Sexuell übertragbare Infektionen: Wie man sich schützen kann

Viele Menschen denken bei sexuell übertragbaren Infektionen (STI) nur an Infektionen mit HIV. Es gibt jedoch eine Reihe weiterer STI. Manche bleiben zumindest zeitweise ohne Symptome, sind aber dennoch nicht harmlos. Hier erfahren Sie, wie man sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen kann.

Auf einen Blick

  • Zu den bekanntesten sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zählen HIV/Aids, Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien.
  • Andere STI wie Genitalherpes und Hepatitis B oder Infektionen mit Mykoplasmen sind meist weniger bekannt, doch weit verbreitet.
  • Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland und bei Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland infiziert haben, wird auf 2.600 (2019) geschätzt.
  • Im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt sind die Infektionszahlen für Syphilis in Ballungsräumen überdurchschnittlich hoch.
  • Einen Schutz vor STI können Kondome, Femidome, Lecktücher, die Präexpositionsprophylaxe vor HIV und ausgewählte Impfungen sowie Tests bieten.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

STI: Ein Mann öffnet eine silberne Kondomverpackung. In der Verpackung steckt ein rotes Kondom.

Kondome schützen vor STI: Wie genau?

Kondome können – bei stetiger und richtiger Nutzung mit bis zu 90 Prozent Sicherheit – vor einer Ansteckung mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) und damit auch vor der dadurch verursachten Erkrankung Aids schützen. Das wissen die meisten Menschen, auch dank der in Deutschland über 30 Jahre aktiv geführten Kampagne „Gib AIDS keine Chance“. Zusätzlich gibt es den Schutz durch HIV-Medikamente. Doch wie sieht es bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) aus? 

Prinzipiell bietet ein Kondom einen bis zu 60-prozentigen Schutz vor STI. Der Grund dafür ist, dass sexuell übertragbare Infektionen nicht ausnahmslos über die Genitalregion oder den Enddarm übertragen werden. Einige Erreger, wie zum Beispiel die der Syphilis, können auch über Hautgeschwüre und kleinste Hautverletzungen übertragen werden. Ganz ähnlich verhalten sich humane Papillomviren (HPV), Verursacher von Genitalwarzen und Krebs. Zudem können viele Erreger von STI prinzipiell jeden Haut- und Schleimhautbereich eines gesunden Menschen infizieren.

Die Ansteckung mit STI geschieht in den meisten Fällen beim Geschlechtsverkehr. Als wichtigster Schutz gilt deshalb die Benutzung von Kondomen.

Des Weiteren denkt kaum jemand beim Oralverkehr an Kondome. Syphilis, Gonorrhö, humane Papillomviren (HPV) oder auch der schmerzhafte Genitalherpes können sich so verbreiten – auch beim Küssen danach.

Kondome zu nutzen ist wichtig, um sexuell übertragbare Infektionen zu vermeiden. Doch es ist je nach Situation oder sexuellen Vorlieben ein Schutz mit Lücken. Impfungen, Medikamente und Tests sind deshalb eine gute Ergänzung, um sich vor einer Ansteckung mit STI zu schützen.

Wie wendet man ein Kondom richtig an?

Ein Kondom schützt – die sachgerechte Anwendung vorausgesetzt – zuverlässig vor ungewollter Schwangerschaft und vor einer Reihe von sexuell übertragbaren Infektionen. Die Sicherheit liegt zwischen 50 und 90 Prozent. Während der 1980er- und 1990er-Jahre galt das Kondom als einziger Schutz vor der damals tödlich verlaufenden Infektion mit dem HI-Virus.

Das Kondom kann aber ebenso das Ansteckungsrisiko für Treponema pallidum (Erreger der Syphilis), Hepatitis-B-Viren, Chlamydien, Trichomonaden, Mykoplasmen oder Gonokokken (Erreger der Gonorrhö) verringern. Dieser Kondomschutz ist zumindest dann zu erwarten, wenn sich die sexuellen Handlungen auf den Geschlechts- oder Analverkehr beschränken. Dort, wo Schleimhäute und Hautbereiche ungeschützt bleiben und freiliegen – also beim Rest des Körpers –, besteht auch weiterhin Ansteckungsgefahr, insbesondere mit Syphilis, Genitalherpes oder durch Viren verursachte Genitalwarzen.

Um beim Geschlechts- und/oder Analverkehr bestmöglich durch das Kondom geschützt zu sein, helfen folgende Regeln:

  • Vor dem Aufziehen des Kondoms ist auf das Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung und auf die richtige Größe zu achten.
  • Cremes oder Chemikalien sollten im Zusammenhang mit Kondomen nicht verwendet werden, da diese den Latex angreifen könnten.
  • Die Kondomverpackung darf nicht mit spitzen Gegenständen, Fingernägeln oder gar mit den Zähnen geöffnet werden, um das hauchdünne Kondom nicht zu beschädigen.
  • Kondome gibt es in verschiedenen Größen – passend zur jeweiligen Penisgröße: Ein gut passendes Kondom wird seltener reißen oder abrutschen.

Einigen bereitet das Kondom als Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen allerdings auch Probleme, beispielsweise aufgrund einer Latexunverträglichkeit. Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) hilft hier als Schutz vor HIV.

Wie kann ich mich noch schützen?

