Zahn- und Kieferfehlstellungen

Bei Zahn- oder Kieferfehlstellungen ist das Gebiss deutlich anders geformt als normalerweise. Zur Korrektur können festsitzende oder herausnehmbare Zahnspangen eingesetzt werden – vor allem bei Jugendlichen, weil sich das Gebiss in diesem Alter noch formen lässt.

Auf einen Blick

  • Das Gebiss sieht bei jedem etwas anders aus.
  • Ist das Gebiss deutlich anders geformt als bei den meisten Menschen, spricht man von Zahn- oder Kieferfehlstellungen.
  • Manchmal weist nur ein einzelner Zahn eine Fehlstellung auf, manchmal sind mehrere Zähne betroffen. Auch die Kieferknochen können eine Fehlstellung haben.
  • Starke Fehlstellungen können zu Beschwerden beim Kauen, Sprechen und Atmen führen, aber auch psychisch belasten.
  • Fehlstellungen können zudem Zahnfleischentzündungen und Karies begünstigen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Zahn- und Kieferfehlstellungen: Ein Junge zeigt lächelnd sein Gebiss. Viele seiner Zähne sind krumm und haben eine Fehlstellung.

Was sind Zahn- und Kieferfehlstellungen?

Das Gebiss jedes Menschen ist einzigartig. Von Zahn- oder Kieferfehlstellungen spricht man, wenn es deutlich anders geformt ist als bei den meisten anderen. In manchen Fällen ist nur ein einzelner Zahn betroffen, manchmal weisen mehrere Zähne oder die Kieferknochen eine Fehlstellung auf.

Sind die Fehlstellungen stark ausgeprägt, können Beschwerden beim Kauen, Sprechen und Atmen, aber auch psychische Belastungen die Folge sein. Zahn- oder Kieferfehlstellungen können zudem Zahnfleischentzündungen und Karies begünstigen.

Zur Korrektur von Zahn- und Kieferfehlstellungen werden häufig herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen verwendet. Meistens werden sie von Jugendlichen getragen, da das Gebiss in diesem Alter noch wächst und sich formen lässt.

Welche Symptome zeigen sich bei Zahn- und Kieferfehlstellungen?

Zahn- oder Kieferfehlstellungen können, müssen aber nicht zu Beschwerden führen. Ob es zu Beschwerden kommt, hängt von der Art und Stärke der Fehlstellung ab. Sehr ausgeprägte Fehlstellungen können zum Beispiel beim Essen, Trinken oder Sprechen stören oder auch das Atmen beeinträchtigen. In manchen Fällen drücken Zähne aufgrund der Fehlstellung in das Zahnfleisch oder in die Lippen und verursachen dadurch Schmerzen. Durch Fehlstellungen können sich Zähne auch lockern. Sie können zudem Karies begünstigen. Bei manchen Betroffenen können die Zähne auch leichter beschädigt werden – zum Beispiel bei einem Unfall. Im Laufe der Zeit führen Fehlstellungen manchmal auch dazu, dass die Kiefergelenke schmerzen und sich die Kiefermuskulatur verspannt.

Wenn sie gut sichtbar sind, belasten Zahn- und Kieferfehlstellungen die Betroffenen häufig auch psychisch – vor allem, wenn Kinder und Jugendliche deshalb gehänselt werden. Viele Menschen mit einer Fehlstellung des Gebisses fühlen sich unsicher, weniger attraktiv und scheuen soziale Kontakte, insbesondere dann, wenn mit der Fehlstellung ein Sprachfehler einhergeht. Wie stark die psychische Belastung ausfällt, hängt aber davon ab, wie ausgeprägt die Fehlstellung ist. Auch, wie die oder der Betroffene damit umgeht, spielt eine Rolle.

Vertiefende Informationen, etwa zum Aussehen von Zahn- und Kieferfehlstellungen, lesen Sie unter gesundheitsinformation.de.

Welche Ursachen haben Zahn- und Kieferfehlstellungen?

