Botulismus

Botulismus ist eine seltene, lebensbedrohliche Vergiftung durch das bakterielle Botulinum-Nervengift. Die Erkrankung wird meist durch Lebensmittel verursacht. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zu Symptomatik, Diagnose und Therapiemöglichkeiten.

Auf einen Blick

  • Botulismus ist eine Vergiftung durch bakterielles Botulinum-Nervengift.
  • Die Erkrankung ist hierzulande selten: In Deutschland gibt es etwa 10 Fälle pro Jahr.
  • Es gibt verschiedene Formen: Hauptform ist der Lebensmittelbotulismus.
  • Das Nervengift kann die Atemmuskulatur lähmen und dadurch zum Tod führen.
  • Für eine Diagnose werden Proben der Patientin oder des Patienten auf das Gift untersucht.
  • Botulismus-Patienten müssen häufig künstlich beatmet werden und erhalten ein Gegengift.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Botulismus: Ein Mann liegt auf einem Sofa und hält sich mit der linken Hand den Bauch. Seine Augen sind geschlossen und sein Gesicht ist schmerzverzerrt.

Was ist Botulismus?

Botulismus ist eine Vergiftung und daher nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. In Deutschland erkranken meist weniger als 10 Menschen pro Jahr.

Botulismus ist eine Vergiftung durch das Botulinum-Nervengift. Das Gift ist eines der stärksten bekannten Gifte überhaupt.

Botulismus wird hervorgerufen durch Nervengifte, sogenannte Botulinum-Neurotoxine. Botulinum-Neurotoxin ist eines der stärksten bekannten Gifte überhaupt. Die tödliche Dosis liegt bei lediglich 0,001 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das Gift wird daher in der Kriegswaffenliste als biologisches Kampfmittel geführt.

Hauptproduzent des Gifts ist die Bakteriengattung Clostridium botulinum, weitere Produzenten sind die Clostridien-Stämme C. baratii, C. butyricum und C. argentinense. Der Namensteil „botulinum“ weist darauf hin, wo der Erreger gefunden werden kann: Das lateinische Wort „botulus“ bedeutet Wurst. Die Bakterien sind aber auch in der Natur weit verbreitet, sie kommen in Böden und Gewässern vor. Unter sauerstoffarmen Bedingungen keimen die Bakterien aus und setzen ihr Gift frei.

Es gibt sechs Formen von Botulismus:

  • Lebensmittelbotulismus ist die häufigste Form: Sie wird ausgelöst, wenn Lebensmittel verzehrt werden, in denen sich der Erreger angesiedelt hat.
  • Wundbotulismus: Diese Form entsteht zumeist, wenn Sporen der Erreger in Wundbereiche gelangen, wo sie dann auskeimen.
  • Säuglingsbotulismus: Er kann bei Kleinkindern unter einem Jahr auftreten, da das Magenmilieu noch nicht so sauer wie bei Erwachsenen ist und die Darmflora noch nicht voll ausgebildet. Säuglingsbotulismus wird häufig mit dem Verzehr von Honig in Verbindung gebracht.
  • Inhalationsbotulismus: Kann auftreten, wenn Labormitarbeiter Giftstaub einatmen.
  • Iatrogener Botulismus: Diese Vergiftung entsteht durch die (versehentliche) Überdosierung bei der therapeutischen oder kosmetischen Anwendung, dem sogenannten „Botoxen“.
  • Seltene Sonderformen: Wenn Vorerkrankungen bestehen, können die Erreger bei Erwachsenen auch den Darm befallen.

Anhand welcher Symptome zeigt sich Botulismus?

Die Krankheit führt nicht zu Fieber. Sie zeigt sich weitgehend unabhängig davon, wie der Erreger in den Körper gelangte. Die Symptome sind abhängig davon, wie viel Gift in den Körper gelangt ist und wie lange es dort bereits wirkt.

Zu den typischen Symptomen bei Botulismus gehören:

  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Lähmungserscheinungen der Augenmuskulatur: Augenflimmern, Doppelsehen, Lichtscheu
  • Lähmungen der Rachenmuskulatur: Schluckstörung, Stimmstörung (etwa Heiserkeit), Sprachstörung
  • Erreicht die Lähmung die Hand, kommt es zu einem veränderten Schriftbild.
  • Ist die Muskulatur des Schlunds betroffen, kann der Hustenschutzreflex versagen. Mageninhalt kann in die Lunge geraten und zu einer Lungenentzündung führen.
  • Teilweise verlieren Patienten die Fähigkeit, ihren Kopf gezielt zu bewegen.
  • Kreislaufstörungen und generalisierte Schwäche sind möglich.
  • Erreicht die Lähmung die Darmmuskulatur, kann eine Verstopfung bis hin zum Darmverschluss die Folge sein.
  • Bei Wundbotulismus kann die Wundinfektion zu Fieber führen.
  • Säuglingsbotulismus führt neben Symptomen wie Kurzatmigkeit, Verstopfung, Schluckstörungen und Trinkschwäche auch zu allgemeiner Muskelschwäche, schlaffen Lähmungen sowie zu einer Verzögerung der körperlichen Entwicklung.

