Erste Hilfe: Beherzt und ohne Angst anpacken

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist schnelle Hilfe notwendig, denn bereits nach wenigen Minuten nimmt das Gehirn Schaden. Nur selten ist der Rettungsdienst so schnell vor Ort. Deshalb gilt in solchen Fällen: Zögern Sie nicht, Erste Hilfe zu leisten!

Auf einen Blick

  • Mit der Nummer 112 kann der Rettungsdienst über Festnetz und Handy gerufen werden.
  • Eine bewusstlose Person, die selbstständig atmet, wird in die stabile Seitenlage gebracht. Die Atmung muss regelmäßig überprüft werden.
  • Setzt die Atmung aus, muss der Patient in die Rückenlage gebracht werden und sofort eine Herzdruckmassage erfolgen.
  • Gibt es einen Defibrillator in der Nähe, so wird er den Anweisungen des Gerätes gemäß angewendet.
  • Jeder ist verpflichtet, bei einem Notfall im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen.
  • Wer Erste-Hilfe-Maßnahmen in der Aufregung nicht richtig anwendet, kann dafür später nicht verantwortlich gemacht werden.
Ein Ersthelfer übt die Herzdruck-Massage an einer Puppe.

Warum Erste Hilfe leisten?

Erste Hilfe ist ein Thema, mit dem sich die meisten Menschen im Alltag selten beschäftigen. Aber wenn es darauf ankommt, gilt es, Ruhe zu bewahren und richtig zu handeln: Die wenigen Minuten, bevor der Rettungswagen eintrifft, können über Leben, Tod und bleibende Schäden von Kranken und Unfallopfern entscheiden.

Jeder kann in lebensbedrohliche Situationen kommen und hofft, dass ihm dann geholfen wird. Viele Mitmenschen fühlen sich jedoch in solchen Situationen überfordert und leisten keine Erste Hilfe, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Pro Jahr sterben in Deutschland mehrere zehntausend Menschen an einem Herzstillstand. Die Quote der Ersthelfer, die sofort eine Herzdruckmassage ausführen, liegt nur knapp über 40 Prozent. Schon nach 3 bis 5 Minuten ohne lebensrettende Sofortmaßnahmen kann es jedoch bei den Betroffenen zu irreparablen Hirnschäden kommen. Nach 10 Minuten kommen Wiederbelebungsmaßnahmen in der Regel zu spät.

Wichtig zu wissen: Sich unsicher zu fühlen ist kein Grund, nicht zu helfen: Eine gebrochene Rippe durch die Herzdruckmassage ist im Vergleich zu einem Hirnschaden kaum von Bedeutung. Wer in der Aufregung die Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht richtig anwendet, kann dafür später nicht verantwortlich gemacht werden. Anders verhält es sich dagegen, wenn man nicht eingreift – denn jeder ist verpflichtet, bei einem Notfall oder Unglück im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten zu helfen.

112: Was passiert bei einem Notruf?

Mit der Nummer 112 kann der Rettungsdienst kostenlos über Festnetz und Handy gerufen werden. Diese Nummer ist europaweit gültig.

Mit der Nummer 112 kann der Rettungsdienst kostenlos über Festnetz und Handy gerufen werden.

Der Notruf ist in der Regel der erste Teil der Rettungskette, darauf folgen Erste-Hilfe-Maßnahmen, bis der Rettungsdienst die kranke oder verunglückte Person übernimmt und ins Krankenhaus bringt.

Welche Fragen muss man bei einem Notruf beantworten?

  • Wo: Bei einem Notruf muss man den Ort des Notfalls genau angeben: also Ort, Straße, Hausnummer sowie eventuell das Gebäude oder das Stockwerk.

Danach aber nicht auflegen, denn es sind noch weitere Fragen zu klären:

  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte oder Kranke gibt es?
  • Welche Verletzungen oder Erkrankungen sind vorhanden und erscheinen diese lebensbedrohlich?

