Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall kann unbemerkt verlaufen, aber auch zu starken Beschwerden führen. Die Schmerzen lassen meistens innerhalb von 6 Wochen nach. Erfahren Sie hier mehr zu Ursachen und Behandlung der Erkrankung.

Auf einen Blick

  • Starke Schmerzen, die ins Bein und bis in die Füße ziehen, können erste Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall sein.
  • Ein Bandscheibenvorfall kann auch Taubheitsgefühle oder Kribbeln auslösen.
  • Meistens verschwinden die Beschwerden nach einigen Wochen von selbst.
  • Bis die Schmerzen abklingen, sollten sie behandelt werden, um aktiv bleiben zu können.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Bandscheibenvorfall: Eine Ärztin zeigt einem Mann das Modell einer Wirbelsäule.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Fast jeder Mensch kennt Rückenschmerzen. Ihre Ursache lässt sich selten genau klären. Wenn die Schmerzen allerdings über das Bein bis in den Fuß ausstrahlen, kann ein Bandscheibenvorfall der Grund sein. Die Schmerzen lassen bei den meisten Menschen innerhalb von 6 Wochen nach.

Die Bandscheiben bestehen aus einem gelartigen Kern (Gallertkern), der von einer elastischen Hülle aus Knorpelfaser umgeben ist. Sie sitzen zwischen den Wirbelkörpern der Rückenwirbel.

Von einem Bandscheibenvorfall ist die Rede, wenn Bandscheibengewebe zwischen den Wirbelkörpern hervortritt. Dieses Gewebe kann angrenzende Nerven im Bereich der Wirbelsäule reizen und starke Beschwerden auslösen. Ein Bandscheibenvorfall kann aber auch schmerzfrei verlaufen.

Welche Ursachen können Rückenschmerzen haben?

Das folgende Video zeigt mögliche Ursachen, Auslöser und Symptome von unspezifischen und spezifischen Kreuzschmerzen auf.

Welche Symptome treten bei einem Bandscheibenvorfall auf?

Ein plötzlich einschießender Schmerz oder auch starke Schmerzen im unteren Rücken sind häufige Symptome eines Bandscheibenvorfalls. Weitere typische Anzeichen sind Schmerzen, die über ein Bein bis in den Fuß ausstrahlen und als Ischialgie (umgangssprachlich „Ischias“) bezeichnet werden. Sie werden meist durch Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule ausgelöst.

Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule können die Schmerzen auch in den Armen zu spüren sein.

Gefühlsstörungen im Gesäßbereich oder Lähmungserscheinungen weisen auf ein ernsthaftes Problem wie eine Nervenschädigung hin. Dazu kommt es aber nur selten.

Wichtig zu wissen: Studien zeigen, dass Bandscheibenvorfälle nicht immer zu Beschwerden führen. In den Studien wurden beschwerdefreie Erwachsene mittels Kernspintomografie untersucht. Bei mehr als der Hälfte der Untersuchten zeigte sich eine vorgewölbte Bandscheibe. Bei etwa 20 Prozent der Untersuchten waren bereits stärkere Schädigungen der Bandscheibe sichtbar oder sogar ausgetretenes Gewebe. Dennoch hatte keiner von ihnen Schmerzen.

Wie kommt es zu einem Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheiben wirken wie Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln, dämpfen Stöße und federn Belastungen der Wirbelsäule ab. Wenn diese Funktion eingeschränkt ist, kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen. Schmerzen entstehen dabei vermutlich dadurch, dass Bandscheibengewebe auf Nerven im Bereich des Rückenmarks drückt.

Am häufigsten entstehen Bandscheibenvorfälle aufgrund von Verschleißerscheinungen. Diese gehören zum normalen Alterungsprozess – können sich jedoch individuell unterschiedlich äußern. Die Elastizität der Bandscheiben nimmt ab, je älter man wird. Sie verlieren Flüssigkeit und können Risse bekommen. Sehr selten können auch ein Unfall oder eine schwere Verletzung zu einem Bandscheibenvorfall führen.

Vor allem die typischen Ischiasschmerzen sind vielen Menschen ein Begriff. Sie entstehen, wenn Bandscheibengewebe eine Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule bedrängt. Dort verläuft der Ischiasnerv, in den die Spinalnerven des Wirbelkanals münden. Der Ischiasnerv versorgt die Beine. Wird er gereizt, macht sich das durch Schmerzen, manchmal auch durch Kribbeln und Taubheitsgefühle bemerkbar.

