Organspende: Eine sehr persönliche Entscheidung

Eine Organ- oder Gewebetransplantation kann erkrankten oder verletzten Menschen helfen und Leben retten. In Deutschland können sich Menschen aktiv dafür entscheiden, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden. Ein Organspendeausweis dokumentiert diese Entscheidung. Doch wer kommt überhaupt als Spenderin oder Spender infrage? Und warum ist es so wichtig, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen?

Auf einen Blick

  • In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zur Lebendorganspende sowie zur postmortalen Organspende, also zur Spende nach dem Tod.
  • Wer seinen Entschluss zur Organspende schriftlich festhält, kann seine Angehörigen im Ernstfall vor einer schwierigen Entscheidung bewahren.
  • Ein Organspendeausweis ist leicht erhältlich und lässt sich ohne viel Aufwand ausfüllen.
  • Voraussetzung dafür, dass einer spendenden Person nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, ist die zweifelsfreie Feststellung des sogenannten Hirntods. Das heißt, dass sämtliche Hirnfunktionen endgültig und unwiederbringlich ausgefallen sein müssen.
  • Bei einer Organentnahme für die Organspende arbeiten Chirurginnen und Chirurgen genauso sorgfältig wie bei jeder anderen Operation.
  • Das Transplantationsgesetz schafft Rechtssicherheit und beugt Missbrauch vor.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Organspende: Im Vorgergrund ist eine mobile Krankentrage zu sehen. Unscharf und im Hintergrund trägt eine Person einen Kühlbehälter für Transplantationsorgane.

Was ist eine Organspende?

Mehr als 9.000 Menschen in Deutschland warten derzeit auf ein Spenderorgan – für viele wäre es lebensrettend. Der Bedarf an Spenderorganen ist wesentlich höher als das Angebot: Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation spendeten im Jahr 2019 bundesweit 932 Menschen nach ihrem Tod insgesamt knapp 3.000 Organe.

Unterschieden werden die postmortale Organspende – also die Spende nach dem Tod – und die Lebendorganspende. 

Bei der postmortalen Organspende erhält eine Person, die aus gesundheitlichen Gründen darauf angewiesen ist, ein neues Organ von einer verstorbenen Spenderin oder einem verstorbenen Spender. In einem solchen Fall können Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm sowie verschiedene Gewebe wie zum Beispiel die Augenhornhaut verwendet werden. 

Bei der Lebendorganspende wird ein Organ oder ein Organteil von einem gesunden Menschen entnommen und der Patientin oder dem Patienten eingesetzt. Dafür eignen sich jedoch nicht alle Organe – nur die Transplantation einer Niere, eines Teilstücks der Leber, der Lunge, des Dünndarms oder der Bauchspeicheldrüse ist möglich. Durchgeführt werden in Deutschland allerdings hauptsächlich Lebendtransplantationen von Niere und Leber. Auch für einige Gewebe kommt eine Lebendspende infrage. 

Wichtig zu wissen: Die Entscheidung, ob und welche Organe und Gewebe man zu spenden bereit ist, kann man in einem Organspendeausweis oder auch in einer Patientenverfügung dokumentieren. Dies muss keine Entscheidung für immer sein: Wer seine Einstellung zur Organ- und Gewebespende ändert, kann das bisherige Dokument vernichten und jederzeit ein neues anlegen.

Welche Voraussetzungen gelten für eine Organspende?

Das Transplantationsgesetz, das seit 1997 gilt, regelt die Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen, die nach dem Tode oder zu Lebzeiten gespendet werden. Um Missbrauch zu verhindern, stellt das Gesetz beispielsweise den Handel mit Organen und Geweben zur Transplantation unter Strafe.  

Postmortale Spende – Einwilligung und Todesfeststellung  

Eine postmortale Spende ist nur mit Einwilligung der Spenderin oder des Spenders möglich. Dazu ist es grundsätzlich erforderlich, dass er oder sie schon zu Lebzeiten schriftlich in die Organ- oder Gewebespende einwilligt. Ab dem 16. Geburtstag ist man zu einer solchen Entscheidung befugt. Ablehnen kann man eine Organspende bereits mit 14 Jahren. Wenn keine Entscheidung der oder des Verstorbenen vorliegt, entscheiden die Angehörigen im mutmaßlichen Sinne des Verstorbenen. 

Unbedingte Voraussetzung für die Entnahme von Organen bei Verstorbenen ist, dass der sogenannte Hirntod festgestellt wurde. Hierfür müssen zwei Experten unabhängig voneinander den vollständigen und endgültigen Ausfall des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstammes feststellen und diesen Befund protokollieren. Somit ist sichergestellt, dass die Organe erst dann entnommen werden, wenn die Spenderin oder der Spender zweifelsfrei tot ist und die Ärztinnen und Ärzte nichts mehr für ihn tun können. 

Außerdem muss zum Zwecke der Organspende das Herz-Kreislauf-System bis zur Organentnahme künstlich aufrechterhalten werden. Da aber in den meisten Sterbefällen erst der Herzstillstand eintritt, kommen nur wenige verstorbene Menschen überhaupt als potenzielle Organspender infrage. Etwas anders verhält es sich mit der Gewebespende: Da Gewebe in der Regel weniger durchblutet sind als Organe, kann eine Spende auch nach einem Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems noch möglich sein. Voraussetzung für eine Gewebeentnahme ist, dass seit dem endgültigen, nicht behebaren Herztod mehr als drei Stunden vergangen sind. 

