden und sich zu vernetzen. Kinder benötigen für ihre Entwicklung jedoch in erster Linie reale Erfahrungen, wie gemeinsames Spielen, Bewegung und persönliche Begegnungen. Digitale Angebote können diese Erlebnisse ergänzen, aber nicht ersetzen.
Im Freundeskreis und unter Gleichaltrigen spielen Messenger, Chats oder soziale Netzwerke eine zentrale Rolle. Viele Absprachen, Erlebnisse und Gespräche finden dort statt. Wer hier nicht präsent ist, läuft Gefahr, wichtige Informationen zu verpassen oder außen vor zu bleiben. Das kann sozialen Druck erzeugen und das Gefühl verstärken, mithalten zu müssen. Für Jugendliche, die sich einsam fühlen oder zu benachteiligten Gruppen gehören, können Online-Communities jedoch besonders wichtig sein. Sie bieten Unterstützung, Austausch und das Gefühl, dazuzugehören.
Auch Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile Teil des Alltags vieler Jugendlicher. Sie nutzen Anwendungen wie Chatbots oder Bildgeneratoren für die Schule, zur Informationssuche oder einfach aus Spaß. Damit eröffnet KI neue Möglichkeiten für Lernen und Kreativität, birgt aber auch Risiken, zum Beispiel durch fehlerhafte oder verzerrte Inhalte. Langfristige Auswirkungen sind bislang nicht ausreichend erforscht. Wichtig ist daher, dass Jugendliche im Umgang mit KI begleitet und geschult werden – durch Eltern ebenso wie durch die Schule.
Weitere Informationen zu KI und Tipps für Jugendliche zum Umgang mit dieser Technik bietet die Webseite ins-netz-gehen.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).
Kann digitale Mediennutzung Kindern und Jugendlichen schaden?
Digitale Medien können die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen. Das gilt insbesondere dann, wenn junge Menschen zu viel Zeit am Bildschirm verbringen oder mit ungeeigneten Inhalten in Kontakt kommen.
Mögliche Risiken sind zum Beispiel:
- körperliche Auswirkungen: Bewegungsmangel, Übergewicht, Schlafstörungen oder Belastung der Augen durch häufiges Nahsehen
- Entwicklungsstörungen: Verzögerungen in Sprache, geistigen Fähigkeiten, Motorik und Sozialverhalten
- psychische Auswirkungen: Abhängigkeit, geringes Selbstwertgefühl durch sozialen Vergleich oder belastende Gefühle wie erhöhter Stress, Ängste und Niedergeschlagenheit
- Gefahren im Internet: Kontakt mit ungeeigneten oder gefährdenden Inhalten, Cybermobbing, sexuelle Belästigung, Werbung, Fake News, Hate Speech, Kostenfallen und vielem mehr
Wie wirken digitale Medien auf die körperliche Gesundheit?
Viel Bildschirmzeit kann zu weniger Bewegung, ungesünderen Essgewohnheiten und schlechterem Schlaf führen. Mehr als eineinhalb Stunden Fernsehen pro Tag erhöht bei Kindern unter 10 Jahren bereits das Risiko für Übergewicht. Auch Haltungsschäden und eine geringere Fitness sind mögliche Folgen.
Insbesondere Medienkonsum kurz vor dem Schlafengehen steht im Zusammenhang mit Schlafstörungen. Das kann sich wiederum auf die Stimmung und die Konzentration am nächsten Tag auswirken. Dauerhaftes Nahsehen, etwa auf das Smartphone, belastet die Augen. Dadurch steigt das Risiko für Kurzsichtigkeit. Wenn sich diese entwickelt, geschieht das meist zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr.
Wie gefährlich ist die elektromagnetische Strahlung?
Kinder wachsen heutzutage in einer Umgebung auf, in der Handys und WLAN fast überall verfügbar sind. Welche Folgen die dauerhafte Belastung durch elektromagnetische Strahlung langfristig hat, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Vor allem bei Kindern können gesundheitliche Risiken jedoch nicht ausgeschlossen werden. Es ist deshalb sinnvoll, vorsichtig zu sein und auf einen bewussten Umgang mit Handys, Tablets, WLAN oder auch Baby-Überwachungsgeräten (Babyfon) zu achten.
