Trigeminusneuralgie

Reize wie Niesen, Kauen oder ein kühler Luftzug können bei Menschen mit einer Trigeminusneuralgie heftige, in eine Gesichtshälfte einschießende Schmerzen auslösen. Medikamente, operative Eingriffe oder Bestrahlung können helfen, die Beschwerden zu lindern.

Auf einen Blick

  • Unter einer Trigeminusneuralgie versteht man heftige, einseitige Gesichtsschmerzen.
  • Sie dauern meist nur wenige Sekunden, können aber über mehrere Tage oder Wochen immer wieder auftreten.
  • Ausgelöst werden die Schmerzen durch eine Reizung des Trigeminusnervs, auch Drillingsnerv genannt.
  • Mit Medikamenten, einem operativen Eingriff oder einer Strahlentherapie lässt sich die Neuralgie gut behandeln.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Ein gepflegter älterer Herr fasst sich besorgt an die rechte Wange; sein Gesicht ist schmerzverzerrt.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Menschen mit einer Trigeminusneuralgie haben heftige Gesichtsschmerzen. Die Schmerzen entstehen durch einen gereizten Trigeminusnerv – beispielsweise, weil ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv drückt.

Der Trigeminusnerv ist für die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzempfinden der folgenden Gesichtspartien verantwortlich:

  • Stirn und Augen
  • Ober- und Unterkiefer
  • Lippe und Wange

Die Schmerzen treten einseitig auf. Schmerzfreie Phasen wechseln sich mit Phasen häufig wiederkehrender Schmerzen ab.

Welche Symptome treten bei einer Trigeminusneuralgie auf?

Menschen mit einer Trigeminusneuralgie verspüren plötzlich einsetzende, heftige Schmerzen im Gesicht. Sie treten vor allem in der mittleren und unteren Gesichtshälfte auf, besonders häufig im Kiefer- und Wangenbereich.

Menschen mit einer Trigeminusneuralgie verspüren plötzlich einsetzende, heftige Schmerzen im Gesicht.

Zwischen Zeiten mit häufigen Beschwerden liegen schmerzfreie Phasen. Die Abstände zwischen den Attacken können sich mit der Zeit verkürzen. Es kann sich auch ein dumpfer Dauerschmerz einstellen.

Die Schmerzen im Gesicht können von Kopfschmerzen begleitet sein. Mögliche weitere Symptome sind:

  • gerötete Bindehaut
  • verengte Pupille
  • Tränenfluss
  • verstopfte oder laufende Nase
  • geschwollenes Augenlid
  • hängendes Augenlid

Was verursacht eine Trigeminusneuralgie?

Bei 80 bis 90 Prozent der Menschen mit einer Trigeminusneuralgie drückt ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv. Das reizt die schützende Nervenhülle, wodurch der Nerv leichter erregbar wird. Fachleute sprechen hier von der klassischen oder primären Trigeminusneuralgie.

Von einer sekundären oder symptomatischen Trigeminusneuralgie ist die Rede, wenn der Nerv durch andere Erkrankungen gereizt ist und die Gesichtsschmerzen verursacht.

Dazu gehören:

  • multiple Sklerose
  • Tumoren, die Druck ausüben
  • Bindegewebserkrankungen
  • angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen

Wenn sich für die typischen Gesichtsschmerzen keine Ursache erkennen lässt, liegt eine sogenannte idiopathische Trigeminusneuralgie vor.

Die Schmerzanfälle können spontan auftreten oder durch bestimmte Reize ausgelöst werden, auch Trigger genannt. Dazu zählen bereits leichte Gesichtsberührungen, Kauen oder Zähneputzen. Manchmal sorgt schon ein kühler Luftzug für einen Schmerzanfall.

Menschen mit einer Trigeminusneuralgie suchen häufig zuerst einen Zahnarzt auf, weil sie das Gefühl haben, der Schmerz kommt aus dem Mund.

