Akute Blinddarmentzündung

Eine Entzündung des Blinddarms führt normalerweise zu starken Schmerzen im rechten Unterbauch. Um Komplikationen wie einen Blinddarmdurchbruch zu vermeiden, wird meistens der entzündete Teil des Blinddarms operativ entfernt.

Auf einen Blick

  • Typische Anzeichen einer akuten Blinddarmentzündung sind Schmerzen im rechten Unterbauch, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. 
  • Bei einer Blinddarmentzündung entzündet sich ein Anhängsel des Blinddarms, der Wurmfortsatz.
  • Die häufigste und wirksamste Behandlung ist es, den Wurmfortsatz operativ zu entfernen.
  • Ohne Behandlung kann es zu einem Blinddarmdurchbruch kommen. Ein Durchbruch kann zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung führen. 

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Blinddarmentzündung: Ein Mann steht in seinem Wohnzimmer und hält sich den Bauch. Er wirkt verkrampft und hat scheinbar Schmerzen.

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Genau genommen ist bei einer akuten Blinddarmentzündung nicht der Blinddarm entzündet, sondern der sogenannte Wurmfortsatz – eine kleine Aussackung des Blinddarms. Ist die Wand des Wurmfortsatzes entzündet, kommt es zu starken Schmerzen im rechten Unterbauch. 

Durch die Entzündung kann sich Eiter bilden. Ohne Behandlung kann zudem ein Loch in der Darmwand entstehen, sodass sich die Entzündung im ganzen Bauchraum ausbreitet. Ein solcher Blinddarmdurchbruch ist eine lebensgefährliche Komplikation. Deshalb werden die meisten akuten Blinddarmentzündungen rasch operiert.

Was passiert bei einer Blinddarmentzündung?

Im folgenden Video erfahren Sie, was bei einer Blinddarmentzündung passiert. Welche Symptome treten auf und wie wird sie behandelt?

Dieses und weitere Videos gibt es auch auf Youtube

Jetzt ansehen

Es gelten die dort bekanntgegebenen Datenschutzhinweise.

Welche Symptome treten bei einer Blinddarmentzündung auf?

Meist beginnt eine Blinddarmentzündung mit Schmerzen in der Umgebung des Bauchnabels.

Später kommen weitere Symptome hinzu wie:

  • starke Schmerzen, typischerweise im rechten Unterbauch
  • angespannte Bauchdecke 
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • im weiteren Verlauf: Fieber
Typische Symptome einer Blinddarmentzündung sind: starke Bauchschmerzen, Angespannte Bauchdecke, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Fieber.

Bei einigen Menschen sind die Symptome weniger typisch oder nur schwach ausgeprägt. Dann kann sich die Entzündung auch durch folgende Anzeichen bemerkbar machen:

  • gereizter Magen
  • Verdauungsstörungen 
  • Blähungen 
  • Durchfall 
  • allgemeines Unwohlsein

Nicht bei allen Menschen befindet sich der Wurmfortsatz an der gleichen Stelle. Manchmal liegt er mehr zum Rücken hin oder ragt weiter in das Becken hinein. Deshalb können auch untypische Bauchschmerzen oder Beschwerden beim Wasserlassen auftreten.

Manchmal beruhigt sich ein gereizter Blinddarm von allein wieder. Zu 90 Prozent schreitet die Entzündung im Wurmfortsatz jedoch weiter fort. Je länger die Symptome andauern, desto mehr erhöht sich das Risiko für einen Blinddarmdurchbruch. Ein Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sollte deshalb rasch ärztlich abgeklärt werden.

Wichtig zu wissen: Steigt das Fieber an, kann das auf einen Blinddarmdurchbruch hinweisen. Ein Durchbruch ist eine lebensgefährliche Komplikation, die sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.

Wie entsteht eine Blinddarmentzündung?

Der Wurmfortsatz ist eine kleine Ausstülpung des Blinddarms mit einem schmalen Eingang. Wenn dieser Eingang verstopft ist, schwillt der Wurmfortsatz an und die Durchblutung ist gestört. Dadurch sterben Zellen in der Wand des Wurmfortsatzes ab. Eine Entzündung entsteht, die durch Bakterien aus dem Darm befördert wird. 

Die oft eitrige Entzündung greift die Wand des Wurmfortsatzes an, sodass ein Loch entstehen kann. Man spricht dann von einem Blinddarmdurchbruch (Perforation). Breitet sich die Entzündung im gesamten Bauchraum aus, kann das lebensgefährlich sein. Manchmal kapselt sich ein solcher Blinddarmdurchbruch aber auch ab. Es entsteht dann ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, ein sogenannter Abszess.

Wodurch kommt es zu einer Verstopfung des Wurmfortsatzes?

In der Wand des Wurmfortsatzes sind vor allem bei jungen Menschen viele Abwehrzellen. Wird dieses Abwehrsystem beispielsweise durch eine Infektion aktiviert, schwillt die Schleimhaut an und der schmale Eingang des Wurmfortsatzes verschließt sich.

