Unklare körperliche Beschwerden (funktionelle Körperbeschwerden)

Nicht immer lässt sich eine medizinische Ursache für körperliche Beschwerden finden. Viele Menschen haben beispielsweise Schmerzen, Verdauungsprobleme oder Kreislaufstörungen, deren Grund unklar ist. Halten die Beschwerden an, ist es wichtig, den Umgang mit Belastungen und Konflikten zu überdenken.

Auf einen Blick

  • Manche Menschen haben anhaltende körperliche Beschwerden, für die Ärztinnen und Ärzte keine Ursache finden.
  • Beschwerden unbekannter Ursache können verunsichern – häufig verschwinden sie aber nach einigen Wochen von allein wieder.
  • Wird keine körperliche Ursache gefunden, bedeutet dies nicht, dass die Beschwerden keinen Grund haben.
  • Schätzungen zufolge haben rund 10 Prozent der Bevölkerung Beschwerden, deren Ursachen nicht eindeutig bestimmt werden können.
  • Eine starke psychische Belastung und Stress können die Folge sein, wenn solche Beschwerden dauerhaft bestehen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Funktionelle Beschwerden: Ein Mann sitzt auf einem Stuhl in einem Praxiszimmer und greift sich ans Knie.

Was sind funktionelle Körperbeschwerden?

Viele Menschen kennen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Durchfall oder Schwindel. Sie können zwar unangenehm sein, in der Regel verschwinden sie aber nach einiger Zeit wieder. Für Beschwerden, die anhalten, findet sich oft ein bestimmter Grund. Dennoch können Ärztinnen und Ärzte manchmal keine eindeutige körperliche Ursache, wie etwa eine Entzündung oder Verletzung, feststellen. Man spricht dann von funktionellen Körperbeschwerden.

Es kann verunsichern, Beschwerden zu haben, deren Ursache unbekannt ist. Oft verschwinden die Symptome aber binnen weniger Wochen wieder oder sie lassen sich lindern. Wer von funktionellen Körperbeschwerden betroffen ist, sollte versuchen, im Alltag aktiv zu bleiben und nach Wegen suchen, mit den Beschwerden umzugehen.

Dauern funktionelle Körperbeschwerden lange an und sind sie sehr belastend, können die Betroffenen möglicherweise weitergehende Hilfen in Anspruch nehmen – wie die Unterstützung durch eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten.

Wenn überhaupt, helfen Medikamente auf Dauer nur sehr begrenzt. Für die Betroffenen kann es sehr frustrierend sein, wenn Ärztinnen und Ärzte keine Ursache für die anhaltenden Beschwerden finden. Das bedeutet aber nicht, dass die Beschwerden nur Einbildung sind oder dass nichts getan werden kann.

Was sind die Symptome funktioneller Körperbeschwerden?

Eine Frau in Sportkleidung und leicht schmerzverzerrtem Blick greift sich an die Schulter.

Es gibt viele verschiedene funktionelle Körperbeschwerden. Häufig sind:

  • Schmerzen: vor allem Kopf-, Bauch-, Rücken- und Muskelschmerzen
  • Magen- und Darmprobleme wie Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung
  • Kreislaufstörungen: Sie äußern sich unter anderem als Benommenheit, Herzrasen und Beklemmungsgefühle
  • Erschöpfung, Müdigkeit und Konzentrationsstörung
  • Schwindel
  • Atemnot oder auch panikartige Anfälle, bei denen sich die Atmung stark beschleunigt und vertieft (Hyperventilation)
  • Verkrampfungen und Muskelverspannungen
  • Empfindungsstörungen wie Juckreiz, Kribbeln und Taubheitsgefühle
  • Blasenbeschwerden: etwa starker Harndrang oder schmerzhaftes Wasserlassen

Zu den körperlichen Beschwerden können Ängste und depressive Gefühle hinzukommen. Manche Menschen mit funktionellen Körperbeschwerden fühlen auch Fremdkörper in sich oder ertasten etwas vermeintlich Auffälliges an ihrem Körper.

Erkrankungen wie eine Fibromyalgie oder ein Reizdarmsyndrom können Symptome verursachen, die belastend sind, sich zunächst aber kaum erklären lassen. Bei solchen Erkrankungen gibt es daher viele Ähnlichkeiten zu funktionellen Körperbeschwerden.