Interessant zu wissen: Die Nora-Notruf-App erleichtert den Notruf und kann auch von Menschen mit Sprach- oder Hörbeeinträchtigung genutzt werden. Indem Sie vorab persönliche Daten hinterlegen, sind Sie für den Notfall gut vorbereitet. Zudem übermittelt die App automatisch Ihren genauen Standort an die zuständige Einsatzleitstelle.

Wie versorgt man eine bewusstlose Person?

Zunächst wird überprüft, ob die Person wirklich bewusstlos ist. Dazu fassen Sie die Person kräftig an den Schultern und rütteln sie leicht. Beginnt sie zu reagieren, so alarmieren Sie bei Bedarf den Rettungsdienst.

Reagiert die Person nicht und bleiben die Augen geschlossen, so ist sie bewusstlos.

Dann sind weitere Helfer von Vorteil: Rufen Sie laut um Hilfe und bitten Sie Umstehende darum, den Rettungsdienst zu alarmieren. Gibt es vor Ort keine weiteren Helfer, so müssen Sie selbst die 112 wählen.

Bis der Rettungsdienst eintrifft, sind weitere Maßnahmen erforderlich:

  • Atmung prüfen: Mit der eigenen Wange und dem Ohr dicht über Mund und Nase der betroffenen Person kann man den Atem fühlen und meist auch hören. Gleichzeitig kann man beobachten, ob sich der Brustkorb bewegt. Diese Prüfung muss etwa 10 Sekunden lang durchgeführt werden. Hierbei ist auf eine normale Atmung zu achten: Einzelne unregelmäßige tiefe Atemzüge – auch Schnappatmung genannt – sind keine ausreichende Atmung und können in der Frühphase eines Herzkreislaufstillstands auftreten.
  • Stabile Seitenlage: Bewusstlose haben keinen Hustenreflex und könnten an Speichel, Erbrochenem oder Blut ersticken. Auf dem Rücken liegend kann auch die Zunge die Atemwege verschließen. Eine bewusstlose Person, die noch normal atmet, muss deshalb in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dafür kniet man sich seitlich neben die bewusstlose Person und holt deren fernen Arm zur gegenüberliegenden Wange. Dann fasst man das ferne Bein oberhalb vom Knie und rollt die Person auf sich zu in die Seitenlage. Der Handrücken des oberen Arms stabilisiert den Kopf unter der Wange, der geöffnete Mund ist der tiefste Punkt.
  • Um Auskühlung zu vermeiden, deckt man die Person anschließend mit einer Rettungsdecke zu und schiebt diese auch unter den Körper. Dabei zeigt die silberne Seite zur verunglückten Person.
  • Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mindestens einmal pro Minute die Atmung kontrollieren.

Wie eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage gebracht wird, erklärt dieses Video der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Was ist bei einem Atemstillstand zu tun?

Gibt es einen Atemstillstand, nur einzelne Atemzüge oder eine unnormale Atmung („Schnappatmung“), so ist es wichtig, schleunigst mit einer Herzdruckmassage und Beatmung zu beginnen: Wenn das Gehirn nur wenige Minuten nicht mit Sauerstoff versorgt wird, kommt es zu bleibenden Schäden.

Falls ein Defibrillator in unmittelbarer Nähe ist, nutzen Sie ihn. Automatische externe Defibrillatoren (AEDs) findet man in Bahnhöfen, Flughäfen, einigen großen Veranstaltungsorten, Apotheken und vielen anderen öffentlichen Plätzen. Man erkennt die Geräte an einem grünen Schild mit einem Herz und einem elektrischen Pfeil darin. AEDs sind speziell dafür entwickelt, dass „jedermann“ sie benutzen kann: Sie sind leicht zu bedienen und erkennen selbsttätig einen Kreislaufstillstand. Über eine eingebaute Sprachfunktion gibt das Gerät Anweisungen, was zu tun ist. Ein kleiner Bildschirm oder Zeichnungen unterstützen dabei.