Seit 2018 gibt es in Deutschland die Möglichkeit, sich ohne Kondom vor der Ansteckung mit dem HI-Virus zu schützen. Bei der sogenannten Präexpositionsprophylaxe (PrEP) nehmen gesunde Menschen vorsorglich ein Medikament gegen HIV ein. Das Medikament reichert sich in den Schleimhäuten an, sodass das HI-Virus – vereinfacht gesagt – am Eindringen gehindert wird.

Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist bei korrekter Einnahme zu über 95 Prozent wirksam und verringert das Ansteckungsrisiko für HIV.

Besonders verbreitet ist diese Methode bei Männern, die sexuellen Kontakt mit Männern haben. Die Präexpositionsprophylaxe ist bei korrekter Einnahme zu über 95 Prozent wirksam und verringert das Ansteckungsrisiko für HIV. Dies gilt für Männer und Frauen gleichermaßen.

Zusätzlich zur PrEP sollte man sich zu weiteren Schutzmaßnahmen vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) beraten lassen. Denn die PrEP reduziert nur das Risiko einer Ansteckung mit HIV, nicht jedoch mit anderen STI.

Frauen müssen einige Tage eher mit der vorsorglichen Einnahme des Medikaments beginnen, weil die Schleimhaut im Scheidenbereich länger braucht, um genügend Wirkstoff anzureichern. Im Analbereich ist die schutzbietende Wirkstoffkonzentration dagegen sehr schnell erreicht – sowohl beim Mann als auch bei der Frau. Grundsätzlich schützt die Präexpositionsprophylaxe Männer und Frauen gleichermaßen wirksam vor einer HIV-Infektion.

Wichtig zu wissen: Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Sie soll nur unter ärztlicher Überwachung und mit regelmäßigen Tests durchgeführt werden. Bei einem erhöhten Infektionsrisiko für HIV, zum Beispiel aufgrund sexueller Vorlieben oder Praktiken, kann die PrEP ärztlich verschrieben werden. Dann ist sie eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Welche Schutzimpfungen gegen STI gibt es?

Eine dritte Möglichkeit zur Vorbeugung sexuell übertragbarer Infektionen (STI) ist die Impfung. Zum einen gibt es die Impfung gegen Hepatitis B, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wird und als Dreifachimpfung bereits innerhalb des ersten Lebensjahres abgeschlossen sein sollte.

Darüber hinaus gibt es eine weitere Impfung gegen STI: die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV). Diese Impfung schützt vor der Ansteckung mit bis zu neun verschiedenen HP-Viren. Zwei dieser Viren sind Erreger von Genitalwarzen (Kondylomen). Die anderen sieben Viren können beim Menschen Krebs auslösen.

Bekannt wurde die HPV-Impfung insbesondere seit 2007 durch die Kampagnen zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs für junge Mädchen. Diese Krebsart wird zu fast 100 Prozent durch humane Papillomviren verursacht. Die Impfung wird für Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen. Seit 2018 steht die Impfung auch für Jungen im gleichen Alter zur Verfügung.

Es ist sinnvoll beide Geschlechter zu impfen, denn Studien bestätigten, dass humane Papillomviren nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern auch Penis- und Analkrebs, Mundkrebs und Kehlkopfkrebs verursachen können. Wichtig ist, dass die Impfung möglichst frühzeitig im Kindes- und Jugendalter – spätestens aber vor dem ersten sexuellen Kontakt – erfolgt.

Was leisten Labortests?

Da das Infektionsrisiko zum Teil vom Verhalten jedes Einzelnen abhängt, ist ein 100-prozentiger Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) nicht immer möglich. Aus diesem Grund sind Tests auf STI von Bedeutung, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Darüber hinaus lindert eine frühzeitige Behandlung die Symptome und verringert das Risiko von Komplikationen. 

Insbesondere bei Risikokontakten, zu denen beispielsweise One-Night-Stands oder häufig wechselnde Partnerinnen oder Partner zählen, spielen Tests eine große Rolle. 

Um das eigene Risiko für sexuell übertragbare Infektionen (STI) abzuschätzen, hilft der anonyme Online-STI-Risikotest von WIR – Walk In Ruhr, Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin.

Wichtig zu wissen: Es gilt zu beachten, dass Labortests zu Beginn einer Infektion negativ ausfallen können. Beispielsweise ist eine Infektion mit HIV frühestens nach sechs Wochen sicher nachweisbar.

Welches Fazit lässt sich ziehen?

Man kann sich auf unterschiedliche Weise vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützen. An erster Stelle ist das Kondom zu nennen. Daneben gibt es die vorsorgliche Einnahme eines Medikaments – die sogenannte Präexpositionsprophylaxe – zum Schutz vor HIV-Infektionen. Impfungen gegen humane Papillomviren (HPV) und Hepatitis-B-Viren sowie Tests tragen ebenfalls zum Schutz bei. 

Eine Kombination dieser Maßnahmen, die dem eigenen Sexualverhalten entspricht (risikoadaptiertes Verhalten), ist der beste Weg, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Im Falle einer Infektion kann eine frühe Behandlung außerdem dazu beitragen, Spätfolgen und eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Wo kann ich mich noch informieren?

Liebesleben ist die Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Hier können Sie sich über Liebe, Sex und Schutz informieren.

Geprüft durch die Deutsche STI-Gesellschaft e.V. Stand:

Fanden Sie diesen Artikel hilfreich?