Syphilis

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektionskrankheit. Die Infektion verläuft in mehreren Stadien und bleibt oft unbemerkt. Wird sie früh entdeckt, lässt sie sich gut behandeln. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Ursache, Diagnostik, Vorbeugung und Behandlung der Syphilis.

Auf einen Blick

  • Syphilis, auch Lues genannt, ist eine sexuell übertragbare Infektionskrankheit. 
  • Syphilis wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht, das nur beim Menschen vorkommt.  
  • Eine Syphilis-Infektion verläuft unbehandelt in drei Stadien. 
  • Wird die Infektion früh erkannt, ist sie gut mit Antibiotika behandelbar. 
  • Wird die Infektion spät erkannt, kann sie Organe dauerhaft schädigen. 
  • Kondome, Femidome und Dental Dams können vor einer Übertragung schützen. 

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Syphilis: Ein Mann sitzt auf einer Couch, seine Hände Formen eine Raute. Schräg vor ihm sitzt ein Arzt, der ein Klemmbrett und einen Kugelschreiber in den Händen hält.

Was ist Syphilis?

Syphilis wird auch venerische Syphilis, Lues venerea oder harter Schanker genannt. Sie ist eine weltweit verbreitete, sexuell übertragbare Erkrankung.

Wird Syphilis nicht behandelt, kann sie in drei Stadien verlaufen, aber auch spontan ausheilen. Zwischen den Stadien kommt es manchmal jahrelang gar nicht zu Beschwerden. Die Symptome können sehr milde sein und nicht alle Menschen merken, wenn sie sich mit Syphilis infiziert haben. So können Betroffene die Erreger unbemerkt verbreiten.

In Deutschland kommt Syphilis derzeit vorwiegend bei Männern vor, die Sexualkontakte mit Männern haben. Grund dafür ist unter anderem, dass homosexuelle Männer in Deutschland seltener Kondome nutzen, seitdem es Medikamente zur Vorbeugung einer HIV-Infektion gibt. 

Syphilis kann folgendermaßen übertragen werden: sexueller Kontakt, kleine Wunden und von Schwangeren auf Kinder im Mutterleib.

Die Treponema-Bakterien können folgendermaßen übertragen werden: 

  • durch direkten sexuellen Kontakt, intensive Schleimhautkontakte 
  • kleine Wunden in Haut oder Schleimhäuten 
  • bei einer infizierten Schwangeren über die Gebärmutter auf das Ungeborene (Lues connata)

Die Erreger können auch über Bluttransfusionen übertragen werden. Das kommt aber wegen systematischer Tests der Blutspenden praktisch nicht mehr vor. 

Was sind die Anzeichen von Syphilis?

Nur etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit Syphilis zeigen Symptome der Krankheit. Bleibt sie unbehandelt, kann sie in drei Stadien mit unterschiedlichen Symptomen verlaufen, aber auch spontan ausheilen.  

Erstes Stadium (Lues I, primäre Syphilis) 

Zunächst entsteht dort, wo die Bakterien in den Körper eindringen, ein kleines Knötchen. Meist ist das am Penis oder an den Schamlippen, je nach Sexualpraktik auch im Bereich des Mundes oder Anus. Die nahe gelegenen Lymphknoten schwellen an und das Knötchen entwickelt sich zu einem harten Geschwür. Die Geschwüre an den Geschlechtsorganen sind nicht schmerzhaft. Das erste Stadium heilt nach 4 bis 6 Wochen von allein ab. 

Zweites Stadium (Lues II, sekundäre Syphilis) 

Die Bakterien verbreiten sich im ganzen Körper und es können in unterschiedlicher Ausprägung folgende Symptome auftreten: 

  • Fieber 
  • Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen 
  • Schwellung vieler Lymphknoten 
  • mottenfraßartiger Haarausfall 
  • Hautausschläge: fleckig bis kleinknotig, später schuppend, selten kleine Hautgeschwüre sowie ähnliche Veränderungen an den Schleimhäuten 
  • vermehrte Hornhautbildung an Handflächen und Fußsohlen 
  • neurologische Folgen wie Hirnhautentzündungen sowie Seh- und Hörstörungen 

Dieses Stadium kann einige Jahre lang andauern und die Symptome können in dieser Zeit immer wieder aufflammen.  

