Gonorrhö (Tripper)

Die Gonorrhö ist eine sexuell übertragbare Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht wird, auch bekannt als Gonokokken. Weltweit erkranken 87 Millionen Menschen jährlich. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über die Symptome und Folgen der Erkrankung sowie über Vorbeugungs- und Behandlungsmöglichkeiten.

Auf einen Blick

  • Ursache ist eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken). 
  • Typischerweise entwickeln Erkrankte eine eitrige Harnröhrenentzündung mit starkem Ausfluss, aber auch Enddarm (Rektum) und Rachen sind häufige Infektionsorte.  
  • Die Infektion verursacht nicht immer Symptome. 
  • Auch Infizierte ohne Symptome können die Bakterien weiterverbreiten. 
  • Bleibt die Gonorrhö unerkannt, können betroffene Männer und Frauen unfruchtbar werden. 
  • Die Krankheit lässt sich mit Antibiotika behandeln, es gibt jedoch zunehmend Antibiotika-Resistenzen bei Gonokokken

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Gonorrhö: Eine Frau auf einem Sofa. Sie hält sich mit beiden Händen den Bauch. Sie wirkt angespannt. Ihr gegenüber sitzt ein Arzt.

Was ist Gonorrhö?

Die Gonorrhö zählt zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Der Name Gonorrhö kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Samenfluss“. Die umgangssprachliche Bezeichnung „Tripper“ ist an das niederländische Wort „druiper“ für „tropfen“ angelehnt. Beide beschreiben ein typisches Symptom der Erkrankung: einen weißlichen Ausfluss aus Scheide oder Penis. 

Bleibt eine Gonorrhö unbehandelt, können Frauen und Männer unfruchtbar werden. Breiten sich die Bakterien über das Blut im Körper aus, kommt es zu einer schweren Erkrankung mit Fieberschüben, wechselnden Gelenkbeschwerden und Hautveränderungen.  

Wichtig zu wissen: Wer bereits einmal eine Gonorrhö hatte, ist nicht vor einer Neuinfektion geschützt. Bei sexuellem Kontakt zu einer infizierten Person kann man sich jederzeit erneut anstecken.

Was sind die Symptome bei Gonorrhö?

Nicht alle Menschen, die mit Gonokokken infiziert sind, zeigen auch Symptome. Dadurch erhöht sich das Risiko, die Krankheit unbewusst zu übertragen. Die Gonorrhö kann unterschiedliche Symptome hervorrufen.

Gonorrhö beim Mann 

10 bis 30 Prozent der betroffenen Männer haben keine Beschwerden. Bei den anderen treten typischerweise folgende Symptome auf  

  • Brennen beim Wasserlassen 
  • erschwertes Wasserlassen  
  • ein zum Teil massiver, weißer, hellgrauer bis hellgelber oder klarer Harnröhrenausfluss 

Breitet sich die Infektion austreten mitunter Entzündungen und Schmerzen an Prostata, Samenbläschen, Samenleiter und Nebenhoden aufUnfruchtbarkeit kann eine Spätfolge davon sein.

Gonorrhö bei der Frau 

Etwa 50 Prozent der betroffenen Frauen haben wenig oder keine SymptomeEs besteht aber ein größeres Risiko für schwere Komplikationen. Die Krankheitsanzeichen bei der Frau werden leicht mit einer Blaseninfektion verwechselt. Folgende Symptome treten auf: 

  • Brennen beim Wasserlassen 
  • verstärkter Scheidenausfluss  
  • Zwischenblutungen und stärkere Monatsblutungen 

Breitet sich die Infektion aus, kann es zu Entzündungen von Gebärmutter, Eileiter und Bauchfell mit Bauchschmerzen und Fieber kommen. Mögliche Spätfolgen sind UnfruchtbarkeitEileiterschwangerschaften und chronische Unterleibsschmerzen 

Ist eine schwangere Frau infiziert, kann dies eine Frühgeburt oder Totgeburt zur Folge habenEs besteht auch die Möglichkeit, dass sie die Erkrankung bei der Entbindung auf das Kind überträgt. Typischerweise tritt eine eitrige Augenentzündung auf, an der die Neugeborenen erblinden können, wenn sie nicht behandelt werden. 

Gonorrhö des Afters/Enddarms 

Auch die sogenannte rektale Gonorrhö kann ohne Beschwerden verlaufen. Typische Symptome treten vor allem bei Männern auf:  

  • Ausfluss aus dem After 
  • analer Juckreiz oder Schmerzen 
  • Entzündungen und Wundgefühl im Bereich des Afters 
  • Schmerzen beim Stuhlgang 

Gonorrhö des Rachens 

Der Rachen ist ein häufiger Infektionsort. Die Übertragung erfolgt über Oralverkehr. Die meisten Fälle mit Racheninfektionen durch Gonokokken verlaufen ohne Symptome. Das betrifft 50 bis 80 Prozent. 

Gonorrhö des Auges 

Gelangen die Bakterien über die Hände ins Auge (Schmierinfektion), verursachen sie an der Bindehaut eine eitrige Entzündung, die zum Erblinden führen kann 

Disseminierte Gonorrhö 

In seltenen Fällen breiten sich die Bakterien über das Blut im Körper aus. Es kommt zu einer schweren Erkrankung mit Fieberschüben, Gelenkbeschwerden und Hautveränderungen. 