Wie wirken sich digitale Medien auf die Entwicklung und das Verhalten aus?
Zu viel Medienzeit kann eine gesunde Entwicklung stören, besonders bei Kleinkindern. Diese lernen vor allem durch reale Erfahrungen mit allen Sinnen. Bildschirmmedien können das nicht ersetzen. Fernsehkonsum in der Kindheit kann laut mehreren Studien mit Entwicklungsverzögerungen in verschiedenen Bereichen, wie der Sprache, Motorik und dem Sozialverhalten einhergehen. Zudem stehen Gewaltinhalte im Zusammenhang mit aggressivem Verhalten bei Kindern.
Auch der Medienkonsum der Eltern spielt eine Rolle. Vor allem kleine Kinder benötigen Nähe, Blickkontakt und gemeinsame Zeit. Sind Eltern oft abgelenkt, kann das die Entwicklung einer sicheren Bindung stören.
Wie beeinflussen digitale Medien die psychische Gesundheit?
Der Zusammenhang zwischen digitalen Medien und psychischer Gesundheit ist besonders bedeutsam, weil sich viele psychische Erkrankungen bereits in der Kindheit und Jugend entwickeln. In dieser Zeit reift das Gehirn noch und junge Menschen stehen vor zahlreichen Entwicklungsaufgaben. Sie bauen Freundschaften auf, entwickeln ihre Identität und lernen, mit ihren Gefühlen und Impulsen umzugehen. Belastungen in dieser sensiblen Phase können die Entwicklung stören und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen.
Digitale Medien können das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen auf verschiedene Weise beeinflussen. Weniger Begegnungen im echten Leben können dazu führen, dass junge Menschen sich einsam fühlen oder soziale Fähigkeiten weniger üben. Wenn wichtige Grundbedürfnisse wie Nähe oder Anerkennung nicht erfüllt werden, steigt das Risiko für Ängste oder depressive Stimmungen. Manche versuchen dann, diese Lücke durch intensive Mediennutzung zu füllen. Das kann die Belastung wiederum noch verstärken. Auch Stress durch ständige Erreichbarkeit oder eine Überflutung mit Informationen können die Psyche belasten.
Welchen Einfluss haben soziale Medien?
Besonders bei sozialen Medien zeigen sich sowohl Möglichkeiten als auch Risiken. Idealisiert dargestellte Bilder, Hasskommentare, unrealistische Schönheitsideale oder Cybermobbing können das Selbstwertgefühl und die Stimmung stark beeinträchtigen. Der ständige Vergleich mit scheinbar „perfekten“ Leben anderer kann belastende Gefühle auslösen. Gleichzeitig bieten soziale Medien aber auch wichtige positive Effekte: Sie können helfen, Kontakte zu pflegen, eine eigene Stimme zu finden und sich mit anderen auszutauschen. Authentische Selbstdarstellung und positive Rückmeldung können das Selbstwertgefühl stärken und soziale Unterstützung erlebbar machen.
Noch ist nicht abschließend geklärt, wie genau soziale Medien die psychische Gesundheit beeinflussen. Viele Studien zeigen zwar Zusammenhänge, können aber keine eindeutigen Ursachen nachweisen. Beispielsweise zeigte sich, dass die Nutzung sozialer Medien von mehr als zwei Stunden pro Tag in engem Zusammenhang mit einer schlechteren psychischen Gesundheit steht. Umgekehrt berichten Jugendliche von einer spürbar besseren Stimmung, wenn sie ihre tägliche Online-Zeit um 20 bis 30 Minuten reduzieren. Das gilt besonders, wenn sie die gewonnene Zeit für Sport oder Achtsamkeit nutzen. Für Kinder unter 13 Jahren fehlen bislang verlässliche Daten.
