Diabetes insipidus

Diabetes insipidus entsteht, wenn der Körper ein bestimmtes Hormon nicht ausreichend bildet oder es in der Niere nicht wirkt. Dann kann kein konzentrierter Urin entstehen. Sehr häufiges Wasserlassen und starker Durst sind die Folge.

Auf einen Blick

  • Beim Diabetes insipidus kann die Niere keinen konzentrierten Urin produzieren.
  • Es kommt dann zu häufigem Wasserlassen – auch Harnflut genannt – mit blassem Urin und heftigem Durst.
  • Die Erkrankung entsteht, weil ein bestimmtes Hormon im Gehirn nicht ausreichend gebildet wird oder in der Niere nicht wirkt.
  • Diabetes insipidus lässt sich mit Medikamenten sowie einer salz- und eiweißarmen Ernährung meist gut behandeln.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine Person sitzt mit heruntergelassenen Hosen und Hausschuhen an den Füßen auf der Toilette.

Was ist ein Diabetes insipidus?

Diabetes insipidus ist eine seltene Erkrankung, bei der große Mengen an Urin ausgeschieden werden. Der Körper verliert dabei ständig Wasser über die Niere, was zu extremem Durst führt.

Normalerweise bildet die Niere konzentrierten Urin, indem sie Wasser aus dem Harn zurückgewinnt und dadurch unnötige Flüssigkeitsverluste vermeidet. Dafür ist ein Hormon aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) notwendig, das sogenannte antidiuretische Hormon (ADH) – auch Vasopressin genannt. Wird dieses nicht in ausreichender Menge gebildet oder reagiert die Niere nicht richtig darauf, kommt es zum Diabetes insipidus.

Wie macht sich ein Diabetes insipidus bemerkbar?

Typische Symptome eines Diabetes insipidus sind:

  • ständiges starkes Durstgefühl
  • häufiges Wasserlassen (Harnflut) mit blassem oder farblosem Urin
  • nächtliches Wasserlassen, das zu Schlafstörungen führen kann 
Ein Diabetes insipidus äußert sich durch ständiges Durstgefühl, häufiges Wasserlassen und nächtliches Wasserlassen.

Bei manchen Formen des Diabetes insipidus beginnen diese Symptome ganz plötzlich, bei anderen entwickeln sie sich über Monate oder Jahre.

Weitere Beschwerden, die auf einen Wassermangel im Körper hindeuten, sind beispielsweise:

  • Schwäche und Müdigkeit
  • körperliche und psychische Trägheit (Lethargie)
  • Muskelschmerzen

Welche Ursachen hat ein Diabetes insipidus?

Verschiedene Mechanismen regulieren den Wasserhaushalt des Körpers. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das antidiuretische Hormon (ADH) – auch bekannt als Vasopressin. Es wird im Gehirn gebildet und von der Hirnanhangsdrüse bei Bedarf ins Blut abgegeben. ADH sorgt dafür, dass die Sammelkanälchen der Niere Wasser aus dem Harn wieder aufnehmen.

Wenn ADH im Gehirn nicht in ausreichender Menge oder gar nicht produziert wird, kommt es zu Flüssigkeitsverlusten, weil die Niere das Wasser nicht zurückgewinnen kann – es werden dann große Mengen an wässrigem, farblosem Harn gebildet. Man spricht in diesem Fall von einem zentralen Diabetes insipidus, denn die Ursache für den ADH-Mangel liegt im Gehirn und damit im zentralen Nervensystem.

Häufig tritt ein ADH-Mangel auf, ohne dass die genaue Ursache erkennbar ist. Manchmal lässt sich die ungenügende Hormonproduktion auf bestimmte Erkrankungen und Risikofaktoren zurückführen. Dazu zählen beispielsweise:

  • schwere Kopfverletzungen und neurochirurgische Eingriffe
  • Entzündungen im Bereich der Hirnanhangsdrüse: Man nimmt an, dass hier oft Autoimmunvorgänge eine Rolle spielen. Bei diesen Störungen des Immunsystems werden körpereigene Zellen angegriffen.
  • Kopf- und Hirntumoren
  • erblich bedingte Ursachen

Neben dem zentralen Diabetes insipidus gibt es den sogenannten renalen oder nephrogenen Diabetes insipidus. Hier ist zwar genügend ADH im Körper vorhanden, aber die Niere kann auf das Hormon nicht ausreichend reagieren.