Bis zum Anschließen des Defibrillators oder wenn keiner zur Verfügung steht, erfolgt die Herzdruckmassage:

  • Die betroffene Person liegt dabei auf einem harten Untergrund auf dem Rücken.
  • Den Handballen in der Mitte des Brustkorbs auf dem Brustbein aufsetzen und mit der zweiten Hand unterstützen.
  • Dann werden 30 Herzdruckmassagen durchgeführt – knapp zwei pro Sekunde. Dabei wird der Brustkorb etwa 5 bis 6 Zentimeter eingedrückt.
  • Anschließend folgen zwei Atemspenden: Den Kopf leicht nach hinten überstrecken, die Nase der bewusstlosen Person zuhalten und etwa eine Sekunde lang gleichmäßig von Mund zu Mund (oder auch Mund zu Nase) beatmen.
  • Herzdruckmassage und Atemspenden so lange wiederholen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt wird, erklärt dieses Video der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Wichtig zu wissen: Manch einer scheut sich vielleicht vor der Beatmung, oder sie ist aus anderen Gründen nicht möglich. Dann kann eine ununterbrochen durchgeführte Herzdruckmassage in vielen Fällen trotzdem Leben retten: Im Blut ist noch für einige Zeit genügend Sauerstoff, der nur durch die Herzdruckmassage das Gehirn erreichen kann. Laut einer Studie aus Schweden überlebten im Vergleich zu Betroffenen, bei denen keine Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt worden waren, doppelt so viele Personen, wenn sie eine Herzdruckmassage erhalten hatten. Wurde zusätzlich beatmet, so überlebten knapp dreimal so viele Betroffene.

Unfall im Straßenverkehr: Was ist zu beachten?

Bei einem Unfall muss zunächst der Unfallort abgesichert werden. Wichtig ist, auf die eigene Sicherheit zu achten, ruhig zu bleiben und sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen.

Um die eigene Sicherheit nicht zu gefährden, sollte man:

  • eine Warnweste tragen
  • die Warnblinkanlage des Pkw betätigen
  • ein Warndreieck in mindestens 100 Metern Entfernung aufstellen

Wenn weitere Personen vor Ort sind, bitten Sie diese um Mithilfe, damit sie einen Notruf tätigen und Sie bei der Ersten Hilfe unterstützen.

Nach der Absicherung der Unfallstelle werden die Verunglückten nach Möglichkeit aus der Gefahrenzone geholt – besonders, wenn Brandgefahr besteht.

Wichtig zu wissen: Sind Personen nach einem Unfall bei Bewusstsein, so stehen sie oft stark unter Stress. Deshalb ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen: Nehmen Sie Blickkontakt auf und nennen Sie Ihren Namen. Fragen Sie, ob die Person aufgeregt ist, friert, Schmerzen oder Verletzungen hat. Stellen Sie vorsichtig Körperkontakt her und erklären Sie immer, was sie vorhaben.

Die Rettung aus einem verunglückten Fahrzeug:

  • Sicherheitsgurt lösen oder notfalls durchtrennen.
  • Wenn die Füße nicht eingeklemmt sind, kann die Person mit dem Rettungsgriff aus dem Fahrzeug geborgen werden.
  • Dafür den Betroffenen leicht nach vorn beugen.
  • Von hinten unter dessen Achseln hindurch mit beiden Händen einen Unterarm des Betroffenen greifen, diesen quer vor der Brust lagern.
  • Die verunglückte Person auf die eigenen Oberschenkel ziehen und rückwärts gehend aus dem Gefahrenbereich bringen.
  • Ein zweiter Helfer kann dabei die Beine unterstützen. Gegen Auskühlung hilft eine Rettungsdecke, deren silberne Seite zur verunglückten Person zeigt.