Ab wann ist die Mediennutzung problematisch?
Ein Warnsignal ist, wenn Kinder oder Jugendliche digitale Medien zunehmend nutzen, um unangenehme Gefühle wie Langeweile, Stress oder Traurigkeit zu verdrängen. Kritisch wird es, wenn sie die Nutzung nicht mehr selbst kontrollieren können, soziale Kontakte vernachlässigen oder ihre Interessen und Hobbys verlieren. Dann kann sich eine Internetnutzungs-Störung entwickeln. Das ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die behandelt werden sollte.
Ausführliche Informationen und Hilfsangebote finden Sie in unserem Artikel über Online-Sucht.
Gut zu wissen: Bei den Früherkennungsuntersuchungen U7a, U8 und U9 fragen Kinderärztinnen und Kinderärzte gezielt nach der Rolle von Medien im Alltag.
Nutzen Sie diese Gelegenheit, wenn Sie sich Sorgen über den Medienkonsum Ihres Kindes machen.
Welche Gefahren gibt es im Internet?
Nicht alle Inhalte im Internet sind kindgerecht. 8 von 100 Kindern zwischen 6 und 13 Jahren berichten, bereits auf Inhalte gestoßen zu sein, die ihnen Angst gemacht oder sie überfordert haben. Besonders häufig handelte es sich dabei um sexualisierte Inhalte. Mit zunehmendem Alter nehmen solche Erfahrungen deutlich zu.
Weitere problematische Inhalte, denen junge Menschen online begegnen können, sind zum Beispiel:
- Hasskommentare
- Falschinformationen (Fake News)
- extreme politische Ansichten
- Verschwörungstheorien
- Verherrlichung von Essstörungen
Zudem besteht die Gefahr, im Netz beleidigt, bedroht oder belästigt zu werden. Bei Mobbing im Internet (Cybermobbing) haben Betroffene kaum Rückzugsräume, da die Angriffe rund um die Uhr stattfinden können. Auch sexuelle Belästigung im Internet stellt ein Risiko dar. Dazu gehört zum Beispiel das sogenannte Cybergrooming. Dabei sprechen Erwachsene online gezielt Kinder oder Jugendliche an, um ihr Vertrauen zu gewinnen und sexuelle Kontakte anzubahnen.
Ausführliche Informationen zu Cybermobbing, Cybergrooming und anderen Online-Gefahren bietet die EU-Initiative klicksafe.
Wie viel Bildschirmzeit ist unbedenklich?
Wie Kinder und Jugendliche digitale Medien wahrnehmen und verarbeiten, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören das Alter, der Entwicklungsstand, die aktuelle Lebenssituation und die bisherigen Erfahrungen mit Medien. Häufig kommt die Frage auf, wie viel Bildschirmzeit in den jeweiligen Altersgruppen angemessen ist. Feste wissenschaftlich gesicherte Grenzen gibt es nicht. Grundsätzlich lässt sich sagen: Weniger Bildschirmzeit ist besser.
Mit der AWMF S2k-Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend formulierten 10 Fachgesellschaften und eine Patientinnen- und Patientenorganisation auf Grundlage der wissenschaftlichen Fachliteratur sowie einer strukturierten Konsensfindung Empfehlungen, die als Orientierung dienen sollen.
Entscheidend ist, das eigene Kind aufmerksam zu begleiten, im Gespräch zu bleiben und Vereinbarungen regelmäßig an Alter und Lebensumstände anzupassen. Sinnvoll sind auch Ausnahmeregelungen, wie ein gemeinsamer Film-Nachmittag an einem verregneten Wochenende.
Jüngere Kinder benötigen grundsätzlich eher klare Regeln und enge Begleitung. Mit zunehmendem Alter sollten Jugendliche schrittweise mehr Selbstständigkeit im Umgang mit digitalen Medien entwickeln können.
