Krankheiten Borreliose
ICD-Codes: A69.2 Was sind ICD-Codes?
Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Sie kann durch Zecken übertragen werden. Etwa 2 von 10.000 Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr an Borreliose.
Auf einen Blick
- Die Borreliose ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit.
- Sie kann durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen werden.
- Eine Infektion ist weniger wahrscheinlich, wenn Zecken frühzeitig entfernt werden.
- Borreliose kann zu einer ringförmigen Hautrötung an der Einstichstelle oder grippeähnlichen Beschwerden führen.
- Sie wird in der Regel mit Antibiotika behandelt.
- Bleibt die Infektion unbehandelt, können die Bakterien auch Gelenke und verschiedene Organe angreifen.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist Borreliose?
Wer sich im Grünen aufhält, kann von einer Zecke gestochen werden. Dabei werden manchmal Krankheiten wie Borreliose übertragen. Die Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Man spricht auch von der Lyme-Borreliose oder der Lyme-Krankheit.
Bei einer Borreliose kommt es zunächst zu einer Entzündung der Haut in der Nähe der Einstichstelle. Im weiteren Verlauf können die Borrelien genannten Bakterien auch Gelenke und verschiedene Organe angreifen. Meist verursacht die Infektion jedoch keine starken Beschwerden.
Video Was charakterisiert Borreliose?
Im folgenden Video erfahren Sie mehr über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Borreliose.
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Woran erkennt man Borreliose?
Meist juckt ein Zeckenstich und rötet sich an der Einstichstelle – das ist eine normale Entzündungsreaktion und hat nichts mit Borreliose zu tun. Nach dem Entfernen der Zecke bildet sich die Entzündung oft innerhalb weniger Tage zurück.
Wenn sich aber einige Tage oder Wochen nach einem Stich ein abgrenzbarer, roter Hautfleck an der Einstichstelle zeigt, kann dies Zeichen einer Borreliose sein. Typisch ist ein Fleck, der sich ringförmig ausbreitet, bis er einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern erreicht. Man spricht deshalb auch von „Wanderröte“. In der Mitte wird der Fleck oft etwas blasser – er erinnert dann an eine Zielscheibe. Auf hellerer Haut ist die Rötung deutlicher zu erkennen als auf dunklerer Haut. Dort kann sie eher an einen blauen Fleck erinnern.
Außerdem können innerhalb von sechs Wochen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen auftreten. Solche Beschwerden können auch ohne Wanderröte auf eine Borreliose hinweisen. Bei Anzeichen für eine Borreliose ist es wichtig, zu einer Ärztin oder zu einem Arzt zu gehen.
Treten schon nach ein bis zwei Wochen Grippebeschwerden auf, kann auch eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) dahinterstecken – das ist aber selten.
Post-Lyme-Syndrom und „chronische Borreliose“ – was ist das?
Manche Menschen bemerken Monate oder Jahre nach einem Zeckenstich Muskel- und Gelenkbeschwerden, starke Müdigkeit oder Gedächtnisstörungen. Diese Symptome werden mitunter als Spätfolge einer Borrelien-Infektion gewertet. Das Krankheitsbild wird manchmal als Post-Lyme-Syndrom oder chronische Borreliose bezeichnet – auch wenn Letzteres keine allgemein anerkannte Diagnose ist.
Manchmal werden solche Beschwerden auf eine Borreliose zurückgeführt, obwohl kein Zeckenstich bekannt ist und außerdem eine Blutuntersuchung keine entsprechenden Anhaltspunkte liefert. Es ist dann unwahrscheinlich, dass die Beschwerden tatsächlich mit einer Borrelien-Infektion im Zusammenhang stehen, denn solche Symptome können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten.
Werden die Beschwerden nicht durch eine Borrelien-Infektion verursacht, sollten unklare Gelenkbeschwerden, Erschöpfungszustände oder Konzentrationsstörungen darum auch nicht mit Antibiotika behandelt werden.
Eine Behandlung mit Antibiotika kann Nebenwirkungen mit sich bringen, beispielsweise Übelkeit und Durchfall. Wenn Antibiotika zu häufig eingenommen werden, können Bakterien außerdem dagegen resistent werden. Dann werden die Medikamente weniger wirksam. Antibiotika sollten daher nur bei einer nachgewiesenen Infektion eingenommen werden.
