Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergien kommen seltener vor, als manche Menschen denken. Die Beschwerden haben oft andere Gründe. Durch eine sorgfältige Diagnose können Ärzte herausfinden, ob eine Allergie vorliegt, und sie dann gezielt behandeln. So lässt sich auch vermeiden, dass Patientinnen und Patienten auf bestimmte Nahrungsmittel unnötig verzichten. Oft können sie diese Lebensmittel dann weiterhin essen.

Auf einen Blick

  • Das Immunsystem reagiert bei Nahrungsmittelallergien auf eigentlich unschädliche Eiweiße, als wären sie Fremdkörper.
  • Bereits kleine Mengen eines Lebensmittels reichen aus, um die Allergie hervorzurufen.
  • Die Symptome sind sehr unterschiedlich und können auch Organe betreffen.
  • Oft schwillt die Mund- und Rachenschleimhaut an.
  • Auch Juckreiz, Hautausschläge mit Rötung und Quaddeln sind häufige Symptome.
  • An einer Nahrungsmittelallergie leiden rund 4 Prozent der Bevölkerung.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Nahrungsmittelallergie: Ein Junge sitzt an einem Tisch vor einer Schale mit Erdnüssen.

Was versteht man unter einer Nahrungsmittelallergie?

Übelkeit, Unwohlsein oder Hautausschlag: Bei Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie zeigen sich immer wieder die gleichen Symptome. Sie treten schon nach dem Verzehr kleinster Mengen des auslösenden Lebensmittels auf.

Allerdings sind Nahrungsmittelallergien seltener, als viele denken. Die Beschwerden haben oft andere Gründe. Wichtig ist deshalb eine sorgfältige Diagnose. Damit kann die Ärztin oder der Arzt abklären, ob tatsächlich eine Allergie vorliegt, und sie gegebenenfalls gezielt behandeln. Stellt sich heraus, dass keine Allergie vorliegt, können die Lebensmittel oft weiterhin gegessen werden.

Was ist eine Allergie?

Im folgenden Video erfahren Sie, wodurch eine Allergie ausgelöst werden kann und welche Symptome auftreten können.

Welche Symptome treten bei einer Nahrungsmittelallergie auf?

Wer eine Nahrungsmittelallergie hat, reagiert oft schon beim Verzehr kleiner Mengen eines Lebensmittels. Die Bandbreite der Symptome ist groß. Auch Organe können betroffen sein.

Mögliche Symptome sind:

  • Schwellung der Mund- und Rachenschleimhaut
  • Juckreiz
  • Hausausschläge mit Rötung
  • Quaddelbildung
  • Übelkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden, zum Beispiel Durchfall
  • Atemprobleme

Die allergische Reaktion setzt meistens innerhalb einer halben Stunde, spätestens aber einige Stunden nach dem Verzehr des Nahrungsmittels ein.

Eine Nahrungsmittelallergie kann auch zu einer anaphylaktischen Reaktion führen: Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit, Hautausschlag, Nesselsucht, Juckreiz und Schwellungen im Gesicht sind mögliche Symptome. Kommt es zu Schwellungen der Atemwege, kann dies Atemnot hervorrufen.

Bei Allergien auf Obst und Gemüse treten eher leichte Symptome wie Hautausschläge auf. Nüsse oder Schalentiere führen häufiger zu stärkeren allergischen Reaktionen.

Wichtig zu wissen: Auch andere Erkrankungen oder Unverträglichkeiten (Intoleranzen) können Symptome einer Nahrungsmittelallergie hervorrufen. Die Verwechslungsgefahr ist hoch. Ähnliche Symptome können zum Beispiel Zusatz- und Aromastoffe in Lebensmitteln auslösen – unter anderem Glutamat. Grund für Magen-Darm-Beschwerden können auch Infekte oder das Reizdarmsyndrom sein. Eine mögliche Nahrungsmittelallergie sollten Betroffene daher stets von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt abklären lassen.

Was kann eine Nahrungsmittelallergie auslösen?

Typische Auslöser für eine Nahrungsmittelallergie sind Nüsse, Hülsenfrüchte, Kuhmlich, Hühnereier, Soja, Weizen, Steinobst, Kernobst, Gemüse wie Sellerie oder Möhren, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte.

Das Immunsystem reagiert bei Nahrungsmittelallergien auf eigentlich unschädliche Eiweiße so, als seien sie Fremdkörper.

