Hodenkrebs

Hodenkrebs ist ein bösartiger Tumor beim Mann, der im Hoden entsteht. Viele Männer werden selbst auf den veränderten Hoden aufmerksam. Bei der Behandlung entfernen die Ärzte den betroffenen Hoden durch eine Operation. Die Heilungschancen sind sehr gut. 

Auf einen Blick

  • Hodenkrebs ist ein bösartiger Tumor beim Mann, der im Hoden entsteht. 
  • Viele Männer werden selbst auf den veränderten Hoden aufmerksam. 
  • Es gibt zwei häufige Arten von Hodenkrebs: das sogenannte Seminom und das Nichtseminom. 
  • Bei der Behandlung entfernen die Ärzte den betroffenen Hoden durch eine Operation. 
  • Die Heilungschancen sind sehr gut. 
  • Ist die Fruchtbarkeit durch den Tumor oder die Behandlung gefährdet, informieren die Ärzte betroffene Männer über Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit zu erhalten. 

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Hodenkrebs: Ein Mann sitzt in einem Behandlungszimmer. Sein Blick ist auf eine Ärztin gerichtet, die ihm gegenüber sitzt und mit ihm spricht.

Was ist Hodenkrebs?

Hodenkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung beim Mann, die im Hoden entsteht. 

Hodentumoren entwickeln sich fast immer aus den Samenzellen, auch Spermien oder Keimzellen genannt. Fachleute unterscheiden bei den Keimzellen verschiedene Zelltypen. Je nachdem, welche Zelltypen im Tumor zu finden sind, bezeichnen sie ihn als Seminom oder Nichtseminom. 

Welche Symptome weisen auf Hodenkrebs hin?

Viele Männer, die an Hodenkrebs erkranken, werden selbst auf einen veränderten Hoden aufmerksam. Ein typisches Warnzeichen ist, wenn der Hodensack anschwillt, ohne dass er Schmerzen macht. Bei manchen Männern entdecken Ärzte den Tumor auch zufällig, zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung des Hodens nach einer Verletzung. 

Beschwerden, die bei Hodenkrebs auftreten können, sind: 

  • Schweregefühl im Hoden 
  • einseitiges Ziehen im Hoden oder in der Leiste 
  • tastbare Verhärtung innerhalb des Hodens oder an seiner Oberfläche 
  • Schmerzen im Hoden 
  • Vergrößerung der Brustdrüse (Gynäkomastie) und Schmerzen in der Brust aufgrund der hormonellen Aktivität des Tumors 
  • Flüssigkeitsansammlung (Hydrozele) im Hoden 
  • Unfruchtbarkeit (Infertilität) 

Gibt es Risikofaktoren für Hodenkrebs?

Es sind Faktoren bekannt, die das Risiko für Männer erhöhen, an Hodenkrebs zu erkranken. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) nennt folgende: 

  • eine Vorerkrankung mit einseitigem Hodenkrebs 
  • ein Hodenhochstand in der Kindheit, auch wenn dieser behandelt wurde 
  • eine Hodentumorerkrankung des Bruders oder des Vaters 
  • eine Fruchtbarkeitsstörung 

Wer zur Risikogruppe für Hodenkrebs gehört, sollte nicht nur auf die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden achten, sondern zusätzlich eine fachärztliche Abklärung durch eine Urologin oder einen Urologen wahrnehmen, empfiehlt die DGU. 

Auch Männer, für die die Risikofaktoren nicht zutreffen, können an Hodenkrebs erkranken. Manchmal entsteht Krebs rein zufällig, ohne dass ein Grund dafür zu finden ist. 

Weitere Informationen zu Risikofaktoren für Hodenkrebs finden Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Wie häufig ist Hodenkrebs?

An Hodenkrebs erkranken in Deutschland jährlich rund 4.000 Männer. Im Alter von 20 bis 44 Jahren ist Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung des Mannes. In dieser Altersgruppe macht Hodenkrebs ein Viertel der Krebserkrankungen aus. 

An Hodenkrebs erkanken in Deutschland jährlich rund 4.000 Männer. Im Alter von 20 bis 44 Jahren ist Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung des Mannes.

Gibt es eine Früherkennung für Hodenkrebs?

Derzeit gibt es kein spezielles gesetzliches Früherkennungsprogramm nur für Hodenkrebs. Ab dem Alter von 45 Jahren gehört jedoch einmal jährlich die Tastuntersuchung der äußeren Geschlechtsorgane (also auch der Hoden) zur allgemeinen kostenlosen Früherkennung beim Arzt. 

Ausnahme 

Junge Männer (unter 45 Jahren) mit einem erhöhten Risiko für Hodenkrebs, sollten mit ihren Ärzten darüber sprechen, ob für sie eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung sinnvoll ist. 