Wichtig zu wissen: Den Zeitraum eines Jahres ab dem Infektionszeitpunkt bezeichnet man als Frühsyphilis. Im Stadium 1 und 2 der Syphilis sind Patientinnen und Patienten ansteckend für andere, besonders im ersten Stadium. Deshalb sollen im ersten Stadium alle Sexualpartner der letzten drei Monate und im zweiten Stadium der letzten zwölf Monate über eine mögliche Ansteckung informiert werden. Danach kann die Erkrankung über mehrere Jahre ohne Symptome sein (latente Syphilis). Auch in der frühen Phase dieser Latenz besteht Ansteckungsgefahr. In den nachfolgenden Stadien (Spätsyphilis) sind Erkrankte kaum mehr ansteckend.  

Drittes Stadium (Lues III, tertiäre Syphilis) 

In dieser Phase können in unterschiedlicher Ausprägung folgende Symptome auftreten: 

  • Knötchen auf der Haut 
  • knotenartige Geschwüre (Gummen) auf Haut und inneren Organen 
  • Gefäßveränderungen an der Hauptschlagader, Aussackungen an Gefäßen (Aneurysmen), die reißen können 
  • neurologische Folgen: Hirnhautentzündungen, Befall peripherer Nerven, der Hirnnerven, des Rückenmarks und des Gehirns  

Neurologische Symptome des dritten Stadiums der Syphilis können sein: 

  • Schmerzen und Taubheit in Unterbauch und Beinen (Tabes dorsalis) 
  • Lähmungen und Gefühlsstörungen 
  • Sprachstörungen (Aphasie) 
  • Krampfanfälle 
  • veränderte Pupillenreaktion auf Licht  
  • psychische Symptome wie Verwirrtheit, Stimmungsschwankungen, Denkstörungen, Halluzinationen, Delirium oder Koma 

Wird auch dieses Endstadium nicht behandelt, führen die fortschreitenden Lähmungen nach etwa 4 bis 5 Jahren zum Tod. Grundsätzlich kann die Syphilis in jedem Stadium ausheilen, die entstandenen Organschäden bilden sich aber nicht zurück. 

Wichtig zu wissen: Da sich die Syphilis heutzutage gut behandeln lässt, ist das Stadium 3 (Tertiärsyphilis) sehr selten geworden. Bei HIV-positiven Patientinnen oder Patienten tritt allerdings häufiger bereits eine frühe Neurosyphilis auf und die Erkrankung kann insgesamt schwerer verlaufen.

Was verursacht Syphilis?

Ursache für die Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum. Es ist weltweit verbreitet und kommt nur beim Menschen vor. 

Ungeschützte, häufig wechselnde Sexualkontakte erhöhen das Risiko, sich mit Syphilis anzustecken. 

Was sind Infektionskrankheiten?

Im folgenden Video erfahren Sie, wann Mediziner von einer Infektionskrankheit sprechen, durch welche Erreger Infektionskrankheiten ausgelöst und wie sie übertragen werden.

Wie häufig tritt Syphilis auf?

In Deutschland erkranken jährlich etwa 8.000 Menschen an Syphilis.

Die Zahl der gemeldeten Fälle von Syphilis steigt seit 2010 kontinuierlich an. Aktuell erkranken in Deutschland jährlich etwa 8.000 Menschen an Syphilis. 

Weltweit betroffen sind rund 12 Millionen Menschen, davon 90 Prozent in Entwicklungsländern.

Wie verläuft eine Syphilis-Erkrankung?

Syphilis verläuft in Stadien. Eine Spontanheilung ist durchaus möglich. Wird die Infektion früh erkannt, ist sie gut mit Antibiotika behandelbar. Unbehandelt aber führt die Erkrankung mitunter zu schwersten Behinderungen und kann sogar tödlich verlaufen.

Wie kann man Syphilis vorbeugen?

Mit geschütztem Geschlechtsverkehr kann man einer Syphilisinfektion vorbeugen. Sowohl Kondome, Femidome als auch Dental Dams können vor einer Infektion schützen. Dabei ist eine konsequente und richtige Anwendung wichtig. Syphilis kann auch von Mund zu Mund und von Mund zu Geschlechtsorganen oder Anus übertragen werden. Personen mit einer nachgewiesenen Syphilis-Erkrankung sollten bis zum Ende der Therapie ganz auf sexuelle Kontakte verzichten. 

