Gutartiger Lagerungsschwindel

Schwindelanfälle können durch eine Störung im Gleichgewichtsorgan des Ohrs ausgelöst werden. Dann handelt es sich um einen gutartigen Lagerungsschwindel. Dieser ist unangenehm, aber harmlos.

Auf einen Blick

  • Ein gutartiger Lagerungsschwindel führt zu Schwindelattacken.
  • Sie werden durch winzige Steinchen im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs ausgelöst.
  • Die Anfälle hören meist nach wenigen Wochen von selbst auf.
  • Ansonsten können sogenannte Lagerungsmanöver helfen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Lagerungsschwindel: Eine ältere Frau sitzt auf einem Bett, beugt ihren Oberkörper leicht nach vorne und fasst sich mit der linken Hand an die Stirn. Die Frau hat ihren Mund leicht geöffnet. Sie wirkt erschöpft.

Was ist ein gutartiger Lagerungsschwindel?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich alles um Sie herum dreht oder schwankt, wird das als Schwindel (Vertigo) bezeichnet. Er kann im Stehen, beim Gehen oder im Liegen auftreten. Ein solcher Schwindelanfall kann je nach Ursache unterschiedlich lange dauern. Begleitende Beschwerden können unter anderem Benommenheit oder Übelkeit sein.

Dem gutartigen Lagerungsschwindel liegt meist eine Störung des Gleichgewichtsorgans zugrunde. Bestimmte Bewegungen lösen dann für eine kurze Zeit Schwindel aus. Der gutartige Lagerungsschwindel lässt sich einfach feststellen und behandeln. Er ist harmlos, wenn auch unangenehm.

Welche Symptome zeigen sich bei einem gutartigen Lagerungsschwindel?

Wer einen Schwindelanfall hat, hat das Gefühl, dass sich alles um ihn dreht („Karussellgefühl“). In der Regel entsteht ein gutartiger Lagerungsschwindel durch schnelle Bewegungen des Kopfs – zum Beispiel, wenn man:

  • den Kopf neigt, dreht oder in den Nacken legt.
  • sich bückt.
  • sich hinlegt.
  • sich im Liegen umdreht.
  • sich aus dem Liegen heraus aufsetzt.
In der Regel entsteht ein gutartiger Lagerungsschwindel durch schnelle Bewegungen des Kopfes.

Das Schwindelgefühl hält normalerweise nur kurz an: für einige Sekunden bis höchstens fünf Minuten.

Während oder nach dem Schwindelanfall kann Übelkeit auftreten, selten auch Erbrechen.

Was sind die Ursachen für einen gutartigen Lagerungsschwindel?

Vermutlich rufen lose Ablagerungen in den sogenannten Bogengängen des Innenohrs den gutartigen Lagerungsschwindel hervor. Die Bogengänge sind ein Gangsystem, das mit Flüssigkeit gefüllt ist. Es ist Teil des Gleichgewichtsorgans und erspürt mithilfe von Sinneszellen, ob und in welche Richtung sich der Kopf dreht.

Grafische Darstellung eines Ohres. Die Grafik zeigt im Uhrzeigersinn von links nach rechts: Innenohr, Mittelohr, äußeres Ohr.

Wie es zu den Ablagerungen kommt, ist unklar. Meist sind es winzige Steinchen („Otolithen“) im hinteren Bogengang. Wenn der Betroffene den Kopf bewegt, irritieren die „rieselnden“ Steinchen die Sinneszellen. Weil diese Fehlinformation nicht mit den anderen Sinneswahrnehmungen – wie denen der Augen – übereinstimmt, kommt es zu einem Schwindelgefühl.

Zu den selteneren Ursachen von Schwindelattacken zählen Ohrentzündungen, Schädelverletzungen, Durchblutungsstörungen oder Bettlägerigkeit.

Wie häufig kommt es zu einem gutartigen Lagerungsschwindel?

Von einem gutartigen Lagerungsschwindel sind im Laufe ihres Lebens ungefähr zwei Prozent der Menschen hierzulande betroffen. Bei Frauen ist er etwa doppelt so häufig wie bei Männern. In der Altersgruppe zwischen 40 und 70 Jahren kommt gutartiger Lagerungsschwindel am häufigsten vor.

Ungefähr 2 % der Deutschen haben in ihrem Leben einen gutartigen Lagerungsschwindel. Am häufigsten im Alter von 40-70 Jahren.

Typisch für einen gutartigen Lagerungsschwindel sind wiederkehrende, kurze Schwindelanfälle. Sobald sich die Steinchen aber im Bogengang festsetzen und vom Körper abgebaut werden, verschwindet er in der Regel von allein. Aus diesem Grund ist etwa die Hälfte der Betroffenen innerhalb von drei Monaten wieder beschwerdefrei.

Wie wird ein gutartiger Lagerungsschwindel festgestellt?

Ein gutartiger Lagerungsschwindel ist anhand der Beschwerden und der Vorgeschichte für gewöhnlich leicht zu erkennen. Er lässt sich gut von anderen Schwindelformen abgrenzen. Ärztinnen und Ärzte fragen üblicherweise, ob der Schwindel dauerhaft, anfallsweise oder bei bestimmten Auslösern auftritt.

Ein Verdacht auf gutartigen Lagerungsschwindel kann mithilfe des sogenannten Hallpike-Tests bestätigt werden. Mit ärztlicher Unterstützung werden hierbei Kopf und Rumpf rasch in einer fest vorgegebenen Abfolge bewegt. Ein gutartiger Lagerungsschwindel liegt vor, wenn durch diese Bewegungen ein Schwindelanfall ausgelöst wird.

Während des Schwindelanfalls kommt es auch zu typischen, ruckartigen Augenbewegungen („Nystagmus“). Um diese besser erkennen zu können, kann während der Untersuchung eine besondere Brille („Frenzelbrille“) zum Einsatz kommen.

Wie wird ein gutartiger Lagerungsschwindel behandelt?

Oft reicht es aus abzuwarten, bis der gutartige Lagerungsschwindel von selbst verschwindet. Es gibt aber auch Behandlungsmöglichkeiten, wie etwa „Lagerungsmanöver“. Dabei sollen bestimmte Bewegungen des Kopfs und des Körpers dazu führen, dass sich die Steinchen festsetzen und keine Schwindelattacken mehr auslösen.

Zu den weiteren Behandlungen zählen Medikamente gegen Übelkeit. Diese sind aber nur vereinzelt nötig.

Weitere Informationen zum Thema und was man bei einem gutartigen Lagerungsschwindel tun kann, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

Welche Auswirkungen hat ein gutartiger Lagerungsschwindel?

Schwindelanfälle können verunsichern – vor allem dann, wenn noch nicht klar ist, ob es sich um einen harmlosen Lagerungsschwindel handelt.

Besonders bei älteren Menschen erhöhen Schwindelattacken die Gefahr zu stürzen. Sich aus Furcht vor der nächsten Attacke weniger zu bewegen, kann den Alltag einschränken. 

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Stand:

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