Was sind Ursachen funktioneller Körperbeschwerden?

Wird keine körperliche Ursache gefunden, bedeutet das nicht, dass es keinen Grund für die Beschwerden gibt. Oft kommen wahrscheinlich körperliche Faktoren und psychische Einflüsse zusammen. Dazu zählen unter anderem Überforderung, frühere Erkrankungen, eine familiäre Veranlagung, schwierige Lebensumstände oder zwischenmenschliche Konflikte.

Menschen erleben körperliche Beschwerden unterschiedlich intensiv und gehen verschieden damit um. Manche Betroffene empfinden sie als sehr stark und einschränkend, andere schenken ihnen nur wenig Beachtung. Wie sehr funktionelle Körperbeschwerden das Leben beeinträchtigen, hängt auch davon ab, wie die oder der Betroffene damit umgeht.

Von funktionellen Körperbeschwerden spricht man auch, weil es sein kann, dass ein Organ zwar gesund ist, aber trotzdem nicht richtig arbeitet. So kann zum Beispiel der Darm weder verletzt noch entzündet sein, die Verdauung macht aber dennoch Probleme. Möglicherweise funktioniert der Darm aufgrund von Stress nicht normal. Durchfall, Blähungen oder Verstopfung können dann die Folge sein.

Wie häufig kommt es zu funktionellen Körperbeschwerden?

Etwa 10 % der Bevölkerung hat Beschwerden ohne eindeutige Erklärung.

Schätzungen zufolge haben etwa 10 Prozent der Bevölkerung Beschwerden, für die sich keine eindeutigen Ursachen finden lassen. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Ein möglicher Grund: Das Schmerzempfinden kann unter anderem von Hormonen abhängen. Auch soziale und kulturelle Faktoren können eine Rolle spielen – etwa unterschiedliche Rollenerwartungen und Lebenserfahrungen. Frauen suchen darüber hinaus eher ärztliche Hilfe als Männer.

Wie entwickeln sich funktionelle Körperbeschwerden?

In der Regel sind funktionelle Körperbeschwerden ungefährlich. Häufig sind sie leicht und vorübergehend. In manchen Fällen belasten sie aber auch stark und halten lange an. Funktionelle Körperbeschwerden können die Betroffenen sowohl körperlich als auch psychisch beeinträchtigen. Sie können zudem das Familien- und Arbeitsleben einschränken – oder sogar die Ausübung des bisherigen Berufs unmöglich machen.

Vielen Menschen mit andauernden Körperbeschwerden fällt es schwer, aktiv zu bleiben. Oft glauben sie auch, sie müssten sich aufgrund der Beschwerden schonen. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen: Denn bestimmte Probleme werden durch Schonung oft noch stärker. Dies ist beispielsweise bei Muskel- und Gelenkschmerzen der Fall.

Auch starke psychische Belastungen und Stress können infolge dauerhafter funktioneller Körperbeschwerden entstehen. Rund die Hälfte aller Betroffenen entwickelt depressive Symptome oder Angststörungen.

Es gelingt aber auch vielen Betroffenen, trotz ihrer Beschwerden gelassen zu bleiben. Dafür kann es hilfreich sein, darauf zu achten, dass sich die Beschwerden verändern und mal stärker und mal schwächer sind. Auch Optimismus und Vertrauen darauf, dass die Beschwerden wieder nachlassen, kann den Betroffenen helfen.

Menschen mit funktionellen Körperbeschwerden fühlen sich manchmal von Ärztinnen und Ärzten nicht ernst genommen und alleingelassen. Dies kann ein Grund dafür sein, warum die Betroffenen häufig ärztlichen Rat einholen und oft die Arztpraxis wechseln.

Obwohl funktionelle Körperbeschwerden die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können, haben sie in der Regel keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Die Betroffenen leben also im Durchschnitt genauso lange wie Menschen ohne funktionelle Körperbeschwerden.

Wie werden funktionelle Körperbeschwerden diagnostiziert?

