Krankheiten Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse
ICD-Codes: K85 Was sind ICD-Codes?
Bei einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse – medizinisch akute Pankreatitis genannt – kommt es plötzlich zu sehr starken Schmerzen im Oberbauch. Oft lösen Gallensteine die Entzündung aus.
Auf einen Blick
- Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) äußert sich meist durch heftige Oberbauchschmerzen.
- Gallensteine und hoher Alkoholkonsum sind die häufigsten Ursachen für eine Pankreatitis.
- Die Erkrankung wird im Krankenhaus behandelt – zunächst mit einem Tropf gegen Flüssigkeitsmangel und Medikamenten gegen die Beschwerden.
- Jährlich werden etwa 53.000 Menschen aufgrund einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung im Krankenhaus behandelt.
- Die akute Entzündung ist meist nach einer Woche überstanden.
- Etwa 3 bis 5 Prozent der erkrankten Menschen sterben an Komplikationen.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist eine akute Pankreatitis?
Von einer Pankreatitis spricht man, wenn die Bauchspeicheldrüse entzündet ist. Anzeichen für eine akute Entzündung sind plötzlich auftretende, sehr heftige Schmerzen im Oberbauch. Häufig sind Gallensteine oder starker Alkoholkonsum die Ursache.
Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung wird im Krankenhaus behandelt, da sie bei einem schweren Verlauf lebensbedrohlich sein kann.
Bei den meisten Menschen ist die akute Entzündung nach einer Woche überstanden. Falls es zu Komplikationen und Folgeerkrankungen kommt, kann die Behandlung mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Welche Symptome gibt es bei einer akuten Pankreatitis?
Eine akute Pankreatitis führt fast immer zu heftigen Schmerzen im Oberbauch, die auch bis in den Rücken ausstrahlen können. Hinzu kommen meist Übelkeit und Erbrechen, oft auch Fieber, Kreislaufprobleme und ein aufgeblähter Bauch.
Die plötzlichen Schmerzen sind so stark, dass die meisten Menschen mit einer entzündeten Bauchspeicheldrüse sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. In der Regel werden sie dann noch am gleichen Tag ins Krankenhaus überwiesen.
Was sind die Ursachen für eine akute Pankreatitis?
Meistens wird eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung durch Gallensteine ausgelöst. Die Bauchspeicheldrüse produziert einen Verdauungssaft, der durch einen Gang in den Zwölffingerdarm fließt. Dieser Pankreasgang verbindet sich kurz vor dem Darm mit dem Gallengang. Wenn Gallensteine diese gemeinsame Mündung blockieren, können sich Galle und Pankreassaft stauen. Dieser Rückstau führt wahrscheinlich dazu, dass sich die Bauchspeicheldrüse entzündet.
Die zweithäufigste Ursache ist starker Alkoholkonsum. Dieser Zusammenhang wurde bereits durch verschiedene Studien bestätigt. Wie Alkohol eine Pankreatitis auslöst, ist allerdings noch nicht genau geklärt.
Auch bestimmte Medikamente oder eine Virusinfektion können dazu führen, dass sich die Bauchspeicheldrüse entzündet. Andere Faktoren sind beispielsweise Verengungen im Gallengang oder erhöhte Werte von bestimmten Fetten (Triglyzeride) oder Kalzium im Blut.
Bei bis zu 10 Prozent der erkrankten Personen kann die Ursache nicht sicher bestimmt werden.
Video Wie entstehen Gallensteine?
Erfahren Sie in diesem Video, wie Gallensteine enstehen und welche Symptome auftreten können.
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Wie häufig kommt es zu einer akuten Pankreatitis?
Pro Jahr werden in Deutschland etwa 53.000 Menschen wegen einer akuten Pankreatitis im Krankenhaus behandelt. Das entspricht ungefähr 60 von 100.000 Einwohnern.
Die meisten Menschen mit einer Pankreatitis sind älter als 45, bei Männern entzündet sich die Bauchspeicheldrüse etwas häufiger als bei Frauen.
