Divertikulitis, Divertikelkrankheit

Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Sie sind oft harmlos. Divertikel können jedoch auch zu wiederkehrenden oder dauerhaften Beschwerden führen. Es liegt dann eine chronische Divertikelkrankheit oder Divertikulitis vor. Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Formen.

Auf einen Blick

  • Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut.
  • An den betroffenen Stellen wölbt sich die Darminnenwand durch die Darmmuskulatur nach außen.
  • Divertikel sind oft harmlos und müssen nicht behandelt werden.
  • Bei einer Divertikelkrankheit kann es zu Beschwerden oder Komplikationen kommen.
  • Bei einer Divertikulitis sind die Ausstülpungen entzündet.
  • Die Entzündung kann mit Antibiotika behandelt werden.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Darmkrankheit Divertikulitis: Ein Mann hält sich mit beiden Händen den Bauch.

Was sind Divertikel?

Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Die Darminnenwand wölbt sich an den betroffenen Stellen durch die Darmmuskulatur nach außen. Dadurch entstehen meist kleine ballonförmige Ausstülpungen im Darm. In ihnen kann sich Stuhl ablagern.

Divertikel im Darm sind oft harmlos, können aber zu Beschwerden und Schmerzen führen.

Etwas vereinfacht unterscheidet man drei Formen:

  • Divertikulose: Die Darminnenwand wölbt sich an mehreren Stellen nach außen. Die Ausstülpungen bereiten keine Beschwerden.
  • Divertikelkrankheit: Die Ausstülpungen führen zu Beschwerden oder zu Komplikationen.
  • Divertikulitis: Die Ausstülpungen sind entzündet.

Divertikel können zu wiederkehrenden oder dauerhaften Beschwerden führen. Es liegt dann eine sogenannte chronische Divertikelkrankheit vor. In der Regel ist eine Divertikulitis gut behandelbar. Wenn sich die Entzündung ausbreitet, kann das jedoch ernste Folgen haben.

Woran kann man Divertikel bemerken?

Die meisten Divertikel verursachen keine Beschwerden.

Die meisten Divertikel verursachen keine Beschwerden. Eine Divertikelkrankheit macht sich häufig durch Schmerzen im linken Unterbauch bemerkbar, seltener im rechten. Typische Anzeichen sind Blähungen, Verstopfung oder Durchfall. Die Symptome verschwinden oft vorübergehend, können allerdings auch anhalten. Häufig sind die Beschwerden nach dem Essen stärker und bessern sich nach dem Stuhlgang wieder. Divertikel können manchmal auch bluten. 

Darmkrankheit Divertikulitis: Eine Frau sitzt auf der Toilette und hält eine Rolle Klopapier in der Hand.

Bei einer Divertikelentzündung (Divertikulitis) treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf. Begleitet werden sie von leichtem Fieber. Weitere Beschwerden sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe. Erbrechen ist eher selten. Wenn die Ärztin oder der Arzt bei der Untersuchung auf den Bauch drückt, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an – dies wird Abwehrspannung genannt. Beim plötzlichen Loslassen nimmt der Schmerz zu.

Was sind die Ursachen für Divertikel?

Risikofaktoren für Divertikulitis sind das Alter, ein schwaches Bindegewebe, gestörte Darm-Bewegungen, ein erbliches Risko und Übergewicht.

Divertikel bilden sich an Stellen mit schwächerer Darmmuskulatur. Sie entstehen meist im S-förmigen unteren Darmabschnitt, dem Sigma. In diesem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen Bereich vor dem Mastdarm ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand am stärksten.

Erblich bedingt sind manche Menschen anfälliger für Divertikel. Auch haben ältere sowie stark übergewichtige Menschen häufiger eine Divertikulose. Zu den weiteren Risikofaktoren gehören ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen. Welchen Einfluss der Lebensstil hat, ist noch unklar.

Es spricht einiges dafür, dass eine ballaststoffarme Ernährung das Risiko für eine Divertikelkrankheit erhöht – denn sie kann zu Verstopfung und hartem Stuhlgang führen. Weitere Faktoren sind vermutlich eine Ernährung mit viel rotem Fleisch, Rauchen und Bewegungsmangel.