Zur Diagnose führt die Ärztin oder der Arzt zunächst ein Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten. Es folgt eine körperliche Untersuchung, um die Beschwerden genauer zu bestimmen. Eine Blutabnahme oder Ultraschalluntersuchung können sich anschließen. Danach kann die Ärztin oder der Arzt oft besser einschätzen, ob eine eindeutige Ursache wahrscheinlich und eine Behandlung erforderlich ist. Bei der Untersuchung wird zunächst nach häufigen Ursachen für die Beschwerden gesucht. Die Ärztin oder der Arzt achtet zudem auf Hinweise für ernste Erkrankungen.

Ob weitere Untersuchungen oder eine Überweisung in eine fachärztliche Praxis erforderlich sind, hängt von mehreren Faktoren ab – beispielsweise davon, wie schwer die Beschwerden sind und wie sie sich entwickeln. Da sich funktionelle Beschwerden häufig nach wenigen Wochen wieder bessern, führen Ärztinnen und Ärzte möglicherweise nicht sofort alle Untersuchungen durch, die möglich wären. Weitere Untersuchungen werden oft erst gemacht, wenn die Beschwerden länger anhalten oder sich verschlechtern. Dass später doch noch organische Ursachen oder eine Erkrankung festgestellt werden, kommt eher selten vor.

Wichtig zu wissen: Nicht jede mögliche Untersuchung ist auch sinnvoll. Ein Grund: Manche Untersuchungen sind mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Außerdem steigt mit der Zahl der Untersuchungen das Risiko, dass es zu falschen Verdachtsbefunden kommt. Bei falschen Verdachtsbefunden wird eine scheinbare Ursache entdeckt, die sich aber später aber nicht bewahrheitet oder als harmlos herausstellt. Die Betroffenen können sich durch solche Befunde unnötig Sorgen machen. Zudem kann es dadurch zu überflüssigen weiteren Untersuchungen kommen.

Bei anhaltenden funktionellen Körperbeschwerden ist es wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt im Gespräch zu bleiben. Auch wenn keine eindeutige Ursache gefunden wird, lässt sich gemeinsam besprechen, was zu den Beschwerden beitragen oder sie verstärken könnte. Es kann zudem erörtert werden, was dabei helfen könnte, die Beschwerden zu lindern. Das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt zielt unter anderem darauf ab, eine vorläufige Erklärung für die Beschwerden zu finden – aber auch darauf, Behandlungsmöglichkeiten und Wege zu einem besseren Umgang zu finden. Bei weiteren Arztbesuchen können diese Ansätze überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dieses Vorgehen ermöglicht auch, andere Erklärungsansätze oder Vorgehensweisen in Erwägung zu ziehen. Zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt nach Erklärungen und sinnvollen Maßnahmen zu suchen, ist bei funktionellen Körperbeschwerden oft der beste Weg.

Halten die funktionelle Körperbeschwerden länger an und belasten sie stark, kann es sinnvoll sein, Rat bei einer psychosomatischen oder psychotherapeutischen Praxis oder Klinik einzuholen. Psychosomatische Einrichtungen sind in der Regel auf die Behandlung funktioneller Körperbeschwerden spezialisiert.

Wie werden funktionelle Körperbeschwerden behandelt?

Beschwerden ohne eindeutige Ursache bessern sich häufig auch ohne Behandlung innerhalb weniger Wochen. Ärztinnen und Ärzte halten sich daher zunächst mit Behandlungen zurück. Handelt es sich um leichtere Beschwerden, geben sie anfangs oft nur Tipps, wie die Betroffenen damit im Alltag besser umgehen können.

Ärztinnen und Ärzte empfehlen bei funktionellen Körperbeschwerden häufig:

  • körperlich aktiv zu sein.
  • weiter am sozialen Leben teilzunehmen, Freunde zu treffen und Hobbys zu pflegen.
  • Überlastung zu erkennen und möglichst zu vermeiden.
  • Konflikte zu klären und den Umgang mit Belastungen zu überdenken.
  • zu beobachten, was die Beschwerden lindert.
  • auf einen gesunden Lebensstil zu achten und genug zu schlafen.

In bestimmten Fällen können auch Medikamente eine Behandlungsmöglichkeit sein. Sie kommen zum Beispiel bei Schmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden infrage – meistens aber nur kurzzeitig.