Wichtig zu wissen: Wer verdächtige Veränderungen an Haut oder Schleimhäuten bei sich, dem Partner oder der Partnerin feststellt, sollte nicht zögern, mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber zu sprechen. Eine Behandlung der Syphilis ist einfach und wirksam und reduziert die weitere Verbreitung der Krankheit.

Wie wird Syphilis diagnostiziert?

Bei einem Verdacht auf Syphilis können Ärztinnen oder Ärzte Abstriche von betroffenen Stellen nehmen und sie unter einem speziellen Mikroskop oder mit speziellen Labortests untersuchen. Dort lassen sich die Bakterien direkt nachweisen. Ein positiver Erregernachweis sollte immer zu einer Behandlung führen.  

In Blutproben können Labore verschiedene Antikörper nachweisen. Es gibt Antikörper, mit denen man einen Kontakt mit den Syphiliserregern nachweisen kann, und Antikörper, mit denen sich die Aktivität der Krankheit bestimmen lässt. Mit diesen Antikörpertests können Ärztinnen und Ärzte entscheiden, ob die Patientinnen und Patienten behandelt werden müssen und später ob die Therapie erfolgreich war. 

Um eine Neurosyphilis zu diagnostizieren, müssen Ärztinnen und Ärzte den Betroffenen Rückenmarksflüssigkeit entnehmen und diese auf Antikörper testen. 

Ergebnisse von Syphilis-Schnelltests sind nicht so sicher wie Labortests. Sie können aber als Suchtests verwendet werden und einen Hinweis auf eine Infektion geben. Zur genauen Abklärung müssen dann weitere Antikörpertests erfolgen.  

Wichtig zu wissen: Klinische Zeichen einer Frühsyphilis zeigen sich ab etwa 3 Wochen nach der Ansteckung. Bei Verdacht sollten sich Sexualpartner ebenfalls auf eine mögliche Infektion testen lassen.   

Wie wird Syphilis behandelt?

Syphilis wird durch Bakterien verursacht. Die Erkrankung lässt sich daher gut mit Antibiotika behandeln. In der Regel wird in allen Stadien der Erkrankung Penicillin eingesetzt. Syphilis wird je nach Stadium mit einer bis drei Depotspritzen in wöchentlichem Abstand in den Gesäßmuskel behandelt. Bei der Neurosyphilis ist eine intravenöse Therapie über zwei bis drei Wochen notwendig. Regelmäßige Antikörpertests weisen den Therapieerfolg nach. 

Kommt es durch die Penicillin-Therapie zu einem raschen Zerfall der Bakterien, können giftige Inhaltsstoffe der Erreger heftige Reaktionen des Immunsystems auslösen. Es treten dann Symptome wie Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen auf. Um diese Symptome zu mildern, verabreichen Ärztinnen und Ärzte oft zusätzlich Kortison, davon eine Dosis direkt vor der Therapieeinleitung.  

Nach dem Ende der Therapie erfolgt vierteljährlich eine Kontrolle: Ärztinnen und Ärzte prüfen, inwieweit die klinischen Symptome abklingen und die Zahl bestimmter Antikörper im Blut der Patienten abnimmt. 

Bei der Frühsyphilis gehen nach der Therapie die Symptome meistens rasch zurück. Betroffene sollten bis zur vollständigen Ausheilung sexuelle Kontakte vermeiden. Bei der Spätsyphilis können bleibende Beeinträchtigungen durch Organschäden entstehen. 

Weitere Informationen

Syphilis zählt zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Die Meldung erfolgt anonymisiert durch ein Labor und die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.  

Ansprechpartner für Syphilis 

Sie möchten Ihr Risiko für Syphilis und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) abschätzen? WIR – Walk In Ruhr, Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin bietet einen anonymen Online-STI-Risikotest.

Liebesleben ist die Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Hier können Sie sich über Liebe, Sex und Schutz informieren. Zur Webseite Liebesleben

Geprüft durch die Deutsche STI-Gesellschaft. Stand:

Fanden Sie diesen Artikel hilfreich?