Krankheiten Divertikulitis, Divertikelkrankheit
ICD-Codes: K57 Was sind ICD-Codes?
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Sie sind oft harmlos. Divertikel können jedoch auch zu wiederkehrenden oder dauerhaften Beschwerden führen. Es liegt dann eine chronische Divertikelkrankheit oder Divertikulitis vor. Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Formen.
Auf einen Blick
- Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Darmwand, in denen sich Stuhl ablagern kann.
- Divertikel sind oft harmlos und müssen nicht behandelt werden.
- Bei einer Divertikulitis sind die Divertikel entzündet.
- Bei einer Divertikelkrankheit kann es zu Schmerzen im Unterbauch und Verdauungsproblemen kommen.
- Die Entzündung kann mit Antibiotika behandelt werden.
- Falls sich eine Entzündung ausbreitet, kann es zu Komplikationen kommen.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was sind Divertikel?
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut. An den betroffenen Stellen wölbt sich die Darminnenwand durch Schwachstellen in der Darmmuskulatur nach außen. Dadurch entstehen meist kleine ballonförmige Ausstülpungen am Darm. In ihnen kann sich Stuhl ablagern.
Divertikel im Darm sind oft harmlos, können aber zu Beschwerden und Schmerzen führen oder sich entzünden.
Etwas vereinfacht unterscheidet man drei Formen:
- Divertikulose: Man hat Divertikel, aber keine Beschwerden.
- Divertikelkrankheit: Dieser Oberbegriff wird verwendet, wenn die Divertikel zu Beschwerden oder Komplikationen führen. Bei dauerhaften oder wiederkehrenden Beschwerden spricht man von einer chronischen Divertikelkrankheit.
- Divertikulitis: Die Divertikel sind entzündet. Dies kann zu akuten Beschwerden oder einer chronischen Divertikelkrankheit führen. Man unterscheidet die unkomplizierte Divertikulitis (ohne Eiteransammlungen) und die komplizierte Divertikulitis (mit Eiteransammlungen).
In der Regel ist eine Divertikulitis gut behandelbar. Wenn sich die Entzündung ausbreitet, kann das jedoch ernste Folgen haben.
Woran kann man Divertikel bemerken?
Wenn sich Divertikel entzünden (Divertikulitis), treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf. Begleitet werden sie von leichtem Fieber. Weitere Beschwerden sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe. Erbrechen ist eher selten. Wenn die Ärztin oder der Arzt bei der Untersuchung auf den Bauch drückt, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an – dies wird Abwehrspannung genannt. Beim plötzlichen Loslassen nimmt der Schmerz zu.
Die meisten Divertikel verursachen keine Beschwerden. Eine Divertikelkrankheit macht sich häufig durch Schmerzen im linken Unterbauch bemerkbar, seltener im rechten. Außerdem kann es zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Die Symptome verschwinden oft vorübergehend, können allerdings auch anhalten. Häufig sind die Beschwerden nach dem Essen stärker und bessern sich nach dem Stuhlgang wieder. Divertikel bluten manchmal auch.
Was sind die Ursachen für Divertikel?
Divertikel bilden sich an Stellen mit schwächerer Darmmuskulatur. Sie entstehen meist im S-förmigen unteren Darmabschnitt, dem Sigma. In diesem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen Bereich vor dem Mastdarm ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand am stärksten.
Erblich bedingt sind manche Menschen anfälliger für Divertikel. Zu den weiteren Risikofaktoren gehören ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen. Auch ältere sowie stark übergewichtige Menschen haben häufiger eine Divertikulose.
Welchen Einfluss der Lebensstil hat, ist noch nicht vollständig geklärt. Es spricht einiges dafür, dass eine ballaststoffarme Ernährung das Risiko für eine Divertikelkrankheit erhöht – denn sie kann zu Verstopfung und hartem Stuhlgang führen. Als weitere Faktoren werden eine Ernährung mit viel rotem Fleisch, Rauchen und Bewegungsmangel vermutet.
Warum sich bei manchen Menschen die Divertikel entzünden, ist bisher nicht geklärt – ebenso, was das Risiko dafür erhöht. Ein Faktor ist wahrscheinlich eine schlechtere Durchblutung und die Bildung von Kotsteinen in den Divertikeln.
Wie häufig ist eine Divertikulose?
