Neurodermitis

Menschen mit Neurodermitis haben immer wieder Hautausschlag, der meist stark juckt. Die chronische Hauterkrankung kommt bei Kindern häufig vor, klingt aber oft nach ein paar Jahren ab. Bei Erwachsenen ist sie selten. Lesen Sie hier mehr zu Ursachen, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten.

Auf einen Blick

  • Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung.
  • Die Hautausschläge jucken stark und treten meist in Schüben auf.
  • Neurodermitis tritt häufig bei Kindern auf und bessert sich oft mit den Jahren.
  • Etwas mehr als ein Drittel der Menschen mit Neurodermitis haben eine allergische Form der Erkrankung.
  • Akute Beschwerden lassen sich mit Kortisonsalben und Cremes gut behandeln.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine Frau cremt ihre Hand zur Behandlung von Neurodermitis ein.

Was ist Neurodermitis?

Die Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut. Sie tritt für gewöhnlich in Schüben auf. Typische Symptome sind Hautausschlag und ein starker Juckreiz. Neurodermitis ist vor allem bei Kindern häufig und nicht ansteckend. Bei der allergischen Form spricht man auch von „atopischer Dermatitis“ oder „atopischem Ekzem“.

Erkrankungen an Neurodermitis: 2 - 5 % aller Erwachsenen, 15 % aller Kinder; 30 - 40 % haben allergische Form der Erkrankung.

Mit den Jahren bessern sich Beschwerden oft, manchmal verschwinden sie auch komplett. Eine sorgfältige Hautpflege, Medikamente sowie das Vermeiden von Reizstoffen und Allergieauslösern können die Beschwerden meistens soweit lindern, dass ein weitgehend normales Leben möglich ist.

Akute Beschwerden können die Lebensqualität jedoch stark beeinträchtigen. Der Juckreiz lässt Menschen mit Neurodermitis oft nur schlecht schlafen und stört die Konzentrationsfähigkeit. Einige schämen sich zudem für den Hautausschlag.

Was ist Neurodermitis und wie kann man sie behandeln?

Das folgende Video zeigt, wie sich Neurodermitis äußert und welche Maßnahmen dagegen helfen.

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Woran erkennt man eine Neurodermitis?

Das Hauptmerkmal einer Neurodermitis ist der quälende Juckreiz. Bei akuten Beschwerden ist die Haut gerötet und juckt. Manchmal bilden sich Bläschen, die leicht aufgehen und dann nässen.

Längerfristig kann die Haut an den betroffenen Stellen trocken, rissig und dicker werden. Verschiedene Ausschläge und Hautveränderungen können auch gleichzeitig bestehen.

Eine Neurodermitis tritt normalerweise in Schüben auf. Das bedeutet, dass manchmal weniger starke bis gar keine Beschwerden und in anderen Phasen stärkere Symptome auftreten. Nur selten ist die Haut dauerhaft entzündet. 

Wichtig zu wissen: Welche Hautpartien betroffen sind und wie sich die Beschwerden entwickeln, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Auch das Alter spielt hierbei eine große Rolle.

Bei Säuglingen sind vor allem die Wangen und die Außenseiten der Arme und Beine betroffen – seltener zeigt sich eine Neurodermitis auf Rücken, Bauch und Brust.

Bei Säuglingen sind vor allem die Wangen und die Außenseiten der Arme und Beine von Neurodermitis betroffen. Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sie sich meist in den Kniekehlen, den Ellenbeugen und am Nacken.

Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen tritt eine Neurodermitis in erster Linie in den Kniekehlen, den Ellenbeugen und am Nacken auf. Aber auch die Handflächen und Fußsohlen zeigen oft die typischen Entzündungszeichen. Ein Ausschlag im Gesicht kommt selten vor.

Was sind Ursachen für eine Neurodermitis?

Bei der Entstehung einer Neurodermitis spielt eine Vielzahl an Faktoren eine Rolle.