Manche Menschen neigen genetisch bedingt stärker zu allergischen Reaktionen. Die genauen Ursachen einer Nahrungsmittelallergie sind aber ungeklärt.

Typische Auslöser: 

  • Erdnüsse, Walnüsse, Haselnüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Kuhmilch, Hühnereier, Soja, Weizen
  • Stein- und Kernobst
  • Gemüse wie Sellerie oder Möhren
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Fleisch

Wichtig zu wissen: Kindern reagieren am häufigsten auf Nüsse, Kuhmilch, Soja, Weizen oder Hühnerei allergisch. Erwachsene sind eher gegen Nüsse, Soja, Sellerie oder Meeresfrüchte allergisch. Die meisten Betroffenen haben ein bis 3 Nahrungsmittelallergien.

Wie häufig kommen Nahrungsmittelallergien vor?

In Deutschland haben rund 4 Prozent der Bevölkerung eine Nahrungsmittelallergie. Beginnen kann sie in jedem Alter. Der Verlauf ist je nach Auslöser und Alter des Betroffenen sehr unterschiedlich.

In Deutschland haben rund 4 % der Bevölkerung eine Nahrungsmittelallergie.

Wie lange eine Nahrungsmittelallergie dauert und wie sie sich entwickelt, lässt sich schwer sagen. Kinder, die auf Milcheiweiß, Weizen oder Soja allergisch sind, haben gute Chancen, dass die Beschwerden nach einigen Jahren abklingen. Der Grund: Der Körper lernt, mit den allergieauslösenden Stoffen umzugehen.

Wer erstmals im Erwachsenenalter auf Nahrungsmittel wie Fisch oder Meeresfrüchte reagiert, ist meistens dauerhaft allergisch. Länger anhaltend oder dauerhaft sind oft auch Nussallergien. Rund die Hälfte der Kinder mit einer Nahrungsmittelallergie entwickelt später ein allergisches Asthma oder einen allergischen Schnupfen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Allergie bestehen bleibt, steigt mit der Stärke der Beschwerden. Auch deutliche Reaktionen bei Allergietests geben Hinweise auf eine dauerhafte Allergie.

Welche Möglichkeiten zur Diagnose gibt es?

Ob eine Nahrungsmittelallergie vorliegt, kann unter anderem mit Haut- und Bluttests untersucht werden. Mit den Tests prüfen Ärztinnen oder Ärzte, ob das Immunsystem auf bestimmte Stoffe übermäßig, also allergisch, reagiert.

Bei einem Hauttest wird die Haut leicht angeritzt. Auf diese Stelle wird dann eine Lösung mit einem bestimmten Nahrungsmitteleiweiß gegeben. Juckt oder rötet sich die Haut oder entstehen Quaddeln, kann eine Allergie vorliegen. Bei Bluttests untersucht die Ärztin oder der Arzt, ob der Körper Antikörper gegen ein Nahrungsmittel bildet.

Solche Tests reichen allerdings in der Regel nicht aus, um eine Nahrungsmittelallergie eindeutig abzuklären. Häufig wird daher auch ein Provokationstest durchgeführt: Dabei essen die Betroffenen das verdächtige Nahrungsmittel unter ärztlicher Beobachtung.

Wie können Nahrungsmittelallergien behandelt werden?

Bei einer Nahrungsmittelallergie ist es vor allem wichtig, das auslösende Lebensmittel zu vermeiden. Stärkere Beschwerden können kurzfristig auch mit Medikamenten behandelt werden. Arzneimittel werden bei Nahrungsmittelallergien in der Regel nicht dauerhaft verwendet.

Die stärkste Form einer allergischen Reaktion nennt man Anaphylaxie. Dabei reagiert der gesamte Körper und es sind mindestens zwei Organsysteme gleichzeitig betroffen – etwa die Haut und die Atemwege oder der Magen-Darm-Trakt und das Herz-Kreislauf-System. Kommt es zu einer solchen anaphylaktischen Reaktion, wird ein spezielles Notfallset verwendet. Mit den enthaltenen Medikamenten lassen sich schwerwiegende Symptome behandeln. Sie helfen auch, einer Verschlimmerung vorzubeugen.

Vertiefende Informationen, etwa zur Behandlung einer Nahrungsmittelallergie, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

Was sollte ich noch wissen?

Weitere Informationen zum Krankheitsbild Nahrungsmittelallergie finden Sie auch auf allergieinformationsdienst.de.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Stand:

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