Krankheiten Bauchaortenaneurysma
ICD-Codes: I71 Was sind ICD-Codes?
Dehnt sich die Bauchschlagader an einer Stelle und buchtet sich aus, bezeichnen Ärztinnen und Ärzte das als Bauchaortenaneurysma. Bei Männern passiert das häufiger als bei Frauen. Meistens verursacht ein Aneurysma der Bauchschlagader keine schwerwiegenden Probleme. Wenn es jedoch reißt, ist dies ein Notfall, den es zügig zu behandeln gilt.
Auf einen Blick
- Wenn sich an einer Stelle der Bauchschlagader (Bauchaorta) eine Ausbuchtung (Aneurysma) bildet, spricht man von einem Bauchaortenaneurysma.
- Meist verursacht es keine Beschwerden und bleibt deshalb unerkannt.
- Reißt ein Bauchaortenaneurysma, ist dies ein lebensbedrohlicher Notfall.
- Wie wahrscheinlich ein Riss ist, hängt von der Größe des Aneurysmas sowie anderen Risikofaktoren ab.
- Etwa 2 Prozent aller Männer zwischen 65 und 75 Jahren haben ein Aneurysma der Bauchschlagader, Frauen deutlich seltener.
- Männer über 65 Jahre können im Rahmen des Gesundheits-Check-ups eine Untersuchung zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysmas wahrnehmen.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist ein Bauchaortenaneurysma?
Der Begriff Bauchaortenaneurysma bezeichnet eine punktuelle Erweiterung (Aneurysma) der Bauchschlagader (Bauchaorta).
Durch die Hauptschlagader wird das sauerstoffreiche Blut aus dem Herzen in den Körper gepumpt. Die Hauptschlagader im Bereich der Bauchhöhle nennt man Bauchschlagader. Dehnt sie sich an einer Stelle um mindestens die Hälfte ihres normalen Durchmessers, spricht man von einem Aneurysma der Bauchschlagader (Bauchaorten-Aneurysma).
Für gewöhnlich verursacht ein Aneurysma der Bauchschlagader keine Beschwerden und die meisten Aneurysmen bleiben auch harmlos. Mit zunehmender Größe erhöht sich jedoch die Gefahr, dass die Bauchschlagader plötzlich reißt. Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
Woran erkennt man ein Bauchaortenaneurysma?
Die meisten Bauchaortenaneurysmen verursachen keine Beschwerden und bleiben oft unerkannt.
Größere Aneurysmen können sich durch Schmerzen im Rücken, im Bauch oder in der Seite bemerkbar machen.
Wenn die Bauchschlagader reißt, kommt es zu einem plötzlichen Schmerz im Rücken. Dieser kann in die Seite oder in die Leiste ausstrahlen. Er kann begleitet sein von Übelkeit und Erbrechen, starkem Schwitzen oder Kurzatmigkeit. Durch den Riss kommt es zu einem großen Blutverlust. Das Gehirn und andere Organe erhalten dann nicht mehr genug Sauerstoff. Die Folgen können Schwindel, Bewusstlosigkeit und schließlich ein Kreislaufzusammenbruch sein.
Was sind die Ursachen für ein Bauchaortenaneurysma?
Ein Bauchaortenaneurysma kann entstehen, wenn die Elastizität der Gefäßwand abnimmt. Die Elastizität sinkt mit dem Alter und auch, wenn das Gefäß stark beansprucht wird, etwa durch Bluthochdruck. Rauchen erhöht ebenfalls das Risiko für ein Aneurysma der Bauchschlagader. Selten können auch Entzündungsprozesse zu einem Aneurysma führen.
Wenn sich eine Ausbuchtung gebildet hat, dehnt sich die Gefäßwand an dieser Stelle leicht weiter. Daher vergrößert sich das Aneurysma meist mit der Zeit.
Welche Faktoren begünstigen ein Bauchaortenaneurysma?
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für ein Bauchaortenaneurysma erhöhen. Das sind:
- Geschlecht: Männer entwickeln deutlich häufiger ein Aneurysma der Bauchschlagader als Frauen.