Tatsächlich ist der Ast des Trigeminusnervs, der den Kiefer versorgt, am häufigsten betroffen.

Wie häufig ist eine Trigeminusneuralgie?

Die Erkrankung ist selten: Pro Jahr bekommen zwischen 4 und 27 von 100.000 Menschen eine Trigeminusneuralgie.

Die Gesichtsschmerzen treten bei Frauen etwas häufiger auf als bei Männern.

Wie verläuft eine Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie tritt phasenweise auf. Wann genau eine Attacke beginnt, lässt sich nicht vorhersagen.

Manchmal erleben Menschen mit einer Trigeminusneuralgie über Wochen und Monate täglich Attacken, dann wieder haben sie für gewisse Zeit gar keine Beschwerden. Erfahrungsgemäß nehmen die Attacken mit der Dauer der Erkrankung zu.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie diagnostiziert?

Ob eine Trigeminusneuralgie vorliegt, stellen Ärztinnen und Ärzte durch ein ausführliches Gespräch und eine gründliche körperliche Untersuchung fest.

Im Gespräch wird unter anderem erfragt, wie lange die Schmerzen anhalten und wie häufig sie auftreten. Hinweise auf eine Trigeminusneuralgie geben auch die Begleitsymptome sowie die Reize, die eine Schmerzattacke auslösen können.

Außerdem wird die Ärztin oder der Arzt das Empfindungsvermögen im Gesicht testen sowie weitere körperliche Untersuchungen machen. Meist reichen diese Informationen aus, um die Diagnose zu stellen.

Wie behandelt man eine Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie lässt sich mit Medikamenten, operativen Verfahren oder einer Bestrahlung erfolgreich behandeln.

Die Trigeminusneuralgie lässt sich mit Medikamenten, operativen Verfahren oder einer Bestrahlung erfolgreich behandeln.

Herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol wirken bei einer Trigeminusneuralgie nicht, weil die Schmerzattacken zu kurz sind. Selbst stärkste Schmerzmittel wie Opioide haben keine Wirkung.

Bei andauernden Schmerzepisoden mit wiederholten Schmerzattacken können Infusionen mit speziellen Wirkstoffen die akuten Beschwerden lindern.

Es empfiehlt sich, den Attacken durch eine Dauertherapie vorzubeugen. Mittel der Wahl sind Medikamente, die normalerweise bei epileptischen Anfällen verschrieben werden.

Die beiden bekanntesten Wirkstoffe sind Carbamazepin und Oxcarbazepin. Sie verringern die Anzahl der Schmerzepisoden. Die Dosis der Mittel wird langsam gesteigert, bis sie gut wirken und möglichst wenige Nebenwirkungen verursachen.

Darüber hinaus gibt es folgende Behandlungsmöglichkeiten:

  • Unterbrechung des Kontakts zwischen Nerv und Gefäß (mikrovaskuläre Dekompression)
  • Zerstörung des Nervs (Neuroablation)
  • Bestrahlung mit dem sogenannten GammaKnife

Eine Operation wird erst durchgeführt, wenn zuvor alle anderen Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen ausgeschöpft wurden oder wegen Nebenwirkungen nicht möglich sind. Die mikrovaskuläre Dekompression gilt als wirksame Wahl, wenn ein Kontakt zwischen Trigeminusnerv und Blutgefäß besteht. Der Eingriff soll diesen Kontakt unterbrechen und den Druck auf den Nerv lösen.

Bei der sogenannten Neuroablation zerstört die Ärztin oder der Arzt Nervenfasern mit Hilfe von Wärme, Druck oder einer Alkohollösung.

Eine andere Möglichkeit ist, den Trigeminusnerv mit radioaktiven Strahlen (GammaKnife) zu behandeln. Diese Bestrahlung soll verhindern, dass der Nerv weiterhin Schmerzsignale an das Gehirn weiterleitet.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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