Aortendissektion

Wenn die innere Auskleidung der Hauptschlagader (Aorta) einreißt und das Blut in die Gefäßwand eindringt, spricht man von einer Aortendissektion. Passiert das am herznahen Anfangsstück der Aorta, muss so schnell wie möglich operiert werden.

Auf einen Blick

  • Bei einer Aortendissektion gelangt Blut über einen Geweberiss in die Wand der Hauptschlagader und spaltet sie.
  • Typisches Symptom sind plötzliche und heftige Schmerzen in Brust oder Rücken, die oft als reißend empfunden werden.
  • Eine Aortendissektion ist selten. Zwei Drittel der erkrankten Menschen sind Männer im mittleren bis höheren Alter.
  • Bei einem Riss der Aorta nahe am Herzen ist eine rasche Operation nötig.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Ein älterer Herr sitzt auf dem Sofa und hat seine Hand mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seine Brust gelegt. Eine ältere Dame sitzt neben ihm, legt ihm fürsorglich ihre Hände auf Schulter und Arm und sieht ihn besorgt an.

Was ist eine Aortendissektion?

Spaltet sich die Wand der Hauptschlagader (Aorta) durch eine Einblutung auf, bezeichnen Medizinerinnen oder Mediziner dies als Aortendissektion oder Aneurysma dissecans aortae. 

Die Aortenwand besteht aus drei Gewebeschichten. Reißt die innerste Schicht ein, kann das Blut in die Gefäßwand eindringen und die Wandschichten auseinanderdrängen. Typischerweise geht eine solche Aufspaltung (Dissektion) mit plötzlichen und heftigen Schmerzen in Brust oder Rücken einher. 

Bei einer Aortendissektion handelt es sich um einen seltenen, aber oft lebensbedrohlichen Notfall. Vor allem wenn sie im herznahen Anfangsstück der Aorta auftritt, ist eine rasche Operation notwendig.

Wichtig zu wissen: Nicht zu verwechseln ist die Aortendissektion mit dem klassischen Aortenaneurysma, bei dem sich die Gefäßwand ausbuchtet, aber nicht der Länge nach aufgespalten wird.

Welche Symptome weisen auf eine Aortendissektion hin?

Typisch für eine Aortendissektion ist ein plötzlich einsetzender heftiger Schmerz in Brust oder Rücken, gelegentlich auch im Bauch. Der Schmerz wird oft als reißend oder stechend beschrieben. 

Die weiteren Symptome hängen vom Ort der Dissektion ab. Das können sein:

  • fehlender Puls, beispielsweise in einem Arm, einer Halsschlagader oder den Beinen
  • Ohnmacht oder Bewusstseinsstörungen
  • Kribbeln, Schmerzen oder Lähmungen in den Gliedmaßen
  • Heiserkeit
  • hängendes Augenlid und verengte Pupillen
  • Luftnot

Wie entsteht eine Aortendissektion?

Zu Beginn einer Aortendissektion kommt es zu einem Riss in der inneren Schicht der Gefäßwand. Die Aortenwand ist durch das schnell fließende Blut und den Druck im Inneren der Schlagader starken Kräften ausgesetzt. Reißt sie ein, wird Blut in die Gefäßwand eingespült – vergleichbar mit einem Fluss, der sein normales Bett verlässt. 

Die Hauptschlagader (Aorta) verläuft ähnlich wie ein Spazierstock: Von der linken Herzkammer zieht sie zunächst ein Stück nach oben, macht einen Bogen und verläuft dann absteigend durch die Brust hinab bis in den oberen Beckenbereich. 

Wenn bei einer Aortendissektion der herznahe, also aufsteigende Anfangsteil gerissen ist, spricht man von einer Typ-A-Dissektion. Dabei kann sich die Einblutung auch bis in den nach unten ziehenden Gefäßabschnitt fortsetzen und die Wand der Hauptschlagader über weite Strecken der Länge nach spalten. Bei einem Riss ausschließlich im absteigenden Teil der Aorta liegt eine Typ-B-Dissektion vor.

Wichtig zu wissen: Rund zwei Drittel der Menschen mit einer Aortendissektion haben den Typ A, also die gefährlichere Variante.

Welche Faktoren begünstigen eine Aortendissektion?

Eine Aortendissektion kommt selten vor. Zwei Drittel der erkrankten Personen sind Männer. Eine Aortendissektion hängt oft mit einem Verschleiß der Gefäßwand zusammen und tritt meist im mittleren bis höheren Alter auf. Allerdings kann es auch schon bei jüngeren Erwachsenen zu einer Aortendissektion kommen, etwa bei genetisch bedingten Veränderungen des Bindegewebes.

Eine Aortendissektion hängt oft mit einem Verschleiß der Gefäßwand zusammen und tritt meist im mittleren bis höheren Alter auf.

Folgende Grunderkrankungen und Risikofaktoren begünstigen die Schädigung der Gefäßwand:

  • Bluthochdruck und Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“)
  • eine abrupte Erhöhung des Blutdrucks, etwa beim Gewichtheben oder durch den Konsum von Drogen wie Ecstasy oder Kokain
  • genetisch bedingte Bindegewebserkrankungen wie das Marfan- oder das Ehlers-Danlos-Syndrom
  • angeborene Herzklappenfehler (sogenannte bikuspidale Aortenklappe)
  • ein bestehendes Aortenaneurysma
  • frühere Herzoperationen oder Katheter-Eingriffe
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitiden)
  • Schwangerschaft und Geburt, wobei der genaue Zusammenhang nicht eindeutig geklärt ist

Wie verläuft eine Aortendissektion?

