Lepra

Lepra – früher auch „Aussatz“ genannt – ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die schon in Schriften des Altertums beschrieben wurde. Heute tritt sie vor allem noch in Indien, Südamerika sowie Südostasien auf. Obwohl die Erkrankungszahlen weltweit zurückgegangen sind und sich Lepra heilen lässt, kommt es immer noch zu schweren Verläufen. Nach wie vor werden Betroffene aufgrund leprabedingter Hautveränderungen ausgegrenzt.

Auf einen Blick

  • Lepra ist eine chronische Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird (Mycobacterium leprae).
  • Die Krankheit kommt heute noch vor allem in Indien, Südamerika und Südostasien vor.
  • Lepra wird mit einer Kombination verschiedener Antibiotika behandelt und ist dadurch heilbar.
  • Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung, um leprabedingte Behinderungen zu verhindern.
  • Unbehandelt kann die Erkrankung zu schweren körperlichen Behinderungen und schweren Haut-, Augen- und Nervenschädigungen führen.
  • Noch immer erfahren Lepra-Kranke in vielen Gesellschaften soziale Ablehnung.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine von Lepra gezeichnete Hand liegt auf dem Oberschenkel einer Person. Die Finger der Hand sind deformiert.

Was ist Lepra?

Lepra ist eine chronische Infektionskrankheit, die durch Bakterien mit dem Namen Mycobacterium leprae hervorgerufen wird. Auch die Erreger der Tuberkulose (Mycobacterium tuberculosis) gehören zu den Mykobakterien.

Das Wort Lepra kommt aus dem Griechisch-Lateinischen und bedeutet so viel wie „schuppig“ oder „rau“: Dies weist auf die krankheitsbedingten Veränderungen der Haut hin. Auch Nervenschädigungen, die zu Lähmungen und Empfindungsstörungen führen können, gehören zu den charakteristischen Symptomen von Lepra.

In Deutschland hieß die Krankheit früher Aussatz. Der Name rührte wohl daher, dass Menschen mit Lepra außerhalb von menschlichen Siedlungen ausgesetzt wurden. Auch heute noch werden Lepra-Kranke ausgegrenzt und stigmatisiert.

Obwohl die weltweiten Erkrankungszahlen sehr erfolgreich eingedämmt werden konnten, wurde das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Lepra komplett auszurotten, bislang nicht erreicht. Daher sind die Anstrengungen der WHO darauf gerichtet, die Zahl der Neuerkrankungen weiter zu senken, leprabedingte Behinderungen bestmöglich zu verhindern und der Diskriminierung von Erkrankten entgegenzutreten.

Welche Symptome treten bei Lepra auf?

Lepra führt zu sichtbaren Veränderungen an der Haut und zu einer Schädigung von Nerven, verbunden mit einem Verlust des Schmerzempfindens. Auch Schleimhäute, Atemwege und die Augen können betroffen sein. Bis nach einer Ansteckung mit dem Erreger erste Symptome auftreten, können zwei bis 20 Jahre oder sogar noch mehr vergehen (Inkubationszeit).

Lepra äussert sich durch Hautveränderungen, anschwellende Nervenstränge und Empfindungsstörungen der Haut.

Man unterscheidet vier Verlaufsformen: die Lepra indeterminata, die tuberkuloide Lepra, die schwere Lepra (Lepra lepromatosa) und die Lepra im Übergangsstadium (Borderline-Lepra). Wie schwerwiegend eine Lepra-Erkrankung verläuft und welche Symptome auftreten, hängt von der Immunabwehr und von der Bakterienlast ab.

Lepra indeterminata

Die Lepra indeterminata äußert sich mit vereinzelten kleinen und uncharakteristischen Hautveränderungen, die heller wirken können als die restliche Haut. Bei etwa drei Viertel der Betroffenen heilen die als Hautläsionen bezeichneten Hautveränderungen spontan ab. Heilt eine Lepra indeterminata jedoch nicht ab, geht sie in eine der folgenden Verlaufsformen über.