Wie häufig kommt es zu Borreliose?
Schätzungsweise erkrankt etwa einer von 100 Menschen nach einem Zeckenstich an einer Borreliose. In Deutschland erkranken circa 2 von 10.000 Menschen pro Jahr.
Was erhöht das Risiko für Borreliose?
Ob ein Zeckenstich zu Borreliose führt, hängt vor allem davon ab,
- wie lange die Zecke in der Haut gesteckt hat und
- wie alt und groß sie war.
Große Zecken sind häufiger mit Borrelien infiziert als kleine, da sie älter sind und in der Regel schon mehr Wirte gestochen haben.
Borrelien kommen überall in Deutschland vor. Wie viele Zecken infiziert sind, schwankt aber stark von Region zu Region.
Doch auch wer von einer infizierten Zecke gestochen wird, bekommt nicht zwangsläufig Borreliose. Borrelien leben im Darm der Zecke. Wenn überhaupt, werden die Bakterien erst nach längerem Saugen der Zecke übertragen. Wer seinen Körper gleich nach einem Aufenthalt im Freien auf Zecken untersucht und sie so bald wie möglich entfernt, kann sich deshalb vor Borreliose schützen. Je länger die Zecke verbleibt, desto höher ist das Risiko für eine Infektion.
Wie lässt sich Borreliose vorbeugen?
Das Risiko für Zeckenstiche hängt unter anderem vom jeweiligen Gebiet und dem eigenen Verhalten in der Natur ab. Wer sich schützen will, kann im hohen Gras oder Gebüsch zum Beispiel geschlossene Schuhe tragen. Empfohlen wird auch Kleidung, die den Körper möglichst großflächig bedeckt – also beispielsweise lange Hosen und langärmlige T-Shirts. Zecken können sich so schwerer festsetzen. Auch helle Kleidung kann vorteilhaft sein, denn darauf lassen sich Zecken leichter erkennen als auf dunkler.
Bevor Zecken stechen, krabbeln sie manchmal stundenlang auf dem Körper herum. Wer seinen Körper bald nach einem Aufenthalt im Wald oder Garten nach Zecken absucht und sie entfernt, kann einem Stich vorbeugen und so das Risiko für Borreliose deutlich verringern. Kinder vergessen dies oft, sie müssen daran erinnert werden. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sollten sich bei der Untersuchung helfen lassen – vor allem an Stellen, die sie allein schlecht prüfen können.
Wer von einer Zecke gestochen wurde, sollte beobachten, ob sich Beschwerden entwickeln, die auf eine Erkrankung hindeuten. Dann ist ein Besuch in einer ärztlichen Praxis erforderlich. Es ist nicht sinnvoll, nach einem Zeckenstich vorbeugend Antibiotika einzunehmen, um das Risiko für eine Borreliose zu verringern. Denn dann würden sehr viele Menschen die Medikamente einnehmen, ohne davon einen medizinischen Nutzen zu haben. Da Antibiotika Nebenwirkungen mit sich bringen und zu Resistenzen führen können, sollten sie nur bei einer nachgewiesenen Infektion eingenommen werden.
Wichtig zu wissen: Laut dem Robert Koch-Institut können Zeckensprays (Repellents) für etwa zwei bis vier Stunden einen gewissen Schutz vor Zecken bieten. Danach lässt die Wirkung aber nach. Solche Sprays müssen daher bei längeren Aufenthalten draußen wiederholt benutzt werden.
Wie wird Borreliose festgestellt?
Eine Borreliose kann bereits durch die körperliche Untersuchung festgestellt werden, wenn sich ein typischer Hautfleck gebildet hat. Wichtig ist, die Ärztin oder den Arzt über den Zeckenstich zu informieren. Reicht die körperliche Untersuchung nicht aus, wird möglicherweise das Blut auf Borrelien untersucht.
Wie wird Borreliose behandelt?