Viele Menschen bemerken eine Divertikulose gar nicht. Divertikel werden mit zunehmendem Alter häufiger: Etwa 13 Prozent der Menschen unter 50 Jahren haben Divertikel, bei den über 70-Jährigen sind es etwa 50 Prozent. Bei Frauen und Männern kommen sie ähnlich häufig vor.
Bei etwa ein Prozent aller Menschen mit Divertikulose entwickelt sich innerhalb von 10 Jahren eine Divertikulitis. Die Entzündung kann in jedem Alter auftreten.
Wie können Divertikel vermieden werden?
Eine ballaststoffreiche Ernährung sorgt dafür, dass der Stuhl nicht zu hart wird. Menschen mit Divertikeln könnte das vor Beschwerden oder Entzündungen schützen. Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst enthalten reichlich Ballaststoffe. Zudem regt körperliche Bewegung die Verdauung an. Unklar ist, ob dies tatsächlich vor Beschwerden schützt.
Einige Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Divertikeln raten von bestimmten Nahrungsmitteln ab – etwa von Nüssen, Körnern, Mais und Popcorn. Lange Zeit wurde vermutet, dass sich kleine Rückstände dieser Nahrungsmittel in den Divertikeln verfangen und dort zu Entzündungen führen könnten. Untersuchungen haben diese These jedoch widerlegt. Das heißt, dass beispielsweise auf Nüsse nicht verzichtet werden muss.
Wie wird eine Divertikulose festgestellt?
Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, werden oft nur zufällig gefunden, zum Beispiel bei einer Darmspiegelung. Geht man aufgrund von Beschwerden zur Ärztin oder zum Arzt, fragt sie oder er zunächst unter anderem nach Vorerkrankungen und Medikamenten. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Bauch abgetastet und abgehört sowie der Enddarm von innen ausgetastet. Danach werden – je nach Beschwerden – Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt sowie die Körpertemperatur gemessen. Für gewöhnlich folgt eine Ultraschalluntersuchung.
Wenn die Diagnose dann noch nicht sicher ist, können eine Computertomographie und unter Umständen eine Darmspiegelung notwendig sein.
Durch die Untersuchung werden auch andere Erkrankungen wie ein Reizdarmsyndrom oder eine Blinddarmentzündung ausgeschlossen. Deren Symptome können denen einer Divertikelkrankheit ähneln.
Eine Darmspiegelung (Koloskopie) darf bei einer akuten Divertikulitis nicht durchgeführt werden, da sich die Entzündung ausbreiten kann, falls der Darm dabei verletzt wird. Etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Abheilen einer Divertikulitis ist eine Darmspiegelung allerdings möglich. Dabei lässt sich ausschließen, dass die Beschwerden durch Polypen, Darmkrebs oder andere Erkrankungen ausgelöst wurden.
Wie wird eine Divertikulitis behandelt?
Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Wie eine akute Divertikulitis behandelt wird, richtet sich nach ihrem Schweregrad.
Ziele der Behandlung sind:
- Komplikationen infolge der Entzündung verhindern
- akute Beschwerden lindern
- Rückfällen vorbeugen
- chronische Beschwerden vermeiden
Eine Divertikulitis kann mit Antibiotika behandelt werden. Sie sind wirksam, weil die Entzündung der Divertikel durch Bakterien ausgelöst wird. Bei einer unkomplizierten Divertikulitis sind Antibiotika meist unnötig. Sie sind jedoch notwendig, wenn Komplikationen auftreten oder das Risiko dafür erhöht ist. Bei Komplikationen kann auch eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich sein.
Bessert sich eine akute Divertikulitis nicht oder treten dauerhafte Beschwerden auf, kann eine Operation infrage kommen. Dabei wird der betroffene Teil des Dickdarms entfernt. Aufgrund der Risiken sollte ein Eingriff sorgsam abgewogen werden. Bei schweren Komplikationen wie etwa einer Bauchfellentzündung muss dagegen rasch operiert werden.
Bei einer chronischen Divertikelkrankheit kann man es mit einer ballaststoffreichen Ernährung versuchen. Ob auch probiotische Nahrungsmittel die Beschwerden lindern, ist noch nicht ausreichend geklärt. Auch das Medikament Mesalazin oder eine Operation können infrage kommen.
Vertiefende Informationen etwa zur Behandlung der akuten Divertikulitis finden Sie unter gesundheitsinformation.de.
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In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
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