Akutes Nierenversagen

Funktionieren die Nieren innerhalb kurzer Zeit nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr, spricht man von einem akuten Nierenversagen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sie lebensgefährlich werden. Eine Therapie hilft, das zu verhindern.

Auf einen Blick

  • Bei einem akuten Nierenversagen arbeiten die Nieren nur noch eingeschränkt oder funktionieren gar nicht mehr.
  • Die Nierenfunktion nimmt meistens innerhalb von 48 Stunden deutlich ab.
  • Wird plötzlich weniger Urin ausgeschieden, ist das ein erster Hinweis.
  • Es gibt viele Ursachen für ein akutes Nierenversagen. Dazu zählt beispielsweise starker Blutverlust nach einem Unfall.
  • Auch bestimmte Medikamente oder Vorerkrankungen können die Nieren schädigen.
  • Unbehandelt kann ein Versagen der Nieren lebensgefährlich sein. Rechtzeitig erkannt ist es meist heilbar.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Frau mit Infusion im Krankenbett

Was ist ein akutes Nierenversagen?

Bei einem akuten Nierenversagen, auch Niereninsuffizienz genannt, nimmt die Nierenfunktion schnell ab – meist innerhalb von 2 Tagen. Bei schweren Verläufen kann es sein, dass die Nieren ganz aufhören zu arbeiten.

Die Nieren reinigen das Blut von Abbauprodukten des Stoffwechsels. Sie produzieren den Urin, mit dem diese normalerweise ausgeschieden werden.

Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, sammeln sich diese Substanzen im Blut. Es kommt zu einer Harnvergiftung, die im fortgeschrittenen Stadium lebensgefährlich sein kann. Außerdem lagert sich vermehrt Flüssigkeit im Gewebe ein (Ödembildung). 

Ein akutes Versagen der Nieren ist möglich, wenn Menschen bei einem Unfall viel Blut verlieren. 

Bestimmte Medikamente oder Vorerkrankungen können die Nierentätigkeit ebenfalls einschränken.

Wird ein akutes Nierenversagen rechtzeitig erkannt und behandelt, lässt es sich meist heilen.

Welche Symptome treten bei einem akuten Nierenversagen auf?

Ein akutes Versagen der Nieren bemerkt man häufig zunächst gar nicht. Eine verminderte Harnmenge ist aber ein erster Hinweis.

Weitere Symptome treten auf, wenn es zu Komplikationen kommt.

Durch den Rückstau von Flüssigkeit lagert sich diese vermehrt im Gewebe ein, zunächst vor allem in den Beinen. Später kann sich auch Flüssigkeit in der Lunge ansammeln (Lungenödem), dann kommt es zu Atemproblemen. Auch im Bauchraum kann sich Flüssigkeit sammeln (Bauchwassersucht).

Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen können Anzeichen dafür sein, dass Stoffwechselprodukte nicht mehr über den Urin ausgeschieden werden und sich im Körper ansammeln.

Weitere Anzeichen einer solchen Harnvergiftung (Urämie) sind eine bräunlich-gelb gefärbte und juckende Haut. Manchmal riecht der Atem nach Urin oder es kommt zu Muskelkrämpfen. Im späteren Verlauf sind Betroffene oft verwirrt. Es können epileptische Anfälle oder Bewusstlosigkeit und Koma auftreten.

Was sind die Ursachen für ein akutes Nierenversagen?

Die Medizin unterscheidet Ursachen, die vor der Niere (prärenal), in der Niere (intrarenal) oder hinter der Niere (postrenal) liegen.

Prärenales Nierenversagen

Prärenale, also vor der Niere liegende Ursachen führen zu einer schlechteren Durchblutung des Organs. Sie lösen circa 60 Prozent der akuten Erkrankungen aus.

Ursache kann ein starker Flüssigkeitsverlust sein, beispielsweise bei Unfällen mit starken Blutungen, ausgedehnten Verbrennungen oder infolge von heftigem und anhaltendem Durchfall und Erbrechen. Ein prärenales Nierenversagen ist aber auch eine mögliche Folge eines Herzinfarkts, wenn durch Einschränkung der Pumpfunktion der Blutdruck plötzlich sinkt. 

Intrarenales Nierenversagen

Bei intrarenalen Ursachen ist die Niere selbst geschädigt. Sie sind für rund 35 Prozent der Erkrankungen verantwortlich.

Häufigster Auslöser ist eine akute Tubulusnekrose. Dabei wird ein Teil des Nierengewebes, das Tubulussystem, geschädigt. Grund dafür kann eine verminderte Durchblutung der Niere sein. Hält diese länger an, ist es möglich, dass Tubuluszellen absterben. 

Auch Medikamente wie Antibiotika, Schwermetalle oder Entzündungen können die Niere selbst schädigen. 

Postrenales Nierenversagen

Postrenale, also hinter der Niere liegende Ursachen lösen mit 5 Prozent am seltensten ein akutes Nierenversagen aus. Nieren- und Harnleitersteine, Tumoren, Blutgerinnsel oder Verstopfungen der Harnröhre führen dazu, dass der Harn nicht ausreichend abfließt. 