Selbstuntersuchung 

Fachleute empfehlen Jungen ab der Pubertät und Männern, ihre Hoden regelmäßig selbst zu untersuchen. Jungen und Männer, die Veränderungen an ihrem Hoden feststellen, sollten diese von einem Arzt abklären lassen. 

Wie Sie Ihre Hoden am besten selbst untersuchen können und was Sie dabei beachten müssen, finden Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Was geschieht bei einem Verdacht auf Hodenkrebs?

Jungen und Männer, die Veränderungen an ihrem Hoden feststellen, sollten diese von einem Arzt abklären lassen.  

Liegt der Verdacht auf einen Hodentumor vor, tastet der Arzt oder die Ärztin die Hoden mit den Fingern ab und untersucht sie mit einem Ultraschallgerät. Auch eine Untersuchung des gesamten Körpers gehört dazu. Bei vielen Patienten mit Hodenkarzinom sind zudem bestimmte Tumormarker im Blut erhöht. Für den Nachweis bekommen die Patienten Blut abgenommen. 

Freilegen des Hodens  

Besteht nach den ersten Untersuchungen weiterhin der Verdacht auf Hodenkrebs, ist eine Operation notwendig. Dabei legt der Arzt den verdächtigen Hoden über einen Schnitt in der Leiste frei. Nun kann er mit bloßem Auge erkennen, ob es sich tatsächlich um einen Tumor handelt und in Zweifelsfällen Gewebeproben (Biopsie) von Tumorgewebe und Hoden entnehmen. Wird Hodenkrebs festgestellt, so wird der betroffene Hoden vollständig entfernt.  

Ausbreitungsdiagnostik 

Im Rahmen der Untersuchungen kontrolliert der Arzt auch, ob der Hodentumor in andere Organe gestreut hat. Die sogenannte Ausbreitungsdiagnostik beinhaltet in der Regel eine Computertomografie des Becken-, Bauch- und Brustraums. 

Informationen zum Ablauf einer Computertomografie finden Sie auf der Website des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Wie läuft die Behandlung bei Hodenkrebs ab?

Patienten mit Hodenkrebs haben sehr gute Heilungschancen. Auch im fortgeschrittenen Stadium ist Hodenkrebs noch heilbar. Die Heilungschancen sind bei einem Seminom günstiger als bei einem Nichtseminom. Auch werden die beiden Tumorarten etwas unterschiedlich behandelt.

Wie wird Krebs behandelt?

Im folgenden Video erfahren Sie, wie Krebserkrankungen behandelt werden können.

Operation 

Bei der Behandlung entfernt der Arzt oder die Ärztin den betroffenen Hoden einschließlich des Samenstrangs über einen Schnitt in der Leiste. Fachleute bezeichnen den Eingriff als Orchiektomie. Der Patient erhält für die Operation eine kurze Vollnarkose. Bei manchen Patienten entfernen die Ärzte in einer weiteren Operation die Lymphknoten im hinteren Bauchraum. 

Nach der Operation 

Wie die Behandlung nach der Operation weitergeht, hängt von der Art des Tumors und vom Stadium der Erkrankung ab. Infrage kommt eine Chemotherapie, eine Strahlentherapie oder die Überwachung der Erkrankung ohne weitere Behandlung.  

Die Überwachungsstrategie hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Sie ermöglicht es, die Gefahr einer Übertherapie mit möglichen Spätfolgen für die zumeist jungen Patienten gering zu halten. 

Fortgeschrittene Erkrankung 

Männer mit Hodenkrebs in einem fortgeschrittenen oder metastasierten Tumorstadium sollten sich nach Möglichkeit in einem spezialisierten Zentrum für Hodenkrebs behandeln lassen. Das verbessert die Heilungschancen. 

Wichtig zu wissen: Vor der Behandlung sollten betroffene Männer mit ihrem Arzt über die Möglichkeit sprechen, Spermien aufzubewahren. Spermaproben können tiefgefroren werden und ermöglichen später eine künstliche Befruchtung, falls die Fruchtbarkeit durch die Therapie gefährdet ist. 

Details zu den verschiedenen Behandlungsverfahren bei Krebs sowie möglichen Nebenwirkungen der Therapien finden Sie auf der Website des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Können Patienten mit Hodenkrebs eine Rehabilitation machen?

Eine Krebserkrankung kann sehr belastend sein, sowohl körperlich als auch psychisch. Für Patienten mit Hodenkrebs gibt es daher die Möglichkeit der Rehabilitation (Reha). Sie erfolgt idealerweise in einer Reha-Klinik, die gegebenenfalls auch über Angebote für junge Männer verfügt. 