Tuberkuloide Lepra

Diese Form der Lepra entwickelt sich bei einem grundsätzlich funktionierenden Immunsystem: Da die Immunabwehr die Erreger aktiv bekämpft, verläuft eine tuberkuloide Lepra weniger schwer als eine Lepra lepromatosa. Es treten wenige asymmetrische, scharf begrenzte Hautveränderungen auf, die häufig auch einen erhabenen Rand haben. Auf dunklerer Haut wirken die Hautveränderungen heller als die umgebende Haut, manchmal – insbesondere bei hellerer Haut – erscheinen sie gerötet. Hinzu kommen bei der tuberkuloiden Lepra sichtbare Nervenschwellungen und Nervenschädigungen, die das Schmerzempfinden und die Schweißproduktion stark beeinträchtigen können.

Schwere Lepra (Lepra lepromatosa)

Bei fehlender Immunantwort, also schlecht funktionierender Abwehr, bilden sich am ganzen Körper symmetrisch verteilte rötliche Hautveränderungen, die auf dunkler Haut mitunter hell erscheinen. Ohne Behandlung dringt dieser Ausschlag in die Tiefe der Haut hinein. Dies passiert vor allem im Gesicht und kann zum Verlust der Augenbrauen führen. Schwellungen und Verknotungen können dem Gesicht mit der Zeit ein löwenähnliches Aussehen verleihen, das in der Fachsprache als „Facies leontina“ bezeichnet wird. Durch Nervenschäden kommt es zu ausgeprägten Empfindungsstörungen bis hin zum Verlust des Schmerz- und Temperaturempfindens. Geschwüre, Wunden, Deformierungen und Verstümmelungen von Gliedmaßen gehören zu den möglichen Folgen der Empfindungsstörung bei Lepra lepromatosa, die häufig zur Ausgrenzung der Erkrankten führen.

Borderline-Lepra

Als Borderline-Lepra werden Abstufungen oder auch Mischformen zwischen tuberkuloider und lepromatöser Lepra bezeichnet. Hier können Symptome sowohl der einen als auch der anderen Form auftreten.

Welche Ursachen hat Lepra?

Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch. Wahrscheinlich wird die Lepra überwiegend durch Tröpfchen übertragen, die beim Niesen entstehen und verteilt werden. Ob auch eine Übertragung über Hautkontakt erfolgen kann, ist noch nicht geklärt. Die Lepra ist nicht hochansteckend, nur ein längerer und enger Kontakt kann zu einer krankheitsauslösenden Infektion führen. Da sich das Bakterium Mycobacterium leprae nur sehr langsam vermehrt, treten Krankheitszeichen oft erst einige Jahre nach der Infektion auf.

Welche Risikofaktoren sind bei Lepra bekannt?

Da Lepra eine nur mäßig ansteckende Infektionskrankheit ist, spielen die Lebensumstände und der Allgemeinzustand für die Infektion eine wichtige Rolle. Eine Infektion wird insbesondere durch Unter- und Mangelernährung und durch ein geschwächtes Immunsystem gefördert. Das Klima spielt eher eine untergeordnete Rolle.

Was sind Infektionskrankheiten?

Im folgenden Video erfahren Sie, wann Mediziner von einer Infektionskrankheit sprechen, durch welche Erreger Infektionskrankheiten ausgelöst und wie sie übertragen werden.

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Wo und wie häufig tritt Lepra auf?

Jährlich erkranken weltweit etwa 200.000 Menschen. Lepra kommt insbesondere in bestimmten Gebieten innerhalb Südostasiens und Südamerikas vor. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Auftreten von Lepra weltweit

Bezogen auf das Jahr 2018 gab es die meisten Fälle in Indien (120.334), gefolgt von Brasilien (28.660) und Indonesien (17.017). Doch es gibt Fortschritte bei der Bekämpfung der Lepra: Bei immer mehr Betroffenen gelingt es, die Krankheit zu diagnostizieren und zu behandeln, bevor Behinderungen auftreten. Zudem ist die Zahl der erkrankten Kinder zwischen 2012 und 2018 um 24 Prozent zurückgegangen, während es bei Erwachsenen lediglich neun Prozent waren.

