Herausgesprungene Kniescheibe (Patellaluxation)

Durch eine unglückliche Drehbewegung oder einen Stoß kann die Kniescheibe aus ihrer Führungsrinne springen. Manchmal springt sie von allein wieder zurück. Auch dann ist es wichtig, das Knie ärztlich untersuchen zu lassen. Es kann nämlich zu Verletzungen der umliegenden Knochen und Bänder kommen.

Auf einen Blick

  • Zu einem Herausspringen der Kniescheibe (Patellaluxation) kommt es meist beim Sport.
  • Am häufigsten sind Patellaluxationen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
  • Manchmal gleitet eine herausgesprungene Kniescheibe von allein wieder zurück.
  • In jedem Fall sollte man das Knie ärztlich untersuchen lassen.
  • Eine Operation ist nur in bestimmten Fällen oder bei zusätzlichen Verletzungen notwendig.
  • Abhängig von der Schwere der Verletzung und je nach Behandlung muss das betroffene Knie einige Wochen bis mehrere Monate geschont werden.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Patellaluxation: Eine junge Frau liegt auf einer medizinischen Liege. Ein Physiotherapeut tastet mit beiden Händen ihr gebeugtes Knie ab.

Was ist eine Patellaluxation?

Von einer Patellaluxation sprechen Medizinerinnen und Mediziner, wenn die Kniescheibe herausgesprungen ist.

Beim Beugen oder Strecken des Knies gleitet die Kniescheibe (Patella) durch die Führungsrinne am Oberschenkelknochen. Durch eine unglückliche Drehbewegung oder einen seitlichen Stoß kann sie aus ihrer Rinne herausspringen (Luxation). Häufig passiert dies beim Sport, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Eine herausgesprungene Kniescheibe springt oft von allein wieder zurück in ihre Ausgangsposition. Trotzdem sollte das Knie auch dann von einer Ärztin oder einem Arzt untersucht werden. Durch die Luxation können Knochen, Knorpel und Bänder verletzt werden.

Es kann passieren, dass die Kniescheibe später erneut herausspringt, da sie nach einer Luxation instabiler ist.

Woran erkennt man eine Patellaluxation?

Eine Patellaluxation verursacht in der Regel starke Schmerzen. Meistens ist die verrutschte Kniescheibe deutlich zu sehen. Manchmal ist während der Luxation ein Knallen zu hören und es fühlt sich an, als würde das Knie „auskugeln“.

Außerdem kann es zu einer Schwellung kommen, weil die Gelenkkapsel und das Band, das die Kniescheibe auf der Innenseite stabilisiert – auch mediales patellofemorales Halteband (MPFL) genannt – reißen. Das passiert, wenn die Kniescheibe zur Außenseite des Knies herausspringt, was fast immer der Fall ist. Bei wiederholten Luxationen können Schwellungen ausbleiben.

Was sind die Ursachen für eine Patellaluxation?

Wenn das Kniegelenk in leicht gebeugter Haltung nach innen gedreht wird, während der Fuß flach auf dem Boden steht, kann die Kniescheibe herausspringen. Das passiert oft beim Sport und wird akute oder traumatische Luxation genannt. Typische Sportarten, bei denen man sich diese Verletzung zuziehen kann, sind Fußball, Handball, Tanzen und Turnen.

Typische Sportarten, bei denen man sich eine Patellaluxation zuziehen kann, sind Fußball, Handball, Tanzen und Turnen.

Die akute Patellaluxation ist mit 80 Prozent die häufigste Form. Seltener kommt es zu einer Patellasubluxation. Bei der Subluxation bewegt sich die Kniescheibe seitlich in der Führungsrinne hin und her, ohne dabei vollständig herauszuspringen. Dies kann beispielsweise Folge einer vorherigen Knieverletzung oder zu lockerer Bänder sein.

Welche Risikofaktoren für eine Patellaluxation gibt es?

Es gibt einige Faktoren, die das Risiko für eine Luxation der Knieschreibe erhöhen. Dazu gehören:

  • Fehlstellungen der Beine wie zum Beispiel X-Beine
  • eine verformte Führungsrinne oder andere anatomische Besonderheiten
  • eine höherstehende Kniescheibe
  • ein schwacher innerer Oberschenkelmuskel
  • überbewegliche Gelenke oder schwache Bänder 

Wie häufig sind Patellaluxationen?

Patellaluxationen treten vor allem bei jungen Menschen zwischen 10 und 20 Jahren auf. Mädchen und junge Frauen sind häufiger betroffen, weil sie in der Regel flexiblere Bänder und schwächer ausgeprägte Muskeln haben als Jungen.

Patellaluxationen treten vor allem bei jungen Menschen zwischen 10 und 20 Jahren auf. Dabei sind Mädchen und junge Frauen häufiger betroffen.

Wie verläuft eine Patellaluxation?

