Migräne

Kennzeichnend für einen Migräneanfall sind plötzlich auftretende einseitige Kopfschmerzen. Bei vielen Betroffenen sind diese Kopfschmerzen und weitere Migräne-Symptome wie Übelkeit und Erbrechen so belastend, dass der berufliche und private Alltag stark leidet.

Auf einen Blick

  • Migräne unterscheidet sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen: Der Schmerz ist einseitig und stärker.
  • Manche Menschen mit Migräne reagieren während eines Anfalls empfindlicher auf Geräusche und Licht.
  • Manche Betroffene nehmen im Vorfeld des eigentlichen Migräneanfalls auch Lichtblitze oder ungewöhnliche Strukturen wahr.
  • Ohne Behandlung dauert ein Migräneanfall in der Regel zwischen 4 Stunden und 3 Tagen an.
  • Wodurch genau sich eine Migräne entwickelt, ist noch nicht bekannt.
  • Kopfschmerz- und spezielle Migräne-Medikamente sollten höchstens an 10 Tagen pro Monat eingenommen werden.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Migräne: Eine Frau fasst sich mit beiden Händen an den Kopf.

Was ist Migräne?

Ein Migräneanfall äußert sich anders als gewöhnliche Kopfschmerzen: Der Migräne-Schmerz tritt plötzlich auf, er ist oft sehr ausgeprägt und er konzentriert sich auf nur eine Kopfseite. Viele Migräne-Patientinnen und -Patienten berichten zudem von weiteren Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen.

Welche gängigen Kopfschmerzarten gibt es?

Was sind die Symptome bei Migräne?

Migräne-Betroffene beschreiben die typischen einseitigen Kopfschmerzen oft als pochenden oder pulsierenden Schmerz. Bei vielen Menschen mit Migräne steigert körperliche Anstrengung diesen Schmerz noch einmal deutlich – manchmal reichen hierfür bereits einfache Bewegungen. Zu den Kopfschmerzen können weitere Symptome wie Übelkeit und Erbrechen hinzukommen.

Manche Menschen haben eine Migräne mit sogenannter Aura. Diese Patientinnen und Patienten sehen im Vorfeld des eigentlichen Migräne-Anfalls beispielsweise Lichtblitze, ungewöhnliche Formen oder nehmen ihre Umgebung plötzlich verschwommen oder verzerrt wahr. Auch vorübergehende Schwierigkeiten beim Sprechen, zeitweilige Lähmungserscheinungen und Missempfindungen wie ein Kribbeln können einen unmittelbar bevorstehenden Migräneanfall ankündigen.

Eine solche Aura lässt nach etwa einer Stunde nach und bleibt in der Regel ohne anhaltende Folgen. Unmittelbar danach stellen sich die für Migräne typischen Kopfschmerzen ein.

Wichtig zu wissen: Auch Kinder können eine Migräne bekommen. Bei ihnen können die migränetypischen Kopfschmerzen mitunter fehlen. Andere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel können bei Kindern im Vordergrund stehen.

Was sind die Ursachen für eine Migräne?

Es ist bislang nicht bekannt, wodurch genau eine Migräne verursacht wird. Entzündliche Vorgänge an Blutgefäßen des Gehirns könnten an der Migräne-Entstehung beteiligt sein. Aber auch die Art, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden, wird unter Medizinern als Möglichkeit diskutiert.

Zusätzlich kann ein stressiger und hektischer Alltag die Entwicklung von Migräne, anderen Kopfschmerzen und weiteren Schmerz-Arten fördern. Manchmal treten Migräneanfälle zwar erst in den Ruhephasen auf – etwa zu Beginn des Urlaubs oder Wochenendes. Begünstigt werden diese Attacken aber von den vorausgehenden Phasen der Anspannung in Beruf und im Alltag.

Was sind Risikofaktoren für Migräne?

Zu den Risikofaktoren, die einen Migräne-Anfall fördern können, gehören ein unregelmäßiger Schlaf-Rhythmus und unregelmäßige Essensgewohnheiten. Auch die Form der Ernährung sowie die Art und der Umfang körperlicher Aktivitäten beeinflussen möglicherweise die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Anfall. Ein Migräne-Tagebuch kann Betroffenen helfen, die individuellen Risikofaktoren besser zu erkennen. Im besten Fall kann ein Tagebuch so dazu beitragen, die Häufigkeit von Anfällen zu reduzieren.

Wie häufig ist Migräne?

Wiederkehrende Migräne-Anfälle habe etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern - Frauen also öfter als Männer.

Von Migräne sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer: Ungefähr 14 Prozent der Frauen und etwa 7 Prozent der Männer haben wiederkehrende Migräneanfälle. Bei Kindern sind in etwa 4 bis 5 Prozent von Migräne betroffen – Mädchen und Jungen in etwa gleich häufig.

Wie verläuft eine Migräne?

Eine Migräne kann sich in den Lebensphasen verändern und sich auch von selbst bessern. Bei jungen Frauen tritt Migräne häufig erstmals mit dem Einsetzen der Monatsblutung auf. Bei werdenden Müttern können Migräneanfälle während der Schwangerschaft mitunter komplett ausbleiben. Bei vielen Frauen treten nach den Wechseljahren überhaupt keine Migräneanfälle mehr auf.

Weniger als 2 Prozent der Migräne-Patientinnen und -Patienten sind von einer chronischen Migräne betroffen. „Chronisch“ bedeutet: Die Migräne-Symptome müssen an mehr als 15 Tagen pro Monat vorhanden sein – über mindestens 3 Monate hinweg.

Lässt sich einer Migräne vorbeugen?