Lepra in Deutschland

In Deutschland wurde 2019 ein Leprafall gemeldet. Erkrankungsfälle bei Touristen, die etwa aus Südamerika oder Südostasien nach Deutschland zurückkehren, sind selten.

Jährlich erkranken weltweit etwa 200.000 Menschen an Lepra.

Wie verläuft eine Lepra?

Es gibt milde, aber auch sehr schwere Verlaufsformen. Nähere Informationen hierzu finden Sie im Abschnitt Symptome. Der Erkrankungsverlauf hängt stark vom Immunsystem einer infizierten Person ab: Je schwächer die Immunabwehr, desto ungehinderter können sich die Erreger im Körper vermehren und einen schweren Krankheitsverlauf vorantreiben.

Unbehandelt kann es bei schwerer Lepra zu Verstümmelungen an Händen und Füßen, schweren Infektionen sowie zur Erblindung kommen. Diese Erkrankungsfolgen führen auch heute noch vielerorts zur sozialen Ablehnung der Erkrankten.

Wie kann man Lepra vorbeugen?

Derzeit gibt es noch keine zugelassene Impfung gegen Lepra. Allerdings wurde 2019 in den USA eine erste klinische Studie zur Entwicklung eines Impfstoffs (LepVax) gegen Lepra erfolgreich beendet. Dabei zeigte sich, dass der Impfstoff sehr sicher ist und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen verursacht. Seit dem Sommer 2020 wird in Brasilien eine weitere Studie bei Patientinnen und Patienten mit einer frühen Lepraerkrankung durchgeführt.

Einen gewissen Schutz vor einer tuberkuloiden Lepra bietet der Impfstoff gegen Tuberkulose.

Wie wird Lepra diagnostiziert?

Erste Hinweise ergeben sich durch die Symptome. Bei einem Verdacht auf Lepra müssen die Erreger nachgewiesen werden. Bei der sogenannten Skin-Smears-Methode wird die Haut an bestimmten Stellen mit einem Skalpell angeritzt, um etwas Lymphflüssigkeit zu gewinnen. Bei 70 Prozent der an Patientinnen und Patienten findet sich bei dieser Untersuchung jedoch keine so hohe Bakterienlast, wie sie für einen Nachweis der Erkrankung erforderlich wäre.

Sicherere Ergebnisse werden durch die Untersuchung von Gewebeproben erreicht. Dazu ist eine Biopsie notwendig: Das heißt, es wird ein kleines Stück Haut genommen und im Labor histologisch untersucht.

Wie wird Lepra behandelt?

Eine Lepra kann geheilt werden. Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung, um leprabedingte Behinderungen zu vermeiden.

Die Krankheit wird mit mehreren Medikamenten gleichzeitig behandelt, damit es nicht zu einer Resistenz kommt: das heißt, zu einer Unempfindlichkeit der Bakterien gegen die eingesetzten Arzneimittel. Die Therapie dauert mindestens sechs Monate.

Zu den Wirkstoffen, die kombiniert eingesetzt werden können, gehören:

  • Dapson
  • Rifampicin
  • Clofazimin

Welche dieser Wirkstoffe eine Patientin oder ein Patient bekommt, richtet sich nach der diagnostizierten Lepra-Form.

Die Therapie sollte in spezialisierten Zentren erfolgen, weil es im Behandlungsverlauf zu Entzündungsreaktionen kommen kann, auf die Ärztinnen und Ärzte schnell und gezielt reagieren müssen.

Patientinnen und Patienten müssen nicht generell isoliert werden. Dies ist nur erforderlich, wenn offene Wunden bestehen.

Geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. Stand:

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