Furunkel und Karbunkel

Furunkel, Karbunkel, Abszesse und Eiterpickel – sie alle haben mit einer entzündeten Haut zu tun, unterscheiden sich aber. So ähnelt ein Furunkel einem Eiterpickel, ist aber tiefer in die Haut eingedrungen und viel schmerzhafter. Bei einem Furunkel ist es meistens sinnvoll, sich ärztlich behandeln zu lassen. 

Auf einen Blick

  • Ein Furunkel ist eine eitrige Hautentzündung, hervorgerufen durch Bakterien.
  • Bei einem Furunkel sind der Haarbalg und das umgebende Bindegewebe entzündet.
  • Verschmelzen mehrere Furunkel, entsteht ein Karbunkel.
  • Einen Furunkel sollte man nie selbst ausdrücken – vor allem nicht im Gesicht.
  • Ist das Immunsystem geschwächt, erhöht sich das Risiko, dass Furunkel oder andere Hautinfektionen entstehen.
  • Etwa 3 von 100 Menschen, die wegen einer Hautinfektion zur Hausärztin oder zum Hausarzt gehen, haben einen Furunkel.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Furunkel und Karbunkel: Ein Arzt umwickelt einen Arm mit einer Mullbinde.

Was ist ein Furunkel?

Ein Furunkel ist eine eitrige Hautentzündung, hervorgerufen durch Bakterien. Er sieht ähnlich aus wie ein sehr großer Eiterpickel. Der Furunkel liegt aber in tieferen Hautschichten und ist viel schmerzhafter als ein Eiterpickel.

Entzündet sind bei einem Furunkel der Haarbalg und das umgebende Bindegewebe. Im Haarbalg stecken ein Haar, eine Haarwurzel, eine Talgdrüse – und ein kleiner Muskel, der das Haar aufrichten kann. Der Haarbalg wird auch Haarfollikel genannt. Deshalb heißt die Entzündung bei einem Furunkel auch „tiefe Follikulitis“ und Perifollikulitis.

Wenn es zu einer Infektion kommt, stirbt im Furunkel das Hautgewebe ab. Es entsteht ein Hohlraum, der mit Eiter gefüllt ist: ein sogenannter Abszess. Ein Abszess der Haut kann sich aus einem Furunkel entwickeln. Möglich ist aber auch, dass ein Abszess aus einem stark entzündeten Insektenstich oder durch Spritzen mit einer verunreinigten Nadel hervorgeht. Wenn mehrere Furunkel verschmelzen, entsteht ein Karbunkel.

Manchmal heilt ein Furunkel von selbst und ohne Probleme. Oft ist aber eine ärztliche Behandlung sinnvoll. Sie kann die Heilung beschleunigen, Schmerzen lindern und vor Komplikationen schützen.

Welche Symptome zeigen sich bei einem Furunkel?

Ein Furunkel macht sich wie folgt bemerkbar: Man hat eine schmerzhafte Schwellung, die kirschkern- bis walnussgroß ist. Die Schwellung fühlt sich warm an und ist gerötet. Der Eiter kann gelblich durch die Haut schimmern. Wenn sich aus mehreren Furunkeln ein Karbunkel entwickelt, kann die Entzündung auch Fieber auslösen. Dann fühlt man sich matt und angeschlagen.

Furunkel entstehen vor allem im Gesicht, am Hals und im Nacken. Sie können sich aber auch an anderen Stellen des Körpers bilden: in den Achseln oder Leisten, am Rücken, im Schambereich, am Gesäß und an den Oberschenkeln.

Wie kommt es zu einem Furunkel?

Bakterien sind die Ursache eines Furunkels. Am häufigsten ist es der Erreger namens Staphylococcus aureus. Bei vielen Menschen kommt dieses Bakterium vor, ohne dass es Probleme bereitet – auf der Haut oder beispielsweise in der Nasenschleimhaut. 

Wenn das Immunsystem geschwächt ist, erhöht sich das Risiko, dass Furunkel oder andere Hautinfektionen entstehen. Wer zum Beispiel Diabetes, eine chronische Infektion oder eine Krebserkrankung hat, entwickelt häufiger Furunkel als ein gesunder Mensch. Auch bestimmte Allergien wie allergisches Asthma, Hautekzeme und eine entzündete Bindehaut machen Furunkel wahrscheinlicher.

Wie häufig ist ein Furunkel?

Hautinfektionen kommen sehr häufig vor. Die meisten Entzündungen der Haut haben aber eine andere Ursache. Einen Furunkel haben etwa 3 von 100 Menschen, die wegen einer Hautinfektion zur Hausärztin oder zum Hausarzt gehen. 

Bei 3 von 100 Menschen mit einer Hautinfektion stellen Ärzte einen Furunkel fest.