Bei einer Neurodermitis ist die natürliche Hautbarriere durch Entzündungsreaktionen in der Haut geschädigt. Dadurch kann die äußerste Schutzschicht der Haut, die Hornschicht, den Körper nicht ausreichend schützen.

Eine veränderte Hautflora kann ebenfalls die Entstehung von Neurodermitis fördern. Aber auch die Vererbung spielt eine Rolle: So hemmt ein verändertes Gen die Produktion von Filaggrin – einem Eiweiß, das bei der Bildung der Oberhaut eine wichtige Rolle spielt. Als Folge des Mangels an Filaggrin verliert die Haut viel Feuchtigkeit und trocknet aus. Die geschädigte Haut schützt dann schlechter vor Reizstoffen, allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) sowie Keimen und entzündet sich schneller. Wie die einzelnen Faktoren zusammenspielen, ist aber nicht abschließend geklärt.

Wichtig zu wissen: Etwa 30 bis 40 Prozent der Neurodermitis-Erkrankungen sind allergiebedingt. Betroffene haben dann öfter stärkere Hautbeschwerden oder gleichzeitig auch Heuschnupfen und allergisches Asthma. Zu den Auslösern (Allergenen) gehören beispielsweise Hausstaubmilben, Pollen und Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Nüsse oder Fisch.

Aber auch nicht allergene Stoffe oder bestimmte Umweltfaktoren können die Haut reizen. Dazu gehören unter anderem: starke Hitze oder Kälte, raue Textilien aus grober Wolle oder Zigarettenrauch.

Was sind Risikofaktoren für eine Neurodermitis?

Durch eine familiäre Veranlagung wird das Risiko für Neurodermitis deutlich erhöht. Es gibt aber noch andere Faktoren, die zur Entstehung einer Neurodermitis beitragen. Da die Erkrankung in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden ist, werden neben der Vererbung noch weitere Risikofaktoren vermutet.

Sowohl Umweltverschmutzung als auch eine übertriebene Hygiene könnten Gründe für eine Zunahme der Neurodermitis sein. Die Hygiene-Theorie fußt auf der Beobachtung, dass Kinder mit vielen Geschwistern seltener Neurodermitis haben, außerdem solche, die bereits als Säugling in einer Kindertagesstätte betreut wurden oder mit einem Hund aufwachsen. Diese Kinder haben früher und häufiger Kontakt mit Keimen und deshalb ein besser trainiertes Immunsystem.

Wie häufig kommt es zu einer Neurodermitis?

Etwa 15 Prozent aller Kinder bekommen eine Neurodermitis. Bei Erwachsenen sind es nur noch 2 bis 5 Prozent. Erwachsene haben jedoch häufiger eine schwerere Form der Hauterkrankung.

Wie verläuft eine Neurodermitis?

Bei den meisten Kindern beginnt eine Neurodermitis in den ersten beiden Lebensjahren, typischerweise zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. Es gibt auch Kinder, die erst später eine Neurodermitis entwickeln. Ein Krankheitsbeginn nach dem fünften Lebensjahr ist selten.

Wie eine Neurodermitis verläuft, hängt unter anderem vom Alter ab. Nur 50 Prozent der Kinder, die bereits im ersten Lebensjahr erkrankt sind, haben nach 3 Jahren noch Neurodermitis.

Bei Kindern, die im Alter von 2 bis 5 Jahren eine Neurodermitis entwickeln, dauert diese in der Regel länger an. Nach Schätzungen ist sie jedoch bei über 80 Prozent aller Kinder etwa 10 Jahre nach dem ersten Auftreten überstanden oder deutlich schwächer. 

Bei einigen Menschen tritt die Neurodermitis im Erwachsenenalter erneut auf. Oft sind dann in erster Linie die Hände betroffen. Im Erwachsenenalter verläuft die Neurodermitis meistens chronisch. Phasen mit stärkeren und schwächeren Symptomen wechseln sich ab.

