IGeL – Selbstzahler-Leistungen beim Arzt-, Zahnarzt- oder Psychotherapeutenbesuch

IGeL ist die Abkürzung für „Individuelle Gesundheitsleistungen“. Die Kosten für solche Leistungen werden nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen und müssen privat bezahlt werden. Häufig ist der Nutzen solcher Leistungen nicht ausreichend belegt – manchmal ist er auch umstritten oder sogar problematisch.

Auf einen Blick

  • „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (IGeL) zählen nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.
  • „Individuelle Gesundheitsleistungen“ müssen von den Versicherten selbst bezahlt werden.
  • Besteht eine medizinische Notwendigkeit, können die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten im Einzelfall dafür tragen. Manche Krankenkassen übernehmen auch freiwillig bestimmte IGeL-Kosten oder bieten entsprechende Zusatzversicherungen an.
  • In vielen Fällen ist der Nutzen von IGeL-Angeboten nicht ausreichend belegt oder manchmal auch fragwürdig.
  • Ärztinnen und Ärzte dürfen solche Selbstzahler-Leistungen anbieten.
IGeL-Leistungen: Ein Arzt sitzt am Schreibtisch und füllt ein Formular aus. Eine Frau mit weißer Bluse steht hinter ihm. Sie hat den rechten Arm vor dem Bauch verschränkt und mit dem anderen Arm macht sie eine Handbewegung in Richtung des Arztes.

Was sind Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz: IGeL?

Für gesetzlich Krankenversicherte sind medizinische Leistungen, wie sie zum Beispiel von Ärztinnen und Ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten, Kliniken oder auch Therapeutinnen und Therapeuten erbracht werden, meistens nicht mit Kosten verbunden. Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt grundsätzlich alle medizinisch notwendigen Behandlungen. Ausnahmen sind mögliche Zuzahlungen, etwa bei Medikamenten, oder ein Eigenanteil, zum Beispiel bei Krankenhausaufenthalten.

Unter dem Begriff „Leistung“ werden zum Beispiel Untersuchungen oder Behandlungen verstanden. Welche Leistungen von der Kasse übernommen werden, ist im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung festgelegt. Ärzte, Kliniken, Therapeuten und andere Dienstleister im medizinischen Bereich dürfen aber auch Leistungen anbieten, die nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen wurden. Solche Leistungen werden als „Individuelle Gesundheitsleistungen“ bezeicnet, kurz: IGeL.

Die Kosten für IGeL-Angebote werden meistens nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Nur im Einzelfall, wenn zum Beispiel eine medizinische Notwendigkeit besteht, können die Kosten von der Kasse getragen werden. Gesetzlich Krankenversicherte müssen solche Leistungen also in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlen. Man spricht daher auch von Selbstzahler-Leistungen.

Wichtig zu wissen: Manche gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für bestimmte Individuelle Gesundheitsleistungen, obwohl diese nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Gründe dafür können eine medizinische Notwendigkeit, aber auch ein möglicher Wettbewerbsvorteil der verschiedenen Kassen sein. Auch im Rahmen privater Zusatzversicherungen werden einige IGeL übernommen.

Warum werden IGeL nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt?

Welche medizinischen Leistungen von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden, entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Er steht in seiner Aufgabenerfüllung unter der Rechtsaufsicht des Bundesministeriums für Gesundheit und legt innerhalb eines vom Gesetzgeber vorgegebenen Rahmens fest, welche Leistungen der medizinischen Versorgung in den Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Dem Fünften Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB V) zufolge müssen Leistungen, die von der Krankenversicherung übernommen werden, „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“.

Bei vielen IGeL-Angeboten handelt es sich um Leistungen, für die ein Zusatznutzen nicht belegt ist oder der Wirksamkeitsnachweis fehlt und die daher vom G-BA abgelehnt wurden oder für die eine Entscheidung aussteht. Um den Nutzen oder die Wirksamkeit einer medizinischen Untersuchungs- oder Behandlungsmethode zu belegen, sind Studien erforderlich. Der G-BA führt keine eigenen Studien durch, sondern gibt unabhängige Gutachten an Dritte in Auftrag, die die Daten aus den Studien überprüfen. Für die Entscheidung des G-BA werden auch die Kosten berücksichtigt, um das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu erfüllen.

Wichtig zu wissen: Grund dafür, dass eine bestimmte medizinische Leistung oder ein Arzneimittel nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen wird, muss nicht sein, dass die Wirksamkeit nicht belegt ist. Eine Ablehnung kann zum Beispiel auch erfolgen, wenn der Nutzen der medizinischen Leistung oder des Arzneimittels nach Ansicht des Gemeinsamen Bundesausschusses in keinem vertretbaren Verhältnis zu den Kosten steht.

Es gibt auch IGeL, die nach Ansicht von Experten medizinischen Empfehlungen widersprechen und schaden können. Ein Beispiel: Von einem Ultraschall der Eierstöcke rät die Fachgesellschaft der Frauenärzte ab, da in Studien kein Nutzen gezeigt werden konnte und es durch nicht eindeutige und zu überprüfende Befunde sogar zu erheblichen Schäden kommen kann.