Warum sich bei manchen Menschen die Divertikel entzünden, ist bisher nicht geklärt – ebenso, was das Risiko dafür erhöht. Ein Faktor ist wahrscheinlich eine schlechtere Durchblutung und die Bildung von Kotsteinen in den Divertikeln.

Wie häufig ist eine Divertikulose?

Etwa 50 % der über 70-Jährigen haben Divertikel.

Viele Menschen bemerken eine Divertikulose gar nicht. Divertikel werden mit zunehmendem Alter häufiger: Etwa 10 Prozent der Menschen unter 50 Jahren haben Divertikel, bei den über 70-Jährigen sind es etwa 50 Prozent. Bei Frauen und Männern kommen sie ähnlich häufig vor.

Bei etwa ein Prozent aller Menschen mit Divertikulose entwickelt sich innerhalb von 10 Jahren eine Divertikulitis. Die Entzündung kann unabhängig vom Alter auftreten.

Wie können Divertikel vermieden werden?

Menschen mit Divertikeln können sich vor Beschwerden oder Entzündungen schützen. Dafür ist eine ballaststoffreiche Ernährung wichtig: Sie sorgt dafür, dass der Stuhl nicht zu hart wird. Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst enthalten reichlich Ballaststoffe. Zudem regt körperliche Bewegung die Verdauung an. Unklar ist, ob dies tatsächlich vor Beschwerden schützt.

Einige Ernährungsempfehlungen raten von bestimmten Nahrungsmitteln ab – etwa von Nüssen, Körnern, Mais und Popcorn.

Lange Zeit wurde vermutet, dass sich kleine Rückstände dieser Nahrungsmittel in den Divertikeln verfangen und dort zu Entzündungen führen könnten. Untersuchungen haben diese These jedoch widerlegt. Das heißt, dass beispielsweise auf Nüsse nicht verzichtet werden muss.

Wie wird eine Divertikulose festgestellt?

Im Untersuchungsgespräch stellt die Ärztin oder der Arzt unter anderem Fragen nach Vorerkrankungen und Medikamenten. Bei der körperlichen Untersuchung werden der Enddarm und der Bauch abgetastet und abgehört. Danach werden – je nach Beschwerden – Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt sowie die Körpertemperatur gemessen. Für gewöhnlich folgt eine Ultraschalluntersuchung.

Wenn die Diagnose dann noch nicht sicher ist, können eine Computertomografie und unter Umständen eine Darmspiegelung notwendig sein.

Durch die Untersuchung werden auch andere Erkrankungen wie ein Reizdarmsyndrom oder eine Blinddarmentzündung ausgeschlossen. Deren Symptome können denen einer Divertikelkrankheit ähneln. 

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) darf bei einer akuten Divertikulitis nicht durchgeführt werden. Etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Abheilen einer Divertikulitis ist eine Darmspiegelung allerdings möglich. Dabei lässt sich ausschließen, dass die Beschwerden durch Polypen, Darmkrebs oder andere Erkrankungen ausgelöst wurden.

Wie wird eine Divertikulitis behandelt?

Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Wie eine Divertikulitis behandelt wird, richtet sich nach ihrem Schweregrad.

Ziele der Behandlung sind:

  • Komplikationen infolge der Entzündung zu verhindern und akute Beschwerden zu lindern,
  • Rückfällen vorzubeugen und
  • chronische Beschwerden zu lindern.

Eine Divertikulitis kann mit Antibiotika behandelt werden. Sie sind wirksam, weil die Entzündung der Divertikel durch Bakterien ausgelöst wird.

Bessert sich eine akute Divertikulitis nicht oder treten dauerhafte Beschwerden auf, kommt eine Operation infrage. Dabei wird der betroffene Teil des Dickdarms entfernt. Aufgrund der Risiken sollte ein Eingriff sorgsam abgewogen werden. Bei schweren Komplikationen wie etwa einer Bauchfellentzündung muss dagegen sofort operiert werden.

Sind die Beschwerden chronisch, kann man es mit einer ballaststoffreichen Ernährung versuchen. Ob auch probiotische Nahrungsmittel die Beschwerden lindern, ist noch nicht ausreichend geklärt.

Es spricht aktuell vieles dafür, dass Antibiotika und Operationen seltener notwendig sind als früher angenommen.

Vertiefende Informationen etwa zur Behandlung der akuten Divertikulitis finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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