Die Aortendissektion ist meist ein akuter Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Allerdings gibt es auch verschleppte oder sogar chronische Formen. Sie sind weniger gefährlich.

Die Aortendissektion ist meist ein akuter Notfall, der schnelles Handeln erfordert.

Wie die Erkrankung verläuft, hängt vor allem von Ort und Ausmaß der Dissektion und von den Komplikationen ab, die in den ersten beiden Wochen auftreten können. Platzt die geschädigte Aortenwand (Aortenruptur), ist das immer ein Notfall, der zu einer inneren Blutung und oft zu einem Kreislaufschock führt.

Bei herznahen Typ-A-Dissektionen kann sich das Blut in den Herzbeutel ergießen und das Herz von außen zusammendrücken (sogenannte Herzbeuteltamponade). Ebenso ist es möglich, dass die Aortenklappe nicht mehr richtig schließt und das Blut in die linke Herzkammer zurückfließt. Auch die Herzkranzgefäße können blockiert werden. Als Folge kann es zu einem Herzinfarkt kommen.

Breitet sich eine Dissektion entlang der Hauptschlagader (Aorta) aus, können zudem wichtige Seitenäste der Aorta verlegt werden. Blockieren sie die Halsschlagadern, kann es zu einem Schlaganfall kommen. Wird der Blutfluss in den Nierenarterien behindert, kann ein Nierenversagen die Folge sein. Auch die Durchblutung anderer innerer Organe, des Rückenmarks oder der Arme und Beine können gestört sein.

Wegen dieser möglichen Komplikationen bergen vor allem Typ-A-Dissektionen ein hohes Risiko: Ohne einen operativen Eingriff sterben etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten. Wird die Aoertendissektion schnell festgestellt und behandelt, überleben etwa 80 Prozent der Menschen mit einer Typ-A-Dissektion.

Wie wird eine Aortendissektion diagnostiziert?

Typische Symptome wie ein plötzlich einsetzender heftiger Brustschmerz geben Ärztinnen und Ärzten bereits einen wichtigen Hinweis auf eine Aortendissektion. Weitere Hinweise liefern bekannte Risikofaktoren. Ein Verdacht auf eine Aortendissektion muss sofort im Krankenhaus abgeklärt werden.

Da der deutlich häufigere Herzinfarkt ganz ähnliche Schmerzen hervorruft wie eine Aortendissektion, muss dieser zunächst ausgeschlossen werden. Meist machen Ärztinnen und Ärzte dazu ein Elektrokardiogramm (EKG).

Die Dissektion lässt sich mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren diagnostizieren. Dazu zählen:

  • Echokardiografie: Mit dieser Ultraschallmethode können das Herz und die Aorta untersucht werden. Oft wird die Ultraschallsonde dabei in die Speiseröhre eingeführt.
  • Computertomografie (CT): Dieses hochauflösende Röntgenverfahren bietet eine detaillierte Ansicht von Herz, Aorta und Organen. Eine CT kann mit der Gabe eines Kontrastmittels kombiniert werden, um die Blutgefäße besser darzustellen. Man spricht dann von CT-Angiografie.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Sie wird mitunter alternativ zur Computertomografie eingesetzt.

Wie behandelt man eine Aortendissektion?

Grundsätzlich geben Ärztinnen und Ärzte bei einer Aortendissektion umgehend Medikamente, um die Schmerzen zu lindern sowie den Blutdruck und den Puls zu senken. Dies entlastet die geschädigte Gefäßwand. 

Die weitere Therapie richtet sich nach dem Ausmaß und dem Typ der Dissektion:

Behandlung bei Aortendissektion Typ A

Ist die Gefäßwand im herznahen Anfangsteil der Aorta gespalten, muss notoperiert werden – je schneller, desto besser sind die Überlebenschancen. 

Bei dieser Operation, die am offenen Herzen vorgenommen wird, setzt ein chirurgisches Team für den geschädigten Aortenabschnitt eine Gefäßprothese ein. Ist auch die Aortenklappe betroffen, ersetzen sie diese durch eine Klappenprothese.

Behandlung bei Aortendissektion Typ B

Ist ausschließlich der absteigende Teil der Aorta geschädigt, kommen bei leichteren Verläufen Medikamente zum Einsatz. Der Behandlungserfolg wird im Krankenhaus überwacht. Erst wenn sich Schmerzen und Blutdruck nicht ausreichend kontrollieren lassen, die Aorta stark erweitert ist und zu platzen droht oder andere Komplikationen auftreten, ist eine Operation erforderlich. Typischerweise wird hierbei eine Aortenprothese über einen Schnitt in der Leiste mit einem dünnen Schlauch (Katheter) bis in die Hauptschlagader vorgeschoben und dort eingesetzt.

Wie sieht die Nachsorge bei einer Aortendissektion aus?

Nach einer Aortendissektion ist es wichtig, dauerhaft den Blutdruck zu kontrollieren und bei Bedarf mit geeigneten Medikamenten einzustellen. 

Außerdem empfiehlt es sich, regelmäßig zu überprüfen, ob sich Spätkomplikationen abzeichnen oder sich – bei chronischen Verläufen – die Dissektion auszudehnen droht. Dazu sind Kontrolluntersuchungen per Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Herzultraschall (Echokardiografie) notwendig. Diese Untersuchungen erfolgen anfänglich alle 3 bis 6 Monate, danach einmal im Jahr.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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