Wichtig zu wissen: Beim Rettungsgriff den Unterarm nicht umfassen, sondern mit allen Fingern (auch den Daumen) von oben überhaken. Auf diese Weise vermeidet man ein zu festes Zusammendrücken des Arms.

In ähnlicher Weise können liegende Personen aus einer Gefahrenzone gebracht werden: Nachdem man sie angesprochen und das Vorhaben erläutert hat, nähert man sich ihnen von hinten und greift unter Nacken und Schulter. Dabei wird der Kopf von den Unterarmen gestützt. Ist die Person zum Sitzen gebracht, kann man sie mit dem Rettungsgriff aus der Gefahrenzone ziehen.

Einem verunglückten, bewusstlosen Motorradfahrer sollte wegen akuter Erstickungsgefahr der Helm vorsichtig abgenommen werden. Dies erfolgt am besten durch zwei Personen. Dafür werden zunächst Visier und Kinnriemen geöffnet und gegebenenfalls eine Brille entfernt. Ein Helfer fasst den Kopf an beiden Seiten mit den Daumen vor und den anderen Fingern hinter den Ohren. Der andere Helfer kniet oberhalb der verunglückten Person und nimmt den Helm vorsichtig ab. Starke Bewegungen des Kopfes sind dabei zu vermeiden.

Wie versorgt man stark blutende Wunden?

Größere Blutungen müssen gestillt werden, da bereits der Verlust von einem Liter Blut bei Erwachsenen zu einem Schock führen kann.

Größere Blutungen müssen gestillt werden, da bereits der Verlust von einem Liter Blut bei Erwachsenen zu einem Schock führen kann.

So geht man vor:

  • Als Erstes Einmalhandschuhe anziehen.
  • Das Hochhalten eines blutenden Arms oder Beins kann die Blutung schon verringern.
  • Ein sauberes Tuch oder die flache Hand auf die Wunde pressen.
  • Mit zwei Verbandpäckchen einen Druckverband anlegen: Die Wundauflage des ersten Päckchens auf die Wunde legen. Das zweite Päckchen unausgepackt als Druckpolster darauflegen und umwickeln.
  • Spätestens jetzt den Notruf wählen: 112.

Wichtig zu wissen: An manchen Stellen, beispielsweise dem Hals oder am Kopf, lässt sich kein Druckverband anlegen. Dann muss mit der Hand Druck auf die Wunde ausgeübt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. Dies ist auch erforderlich, wenn ein Druckverband durchblutet.

Wie kann man sich auf Notfallsituationen vorbereiten?

Jeder, der einen Führerschein machen möchte, muss einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Aber wie lange liegt dieser zurück, und können Sie sich noch gut daran erinnern, was im Zweifelsfall zu tun ist? Wenn das nicht der Fall ist, hilft es, Gelerntes zu wiederholen: Denn wer sich sicher fühlt, kann im Ernstfall besser reagieren und leichter die Ruhe bewahren.

Erste Hilfe kann man aber nicht in der Theorie lernen. Um im Ernstfall wirklich helfen zu können, ist die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs erforderlich – auch zur „Auffrischung“ sind die Kurse zu empfehlen.

Nicht nur im Auto, auch zu Hause ist ein Verbandskasten sinnvoll. Dabei ist zu beachten, dass die Materialien ein Haltbarkeitsdatum haben, das regelmäßig überprüft werden sollte.

Wichtig zu wissen: Für Eltern, Großeltern, Erzieherinnen oder Erzieher und alle, die mit Kindern zu tun haben, gibt es spezielle Kurse, bei denen auf Besonderheiten der Ersten Hilfe für Babys und Kinder eingegangen wird. Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich.

Wo kann man Erste-Hilfe-Kurse machen?

Kurse für Erste Hilfe und auch eine Ausbildung für betriebliche Ersthelferinnen und Ersthelfer bieten unter anderen folgende Organisationen an:

Geprüft durch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI) Stand:

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