Krankheiten Fruchtbarkeitsstörung
ICD-Codes: N46 N97 Was sind ICD-Codes?
Bleibt ein Paar ungewollt kinderlos, kann das sehr belastend sein. Denn der Kinderwunsch gehört für viele Menschen zum Lebensplan. Je nach Ursache der Fruchtbarkeitsstörung gibt es mehrere Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung.
Auf einen Blick
- Wenn ein Paar ein Jahr lang regelmäßig ohne Verhütung Geschlechtsverkehr hat und sich kein Nachwuchs ankündigt, wird dies in der Medizin als „Unfruchtbarkeit“ bezeichnet.
- Ungewollte Kinderlosigkeit kann sehr belastend sein.
- Zu den Ursachen einer Unfruchtbarkeit gehören körperliche Störungen bei der Frau, beim Mann oder bei beiden Partnern.
- Auch das Alter eines Paares spielt eine Rolle.
- Je nach Ursache gibt es mehrere Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist eine Fruchtbarkeitsstörung?
Ungewollt kinderlos zu sein, ist für die meisten Menschen sehr belastend. Denn ein (weiteres) Kind zu bekommen, gehört zum Lebensplan vieler Frauen und Männer dazu.
Wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt, suchen viele Paare irgendwann medizinische Hilfe. Je nachdem, welche Ursachen die Fruchtbarkeitsstörung hat, kommen verschiedene Behandlungen infrage.
Fruchtbarkeitsstörungen werden in der Medizin als „Unfruchtbarkeit“ bezeichnet, wenn ein Paar ein Jahr lang regelmäßig ohne Verhütung Geschlechtsverkehr hatte und sich kein Nachwuchs ankündigen will. Der medizinische Fachbegriff für Unfruchtbarkeit ist „Sterilität“.
Was sind die Ursachen für eine gestörte Fruchtbarkeit?
Die Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch können vielfältig sein. Mögliche körperliche Ursachen bei der Frau sind zum Beispiel:
- hormonelle Störungen
- geschädigte Eileiter oder Eierstöcke
- Myome oder eine Endometriose
Körperliche Ursachen beim Mann können zum Beispiel sein:
- hormonelle Störungen
- eine eingeschränkte Spermienqualität – beispielsweise zu wenige oder fehlgebildete Spermien oder solche, die nicht beweglich genug sind
- verschlossene Samenleiter, durch die beim Samenerguss keine Spermien nach außen gelangen
- Erektionsstörungen
Auch bestimmte Krankheiten und Infektionen – etwa eine Chlamydien-Infektion –, genetische, psychische oder Umwelteinflüsse können die Fruchtbarkeit stören. Zudem kann der Lebensstil eine Rolle spielen. So können beispielsweise längeres Rauchen und starker Alkoholkonsum die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Alle Faktoren können einzeln oder zusammen dazu führen, dass ein Paar ungewollt kinderlos ist. Manchmal bleibt die Ursache aber auch unklar.
Zudem spielt das Alter eine wichtige Rolle: Je älter das Paar und vor allem die Frau ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich ein Kinderwunsch auf natürlichem Wege schnell erfüllt.
Wie oft kommen Fruchtbarkeitsstörungen vor?
In Europa sind etwa 18 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal von Unfruchtbarkeit betroffen.
Wie wird die Fruchtbarkeitsstörung festgestellt?
Die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit kann beim Mann liegen, bei der Frau oder bei beiden. Deshalb ist es wichtig, dass sich beide Partner ärztlich untersuchen lassen. Dazu gehören:
- die Anamnese: ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt
- körperliche Untersuchungen
- eine Blutprobe, mit der der Hormonspiegel im Blut bestimmt wird
- die Untersuchung einer Samenprobe
- eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter, der Eierstöcke und der Eileiter
Wie wird eine Fruchtbarkeitsstörung behandelt?
Für welche Behandlungsmethode man sich entscheidet, hängt vor allem davon ab, welches Problem bei der Frau oder beim Mann festgestellt wurde. Wenn der Zyklus der Frau gestört ist, werden zum Beispiel Hormonpräparate eingesetzt. Bei Myomen oder Endometriose kann manchmal eine Operation helfen.
Auch beim Mann sind zum Beispiel hormonelle oder operative Behandlungen möglich – je nach Ursache seiner Fruchtbarkeitsstörung. Bildet der Mann nur sehr wenig Spermien oder bewegen diese sich nur schwach, kann das Sperma direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen werden. Diese Form der künstlichen Befruchtung heißt Insemination. Das Sperma wird mit einem kleinen Schlauch durch die Vagina (Scheide) direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen. Dort kann es die Eizelle befruchten.
Weitere Alternativen sind die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intracytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI). Hier werden der Frau mithilfe einer dünnen Hohlnadel durch die Scheide Eizellen entnommen. Vorher müssen die Eierstöcke der Frau dazu angeregt werden, in einem Zyklus gleichzeitig mehrere reife Eizellen freizugeben. Das geschieht durch eine Hormonbehandlung. Sie kann wegen ihrer Nebenwirkungen sehr belastend sein.
Nach diesem Eingriff werden die Eizellen mit den Spermien des Mannes im Labor zusammengebracht. Bei der IVF werden Spermien zu einer Eizelle gegeben. Die Spermien befruchten die Eizelle dann von selbst. Bei der ICSI hingegen wird ein Spermium mit einer feinen Nadel direkt in eine Eizelle eingespritzt.
Wenn die Befruchtung bei einer IVF oder ICSI erfolgreich war und sich die Eizellen weiterentwickeln, setzt die Ärztin oder der Arzt nach einigen Tagen höchstens drei Embryonen in die Gebärmutter ein. Falls sich mehr Eizellen zu Embryonen entwickelt haben, kann die Frau entscheiden, ob die Embryonen vernichtet oder tiefgefroren (kryokonserviert) werden sollen. Das gilt auch für Eizellen, bei denen die Chromosomensätze des Spermiums und der Eizelle noch nicht vollständig miteinander verschmolzen sind (Vorkernstadium). War die erste Übertragung nicht erfolgreich, können kryokonservierte Embryonen oder befruchtete Eizellen in einem späteren Zyklus aufgetaut und eingesetzt werden.
Eine künstliche Befruchtung ist nicht immer möglich oder hat manchmal nur sehr geringe Erfolgsaussichten – beispielsweise bei bestimmten Fehlbildungen der Gebärmutter.
Wo finde ich weitere Informationen zur Fruchtbarkeitsstörung?
Das Portal www.familienplanung.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) informiert über Kinderwunsch, Fruchtbarkeitsstörungen und Behandlungsmöglichkeiten.
Vertiefende Informationen zum Thema Fruchtbarkeitsstörungen und der Funktionsweise weiblicher Geschlechtsorgane lesen Sie unter gesundheitsinformation.de.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinien über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung ("Richtlinien über künstliche Befruchtung"). 2022.
- Pschyrembel Online. Sterilität. 2026.
- Pschyrembel Online. Assistierte Reproduktion. 2026.
- Weyerstahl T, Stauber M. Gynäkologie und Geburtshilfe. Stuttgart: Thieme; 2014.
- World Health Organization (WHO). Guideline for the prevention, diagnosis and treatment of infertility. 2025.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
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