Wie lange es dauert, bis sich das Knie wieder vollkommen erholt hat, hängt davon ab, wie stark es verletzt wurde und wie es behandelt wird.

Wenn das Knie keinen größeren Schaden genommen hat, dauert es etwa 6 Wochen, bis man Alltagstätigkeiten wieder ohne Einschränkungen ausführen kann.

Sport ist normalerweise erst nach etwa 3 bis 4 Monaten wieder möglich. Das kann deutlich länger dauern, wenn aufgrund schwerwiegender Verletzungen eine Operation nötig ist – manchmal über ein Jahr.

Eine Patellaluxation bedeutet aber nicht, dass man seinen Sport für immer aufgeben muss. Studien zufolge betreibt etwa die Hälfte der Betroffenen ihren Sport nach einer Pause weiter wie vorher. Bevor man jedoch wieder beginnt, ist ein Gespräch mit einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten, einer Ärztin oder einem Arzt sinnvoll.

Nach einer Luxation ist die Kniescheibe instabiler als vorher. Manchmal fühlt es sich so an, als hätte sie nicht mehr ausreichend Halt. Auch können Schmerzen im vorderen Knie auftreten, vor allem bei größeren Belastungen des Knies.

Bei 15 bis 45 Prozent der Menschen springt die Kniescheibe nach einer ersten Luxation erneut heraus. Das kann nach wenigen Wochen passieren oder erst nach Monaten oder sogar Jahren.

Die langfristigen Auswirkungen von Luxationen der Kniescheibe sind nicht gut untersucht und deshalb schwer abzuschätzen. Es gibt jedoch Hinweise, dass eine Patellaluxation das Risiko für eine Kniearthrose erhöhen kann.

Wie wird eine Patellaluxation festgestellt?

Eine herausgesprungene Kniescheibe ist meistens schon von außen erkennbar. Bei der Untersuchung schaut sich die Ärztin oder der Arzt das Knie an und tastet es ab. Nach dem Einrenken wird ein Röntgenbild gemacht, um zu sehen, ob Knochen verletzt wurden.

Ob es zu Verletzungen der Bänder und Menisken gekommen ist, kann die Ärztin oder der Arzt durch verschiedene körperliche Untersuchungen und mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) feststellen. Auf den MRT-Aufnahmen kann man außerdem erkennen, ob anatomische Fehlstellungen und Knorpelschäden vorliegen.

Wie wird eine Patellaluxation behandelt?

Manchmal springt die Kniescheibe von selbst wieder in ihre normale Position. Wenn das nicht passiert, sollte man schnell einen Krankenwagen rufen (Notruf 112). Springt die Kniescheibe wieder zurück, ist es ausreichend, sich in die Notaufnahme fahren zu lassen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen direkt nach dem Unfall sind:

  • Ruhe bewahren
  • sich hinsetzen oder hinlegen, um das Bein zu entlasten
  • das Knie stillhalten, um es nicht weiter zu verletzen
  • das Knie kühlen, um Schwellungen zu verringern und die Schmerzen etwas zu lindern

Im Krankenhaus erhält man zunächst ein schnellwirkendes Schmerzmittel. Dann wird die Kniescheibe wieder eingerenkt. Oft genügt dafür ein langsames Strecken des Beins. Manchmal muss die Ärztin oder der Arzt mit einem gezielten Handgriff nachhelfen. Nach dem Einrenken trägt man für ein paar Wochen eine spezielle Bandage, welche die Kniescheibe stabilisiert. Anfangs können auch Gehhilfen sinnvoll sein, um das verletzte Knie zu entlasten.

Eine Operation kann erwogen werden, wenn die Kniescheibe zum wiederholten Mal herausgesprungen ist. Auch wenn Risikofaktoren für weitere Luxationen vorliegen oder größere Knorpel- oder Knochenverletzungen entstanden sind, kann ein Eingriff nötig sein.

Wie verläuft die Rehabilitation bei einer Patellaluxation?

Nach der Behandlung im Krankenhaus sollte das Knie für einige Tage ruhiggestellt werden. Danach schließt sich eine Rehabilitation mit Physiotherapie an. Dabei geht es zunächst darum, das Knie wieder beweglich zu machen. Schwellungen können durch eine Lymphdrainage behandelt werden.

Anschließend wird die Beinmuskulatur durch gezieltes Training gestärkt. Dadurch bekommt die Kniescheibe mehr Halt. Besonders wichtig ist die Kräftigung des inneren Oberschenkelmuskels. Dieser ist mit dem Band verbunden, das die Kniescheibe stabilisiert. Aber auch eine gut trainierte Hüft-, Becken-, Knöchel- und Rumpfmuskulatur sorgen für die Stabilität der Knie. Spezielle Dehnübungen sind sinnvoll, wenn bestimmte Muskeln verkürzt sind, die zu einer einseitigen Belastung führen können.

Weitere Informationen zur Physiotherapie bei einer Patellaluxation finden Sie auf gesundheitsinformation.de.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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