- Alter: Das Risiko für ein Aneurysma steigt mit dem Alter. Die meisten Menschen mit einem Bauchaortenaneurysma sind über 65 Jahre alt.
- Rauchen: Der bedeutendste Risikofaktor, den man selbst beeinflussen kann, ist das Rauchen.
- Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) erhöhen das Risiko für ein Aneurysma.
- Blutfette: Erhöhte Blutfette machen ein Aneurysma wahrscheinlicher.
- genetische Veranlagung: Nahe Verwandte mit einem Aneurysma der Bauchschlagader oder seltene, genetisch bedingte Erkrankungen des Bindegewebes erhöhen ebenfalls das Risiko.
Wie häufig kommt es zu einem Bauchaortenaneurysma?
Etwa 2 Prozent aller Männer zwischen 65 und 75 Jahren haben ein Bauchaortenaneurysma.
Die Häufigkeit steigt mit dem Alter. Bei Frauen kommt ein Aneurysma der Bauchschlagader deutlich seltener vor – weniger als 1 Prozent der Frauen ab 60 Jahren sind betroffen.
Wie entwickelt sich ein Bauchaortenaneurysma?
Meistens verursacht ein Aneurysma der Bauchschlagader keine Beschwerden und bleibt auch auf Dauer harmlos. Wenn es sich ausdehnt, dann gewöhnlich nur langsam.
Nur ein Teil aller Aneurysmen wird so groß, dass das Risiko für einen plötzlichen Riss erhöht ist. Ein Riss ist ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem viel Blut in den Bauchraum tritt.
Das Risiko für einen Riss ist höher, wenn das Aneurysma schnell wächst oder eine bestimmte Größe erreicht hat.
Bei Männern ist das ein Durchmesser von mindestens 5,5 Zentimetern. Nach groben Schätzungen reißt ein Aneurysma der Bauchschlagader mit einer Größe zwischen 5,5 und 7 Zentimetern bei etwa 1 bis 5 von 100 Männern innerhalb eines Jahres. Ab 7 Zentimetern Durchmesser ist das Risiko für einen Riss um ein Vielfaches höher.
Fachleute gehen davon aus, dass bei Frauen bereits ab einer Größe von etwa 5 Zentimetern das Risiko für einen Riss deutlich steigt. Bei einer Größe zwischen von 5 bis 5,4 Zentimetern reißt ein Aneurysma bei bis zu 3 von 100 Frauen innerhalb eines Jahres.
Wie diagnostiziert man ein Bauchaortenaneurysma?
Per Ultraschalluntersuchung lässt sich feststellen, ob sich ein Bauchaortenaneurysma gebildet hat. Bei der Untersuchung wird der Durchmesser der Bauchschlagader bestimmt. Ab einer Ausbuchtung von 3 Zentimetern spricht man gewöhnlich von einem Aneurysma. Weil die Bauchschlagader bei Frauen schmaler ist, wird die Diagnose bei ihnen manchmal bereits bei einem etwas geringeren Durchmesser gestellt.
Wenn ein Aneurysma der Bauchschlagader Beschwerden verursacht, wird es meist bei abklärenden Untersuchungen entdeckt.
Lässt sich ein Bauchaortenaneurysma früh erkennen?
Es ist möglich, ein Bauchaortenaneurysma durch eine Ultraschalluntersuchung früh zu erkennen. Große Aneurysmen können Ärztinnen und Ärzte dann operieren, bevor sie reißen. Kleinere werden regelmäßig kontrolliert, um zu sehen, ob und wie schnell sie sich ausdehnen.
Es ist belegt, dass die Früherkennungsuntersuchung bei Männern ab 65 Jahren die Gefahr verringert, dass ein Aneurysma der Bauchschlagader reißt und zum Tode führt. Für Frauen gibt es nur eine gute Studie zur Früherkennungsuntersuchung von Aneurysmen. Sie zeigt für Frauen keine Vorteile.
Für Männer ab 65 Jahre bieten die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland eine Früherkennungs-Untersuchung der Bauchaorta an.