Es gibt verschiedene Ursachen für Zahn- und Kieferfehlstellungen: eine Fehlentwicklung der Zähne oder Kieferknochen, eine Fehlentwicklung der Zunge, Lippen oder Wangen, zu langes Nuckeln am Schnuller oder Daumen, Zahnausfall, erbliche Veranlagungen, Verle

Zahn- und Kieferfehlstellungen können verschiedene Ursachen haben. Sie können zum Beispiel die Folge einer gestörten Entwicklung und Lage einzelner Zähne oder der Kieferknochen sein. Aber auch, wenn sich die Zunge, die Lippen, die Wangen oder das Muskelgewebe ungewöhnlich entwickeln, kann dies zu Fehlstellungen führen. Dabei spielen auch erbliche Veranlagungen eine Rolle. Weitere Ursachen sind Zahnausfall und ein vorzeitiger Verlust der Milchzähne. Darüber hinaus können Verletzungen oder Erkrankungen des Knochens dazu führen, dass sich Zähne verschieben oder das Gebiss sich nicht normal entwickelt.

Was sind die Risikofaktoren bei Zahn- und Kieferfehlstellungen?

Als Risikofaktor gilt zum Beispiel die Angewohnheit, an einem Schnuller, dem Daumen oder einem Finger zu lutschen. Während dies bei Babys und Kleinkindern normal ist, kann es bei Kindern ab etwa drei Jahren das Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen erhöhen.

Auch Kinder, die nur durch den Mund atmen, haben ein höheres Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen. Dies kommt zum Beispiel vor, wenn eine vergrößerte Rachenmandel die Nasenatmung behindert.

Wie häufig sind Zahn- und Kieferfehlstellungen?

Schätzungsweise mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen werden wegen Zahn- und Kieferfehlstellungen behandelt.

Zahn- und Kieferfehlstellungen sind häufig. Schätzungen zufolge wird mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland deswegen behandelt.

Bei älteren Kindern werden die Milchzähne nach und nach durch die bleibenden Zähne ersetzt. Die Kieferknochen können noch bis zum Ende der Pubertät wachsen. Daher können sich Zahn- und Kieferfehlstellungen bis zum Ende des Wachstums noch bessern, aber auch verschlechtern. Aber auch bei Erwachsenen kann sich die Zahnstellung noch verändern: zum Beispiel durch Zahnverlust oder Zähneknirschen.

Wie kann Zahn- und Kieferfehlstellungen vorgebeugt werden?

Bei kleineren Kindern können Eltern versuchen, ihnen ungünstige Angewohnheiten abzugewöhnen: So lutschen manche Kinder zum Beispiel seltener am Daumen, wenn auf ihm ein Gesicht aufgemalt ist oder eine schlecht schmeckende Tinktur aufgetragen wird. Nach zahnärztlicher Untersuchung und Beratung kann ein Schnuller durch eine sogenannte Mundvorhofplatte ersetzt werden. Eine solche Platte gleicht außen einem Schnuller. Innen liegt sie aber wie eine Blende nur zwischen Zähnen und Lippen. In manchen Fällen wird eine Mundvorhofplatte von der Krankenkasse bezahlt. Es ist zudem wichtig, die Milchzähne gut zu pflegen, damit sie lange genug als Platzhalter im Gebiss bleiben.

Wie werden Zahn- und Kieferfehlstellungen diagnostiziert?

Oft bemerken Eltern selbst, dass ihr Kind eine Zahn- oder Kieferfehlstellung haben könnte. In anderen Fällen entsteht der Verdacht bei einer ärztlichen oder zahnärztlichen Untersuchung. Um festzustellen, ob eine Zahn- oder Kieferfehlstellung behandelt werden sollte, wird das Kind in der Regel zu einer kieferorthopädischen Praxis überwiesen. Die Fachärztin oder der Facharzt begutachtet dann die Zähne und den Mund, untersucht aber auch den Rest des Kopfes. Im Rahmen der Untersuchung wird zudem nach möglichen Ursachen gefragt und auf Auffälligkeiten beim Öffnen und Schließen des Mundes geachtet.