Zu den möglichen Ursachen gehören hier:

  • angeborene Störungen der Signalübertragung: Das Hormon ADH vermittelt normalerweise Signale an die Nierenzellen, um Wasser zurückzugewinnen. Durch erblich bedingte Ursachen ist dieser Prozess gestört.
  • bestimmte Medikamente: zum Beispiel eine Therapie mit Lithium bei psychischen Erkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Störungen des Mineralhaushalts: beispielsweise zu geringe Mengen an Kalium oder zu große Mengen an Kalzium im Blut

Wie diagnostiziert man einen Diabetes insipidus?

Ein Diabetes insipidus lässt sich an den typischen Symptomen und mithilfe verschiedener Labortests feststellen.

Messen der Harnmenge

Eine übermäßige Harnproduktion und damit ein Anzeichen für einen Diabetes insipidus bei einem Erwachsenen liegt vor, wenn innerhalb von 24 Stunden mehr als 40 bis 50 Milliliter Urin pro Kilogramm Körpergewicht ausgeschieden werden. Bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm wären das mehr als 2,8 bis 3,5 Liter.

Blut- und Urinuntersuchung

Typischerweise ist das Blutplasma bei einem Diabetes insipidus stärker konzentriert, während der Urin zu stark verdünnt ist. Dies lässt sich im Labor leicht nachweisen. Auch ist es wichtig, die Salze (Elektrolyte) im Blut zu untersuchen, um mögliche Störungen des Mineralhaushalts festzustellen.

Messung des Zuckerspiegels

Ist der Zuckerspiegel im Blut und Urin erhöht, spricht dies in der Regel nicht für einen Diabetes insipidus.

Darüber hinaus kommen vier spezielle Untersuchungsverfahren zum Einsatz:

Durstversuch

Dabei wird mehrere Stunden lang auf jegliche Flüssigkeitszufuhr verzichtet. Im Falle eines Diabetes insipidus entstehen dabei weiterhin große Mengen eines wenig konzentrierten Urins. Um Komplikationen zu vermeiden, wird der Durstversuch ärztlich überwacht.

Desmopressin-Test

In der Regel wird im zweiten Teil eines Durstversuchs das Hormon Desmopressin gegeben. Es wirkt genauso wie das körpereigene antidiuretische Hormon (ADH). Damit können Ärztinnen und Ärzte feststellen, um welchen Erkrankungstyp es sich handelt: Normalisieren sich die Urinmenge und -konzentration bei Gabe von Desmopressin, zeigt dies, dass die Niere normal arbeitet. Die Erkrankung geht also auf eine mangelhafte ADH-Produktion im Gehirn zurück (zentraler Diabetes insipidus). Wirkt Desmopressin dagegen nicht oder nur wenig, liegt die Störung in der Niere selbst (renaler Diabetes insipidus).

Nachweis von Copeptin im Blut

Dieses Eiweiß spielt eine Rolle bei der Bildung von ADH im Gehirn und kann zusätzlich Hinweise auf einen Diabetes insipidus geben.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Damit lassen sich beispielsweise Entzündungen oder Tumoren im Bereich der Hirnanhangsdrüse entdecken.

Wie wird ein Diabetes insipidus behandelt?

Grundsätzlich ist es bei einem Diabetes insipidus wichtig, viel zu trinken. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen kann ein Wassermangel schnell zu einem Kreislaufkollaps führen.

Grundsätzlich muss man bei einem Diabetes insipidus auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Dies gilt insbesondere für Kinder und ältere Menschen.

Manchmal lässt sich ein bestimmter Auslöser für einen Diabetes insipidus ausmachen und gezielt beseitigen. Liegt zum Beispiel eine Störung des Mineralhaushalts vor, kann diese behoben werden. Auch nach dem Absetzen von Medikamenten, die eine Harnflut hervorrufen können, erholt sich die Nierenfunktion bisweilen wieder. Zudem richtet sich die Behandlung nach dem Typ der Erkrankung.

Behandlung des zentralen Diabetes insipidus

Um die mangelnde ADH-Produktion im Gehirn auszugleichen, wird das Hormon Desmopressin eingesetzt. Desmopressin gibt es als Injektionslösung, Nasenspray oder in Tablettenform. 

Behandlung des renalen Diabetes insipidus

Geht der Diabetes insipidus auf eine Schädigung der Niere zurück, ist eine salz- und eiweißarme Ernährung wichtig. Daneben kommen Medikamente zum Einsatz. Manche Erwachsene können eine leichtere Harnflut auch durch reichliches Trinken ausgleichen. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, denn ein wiederkehrender Wassermangel kann zu erheblichen Entwicklungsstörungen führen. 

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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