0–3 Jahre
In den ersten Lebensjahren sollen Kinder möglichst keine Bildschirmmedien nutzen – auch nicht indirekt, etwa wenn ältere Geschwister oder die Eltern fernsehen oder am Handy spielen. In dieser Zeit entwickelt sich das Gehirn besonders stark. Kinder benötigen vor allem reale Erfahrungen mit allen Sinnen, Bewegung, Interaktion und kreative Spiele.
3–6 Jahre
Wenn Eltern ihre Kinder in diesem Alter an Bildschirmmedien heranführen möchten, dann höchstens für 30 Minuten an einzelnen Tagen und immer in Begleitung. Es wird geraten, gemeinsam über das Gesehene zu sprechen. Wichtig sind außerdem regelmäßige bildschirmfreie Tage, um einer Routine vorzubeugen.
6–9 Jahre
Außerhalb der schulischen Nutzung sollen Kinder in diesem Alter höchstens 30 bis 45 Minuten pro Tag digitale Medien nutzen. Gemeinsame Nutzung, klare Regeln und enge Begleitung werden weiterhin empfohlen.
Gut zu wissen: Ein eigener Internetzugang oder eine eigene Spielkonsole werden bis zu 9 Jahren nicht empfohlen. Kinder mit eigener Konsole verbringen im Schnitt doppelt so viel Zeit mit digitalen Spielen wie Kinder ohne eigene Konsole.
9–12 Jahre
In diesem Alter steigt das Interesse an einem eigenen Smartphone und Internetzugang. Empfohlen werden maximal 45 bis 60 Minuten Freizeitmedien pro Tag. Ein eigenes Smartphone sollte frühestens ab 9, besser erst ab 12 Jahren eingeführt werden – zunächst mit eingeschränktem und beaufsichtigtem Internetzugang. Eltern sollten Inhalte weiterhin prüfen, gemeinsam nutzen und mit den Kindern über ihre Erlebnisse sprechen.
Interessant zu wissen: Besonders jüngere Kinder merken oft nicht, wie schnell die Zeit am Bildschirm vergeht. Hilfreich sind einfache Hilfsmittel wie Sanduhren, Wecker oder automatische Zeitbegrenzungen am Gerät.
12–16 Jahre
Jugendliche sollten Medien in der Freizeit maximal 1–2 Stunden pro Tag nutzen und idealerweise nicht mehr nach 21 Uhr. In diesem Alter sind Gespräche besonders wichtig: Wie wirkt sich die Mediennutzung auf Schule, Freundeskreis, Konzentration oder Stimmung aus? Jugendliche sollten dazu angeregt werden, ihre eigene Nutzung kritisch zu hinterfragen.
16–18 Jahre
Auch ältere Jugendliche brauchen oft noch Unterstützung beim Umgang mit Medien. Als Richtwert gelten durchschnittlich bis zu 2 Stunden Freizeitmedien pro Tag. In diesem Alter ist ein freier Internetzugang in der Regel sinnvoll, dennoch sollten Eltern im Austausch bleiben und Interesse an Inhalten und Gewohnheiten zeigen.
Wie kann man Kinder und Jugendliche im digitalen Alltag gut begleiten?
Kinder benötigen enge Bindungen zu ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen und gemeinsame Erlebnisse, um gesund aufzuwachsen. Routinen wie gemeinsame Mahlzeiten, Spieleabende oder Ausflüge geben Sicherheit und stärken die Beziehung. Durch die zwischenmenschlichen Erfahrungen lernen junge Menschen, Gefühle wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen. Wenn sie stattdessen oft zu Fernseher, Smartphone oder Computer greifen, um Trost zu finden oder Stress abzubauen, fehlen ihnen diese wertvollen Erfahrungen.
Eine vertrauensvolle Beziehung ist die wichtigste Grundlage dafür, dass Kinder und Jugendliche sich auch bei Problemen in der digitalen Welt an ihre Bezugspersonen wenden. Offene Gespräche helfen, ihr Verhalten und ihre Interessen besser zu verstehen und stärken gleichzeitig das Vertrauen. Hilfreiche Fragen können sein:
- Welche Geräte und Apps nutzt du?