Wie verläuft eine akute Pankreatitis?
Der Verlauf einer akuten Pankreatitis hängt davon ab, wie stark die Entzündung fortgeschritten ist und wie sehr sie das Drüsengewebe angreift. Etwa 80 Prozent der behandelten Menschen haben eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung nach etwa einer Woche überstanden. Doch auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus haben einige noch Schmerzen und Verdauungsprobleme oder fühlen sich sehr erschöpft.
Bei ungefähr 20 Prozent treten ernsthafte Folgeerkrankungen auf. Die Genesung dauert manchmal lange, und es kann Rückschritte geben. Bis der gewohnte Alltag wieder möglich ist, braucht es häufig etwas Zeit.
Wurde die Entzündung durch Gallensteine ausgelöst, kommt es häufig zu Rückfällen. Um dies zu verhindern, kann die Gallenblase entfernt werden.
Wie stellt man eine akute Pankreatitis fest?
Besteht der Verdacht auf eine akute Pankreatitis, wird zuerst der Bauch abgetastet. Die Ärztin oder der Arzt fragt zudem nach Risikofaktoren wie dem Alkoholkonsum, der Einnahme von Medikamenten und Hinweisen auf Gallensteine – wie zum Beispiel krampfartigen Oberbauchschmerzen (Koliken). Meist wird auch Blut abgenommen und ein Ultraschall gemacht. Meistens lässt sich bereits durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauches erkennen, ob Gallensteine die Ursache sind oder die Bauchspeicheldrüse durch die Entzündung verändert ist. Eine entzündete Gallenblase, ein Herzinfarkt oder ein Magendurchbruch infolge eines Geschwürs können ähnliche Beschwerden verursachen wie eine Pankreatitis.
In der Blutprobe wird unter anderem der Gehalt des Enzyms Lipase bestimmt. Es wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und wandert im Normalfall in den Darm. Wenn der Lipase-Spiegel im Blut deutlich höher ist als üblich, deutet das auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hin. Für Hinweise auf einen Gallenstau werden andere Blutwerte gemessen.
Wichtig zu wissen: Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig. Um den Verlauf einer Pankreatitis beurteilen zu können und Komplikationen zu erkennen, hilft beispielsweise eine Computertomographie (CT). Gallengänge und Gallensteine können außerdem mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar gemacht werden.
Wie wird eine akute Pankreatitis behandelt?
Eine Pankreatitis kann während der akuten Krankheitsphase nicht ursächlich behandelt werden. Im Vordergrund der Behandlung stehen zunächst Maßnahmen, welche die Symptome verringern und die Bauchspeicheldrüse entlasten.
Da eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse zu Flüssigkeitsmangel führen kann, wird über einen Tropf zunächst eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sichergestellt. Um Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen zu lindern, kommen Medikamente zum Einsatz. Gegen die Schmerzen sind oft starke Medikamente wie Opioide nötig, die schläfrig oder benommen machen können.
Damit sich die Bauchspeicheldrüse erholen kann, verzichtet man auf feste Nahrung, bis es einem besser geht und man wieder Appetit verspürt. Bei einer leichten Pankreatitis ist es oft schon nach 2 Tagen möglich, wieder etwas zu essen. Wenn die Beschwerden länger andauern, kann eine künstliche Ernährung notwendig sein, um den Körper ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen.
Weitere Informationen zu der Behandlung einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung lesen Sie auf der Seite gesundheitsinformation.de.
- Boije K, Drocic A, Engström M et al. Patients' Perceptions of Experiences of Recovering From Acute Pancreatitis: An Interview Study. Gastroenterol Nurs 2019; 42(3): 233-241.
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- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Projekte und Ergebnisse. 2025.
- Johnson CD, Besselink MG, Carter R. Acute pancreatitis. BMJ 2014; 349: g4859.
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- National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Pancreatitis (NICE Guidelines; No. NG104). 2020.
- Statistisches Bundesamt (Destatis). Eckdaten der Krankenhauspatientinnen und -patienten. 2023.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
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