Was verursacht Botulismus?

Botulismus wird verursacht von den Botulinum-Nervengiften. Diese gehören zu den wirksamsten bekannten Giften. Bereits 0,001 Mikrogramm Botulinum pro Kilogramm Körpergewicht sind tödlich.

Das Gift ist ein Produkt des Stoffwechsels von Bakterien der Gattung Clostridium. Diese stäbchenförmigen Bakterien vertragen keinen Sauerstoff und vermehren sich, indem sie sogenannte Sporen bilden. Das sind sehr widerstandsfähige Übertragungsformen, die auch nach Jahren ohne Stoffwechsel wieder auskeimen können.

Clostridien und ihre Sporen sind weltweit verbreitet und kommen in Böden, Gewässern und Agrarprodukten einschließlich Honig und Fleischwaren vor. Unter Sauerstoffabschluss (anaerobe Bedingungen) produzieren die Bakterien das Gift und setzen es frei.

Hauptproduzent des Gifts ist das Bakterium Clostridium (C.) botulinum. Des Weiteren können einzelne Stämme von C. baratii, C. butyricum und C. argentinense die Gifte produzieren.

Risikogruppen: Wen betrifft Botulismus zumeist?

Grundsätzlich können alle Menschen von Botulismus betroffen sein, wenn Clostridien in den Magen-Darm-Trakt oder den Blutkreislauf gelangen. Es gibt aber einige Bevölkerungsgruppen, für die ein besonderes Risiko besteht.

Für einige Bevölkerungsgruppen besteht ein erhöhtes Risiko an Botulismus zu erkranken: Säuglinge unter 12 Monaten, Drogenkonsumierende und Hausschlachter.
  • Säuglinge unter 12 Monaten: Ihnen fehlt das saure Magenmilieu Erwachsener, das Erreger oder deren Sporen abtöten kann. Für Säuglinge stellt insbesondere Honig ein Risikofaktor dar. In Honig können Sporen vorkommen, die im Darm zu einer Besiedlung und damit zu Säuglingsbotulismus führen.
  • Drogenkonsumierende: Nach Injektionen unter die Haut kann sich ein Wundbotulismus entwickeln.
  • Hausschlachter: Selbsthergestellte Wurstwaren und Eingemachtes verursachen in Deutschland die überwiegende Mehrheit der Vergiftungen mit Botulinum-Nervengift.

Wie lässt sich Botulismus vorbeugen?

Es sind sieben verschiedene Gifttypen (A–G) bekannt, von denen A, B, E und F gesichert giftig für Menschen sind. Da es sich um eine Vergiftung handelt, kann die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Es gibt keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Botulinum-Nervengift. Die deutschen Lebensmittel- und Hygienevorschriften beugen der häufigsten Form des Botulismus, dem Lebensmittelbotulismus, aber so effektiv vor, dass er hierzulande kaum einmal pro Jahr auftritt.

In Deutschland kommt es meistens wegen selbst hergestellter Lebensmittel zu Botulismus-Vergiftungen. Diese sollten daher sachgerecht hergestellt, verarbeitet und gelagert werden.

Die Sporen der Bakterien sind langlebig. Sie können nicht durch Einfrieren abgetötet werden. Speisen müssen lange genug gegart werden, um sie auch im Innern gleichmäßig zu erhitzen.

Welche Untersuchungen werden zur Botulismus-Diagnose herangezogen?

Zu Beginn zeigt sich Botulismus meist unklar. Das erschwert eine frühe Diagnose. Die frühen Symptome können auch auf andere Gifte, andere Infektionen oder ganz andere Erkrankungen hinweisen. So können die Lähmungserscheinungen auch auf einen Schlaganfall hindeuten, bei Säuglingen auf Tetanus. Die Symptome des Magen-Darm-Traktes können grundsätzlich auch von anderen Infektionen oder Giften stammen.

Behandelnde Ärztinnen und Ärzte müssen daher zu Beginn andere mögliche Erkrankungen ausschließen. Das tun sie durch eine eingehende Befragung der Patienten und genaue körperliche Untersuchungen.