Zur weiteren Untersuchung werden normalerweise Röntgenaufnahmen gemacht und Zahnabdrücke genommen. Für die Abdrücke muss das Kind auf zwei Schälchen beißen, die mit weicher Kunststoffmasse gefüllt sind. Für manche Kinder kann das unangenehm sein und auch einen Würgereiz auslösen. Mithilfe der Abdrücke wird ein Modell des Gebisses hergestellt. Mit diesem Modell kann die Behandlung dann besser geplant werden.

In einigen Fällen müssen weitere Fachärztinnen oder -ärzte zu Rate gezogen werden. Sind zum Beispiel zusätzlich die Atemwege verengt, ist die Untersuchung in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sinnvoll.

Wie werden Zahn- und Kieferfehlstellungen behandelt

In den meisten Fällen werden Fehlstellungen mit einer kieferorthopädischen Behandlung korrigiert – insbesondere mithilfe einer festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnspange. Manchmal werden auch beide Spangenarten kombiniert: Die Betroffenen tragen dann zum Beispiel zunächst eine herausnehmbare und danach eine festsitzende Spange. Die Behandlung soll zum einen die Stellung der Zähne korrigieren, zum anderen den Ober- und Unterkiefer in ein harmonischeres Verhältnis bringen.

Eine festsitzende oder herausnehmbare Spange wird normalerweise rund zwei Jahre getragen. Diese Zeitspanne wird als „aktive Behandlungsphase“ bezeichnet.

Wichtig zu wissen: In der Regel werden Menschen mit einer Zahn- oder Kieferfehlstellung kieferorthopädisch behandelt, wenn die Fehlstellungen ein bestimmtes Maß überschreiten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die oberen Schneidezähne die unteren um mehr als 3 Millimeter überragen oder wenn seitliche Zähne aneinander vorbeibeißen. Eine Behandlung aus kosmetischen Gründen kann aber auch bei weniger starken Fehlstellungen erwünscht sein. Unklar ist, ob kieferorthopädische Behandlungen tatsächlich so oft erforderlich sind, wie sie heute empfohlen werden. Bisher gibt es keine Studien, die genau belegen, in welchen Fällen solche Behandlungen späteren Zahnproblemen und anderen gesundheitlichen Beschwerden vorbeugen und wann sie lediglich das Aussehen verbessern.

Was sollte man noch über Zahn- und Kieferfehlstellungen wissen?

Zahnspangen können zwar helfen, Fehlstellungen zu korrigieren und damit verbundene Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen. Die Behandlung kann aber auch belasten: So kann das Tragen einer Spange anfangs schmerzen, weil sie an den Zähnen zieht. Wer eine festsitzende Zahnspange trägt, muss zudem beim Essen aufpassen.

Wichtig zu wissen: Zwar mögen manche Kinder und Jugendliche Zahnspangen heutzutage für „cool“ halten. Anderen sind sie aber peinlich, vor allem beim Essen. Manche Betroffene sorgen sich auch, sie könnten die Spange dabei beschädigen.

Die Behandlung mit einer Zahnspange erfordert auch, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen mitmachen: Sie müssen ihre Zähne und die Zahnspange pflegen. Herausnehmbare Zahnspangen müssen konsequent getragen werden. Motivierend kann es sein, wenn bei einem Kontrolltermin gezeigt werden kann, wie sehr sich das Gebiss schon verbessert hat.

Erreichen Fehlstellungen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ein bestimmtes Ausmaß, werden die Behandlungskosten in Deutschland von den Krankenkassen übernommen. Zunächst muss dabei aber ein Eigenanteil bezahlt werden. Dieser wird vollständig erstattet, wenn die Therapie wie geplant zu Ende geführt wurde.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Stand:

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