Wenn sich ein Furunkel entwickelt, dauert das Stunden bis Tage. Nach einigen Tagen tritt der Eiter dann aus dem geröteten und geschwollenen Knoten aus. Ist dies geschehen, heilt der Furunkel innerhalb weniger Wochen ab – entweder von allein oder nach einer Behandlung. Eine kleine Hautnarbe bleibt zurück.

Manchmal heilt ein Furunkel auch ab, ohne sich zu entleeren. Dann wird der Eiter vom Körper abgebaut.

Was passiert bei einem Furunkel?

Wenn man an einem Furunkel herumdrückt oder ihn aufkratzt, können sich die Bakterien über Blutgefäße und Lymphgefäße im Körper ausbreiten. Zieht vom Furunkel zum Beispiel ein roter Streifen weg, wandert die Entzündung an den Lymphbahnen entlang – man spricht dann von einer Lymphangitis. Gleichzeitig können sich die Lymphknoten im betroffenen Bereich schmerzhaft entzünden. Das wird Lymphadenitis genannt.

Wer sich nicht genau auskennt, hält die roten Streifen bei einer Lymphangitis manchmal für Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis). Zu dieser schweren und sehr seltenen Komplikation kommt es aber nur, wenn sehr viele Bakterien auf einmal ins Blut gelangen und wenn sie sich außerdem schnell im gesamten Körper verteilen. 

Wichtig zu wissen: Hat man Furunkel im Gesicht – vor allem rund um die Nase und die Oberlippe – besteht ein gewisses Risiko, dass die Bakterien ins Gehirn verschleppt werden: Und dass die Bakterien dann dort zu einer Hirnhautentzündung, einer Meningitis führen – oder zu lebensbedrohlichen Blutgerinnseln in den großen Blutgefäßen, einer sogenannten Sinusvenen-Thrombose.

Haben Menschen eine geschwächte Immunabwehr, können Furunkel wiederholt auftreten – oder an mehreren Stellen gleichzeitig. Dann spricht man von einer sogenannten Furunkulose.

Ein Karbunkel wiederum entsteht, wenn mehrere Furunkel in benachbarten Haarfollikeln zu einem größeren Eiterherd verschmelzen. Ein solches Karbunkel kommt häufig im Nacken vor. Es reicht tiefer in das Gewebe hinein als ein Furunkel.

Wie erkennt man Furunkel?

In der Regel erkennt die Ärztin oder der Arzt einen Furunkel am typischen Aussehen – und an den Beschwerden, die Betroffene schildern. Wenn Furunkel sich häufig bilden, wenn mehrere Furunkel gleichzeitig auftreten oder mögliche Komplikationen befürchtet werden, können auch weitere Untersuchungen – wie Bluttests oder ein Eiter-Abstrich – nötig sein.

Der Eiter wird im Labor untersucht. Das geschieht aus zwei Gründen: Einerseits, damit man genau bestimmen kann, um welche Art von Bakterien es sich handelt. Andererseits, damit sich Antibiotika gezielt einsetzen lassen. Auch das Blut wird untersucht. Das hilft dabei, herauszufinden, ob sich die Entzündung bereits ausgebreitet hat und ob es womöglich bestimmte Vorerkrankungen gibt, die bakterielle Infektionen fördern.

Wie werden Furunkel behandelt?

Die Ärztin oder der Arzt öffnet den Eiterabszess mit einem kleinen Schnitt. Dann wird die Wunde desinfiziert und Streifen aus Stoff hineingelegt. Diese Streifen saugen den Eiter auf und leiten ihn ab. Die Wunde heilt offen aus – genäht werden muss also nicht. Wer einen Furunkel hat, sollte ihn keinesfalls selbst ausdrücken – vor allem nicht, wenn der Furunkel im Gesicht ist.

Solange ein Furunkel wächst, ist der Abszess nicht voll ausgebildet. Die Ärztin oder der Arzt können das ertasten. In dieser Phase kann man versuchen, den Reifungsprozess einzuleiten oder zu beschleunigen – entweder mit feucht-warmen Umschlägen oder mit einer sogenannten Zugsalbe.

Antibiotika sind dann nötig, wenn es wahrscheinlich ist, dass es zu Komplikationen kommt oder wenn Komplikationen schon aufgetreten sind – zum Beispiel, wenn sich aus mehreren Furunkeln ein Karbunkel entwickelt hat. Im Krankenhaus werden Antibiotika manchmal auch als Infusion gegeben. 

Besonders wichtig bei einem Karbunkel: Er muss eingeschnitten werden, damit der Eiter abfließen kann. Die größere Wunde wird dann zusätzlich mit antiseptischen Lösungen gespült – und das mehrmals.

Vertiefende Informationen zum Thema Furunkel und Karbunkel und wie diese behandelt werden, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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