- Welche Spiele oder Inhalte gefallen dir besonders?
- Was gefällt dir daran und mit wem bist du dadurch in Kontakt?
- Was lernst du dabei oder was bereitet dir Freude?
Eltern und weitere Bezugspersonen haben zudem eine wichtige Vorbildfunktion. Wer selbst ständig am Bildschirm ist, vermittelt, dass dies normal ist. Daher sollten Erwachsene selbst einen gesunden Umgang mit digitalen Medien pflegen. Positiv wirkt auch, wenn Bezugspersonen Inhalte oder Spiele zusammen mit ihren Kindern entdecken. So wird die Mediennutzung zu einem gemeinsamen Erlebnis. Außerdem sind Erlebnisse ohne Bildschirmmedien sehr wichtig – Eltern sollten ihre Handys wenn möglich ausschalten oder im besten Fall ganz zu Hause lassen.
Es kann sich auch lohnen, einen Schritt zurückzutreten und die eigene Haltung zu digitalen Medien genauer anzuschauen. Diese prägt maßgeblich, wie der Umgang mit Medien den eigenen Kindern vermittelt wird. Dabei können folgende Fragen helfen:
- Welche Rolle spielen digitale Medien in meinem Leben?
- Wie hat sich mein Blick darauf im Laufe der Zeit verändert?
- Welche Erfahrungen habe ich selbst in meiner Kindheit und Jugend gemacht?
Wie gelingt die digitale Balance im Familienalltag?
In vielen Familien sind digitale Medien ein selbstverständlicher Teil des Alltags. Wichtig ist, dass Bildschirmmedien nicht alles bestimmen. Probieren Sie gemeinsam mit Ihren Kindern aus, welche Regeln und Routinen für Ihre Familie gut funktionieren. Die folgenden Ideen können dabei helfen:
- Schaffen Sie bildschirmfreie Routinen, zum Beispiel bei den Mahlzeiten, vor dem Schlafengehen oder an einem festen Tag in der Woche.
- Erarbeiten Sie Regeln gemeinsam mit Ihren Kindern. Absprachen können auch schriftlich in einem „Medien-Vertrag“ festgehalten werden.
- Behalten Sie die Nutzungszeiten im Blick.
- Nutzen Sie technische Schutzfunktionen wie Zeitlimits oder Jugendschutzfilter, insbesondere bei jüngeren Kindern.
- Begleiten Sie die Mediennutzung, indem Sie Inhalte gemeinsam auswählen, ansehen und anschließend darüber sprechen.
- Zeigen Sie Interesse daran, was Ihr Kind online beschäftigt.
- Führen Sie offene Gespräche über Erfahrungen im Netz, auch über Probleme wie Cybermobbing oder unerwünschte Kontakte.
- Achten Sie auf eine gute Balance zwischen Mediennutzung, Schlaf, Lernen und persönlichen Begegnungen.
- Fördern Sie gezielt analoge Aktivitäten, besonders Bewegung und Zeit in der Natur.
- Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und achten Sie selbst auf einen bewussten Umgang mit digitalen Medien.
Wie bleiben Kinder und Jugendliche im Netz sicher?
Technische Hilfsmittel wie Jugendschutzprogramme können Eltern dabei unterstützen, eine sichere Online-Umgebung für ihre Kinder zu schaffen.
Typische Funktionen von Jugendschutzprogrammen sind:
- ungeeignete Inhalte sperren
- Nutzungszeit begrenzen
- Aktivitätsberichte anzeigen
- In-App-Käufe einschränken
- einzelne Apps und Funktionen blockieren
Auch spezielle Kinderkonten oder die in Geräten eingebauten Sicherheitseinstellungen helfen Kindern dabei, das Internet möglichst altersgerecht zu nutzen. Viele Familien setzen diese Möglichkeiten jedoch nicht ein. Laut einer Umfrage des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) haben 71 von 100 befragten Eltern auf keinem Gerät ihrer Kinder Sicherheitseinstellungen aktiviert.