Schlafgewohnheiten, Essenszeiten, die Auswahl von Nahrungsmitteln und weitere Faktoren können die Häufigkeit von Migräneanfällen beeinflussen. Es ist jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich, welche Verhaltensweisen Migräneanfälle begünstigen oder reduzieren können.

Um den Triggern – den begünstigenden Faktoren – von Migräneanfällen auf die Schliche zu kommen, empfiehlt es sich, ein Migräne-Tagebuch zu führen. Ob als App oder als klassisches Tagebuch: Wichtig ist, dass Migräne-Betroffene darin festhalten, wie lange ein Anfall dauert, was sie vor dem Anfall zu sich genommen und getrunken haben oder welche Arzneimittel sie eingenommen haben.

Wichtig zu wissen: Ärztinnen und Ärzte können zur Vorbeugung bestimmte Medikamente oder eine psychotherapeutische Behandlung verordnen – insbesondere bei Patienten, die schwere und häufige Anfälle haben. Im Zuge einer Psychotherapie können Menschen mit Migräne beispielsweise Techniken erlernen, die helfen, Stressbelastungen besser abfedern zu können. Manche Betroffene probieren auch Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Arzneimittel oder Entspannungsmethoden aus, um Migräneanfällen vorzubeugen.

Weitere Informationen zur Migräne-Vorbeugung bei Kindern und Jugendlichen finden Sie bei gesundheitsinformation.de.

Auch zur Migräne-Vorbeugung bei Erwachsenen finden Sie Informationen bei gesundheitsinformation.de.

Wie wird eine Migräne festgestellt?

Ärztinnen und Ärzte erhalten in einem zielgerichteten, ausführlichen Gespräch bereits die wesentlichen Hinweise auf eine Migräne. Zu den wichtigen Fragen des Gesprächs gehören:

  • Wie lassen sich die Kopfschmerzen beschreiben?
  • Wo genau treten die Schmerzen auf – und seit wann sind sie vorhanden?
  • Sind die genannten Symptome früher schon mal aufgetreten?
  • Gibt es neben den Kopfschmerzen noch andere Symptome?
  • Werden Arzneimittel eingenommen? Wenn ja: Welche? Wie oft? Seit wann?

Im Anschluss an das Gespräch untersucht die Ärztin oder der Arzt die Patientin oder den Patienten auch körperlich. Meist kann bereits nach diesen Diagnostik-Schritten eine Migräne festgestellt oder ausgeschlossen werden. Sind jedoch noch Fragen offen, kommen weitere Untersuchungsverfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfs infrage.

Wie wird eine Migräne behandelt?

Ein feuchtes Handtuch, Kühlelemente aus dem Kühlschrank, ein abgedunkeltes Schlafzimmer: Viele Menschen mit Migräne wissen aus eigener Erfahrung, mit welchen Maßnahmen sie einen Anfall am besten lindern können.

Darüber hinaus nehmen viele Betroffene bei starken Schmerzen auch Medikamente ein. Dazu gehören Paracetamol, entzündungshemmende Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS , Diclofenac oder Ibuprofen sowie spezielle Migräne-Medikamente wie Triptane. In Apotheken sind Paracetamol, ASS, Ibuprofen und zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane in niedriger Dosierung auch ohne Rezept erhältlich.

Wichtig zu wissen: Werden Migräne-Medikamente und schmerzstillende Arzneimittel zu häufig eingenommen, können sich dadurch Kopfschmerzen verstärken. Deshalb wird empfohlen, diese Medikamente nicht häufiger als an 10 Tagen im Monat anzuwenden.

Vertiefende Informationen, etwa zu Medikamenten bei Migräne, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

Wie wirkt sich eine Migräne auf den Alltag aus?

Ein Migräne-Anfall kann eine große Auswirkung auf den Alltag der oder des Betroffenen haben: Viele Menschen mit Migräne können in dieser Zeit ihren Beruf nicht oder nur sehr eingeschränkt ausüben. Generell ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit aufgrund der Schmerzen und weiterer Beschwerden stark eingeschränkt.

Das Auftreten von Migräneanfällen kann dann vorhersehbar sein, wenn diese vor allem zu bestimmten Zeiten auftreten – bei Frauen sind das häufig die Tage vor der monatlichen Regelblutung. Oft treten Anfälle aber auch ohne erkennbares Muster auf. Dadurch können die Betroffenen Verabredungen, Termine oder Freizeitaktivitäten nur schwer in die Zukunft planen. Zu der Angst vor einem erneuten Anfall mit all seinen Einschränkungen kommt oft also noch die Sorge hinzu, wie sich der nächste Migräneanfall auf die Familie und den Beruf auswirken wird.

Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei unterstützen, solche negativen Denkmuster zu erkennen und ungünstige Verhaltensweisen zu verändern. Auch bestimmte Entspannungsverfahren wie das Autogene Training können dazu beitragen, als Migräne-Betroffener besser mit der Situation umgehen zu können. Dabei lernt man, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen. Entspannung und mehr Gelassenheit können aber auch anders trainiert werden: durch körperliche Aktivitäten wie Joggen. Was letztlich am besten hilft, ist bei jedem Menschen mit Migräne individuell unterschiedlich.

Auf gesundheitsinformation.de berichten drei Menschen, die Migräne-Anfälle haben, wie sie in ihrem Alltag mit der Erkrankung umgehen.

Weitere Informationen

Für Menschen mit Migräne existieren in Deutschland zahlreiche Unterstützungsangebote wie Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert.

Eine Liste von Anlaufstellen bei gesundheitsinformation.de hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Stand:

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