Die Reha dient dazu, Krankheits- und Therapiefolgen vorzubeugen oder sie zu mindern. Für Berufstätige gehört auch die Rückkehr in den Beruf zu den Zielen der Rehabilitation. 

Wer in Reha gehen möchte, kann das mit seinen behandelnden Ärzten besprechen. Sie bescheinigen die Notwendigkeit der Rehabilitation. Fragen zur Reha beantworten zudem der Kliniksozialdienst der Krankenhäuser sowie die örtlichen Krebsberatungsstellen und die Krankenkassen. 

Weitere Informationen zur Rehabilitation nach onkologischen Erkrankungen finden Sie auf der Website des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Wie sieht die Nachsorge bei Hodenkrebs aus?

Ziel der Nachsorge bei Hodenkrebs ist es, einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) möglichst frühzeitig zu entdecken. Ein weiteres Ziel besteht darin, möglichen Spätfolgen der Krebserkrankung und der Krebstherapie vorzubeugen, sie zu erkennen und angemessen zu behandeln. 

Das Rückfallrisiko bei Hodenkrebs ist innerhalb der ersten beiden Jahre nach Ende der Behandlung am höchsten. Selten kommt es zu späten Rezidiven. Spätrezidive können auch noch nach 5 bis 10 Jahren auftreten. Die Nachsorge erfolgt in den ersten Jahren engmaschig. Betroffene haben mehrere Nachsorgetermine im Jahr. 

Im Rahmen der Nachsorge untersucht der Arzt den Patienten körperlich, kontrolliert regelmäßig die Tumormarker und führt bildgebende Untersuchungen durch. 

Langzeit-Nachsorge 

Eine Nachsorge über 5 Jahre hinaus ‒ gegebenenfalls auch lebenslang ‒ ist wichtig, um Spätfolgen frühzeitig zu erkennen. Welche Untersuchungen in welchen Abständen bei welchen Ärzten sinnvoll sind, ist von der individuellen Lebenssituation des Betroffenen sowie von der vorangegangenen Behandlung abhängig.

Wie wirkt sich Hodenkrebs auf das Leben Betroffener aus?

Unfruchtbarkeit 

Jeder zweite Hodenkrebspatient kann bereits zum Zeitpunkt der Diagnose nur noch eingeschränkt Kinder zeugen. Durch die Operation und die Chemotherapie, eventuell auch durch die Strahlentherapie, kann die Zeugungsfähigkeit weiter abnehmen. 

Patienten mit Hodenkrebs sollten vor der Behandlung mit ihrem Arzt über die Möglichkeit sprechen, den eigenen Samen (Sperma) in einer Samenbank tiefgefroren aufzubewahren. Die sogenannte Kryokonservierung bezahlt künftig die Krankenkasse. Betroffene können mit ihrer Kasse klären, ob diese die Kosten bereits übernimmt. 

Testosteronmangel 

Bei manchen Patienten kommt es aufgrund der Erkrankung zu einem Mangel an dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron. Das kann die Lebensqualität beeinträchtigen und zu Übergewicht oder Bluthochdruck führen. Ein Hormonmangel lässt sich mit Testosteron-Medikamenten ausgleichen.  

Hodenprothese  

Manche Männer leiden unter dem veränderten körperlichen Erscheinungsbild, wenn ein Hoden fehlt. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, den fehlenden Hoden durch eine Prothese zu ersetzen. Ob die Krankenkasse die Kosten dafür übernimmt, sollten Betroffene im Vorfeld klären.

Wo finden Patienten mit Hodenkrebs Hilfe?

Krankenhäuser, in denen die Ärzte besonders viel Erfahrung bei der Behandlung von Patienten mit Hodenkrebs haben, können sich dies durch eine sogenannte Zertifizierung bestätigen lassen. Einige Zentren bieten Hodenkrebspatienten auch eine Zweitmeinung an.

Eine Übersicht der spezialisierten Zentren für Hodenkrebs, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert sind, finden Sie auf der Website OncoMap.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) informiert auf der Website Hodencheck über Hodenkrebs. Männer finden dort unter anderem Informationen zur Früherkennung von Hodenkrebs und zur Selbstuntersuchung. 

Zentren, die Hodenkrebspatienten eine Zweitmeinung anbieten, finden Sie auf der Website Zweitmeinung Hodentumor.

Sie haben weitere Fragen zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag und zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten? Sie finden hierzu Informationen auf der Website des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Bei allen Fragen zu Hodenkrebs können Sie sich auch persönlich an den Krebsinformationsdienst wenden: unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 - 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

In Zusammenarbeit mit dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Stand:

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