Obwohl der Nutzen vieler IGeL-Angebote nicht eindeutig belegt ist oder sie sogar problematisch sein können, sind die Individuellen Gesundheitsleistungen keineswegs generell nutz- oder wirkungslos. Es gibt auch IGeL-Angebote, die durchaus sinnvoll und wichtig sind. Dazu können zum Beispiel bestimmte ärztliche Atteste, sportmedizinische Untersuchungen, Reiseimpfungen oder auch medizinisch-kosmetische Leistungen zählen. Auch IGeL im psychotherapeutischen Bereich können durchaus sinnvoll sein, wie zum Beispiel Paar- oder Familientherapien, die in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden.

Zusammengefasst: Die Vielzahl der IGeL macht es unmöglich, sie einheitlich zu beurteilen. Patientinnen und Patienten sollten daher jedes einzelne IGeL-Angebot, das sie nutzen wollen, hinterfragen und möglichst unabhängige Informationen dazu einholen. Sie sollten sich auf keinen Fall zu einer IGeL drängen lassen.

Welche Rechte haben Patientinnen und Patienten bei IGeL-Angeboten?

Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können sehr unterschiedliche Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) selbstständig anbieten. Sie sind aber rechtlich dazu verpflichtet, die Patientin oder den Patienten über das jeweilige Untersuchungs- oder Behandlungsverfahren ausführlich und schriftlich aufzuklären – und dabei auch über die Kosten. Ärztinnen und Ärzte sind bei angebotenen IGeL nicht an die Berechnung der einfachen Gebührensätze der Gebührenordnung gebunden. Für eine Leistung darf der 2,3-fache Satz oder sogar der 3,5-fache Höchstsatz berechnet werden, wenn Schwierigkeit und Zeitaufwand der einzelnen Leistung dies rechtfertigen. Patientinnen und Patienten sollten ganz direkt nach Belegen für den Nutzen der Leistung und für die anfallenden Kosten fragen.

Nach der Aufklärung sollte eine Bedenkzeit eingeräumt werden und im Anschluss daran eine klare Entscheidung möglich sein. Ist dies nicht der Fall, kann es sich lohnen, die Entscheidung zu vertagen und sich an anderer Stelle über die Leistung zu informieren. Die Krankenkassen sind zum Beispiel gesetzlich dazu verpflichtet, darüber Auskunft zu erteilen, und haben dafür eigens telefonische Hotlines eingerichtet. In jedem Fall dürfen Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Patientin oder des Patienten durchgeführt werden. Sie müssen separat abgerechnet werden.

Was sind typische IGeL-Angebote?

Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl der Individuellen Gesundheitsleistungen auf mehrere Hundert. Genaue Zahlen gibt es aber nicht, auch, weil immer wieder neue Selbstzahler-Leistungen hinzukommen.

Typische IGeL-Angebote sind beispielsweise Ultraschalluntersuchungen beim Gynäkologen, Krebsfrüherkennung, Augeninnendruckmessung zur Glaukom Früherkennung, Impfungen vor Fernreisen, bestimmte sportmedizinische Messungen und ergänzende Blutuntersuchungen.

Eine Untersuchung des sogenannten „IGeL-Monitors“ hat ergeben, dass unter anderem folgende IGeL häufig angeboten werden:

  • Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung
  • Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke oder der Brust zur Krebsfrüherkennung
  • PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs
  • Untersuchungen mit Auflichtmikroskopen zur Hautkrebsvorsorge (Dermatoskopie)
  • bestimmte Blutuntersuchungen, ergänzend zur Kassenleistung
  • reisemedizinische Vorsorgeleistungen
  • HPV-Tests zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
  • Impfungen vor Fernreisen
  • bestimmte sportmedizinische Untersuchungen

Wo kann ich mich über Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) informieren?

Ärztinnen und Ärzte sowie andere Anbieter Individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen ihre Patientinnen und Patienten im Vorfeld ausführlich über die jeweilige Leistung und deren Kosten informieren. Patientinnen und Patienten sollten sich aber nicht nur auf diese Informationen verlassen, sondern auch bei anderen Stellen Rat suchen. Möglich ist es zum Beispiel, eine zweite Fachmeinung einzuholen oder auch bei der Krankenversicherung nachzufragen.

Wichtig zu wissen: Die Kosten für eine ärztliche Zweitmeinung zu einer IGeL bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung meistens nicht. Natürlich können sich Patientinnen und Patienten aber allgemein über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Die Kosten dafür übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung.

Auch im Internet gibt es Angebote, die umfassend über IGeL informieren. Hervorzuheben ist dabei der „IGeL-Monitor“. Dabei handelt es sich um ein Angebot des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS). Zur Bewertung von Individuellen Gesundheitsleistungen recherchiert hier ein Expertenteam in medizinischen Datenbanken, die entsprechende Fachliteratur zu dem Thema beinhalten.

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