Wie häufig kommt es zu einem akuten Nierenversagen?

Bei bis zu 7 von 100 Menschen, die ins Krankenhaus kommen, stellen Ärztinnen und Ärzte ein akutes Nierenversagen fest. 

Bei bis zu 7 von 100 Menschen, die ins Krankenhaus kommen, stellt man ein akutes Nierenversagen fest.

Welche Folgen kann ein akutes Nierenversagen haben?

Menschen mit einem akuten Nierenversagen erholen sich häufig vollständig, wenn sie rechtzeitig behandelt werden.

Rund 15 von 100 Personen benötigen jedoch langfristig eine Blutwäsche (Dialyse). Diese übernimmt die Funktion der Niere und entfernt schädliche Stoffe aus dem Blut.

Wie ein akutes Nierenversagen verläuft, hängt auch von der jeweiligen Ursache ab. Behandeln Ärztinnen und Ärzte einen hohen Blutverlust nach einem Unfall rechtzeitig, funktioniert die Niere danach meistens wieder normal. 

Einfluss auf den Verlauf haben außerdem das Alter und die Dauer der Erkrankung.

Zudem gibt es Komplikationen, die einen schweren Verlauf wahrscheinlicher machen. Dazu zählt die Hyperkaliämie, bei der sich vermehrt Kalium im Blut ansammelt. Dadurch kann es zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen.

Auch kann sich verstärkt Flüssigkeit im Gewebe einlagern und beispielsweise zu einem Lungenödem führen.

Wichtig zu wissen: Bei einem Lungenödem wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Das ist ein medizinischer Notfall, der rasch behandelt werden muss.

Lässt sich ein akutes Nierenversagen frühzeitig erkennen?

Um ein drohendes Nierenversagen bei Menschen mit einem hohen Risiko früh zu erkennen, wird im Krankenhaus regelmäßig der Kreatinin-Wert im Blut bestimmt.

Arbeitet die Niere normal, wird Kreatinin über den Urin ausgeschieden. Bei einem akuten Nierenversagen bleibt das Stoffwechselprodukt im Körper und reichert sich im Blut an. Erhöht sich der Wert innerhalb kurzer Zeit, ist das ein Hinweis auf ein akutes Nierenversagen.

Wie wird ein akutes Nierenversagen diagnostiziert?

Um ein Versagen der Nieren festzustellen, bestimmen Ärztinnen und Ärzte die Menge des ausgeschiedenen Urins. Sinkt diese unter einen bestimmten Wert, liegt eine akute Erkrankung vor. 

Zudem lässt sich im Blut die Menge von Kreatinin messen. Steigt dieser Wert an, ist das ebenfalls ein Hinweis auf ein Nierenversagen.

Manchmal ist die Ursache für das Nierenversagen offensichtlich, beispielsweise eine schwere Blutung. Wenn das nicht der Fall ist, kommen weitere Blut- und Urinuntersuchungen infrage. Ein Ultraschall kann zeigen, ob ein Tumor oder Nierensteine der Grund sind. Manchmal ist auch eine Gewebeentnahme (Biopsie) notwendig.

Wie behandelt man ein akutes Nierenversagen?

Wie ein akutes Nierenversagen behandelt wird, hängt von der jeweiligen Ursache ab. 

Dabei ist es wichtig, dass der Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht bleibt. Befindet sich zu viel Flüssigkeit im Körper, können zum Teil lebensbedrohliche Schwellungen im Gewebe (Ödeme) entstehen. Bei zu wenig Flüssigkeit kann Nierengewebe geschädigt werden. Um einen Mangel auszugleichen, erhalten die Patientinnen und Patienten Flüssigkeit als Infusion.

Bei einem akuten Nierenversagen ist es wichtig, den Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht zu halten.

Haben Medikamente das akute Nierenversagen ausgelöst, prüfen die Ärztinnen und Ärzte, wie man diese ersetzen oder in der Dosis anpassen kann.

Kann der Urin wegen Harn- oder Nierensteinen nicht ausgeschieden werden, müssen diese entfernt werden. 

Dauert die Behandlung länger und bleibt die Nierenfunktion eingeschränkt, kommt eine Nierenersatztherapie in Form einer Blutwäsche (Dialyse) infrage. 

Manchmal ist die Niere so stark geschädigt, dass eine dauerhafte Dialyse nötig ist. Auch können Medizinerinnen und Mediziner eine Nierentransplantation empfehlen.

Nierenversagen: Wie sieht die Nachsorge aus?

Nach der Behandlung ist es wichtig, die Nierenfunktion regelmäßig bei der Hausärztin oder dem Hausarzt prüfen zu lassen. 

Das gilt besonders für Menschen, die ein erhöhtes Risiko für chronische Nierenerkrankungen haben. Dazu zählen unter anderem ältere Menschen und Menschen, die ein chronisches Nierenleiden hatten. 

Wo finde ich Unterstützung bei einer chronischen Nierenerkrankung?

Selbsthilfegruppen bieten Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung die Möglichkeit, sich zu informieren, beraten zu lassen und Erfahrungen auszutauschen. 

Geeignete Selbsthilfegruppen können Sie über die Datenbank der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) finden.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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