Bei älteren Menschen bildet sich das Abwehrsystem im Wurmfortsatz langsam zurück. Bei ihnen sind deshalb meist andere Ursachen für eine Verstopfung verantwortlich – zum Beispiel verhärtete Kotbestandteile oder Veränderungen der Darmwand. Selten können auch Würmer oder Tumoren im Wurmfortsatz Grund für eine Verstopfung sein.

Wie häufig ist eine Blinddarmentzündung?

Die akute Blinddarmentzündung ist eine der häufigsten Ursachen für starke Bauchschmerzen und weltweit einer der häufigsten Gründe für eine Notfalloperation am Bauch. Blinddarmentzündungen kommen in jedem Alter vor, vor allem aber bei 10- bis 19-Jährigen.

Insgesamt erkranken etwa 2 von 1.000 Menschen pro Jahr an einer akuten Blinddarmentzündung. Männer haben ein Risiko von etwas über 8 Prozent, einmal in ihrem Leben eine akute Blinddarmentzündung zu bekommen. Für Frauen liegt das Risiko bei etwa 7 Prozent.

Wichtig zu wissen: Bei bis zu jeder fünften akuten Blinddarmentzündung kommt es zu einem Blinddarmdurchbruch.

Wie kann eine Blinddarmentzündung verlaufen?

Manchmal klingt eine Blinddarmreizung von allein wieder ab. Meistens schreitet die Entzündung aber weiter fort.

Dann gibt es verschiedene Verläufe:

  • unkomplizierte Blinddarmentzündung: Entzündung des Wurmfortsatzes ohne weitere Komplikationen. Diese Form ist die häufigste.
  • Blinddarmdurchbruch: Es entsteht ein Loch in der Darmwand. Dadurch können Kot, Bakterien und Eiter in die Bauchhöhle austreten und eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung hervorrufen. Steigendes Fieber kann auf einen Blinddarmdurchbruch hinweisen.
  • Bildung von Abszessen und Phlegmonen: Je nachdem, an welcher Stelle sich ein Loch in der Darmwand bildet, kann eine abgekapselte Eiterhöhle (Abszess) oder eine eitrige Entzündung im umgebenden Gewebe (Phlegmon) entstehen.

Wie lässt sich eine Blinddarmentzündung feststellen?

Erste Anhaltspunkte für eine Blinddarmentzündung gibt die körperliche Untersuchung. Dazu tastet die Ärztin oder der Arzt den Bauch ab.

Typische Befunde, die auf eine akute Blinddarmentzündung hinweisen, sind:

  • Schmerzen bei Druck auf den rechten Unterbauch
  • harter, angespannter Bauch beim Abtasten
  • Schmerzen im rechten Unterbauch beim Bewegen des rechten Beins oder beim plötzlichen Loslassen der linksseitigen Bauchdecke

Viele andere Erkrankungen im Bauch- und Beckenraum verursachen ähnliche Bauchschmerzen wie eine Blinddarmentzündung – etwa Entzündungen an anderen Stellen des Darms, Erkrankungen der Blase oder der Geschlechtsorgane. Da es keine körperlichen Anzeichen gibt, die eindeutig auf eine Blinddarmentzündung hinweisen, schließen sich oft weitere Untersuchungen an:

  • eine Blutentnahme, um Entzündungswerte im Blut zu messen
  • eine Ultraschalluntersuchung, um eine verdickte Darmwand zu erkennen
  • eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), um eine Blinddarmentzündung zu erkennen und andere Erkrankungen auszuschließen
  • in manchen Fällen eine diagnostische Bauchspiegelung

Wie behandelt man eine Blinddarmentzündung?

Die häufigste und wirksamste Behandlung einer akuten Blinddarmentzündung ist eine Operation. Hier wird der entzündete Wurmfortsatz entfernt. Es kann über einen Schnitt in der Bauchdecke oder minimalinvasiv operiert werden. Bei der sogenannten Laparoskopie geschieht das mithilfe von speziellen Endoskopen, die über mehrere kleine Schnitte in die Bauchhöhle eingeführt werden.

Die häufigste und wirksamste Behandlung einer akuten Blinddarmentzündung ist eine Operation, bei welcher der entzündete Wurmfortsatz entfernt wird.

Hat sich bereits eine mit Eiter gefüllte Höhle (Abszess) gebildet, wird der Abszess entfernt und weitere Flüssigkeit über einen kleinen Schlauch nach außen abgeleitet.

Wann genau operiert wird, hängt davon ab, ob bereits Komplikationen vorliegen, und ob der Kreislauf stabil bleibt. Normalerweise wird empfohlen, nach der Diagnose nicht länger als 12 Stunden abzuwarten. Bereits vor dem Eingriff wird ein Antibiotikum gegeben, um ein Ausbreiten der Entzündung zu verhindern. Außerdem können Schmerzmittel eingenommen werden.

Eine unkomplizierte Blinddarmentzündung kann unter Umständen auch nur mit Antibiotika behandelt werden. Diese Behandlung schlägt allerdings nicht immer an. Die Entzündung kommt bei etwa 30 Prozent der erkrankten Menschen innerhalb eines Jahres wieder und muss dann operiert werden. 

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

Fanden Sie diesen Artikel hilfreich?