Ein weiterer wichtiger Baustein für Sicherheit im Internet ist der Datenschutz. Kinder und Jugendliche sollten lernen, persönliche Informationen sorgfältig zu behandeln. Unbedachtes Teilen kann dazu führen, dass Dritte Daten missbrauchen oder weiterverwenden.
Wichtig zu wissen: Kinder und Jugendliche haben nach der UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf Privatsphäre. Deshalb ist es wichtig, Schutzmaßnahmen immer wieder dem Alter anzupassen, offen zu kommunizieren und ein gutes Gleichgewicht zwischen Schutz und Privatsphäre zu finden.
Auf den Webseiten der EU-Initiative klicksafe erhalten Sie einen Überblick über verschiedene Kinder- und Jugendschutzprogramme und deren Einsatzmöglichkeiten sowie praxisnahe Tipps, wie Kinder und Jugendliche ihre Daten im Netz schützen können.
Für jüngere Kinder bieten Kinder-Surfräume wie fragFINN.de eine sichere Umgebung mit kindgerechten Inhalten.
Weitere Informationen
Die AWMF S2k-Leitlinie zur „Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend verfügt neben einer Version für Fachleute auch über einen Elternflyer. Dieser enthält altersspezifische Empfehlungen sowie Tipps und Tricks zum medienbewussten Umgang.
Auf dem Portal Elternratgeber Internet der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) finden Eltern praxisnahe Empfehlungen zum Umgang mit digitalen Medien in der Familie, Informationen zu möglichen Risiken sowie Erfahrungsberichte rund um problematische Mediennutzung.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) bietet auf der Webseite www.ins-netz-gehen.de alltagsnahe Tipps und wissenschaftlich fundierte Informationen zum Thema digitale Mediennutzung für Jugendliche, Eltern, Lehr- und Fachkräfte. Auf der Website können Jugendliche einen Selbsttest machen sowie eine Online-Beratung in Anspruch nehmen. Hilfs- und Beratungsangebote in der Nähe lassen sich in der Beratungsstellen-Datenbank finden.
Auf der Webseite www.kindergesundheit-info.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) listet der Wegweiser „Kinder und Medien“ hilfreiche Internetangebote zum Thema Medienerziehung, zum Umgang mit Medien wie Hörmedien, Film und Fernsehen, Computer und Internet sowie mobile Medien. Die Linktipps richten sich in der Regel an Eltern sowie an Fachkräfte, die mit Eltern und Kindern arbeiten.
Wer nach telefonischer Beratung, Beratungsplattformen im Internet oder eine persönliche Beratung vor Ort in der eigenen Region sucht, findet auf dem Portal Gutes Aufwachsen mit Medien eine Übersicht. Dort können Angebote auch gezielt nach Bundesland gefiltert werden – von Elternberatungen über Präventionsprogramme bis hin zu konkreten Hilfen bei Problemen im digitalen Alltag.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). kindergesundheit-info.de. Wie Kinder Medienkompetenz erlangen. Aufgerufen am 22.09.2025.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). kindergesundheit-info.de. Wie Medien Kindern schaden können. Aufgerufen am 22.09.2025.
- Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ). Gefährdungsatlas Digitales Aufwachsen. Vom Kind aus denken. Zukunftssicher handeln. Aktualisierte und erweiterte 2. Auflage. 2022.
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMF-Register Nr. 027-075.
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Memorandum Pädagogik: Medien: Abhängigkeit – Gesundheit für Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt. September 2022.
- A.-R., Schneider, S., Spiecker gen. Döhmann, I., & Waldherr, A. Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (Diskussion Nr. 40). Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Juli 2025.
- Medienanstalt Rheinland-Pfalz. klicksafe. Kinder- und Jugendschutzprogramme. Aufgerufen am 22.09.2025.
- Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). JIM-Studie 2024 - Kindheit, Internet, Medien – Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. November 2024.
- Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). KIM-Studie 2024 - Jugend, Information, Medien – Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Juni 2025.
- Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD). How's Life for Children in the Digital Age?. Paris, 15.05.2025.
Geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).
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