Bei manchen Betroffenen bleiben die Beschwerden länger bestehen oder betreffen mehrere Organe. Werden sie zu einer starken Belastung, kann psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein. In bestimmten Fällen sind auch andere Ansätze wie Krankengymnastik, Ernährungsberatung und Ergotherapie möglich. Zudem können Entspannungsverfahren oder Achtsamkeitstrainings ausprobiert werden, um besser mit den Belastungen zurechtzukommen.

Wichtig zu wissen: Für Menschen mit funktionellen Körperbeschwerden ist es hilfreicher, selbst aktiv zu werden, als sich passiv auf Maßnahmen von außen zu verlassen. Zu solchen Maßnahmen gehören zum Beispiel Massagen. Wenn überhaupt, werden sie nur vorübergehend und ergänzend empfohlen. Sinnvoller ist es, sich Aktivitäten zu suchen, die nachhaltig wirken: etwa durch mehr Bewegung und eine bessere Stressbewältigung. Manche Betroffene müssen sich dazu erst einmal durchringen und etwas Geduld aufbringen. Oft gewöhnen sie sich dann aber schnell daran und fühlen sich besser. Sportliche Aktivitäten sollten nicht überfordern, sondern vor allem Spaß machen und positive Erfahrungen bieten.

Wer von hartnäckigen und starken funktionellen Körperbeschwerden betroffen ist, braucht in der Regel Geduld. Daher ist es oft sinnvoll, sich kleine Ziele zu setzen. Es kann auch ratsam sein, vor allem darauf hinzuarbeiten, ein aktives Leben zu führen – trotz der Beschwerden: also aktiv zu bleiben, sich abzulenken und zunächst nur zu erwarten, dass die Beschwerden etwas nachlassen.

Hauptansprechpartner bei funktionellen Körperbeschwerden sind Hausärztinnen und -ärzte.

Viele von ihnen haben die Zusatzqualifikation „Psychosomatische Grundversorgung“. Sie sind dann speziell für dieses Thema ausgebildet. Falls nötig, stimmt die Ärztin oder der Arzt die Behandlung mit fachärztlichen Praxen oder Kliniken ab.

Vertiefende Informationen zu Fragen bei Funktionellen Körperbeschwerden und was helfen kann, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

Ist eine Rehabilitation sinnvoll?

Nur wenige Menschen mit funktionellen Beschwerden benötigen eine Rehabilitation. Sie kann aber beispielsweise bei Arbeitsunfähigkeit sinnvoll sein. Dann kann die Reha dazu beitragen, dass die oder der Betroffene wieder arbeiten gehen kann. Eine Reha kann aber auch andere Ziele haben, wie etwa:

  • zu vermeiden, dass sich die Beschwerden verschlimmern.
  • zu fördern, dass die Betroffenen am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
  • die Erwerbsfähigkeit zu erhalten.

Die Schwerpunkte einer Reha können von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Zu jeder Reha gehören sowohl körperliche als auch psychologische Maßnahmen.

Abhängig von der Art und Stärke der gesundheitlichen Probleme ist eine ambulante oder stationäre Behandlung sinnvoll. Zuständig für die medizinische Rehabilitation ist in erster Linie die Deutsche Rentenversicherung. Manchmal sind aber auch die Krankenkasse oder die gesetzliche Unfallversicherung die richtigen Anlaufstellen.

Welche Information gibt es noch?

Menschen mit funktionellen Körperbeschwerden nutzen oft viele verschiedene Informationsquellen, auch im Internet. Betroffene sollten dabei aber skeptisch bleiben und die Qualität der Informationsangebote hinterfragen. Wer hier nicht vorsichtig ist, kann leicht an Scharlatane geraten oder falschen Versprechungen aufsitzen. Checklisten können dabei helfen, die Qualität eines Informationsangebots zu prüfen.

Wer von funktionellen Körperbeschwerden betroffen ist, kann sich auch an Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen wenden. Die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung bietet auf ihrer Internetseite die Möglichkeit, nach geeigneten Psychotherapeutinnen und -therapeuten zu suchen. Eine weitere Anlaufstelle sind die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Sie vermitteln Termine für Praxen. Eine mögliche Informationsquelle ist auch die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE): Sie informiert über seltene Erkrankungen.

  • Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Funktionelle Körperbeschwerden. S3-Leitlinie. Langfassung. AWMF-Registernummer 051-001. 07.2018. Aufgerufen am 03.07.2020.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Stand:

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