Borreliose wird mit Antibiotika behandelt, je nach Beschwerden über 10 bis 21 Tage. Meist heilt sie folgenlos aus. Es kann jedoch passieren, dass eine erste Antibiotikabehandlung nicht ausreichend wirkt. Dann kann es nötig sein, auf ein anderes Antibiotikum zu wechseln.
Borreliose-Beschwerden können auch ohne Antibiotika von allein abklingen. Dann ist aber das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf höher.
Welche Folgen sind möglich?
Breitet sich der Erreger im Körper aus, treten zunächst brennende Schmerzen an der Einstichstelle auf.
Bei etwa 3 von 100 Menschen kommt es zur Neuroborreliose. Dabei befallen die Bakterien das Gehirn und die Nerven. Dies kann zu Lähmungserscheinungen (oft im Gesicht), schmerzhaften Nervenentzündungen oder einer Hirnhautentzündung (Meningitis) führen.
Bei ungefähr 2 von 100 Menschen entwickelt sich Monate bis Jahre nach einer Infektion eine Lyme-Arthritis. Diese entsteht, wenn Borrelien die Gelenke infizieren. Dabei kommt es zu schmerzhaften Gelenkentzündungen und Schwellungen. Sehr seltene Folgen sind chronische Entzündungen der Haut und Herzprobleme.
Sowohl die Neuroborreliose als auch die Lyme-Arthritis lassen sich wirksam mit Antibiotika behandeln und bleiben meist ohne Spätfolgen.
Wie lassen sich Zecken entfernen?
Wenn eine Zecke in der Haut steckt, ist es wichtig, sie möglichst bald zu entfernen. Dies senkt das Risiko, dass es zu einer Borreliose kommt.
Zum Entfernen der Zecke gibt es spezielle Hilfsmittel:
- Zeckenpinzetten (Zeckenzangen)
- Zeckenkarten
- Zeckenhaken
Sie sind so geformt, dass sie sich zwischen Zecke und Haut schieben lassen, ohne die Zecke zu quetschen. Solche Hilfsmittel sind beispielsweise in Apotheken erhältlich.
Auch eine normale Pinzette kommt infrage, wenn deren Spitzen nach innen gewinkelt sind. Laufen die Spitzen der Pinzette hingegen flach zusammen, wird eine Zecke beim Zugreifen automatisch zusammengedrückt. Das sollte man vermeiden, weil durch den Druck Erreger aus der Zecke in den Körper gepresst werden könnten.
Falls der Zeckenrüssel als kleiner schwarzer Punkt zurückbleibt, kann man meist abwarten. Denn der Körper stößt den Zeckenrüssel häufig von selbst ab. Er kann aber auch von einer Ärztin oder einem Arzt entfernt werden. Ein zurückbleibender Zeckenrüssel führt manchmal zu einer kleinen Entzündung, ist jedoch in der Regel harmlos.
Vertiefende Informationen dazu, wie man Zecken entfernt, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.
Wo finde ich Unterstützung bei Borreliose?
Selbsthilfegruppen bieten Menschen mit Borreliose und ihren Angehörigen die Möglichkeit, sich zu informieren und beraten zu lassen sowie persönliche Erfahrungen auszutauschen.
Auf der Website der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS) können Sie über eine Datenbank geeignete Selbsthilfe-Angebote finden.
- Cadavid D, Auwaerter PG, Rumbaugh J et al. Antibiotics for the neurological complications of Lyme disease. Cochrane Database Syst Rev 2016; (12): CD006978.
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). S2k-Leitlinie Kutane Lyme Borreliose. AWMF-Registernr.: 013-044. 2023.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). S3-Leitlinie Neuroborreliose. AWMF-Registernr.: 030-071. 2024.
- Richardson M, Khouja C, Sutcliffe K. Interventions to prevent Lyme disease in humans: A systematic review. Prev Med Rep 2019; 13: 16-22.
- Robert Koch-Institut (RKI). Borreliose (Lyme-Borreliose). 2025.
- Warshafsky S, Lee DH, Francois LK et al. Efficacy of antibiotic prophylaxis for the prevention of Lyme disease: an updated systematic review and meta-analysis. J Antimicrob Chemother 2010; 65(6): 1137-1144.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
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