Generell gibt es kein Höchstalter für eine Organspende, entscheidend sind der Gesundheitszustand der verstorbenen Person und der Zustand ihrer Organe. Auch gibt es nur sehr wenige Erkrankungen, die eine Organspende definitiv ausschließen. Dazu gehören zum Beispiel akute Krebserkrankungen oder eine Infektion mit HIV. Bei anderen Erkrankungen entscheiden die zuständigen Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall.

Lebendorganspende – Schutz der Gesundheit der spendenden Person

Folgende Voraussetzungen müssen bei einer Lebendorganspende erfüllt sein: Volljährigkeit, schriftliche Einwilligung, Eignung sowie ein Gutachten.

Die Lebendorganspende kann für die gesunde Spenderin oder den gesunden Spender mit Risiken verbunden sein. Es gelten daher strenge Voraussetzungen. Eine Lebendorganspende kommt ausschließlich in Betracht, wenn kein Spenderorgan eines Verstorbenen zur Verfügung steht. Außerdem sind nur Organe naher Angehöriger – beispielsweise Eltern, Kinder oder Lebenspartner – oder einer Person, die der Organempfängerin oder dem Organempfänger offenkundig persönlich verbunden ist und nahesteht, zugelassen. Die spendende Person muss volljährig und einwilligungsfähig sein. Weiterhin muss sie nach umfangreicher Aufklärung freiwillig in die Entnahme einwilligen und nach ärztlicher Beurteilung als Spenderin oder Spender geeignet sein. Die Freiwilligkeit der Einwilligung wird durch die Ethikkommissionen der Länder begutachtet.

Wie ist der Ablauf einer postmortalen Organspende?

Nachdem der sogenannte Hirntod und die Einwilligung zur Spende zweifelsfrei festgestellt wurden, entnehmen erfahrene Chirurginnen und Chirurgen die Organe mit derselben Sorgfalt wie bei einer Operation am lebenden Menschen. Die Ärzte verschließen die Operationswunde sorgfältig und übergeben die Spenderin oder den Spender in würdigem Zustand für eine mögliche Aufbahrung. Die Angehörigen können in jeder gewünschten Weise Abschied von der oder dem Verstorbenen nehmen. 

Nach der Entnahme werden die Spenderorgane untersucht und Gewebemerkmale sowie die Blutgruppe bestimmt, um passende Empfängerinnen und Empfänger finden zu können. Diese werden von der Stiftung Eurotransplant ermittelt. Als gemeinnützige Organisation koordiniert Eurotransplant den Austausch aller Spenderorgane in einem Verbund aus acht europäischen Ländern, sodass alle Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten möglichst effizient und fair versorgt werden können. Patientinnen und Patienten in akut lebensbedrohlichen Situationen werden bei der Vermittlung vorrangig berücksichtigt.

Hat Eurotransplant eine geeignete Empfängerin oder einen geeigneten Empfänger ermittelt, informiert die Stiftung das zuständige Transplantationszentrum, welches umgehend mit der Vorbereitung der Empfängerin oder des Empfängers beginnt, um die Zeit zwischen Organentnahme und Transplantation möglichst kurz zu halten und damit die Aussichten auf Erfolg zu steigern.

Die eigene Entscheidung schriftlich festhalten: Warum ist das sinnvoll?

Was die Bereitschaft zur Organspende angeht, gilt in Deutschland die sogenannte Entscheidungslösung. Verstorbenen dürfen Organe und Gewebe zum Zweck einer Transplantation nur entnommen werden, wenn sie zu Lebzeiten in einem Organspendeausweis, einer Patientenverfügung, einer anderen schriftlichen Erklärung oder künftig in einem – derzeit im Aufbau befindlichen – zentralen Organ- und Gewebespenderegister ihre Einwilligung dazu gegeben haben. 

Kommt bei einem Verstorbenen eine Organspende infrage, wird geprüft, ob ein Organspendeausweis vorliegt.

Liegt keine schriftliche Erklärung vor, befragen die Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus die nächsten Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der oder des Verstorbenen und bitten sie, in seinem oder ihrem Sinne zu entscheiden. Eine solche Entscheidung in der Situation der Trauer zu treffen, kann die Familienangehörigen zusätzlich belasten oder überfordern. Mit einem ausgefüllten Ausweis oder einer Patientenverfügung kann man sie vor einer solchen Belastung bewahren und sicherstellen, das der eigene Wille beachtet wird.

Wo erhält man einen Organspendeausweis?

Die gesetzlichen und privaten Krankenkassen senden ihren Versicherten regelmäßig Informationsmaterial und einen Organspendeausweis per Post zu. Der Ausweis-Vordruck im Scheckkartenformat ist aber auch in vielen Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern sowie in Einwohnermeldeämtern erhältlich. 

Zudem kann man einen Organspendeausweis kostenfrei bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung anfordern.

Möglich ist es auch, den Ausweis online auszufüllen und auszudrucken.

Wie sollte man den ausgefüllten Organspendeausweis aufbewahren?

Der Organspendeausweis sollte schnell zu finden sein. Sinnvoll kann es daher sein, den Ausweis bei den Personalpapieren immer bei sich zu tragen. Wichtig ist auch, die Angehörigen über die eigene Entscheidung zu informieren und ihnen den Aufbewahrungsort des Ausweises mitzuteilen.

Wo erhalte ich weitere Informationen zur Organspende?

Fragen zum Thema Organ- und Gewebespende beantwortet das Team des Infotelefons Organspende der BZgA. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr erreichbar unter der kostenfreien Rufnummer 0800 9040400.

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