Um den Verdacht auf Botulismus zu bestätigen, können speziell dafür ausgestattete Labore das Gift oder das Bakterium nachweisen. Die Tests liefern meist innerhalb von 48 Stunden Ergebnisse. Das ist wichtig, da das Gift bei Lebensmittelbotulismus meist rasch aufgenommen und im Körper verteilt wird, so dass ein Nachweis im Blut danach nicht mehr möglich ist.

Wenn Lebensmittel als Verursacher infrage kommen, können Speisereste auf Spuren des Gifts untersucht werden. Einen guten Hinweis liefert auch die Beobachtung von Personen, die dieselben Speisen wie der Patient verzehrt haben. Neben Speiseresten und Umweltproben untersuchen Ärztinnen und Ärzte:

  • Blut, vor allem das Blutserum
  • den Mageninhalt/Erbrochenes
  • Stuhl (bei Säuglings- und lebensmittelbedingtem Botulismus)
  • Abstriche von Wunden (bei Wundbotulismus)
  • Spülung der Bronchien (bei Inhalationsbotulismus)
  • Abstrich der Nasenschleimhaut (bei Inhalationsbotulismus)

Sie möchten wissen, welche Untersuchungen gemacht werden, um die Verdachtsdiagnose Botulismus zu bestätigen? Auf der Internetseite des Konsiliarlabors des Robert Koch Instituts lesen Sie mehr über die Untersuchungsmethoden.

Wie kann Botulismus behandelt werden?

Bereits bei Verdacht auf Botulismus veranlassen Ärztinnen und Ärzte, dass Patienten in ein Krankenhaus überwiesen werden, wo sie intensivmedizinisch überwacht und zumeist künstlich beatmet werden. Die durch das Gift verursachten Lähmungen können sich ausbreiten und die Atemmuskulatur betreffen. Unbehandelt kann eine Atemlähmung zum Tod führen. Daher ist Botulismus immer ein Notfall.

Nachdem Patienten stationär aufgenommen wurden, erhalten sie ein Gegengift. Das Gegengift muss rasch gegeben werden, oft noch vor der Bestätigung der Diagnose durch ein Labor. Der Grund dafür ist, dass das Bakterien-Gift im Inneren der Nervenzellen wirkt. Dort unterbindet es die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin, der die Signale von Nerven- auf Muskelzellen überträgt. Sobald das Gift in den Zellen aufgenommen wurde, kann es durch das Gegengift nicht mehr erreicht werden. Daher verhindert die Behandlung mit Gegengift nur, dass die Krankheit sich weiter ausbreitet.

Wichtig zu wissen: Weil das Gegengift bereits gebundenes Gift nicht mehr erreicht, macht eine Behandlung mit Gegengift nur Sinn, wenn sie früher als 48 Stunden nach Aufnahme des Gifts erfolgt.

Anders verhält es sich, wenn Patienten weiter Verstopfung zeigen oder die Krankheitssymptome sogar weiter zunehmen. Das deutet darauf hin, dass das Gift weiterhin aus dem Darm aufgenommen wird.

Weitere Behandlungsmaßnahmen, die die Symptome lindern können sind:

  • Magenspülung: Spült ungebundenes Gift aus. Das ist nur bis maximal 2 Stunden nach Giftaufnahme sinnvoll.
  • Ist die Darmmuskulatur noch nicht betroffen, können Abführmittel oder Aktivkohle gegeben werden.
  • Wenn die Darmmuskulatur gelähmt ist oder die Verstopfung anhält, erhalten Betroffene Mittel zur Unterstützung der Darmbewegung.
  • Cholinesterase-Hemmer: Diese verhindern, dass der wenige Botenstoff, der noch ausgeschüttet wird, abgebaut wird.
  • Bei Wundbotulismus töten Antibiotika noch vorhandene Bakterien. Das Antibiotikum löst die Bakterienzellen auf, sie setzen das in ihnen vorhandene Gift frei. Daher wird gleichzeitig mit dem Antibiotikum immer auch Gegengift verabreicht.

Das Gift wird in Nervenzellen aufgenommen und kann dort lange verbleiben. Es kann Monate dauern, bis die Signalübertragung zwischen Nerven- und Muskelzelle wieder voll hergestellt ist.

Weitere Informationen

Botulismus ist nach § 6 und § 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) meldepflichtig.

Weil Botulinum-Nervengift die Signalübertragung zwischen Nervenzelle und Muskelzelle unterbricht, wird es auch zur Therapie von Krankheiten eingesetzt, die mit muskulären Funktionsstörungen einhergehen. Beispiele: Schielen, Störungen des Speiseschließmuskels und neurologische Bewegungsstörungen.

Bekannter und verbreiteter ist die kosmetische Anwendung gegen Falten im Gesichtsbereich, das „Botoxen“.

Geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. Stand:

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