Wichtig zu wissen: Eine Früherkennung hat auch Nachteile. Entdecken Ärztinnen und Ärzte ein Aneurysma, wird dieses eventuell operiert, obwohl es nie gesundheitliche Probleme bereitet hätte. Es kommt zu sogenannten Überdiagnosen. Auch kann der operative Eingriff selbst schwere Komplikationen verursachen. Zu wissen, dass man ein Aneurysma hat, kann zudem sehr belastend sein.
Mehr Informationen zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysmas finden Sie in der Broschüre des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Wie wird ein Bauchaortenaneurysma behandelt?
Ob eine Behandlung des Bauchaortenaneurysmas sinnvoll ist und welche infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem die Größe und das Wachstum des Aneurysmas sind entscheidend, aber auch der allgemeine Gesundheitszustand eines Menschen.
Für gewöhnlich werden kleinere Aneurysmen der Bauchschlagader mit einem Durchmesser von weniger als 5,5 Zentimetern bei Männern und weniger als etwa 5 Zentimetern bei Frauen regelmäßig kontrolliert.
Wer raucht, sollte möglichst damit aufhören, da Rauchen das Wachstum des Aneurysmas fördert. Bei Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder erhöhten Cholesterinwerten wird dazu geraten, diese zu behandeln.
Bei einem hohen Risiko für einen Riss lässt sich diesem nur mit einer Operation vorbeugen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
- offene Operation über einen Bauchschnitt: Das Aneurysma wird geöffnet und durch ein künstliches Gefäßstück ersetzt.
- endovaskulärer Eingriff über einen kleinen Schnitt in der Leiste: Ein Röhrchen, die sogenannte Stent-Prothese, wird durch den Schnitt in eine Arterie eingeführt, dann bis in das Aneurysma vorgeschoben und in die Ausbuchtung eingesetzt.
Beide Verfahren sind mit Risiken verbunden und sollten individuell abgewogen werden. Auf der einen Seite stehen die Risiken einer Operation, auf der anderen Seite die Gefahr, dass das Aneurysma plötzlich reißt.
Eine zweite ärztliche Meinung kann die Entscheidung erleichtern. Ärztinnen und Ärzte, die die Operation eines Bauchaorten-Aneurysmas empfehlen, müssen auf das Recht auf eine kostenlose Zweitmeinung hinweisen.
Vertiefende Informationen zum Thema Bauchaortenaneurysma, etwa wann eine Operation sinnvoll ist, und eine Entscheidungshilfe finden Sie unter gesundheitsinformation.de.
Was beinhaltet die Reha nach einer OP eines Bauchaortenaneurysmas?
Eine offene Operation an der Bauchschlagader ist ein großer Eingriff. Daher schließt sich an diese Behandlung häufig eine Rehabilitation an. Sie soll dabei helfen, sich von der Operation zu erholen, die Lebensqualität zu verbessern und wieder fit für den Alltag zu sein.
Was ist wichtig für den Alltag mit einem Bauchaortenaneurysma?
Die Diagnose Bauchartenaneurysma kann ganz unterschiedliche und auch widersprüchliche Gefühle auslösen. Manche Menschen sind dankbar, dass das Aneurysma erkannt wurde – und die folgenden Kontrolluntersuchungen geben ihnen ein Gefühl der Sicherheit.
Andere Menschen wünschen sich, sie hätten nicht von ihrem Aneurysma erfahren. Das Wissen um ein Aneurysma kann Angst machen und zu Verunsicherung führen.
Viele Menschen mit einem diagnostizierten Bauchaortenaneurysma leben in dem Bewusstsein, dass ihr Leben gefährdet ist. Beschwerden wie Bauchschmerzen können dann beängstigend sein, da sie häufig mit dem Aneurysma in Verbindung gebracht werden, selbst wenn kein Zusammenhang besteht. Viele schränken sich aus Sorge im Alltag ein. Sie werden vorsichtiger und meiden körperliche Belastungen, obwohl dies vielleicht gar nicht nötig ist.
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In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
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