Eine Ersterkrankung im Erwachsenenalter kommt selten vor.

Kann man einer Neurodermitis vorbeugen?

Bisher gibt es keine Maßnahmen, die erwiesenermaßen vor einer Neurodermitis schützen könnten. Das Risiko einer Neurodermitis ist zwar überwiegend erblich bedingt, trotzdem lässt sich nicht genau sagen, wann jemand Neurodermitis bekommt und wann nicht. Denn bei der Entstehung spielen viele Faktoren zusammen.

Schwache Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung gibt es bisher lediglich für Nahrungszusätze mit probiotischen Bakterien.

Wenn Säuglinge gestillt werden, kann ihr Erkrankungsrisiko möglicherweise verringert werden. Die Forschungsergebnisse sind hierzu aber nicht eindeutig. Es ist bisher nicht bekannt, warum Kinder Neurodermitis bekommen. Klar ist nur, dass verschiedene Mechanismen beteiligt sind.

Bisher ist nicht belegt, ob das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel bei Kindern ohne nachgewiesene Lebensmittelallergie die Beschwerden lindert. Auch ob Auslassdiäten bei Erwachsenen mit Neurodermitis helfen, ist bisher kaum erforscht. Auch konnte man nicht nachweisen, dass die vorbeugende Anwendung von Hautpflegemitteln im ersten Lebensjahr eine Neurodermitis verhindert.

Ein Kind, dass Neurodermitis hat, impfen zu lassen, ist dagegen sinnvoll: Erkrankungen wie beispielsweise Windpocken können bei Neurodermitis nämlich schwerer verlaufen.

Kann es bei Neurodermitis helfen, bestimmte Lebensmittel wegzulassen? Erfahren Sie mehr auf gesundheitsinformation.de.

Wie wird eine Neurodermitis festgestellt?

Es gibt einige andere Hauterkrankungen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen können wie eine Neurodermitis. Ärztinnen und Ärzte stellen die Diagnose erst, wenn ein stark juckender Ausschlag über Monate besteht oder immer wiederkehrt. Die Symptome müssen dabei an den alterstypischen Körperstellen auftreten.

Gleichzeitig werden andere Erkrankungen wie zum Beispiel die Schuppenflechte ausgeschlossen. Gerade bei Säuglingen lässt sich eine Neurodermitis leicht mit einer seborrhoischen Dermatitis verwechseln. Diese Hauterkrankung juckt im Gegensatz zur Neurodermitis kaum und verschwindet nach einigen Wochen bis Monaten wieder von allein.

Allergietests sind bei der Diagnose einer Neurodermitis nur begrenzt aussagekräftig. Es ist daher nicht sinnvoll, ohne konkreten Verdacht auf eine Vielzahl von Substanzen zu testen.

Wie wird eine Neurodermitis behandelt?

Die Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung und deshalb nicht vollständig heilbar. Eine ausreichende Behandlung mit regelmäßiger Hautpflege und Medikamenten können die Beschwerden wie Juckreiz und Hautausschlag jedoch oft wirksam lindern.

Eine Person mit Neurodermitis cremt ihre Hand ein.

Zu den wichtigsten Therapiemöglichkeiten gehören:

  • Basispflege: Durch rückfettende und feuchtigkeitsbindende Pflegemittel (Emollentien) wird die Haut vor dem Austrocknen bewahrt. Dies soll den Juckreiz lindern, die Haut vor Keimen und Reizstoffen schützen und auch neuen Schüben vorbeugen. Die Pflege sollte mindestens zweimal am Tag aufgetragen werden.
  • Vermeiden von Reizstoffen: Viele herkömmliche Seifen und Produkte wie Shampoos oder Duschgels enthalten Stoffe, die die Haut austrocknen können. Es lohnt sich, spezielle Reinigungsprodukte ohne diese Inhaltsstoffe auszuprobieren. Häufig kann die Basispflege mit Emollentien den Feuchtigkeitsverlust durch herkömmliche Seifen aber auch ausgleichen. Die Haut kann auch durch raue Kleidung, Kontaktallergene oder extreme Kälte und Hitze irritiert werden.
  • Kortisonsalben: Akute Schübe werden oft mit Kortisonsalben (Glukokortikoide) behandelt. Sie können den Juckreiz und die Entzündung sehr wirksam lindern. Um Schüben vorzubeugen, kommt auch eine sogenannte proaktive Behandlung oder Intervalltherapie infrage. In diesem Fall werden Kortisonsalben an 2 Tagen in der Woche zusätzlich zur Basispflege eingesetzt. Damit haben Menschen mit Neurodermitis deutlich seltener Schübe mit akuten Hautausschlägen.
  • Pimecrolimus und Tacrolimus: Diese beiden Wirkstoffe gegen Neurodermitis werden als Creme oder Salbe auf die Haut aufgetragen. Sie können eingesetzt werden, wenn Kortison nicht vertragen wird oder eine Kortisonbehandlung keine Besserung gebracht hat. Beide Mittel können etwa zur längerfristigen Behandlung der empfindlichen Haut im Gesichts- und Halsbereich eingesetzt werden.

Wichtig zu wissen: Weitere Therapiemethoden sind feuchte Umschläge, die Bestrahlung mit UV-Licht und Medikamente, die bestimmte Reaktionen im Immunsystem unterdrücken. Diese Wirkstoffe kommen zum Einsatz, wenn andere Behandlungen nicht helfen sowie bei sehr schwerer oder großflächig auftretender Neurodermitis.

Manchmal werden auch Allergiemedikamente (Antihistaminika) angewandt. Sie sollen das Jucken lindern. Studien haben aber gezeigt, dass diese Medikamente nicht gegen Neurodermitis-Beschwerden helfen.

Zudem werden oft auch pflanzliche Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel ausprobiert – beispielsweise Nachtkerzenöl, Gurkenkraut-Öl (Borretsch-Öl), verschiedene Vitamine und Zink. In Studien haben solche Produkte ebenfalls keine Wirkung gezeigt.

Viele andere Behandlungen sind bislang nicht ausreichend erforscht. Hierzu gehören Methoden wie Lasertherapien oder eine Hyposensibilisierung. Ärztliche Fachgesellschaften empfehlen sie daher nicht.

Vertiefende Informationen, etwa zur Hautpflege bei Neurodermitis, lesen Sie unter gesundheitsinformation.de.

Wie sieht der Alltag mit einer Neurodermitis aus?

Es wird oft unterschätzt, wie sehr eine Neurodermitis das Leben erschweren kann – auch von Ärztinnen und Ärzten. Der alltägliche Umgang mit der Krankheit und die Suche nach der passenden Behandlung erfordern viel Geduld. Den meisten Menschen gelingt es mit der Zeit jedoch, die Neurodermitis körperlich und psychisch gut in den Griff zu bekommen.

Auch für Kinder kann Neurodermitis eine große Belastung sein. Der Alltag wird an manchen Tagen für Kind und Eltern schnell anstrengend. Auf Phasen mit starken Beschwerden folgen in der Regel jedoch auch wieder Zeiten mit weniger Symptomen – und häufig verschwindet eine Neurodermitis im Laufe des Wachstums oder wird zumindest besser.

Eltern eines Kinds mit Neurodermitis können sich schnell überfordert oder ratlos fühlen. Um Familien zu unterstützen, wurden spezielle Neurodermitis-Schulungen entwickelt. Bei starker Neurodermitis kann auch eine ambulante oder stationäre Rehabilitation infrage kommen.

Was sollte ich noch wissen?

Weitere Informationen zum Krankheitsbild Neurodermitis finden Sie auch auf allergieinformationsdienst.de.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

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