Wichtig zu wissen: Wenn eine Gonorrhö festgestellt wird, dann sollten Erkrankte mit Symptomen alle Sexualpartner der letzten 8 Wochen informieren, Infizierte ohne Symptome alle Sexualpartner der letzten 6 Monate. Alle sollten sich ärztlich untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen, auch wenn sie keine Symptome haben. Nur so lässt sich eine Weiterverbreitung stoppen. 

Was verursacht Gonorrhö?

Ursächlich für Gonorrhö ist eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae, auch Gonokokken genannt. Die Bakterien werden meistens durch ungeschützten Sexualkontakt von Mensch zu Mensch übertragen.

Was sind Infektionskrankheiten?

Im folgenden Video erfahren Sie, wann Mediziner von einer Infektionskrankheit sprechen, durch welche Erreger Infektionskrankheiten ausgelöst und wie sie übertragen werden.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Jeder Mensch kann an einer Gonorrhö erkranken.

In sehr seltenen Fällen können Medikamente wie Biologika, bestimmte Rheuma-Erkrankungen wie Lupus erythematodes oder angeborene Immunsystem-Erkrankungen wie Komplement-Schwäche zu schwereren Verläufen führen.  

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Wie häufig ist Gonorrhö?

Die Gonorrhö ist in der ganzen Welt verbreitet. Die meisten Betroffenen sind zwischen 15 und 45 Jahre alt.

Die Gonorrhö kommt nur beim Menschen vor und ist auf der ganzen Welt verbreitet. Die meisten Betroffenen sind zwischen 15 und 45 Jahre alt. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich etwa 87 Millionen Menschen an Gonorrhö erkranken. Damit ist sie nach der Infektion mit Trichomonas vaginalis, der Chlamydien-Infektion und der Infektion mit Humanen Papillomaviren die vierthäufigsten sexuell übertragbare Infektion (STI).

Im Jahr 2018 war die Gonorrhö mit über 100.000 Infektionen aus 28 Ländern die zweithäufigste gemeldete STI in der Europäischen Union. 

Deutschlandweit gibt es keine aktuellen Zahlen, da seit 2001 keine Meldepflicht für Gonorrhö mehr besteht. Einzige Ausnahme bildet das Bundesland Sachsen. Dort haben sich zwischen 2001 und 2019 die Infektionszahlen verzehnfacht: Sie stiegen von etwa 2 auf circa 20 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass ein tatsächlicher Anstieg der Infektionen mit Verbesserungen im Beratungs- und Testangebot einherging. Seit März 2020 werden Infektionen mit auffälligen Resistenzen im Rahmen einer Labormeldepflicht vom Robert Koch-Institut erfasst.

Von Resistenz spricht man, wenn ein Antibiotikum nicht den gewünschten Therapieerfolg erzielt, weil der Erreger dagegen eine Widerstandsfähigkeit entwickelt hat.

Wie kann man Gonorrhö vorbeugen?

Da die Gonorrhö vor allem durch Sexualkontakte übertragen wird, kann man sich mit Kondomen vor einer Ansteckung schützen. Werden diese konsequent und korrekt angewendet, kommt es zu deutlich weniger Infektionen. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es allerdings nicht. Wenn der Verdacht auf eine Infektion mit Gonokokken besteht, sollten Betroffene bis zur erfolgreichen Behandlung ganz auf Sexualkontakte verzichten. 

Ist der Rachen mit Gonokokken infiziert, kann die Gonorrhö auch von Rachen zu Rachen oder von Rachen zu Geschlechtsorganen und Rektum (Mastdarm) übertragen werden.  

Wichtig zu wissen: Wurde eine Infektion mit Gonokokken festgestellt, sollten Betroffene und ihre Sexualpartner alle sexuellen Aktivitäten ruhen lassen. 7 Tage nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung können Sexualkontakte wieder aufgenommen werden. 

Wie wird Gonorrhö diagnostiziert?

Ärztinnen und Ärzte diagnostizieren eine Gonorrhö, indem sie Abstriche von betroffenen Bereichen nehmen.  

Mit dem Mikroskop kann man die Bakterien oft schon direkt nachweisen. In den Laboren wird der Abstrich molekularbiologisch auf die Erbsubstanz der Bakterien untersucht und so der Nachweis erbracht. Mithilfe einer Bakterienkultur lassen sich mögliche Antibiotika-Resistenzen feststellen und geeignete Antibiotika auswählen. 

Wichtig zu wissen: Bei jeder diagnostizierten sexuell übertragbaren Infektion (STI) sollten die Partnerinnen und Partner benachrichtigt werden. Bei symptomatischer Gonokokken-Infektion werden alle potenziellen Geschlechtspartner der letzten 8 Wochen untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt, bei asymptomatischen Infektionen alle Partner der letzten 6 Monate.

Wie wird Gonorrhö behandelt?

Eine Gonorrhö kann mit Antibiotika geheilt werden. Leider gibt es inzwischen einige Gonokokken-Stämme, die Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben. Das Medikament wirkt dann gar nicht oder nicht so gut wie gewöhnlich. Deshalb machen Ärztinnen und Ärzte eine sogenannte Empfindlichkeitsprüfung, um das wirksamste Antibiotikum auszuwählen 

Geprüft durch die Deutsche STI-Gesellschaft. Stand:

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