Fachleute unterscheiden folgende Schweregrade:

  • Bandscheibenvorwölbung (Protrusion): Dabei tritt die Bandscheibe in einer Wölbung zwischen den Wirbelkörpern hervor. Die äußerste Hülle ist noch intakt.
  • Extrusion: Hier weist die äußere Hülle der Bandscheibe Risse auf. Bandscheibengewebe kann austreten, ist jedoch noch mit der Bandscheibe verbunden.
  • Sequestrierter Bandscheibenvorfall (Sequester): Das Bandscheibengewebe ist in den Wirbelkanal ausgetreten und weist keine direkte Verbindung zur Bandscheibe mehr auf.

Wichtig zu wissen: Die Definition der Schweregrade sagt kaum etwas über die Art und Stärke der Beschwerden aus. Die Art des Bandscheibenvorfalls kann für seinen Verlauf und die Wahl der Behandlung jedoch eine wichtige Rolle spielen.

Wie häufig kommt es zu einem Bandscheibenvorfall?

1-5 % aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens an Rückenschmerzen, die auf einen Bandscheibenvorfall zurückzuführen sind.

Etwa ein bis 5 Prozent aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens Rückenschmerzen, die auf einen Bandscheibenvorfall zurückzuführen sind. Meist betrifft dies über 30-Jährige – Männer ungefähr doppelt so häufig wie Frauen.

Wie lange dauert ein Bandscheibenvorfall?

Bei manchen Menschen treten die Schmerzen plötzlich auf und verschwinden ähnlich plötzlich von selbst wieder. Einige haben über längere Zeit Schmerzen, andere wiederholte Schmerzattacken. Ein Bandscheibenvorfall kann also ganz unterschiedlich verlaufen.

Bei etwa 90 Prozent der Betroffenen lassen die Beschwerden innerhalb von 6 Wochen von selbst nach. Vermutlich beseitigt der Körper einen Teil des ausgetretenen Gewebes oder es verschiebt sich so, dass die Nerven nicht mehr gereizt werden. Wenn die Schmerzen nach 6 Wochen noch vorhanden sind, ist nicht davon auszugehen, dass sie von allein wieder verschwinden.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall festgestellt?

Ein Arzt untersucht die Bandscheibe eines Mannes, der seitlich auf einem Bett liegt.

Meist können Ärztinnen und Ärzte nach einer Befragung und einer körperlichen Untersuchung eine Diagnose stellen.

Bei Rückenschmerzen gibt es wenig gute Gründe für andere aufwendige Untersuchungen. So sind Röntgenaufnahmen kaum geeignet, da sie auch bei Menschen ohne Beschwerden häufig Bandscheibenschäden zeigen. Bildgebende Untersuchungen können also eine vermeintliche Ursache für die Kreuzschmerzen zeigen, die in Wirklichkeit nicht die Beschwerden auslöst. Eine solche Fehldiagnose kann wiederum Behandlungen nach sich ziehen, die im schlechtesten Fall sogar schaden.

Untersuchungen mit anderen bildgebenden Verfahren wie einer Kernspintomografie sind nur in folgenden seltenen Fällen angezeigt:

  • wenn an einem oder beiden Beinen Lähmungserscheinungen auftreten
  • bei einer Störung der Blasen- oder Darmfunktion
  • bei Schmerzen, die trotz Behandlung kaum erträglich sind oder über Wochen anhalten
  • wenn der Verdacht besteht, dass eine andere Erkrankung die Schmerzen verursacht, etwa ein Tumor

Wie wird ein Bandscheibenvorfall behandelt?

Im Vordergrund steht die schmerzlindernde Behandlung der Beschwerden, damit man so aktiv wie möglich bleiben kann. Die Genesung lässt sich durch die Schmerztherapie zwar nicht beschleunigen. Doch auch heftige Ischiasbeschwerden klingen meist allmählich von allein wieder ab. Eine Operation ist nur selten nötig.

Wichtig zu wissen: Wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass die Funktion von Darm oder Blase gestört ist oder Lähmungen auftreten, ist eine Operation notwendig. Außerdem wird mitunter operiert, um den betroffenen Nerv zu entlasten: etwa, wenn Ischiasbeschwerden durch einen Bandscheibenvorfall länger als 6 Wochen anhalten.

Vertiefendene Informationen zum Thema, etwa wann eine Bandschreiben-Operation sinnvoll ist, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

Welche Reha-Maßnahmen können sinnvoll sein?

Eine Rehabilitation kommt für Menschen infrage, die aufgrund ihrer Rückenschmerzen nicht arbeiten können oder im Alltag stark eingeschränkt sind. Rehabilitationsprogramme enthalten neben psychologischer Unterstützung vor allem bestimmte Bewegungsübungen wie Rückenschule, Krafttraining, Dehn- und Entspannungsübungen. Die Übungen sollen Beschwerden und Beeinträchtigungen mindern, die Rumpfmuskulatur stärken und die Wirbelsäule stabilisieren.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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