Rheumatoide Arthritis

Ist umgangssprachlich von „Rheuma“ die Rede, ist meist die rheumatoide Arthritis gemeint. Dabei handelt es sich um eine dauerhafte Entzündung, die normalerweise mehrere Gelenke betrifft. Sie führt dazu, dass sich die Gelenke allmählich verformen und steif werden. Rheumatoide Arthritis kann behandelt, aber nicht geheilt werden.

Auf einen Blick

  • Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung. 
  • In Deutschland hat etwa ein Prozent aller Erwachsenen eine rheumatoide Arthritis.
  • Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer.
  • Bei einer rheumatoiden Arthritis können sich die Gelenke allmählich verformen und steif werden.
  • Mit der Zeit nimmt auch die Muskelkraft ab.
  • Behandelt wird die rheumatoide Arthritis mit Medikamenten oder anderen Therapien wie Physiotherapie.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Rheumatoide Arthritis: Ein Arzt sitzt an einem Schreibtisch und untersucht die Hand einer gegenübersitzenden Person. Auf dem Tisch liegt ein Stethoskop.

Was ist eine rheumatoide Arthritis?

Grundsätzlich gibt es viele verschiedene rheumatische Erkrankungen. Meist ist aber die rheumatoide Arthritis gemeint, wenn von „Rheuma“ die Rede ist. Bei dieser Erkrankung entzünden sich in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft. Die Folge: Sie können sich nach und nach verformen und steif werden. Mit der Zeit sinkt auch die Muskelkraft.

Ist die Erkrankung fortgeschritten, kann sie auch andere Bereiche des Körpers beeinträchtigen, etwa die Blutgefäße oder bestimmte Organe. Menschen mit starkem Rheuma haben Schmerzen und fühlen sich abgeschlagen. Auch eigentlich einfache Tätigkeiten wie die Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen können den Betroffenen schwerfallen.

Welche Symptome zeigen sich bei einer rheumatoiden Arthritis?

Erste Anzeichen der Erkrankung sind in der Regel Schwellungen an einzelnen Gelenken, die zu Schmerzen und Gelenksteife führen. Sie treten vor allem an den Fingermittelgelenken und den Fingergrundgelenken auf. Nach und nach können weitere Beschwerden hinzukommen, die für Rheuma typisch sind, etwa Kraftlosigkeit.

Rheumatypische Symptome sind unter anderem: geschwollene, warme Gelenke, Kraftlosigkeit & Erschöpfung, steife Gelenke, Rheumaknoten und schmerzende Gelenke.

Rheumatypische Symptome sind:

  • warme, geschwollene Gelenke: In der Regel schwellen auf beiden Seiten des Körpers die gleichen Gelenke an, zum Beispiel die Fingergelenke der rechten und der linken Hand.
  • schmerzende Gelenke
  • steife Gelenke: vor allem nach längeren Ruhepausen, besonders morgens nach dem Aufstehen. Meist werden sie erst nach über einer Stunde oder nach längerer Aktivität wieder beweglich.
  • Kraftlosigkeit: Wenn Gelenke schmerzen und steif sind, werden sie oft weniger bewegt. Dies schwächt nach und nach auch die Muskulatur.
  • Erschöpfung: Da die entzündliche Erkrankung den ganzen Körper betrifft, bewirkt Rheuma oft Müdigkeit, ein allgemeines Schwächegefühl und manchmal tiefgehende Erschöpfung („Fatigue“).
  • Rheumaknoten: Bei fortschreitender Erkrankung können sich kleine harte Knötchen unter der Haut bilden. Sie sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.

Diese Symptome sind nicht bei allen Menschen gleich: So können verschiedene Gelenke betroffen sein. Auch, welche Beschwerden die meisten Probleme verursachen, kann verschieden sein.

Wichtig zu wissen: Viele Menschen haben Probleme mit verdickten oder steifen Fingerendgelenken. Sie sind aber in der Regel Anzeichen für eine bestimmte Form von Arthrose. Rheumatoide Arthritis und Arthrose werden häufig verwechselt, obwohl sie sich deutlich voneinander unterscheiden: Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung, während Arthrose durch Verschleiß entsteht. Auch die Behandlung und der Verlauf der beiden Erkrankungen sind sehr verschieden.

Welche Ursachen hat eine rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Das heißt: Das Immunsystem greift den eigenen Körper an. Normalerweise unterscheidet das Abwehrsystem zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen, Organismen und Stoffen und schützt den Körper so vor Krankheitserregern und anderen schädlichen Substanzen. Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr richtig: Das Abwehrsystem bewertet bestimmte körpereigene Zellen irrtümlich als Fremdstoffe und greift sie an. Entzündungsreaktionen sind die Folge. Bei einer rheumatoiden Arthritis sind vor allem die Gelenke von einer Autoimmunreaktion betroffen.

Die Krankheitsprozesse bei Rheuma sind komplex und bislang noch nicht vollständig verstanden. Wahrscheinlich spielt unter anderem die genetische Veranlagung eine Rolle. Es gibt zudem Theorien, nach denen Autoimmunreaktionen durch eine Infektion mit bestimmten Viren oder Bakterien ausgelöst werden können.

Bekannt ist, dass Rauchen eine rheumatoide Arthritis begünstigen und deren Verlauf negativ beeinflussen kann. Andere, selbst beeinflussbare Risikofaktoren wurden bisher nicht identifiziert.

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Im folgenden Video erhalten Sie grundlegende Informationen zum menschlichen Immunsystem und zu typischen Autoimmunerkrankungen.

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Wie häufig ist eine rheumatoide Arthritis?

In Deutschland erkranken etwa 1 % aller Erwachsenen an einer rheumatoiden Arthritis. Bei Frauen tritt die Krankheit doppelt so häufig auf wie bei Männern.

In Deutschland ist etwa ein Prozent aller Erwachsenen an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt. Frauen trifft die Krankheit doppelt so häufig wie Männer. Meist entwickelt sie sich nach dem 50. Lebensjahr. Vor allem Frauen erkranken aber öfter schon in jüngeren Jahren. Manchmal tritt eine rheumatoide Arthritis auch schon im Jugendalter auf.

Wie verläuft eine rheumatoide Arthritis?

In der Regel beginnt eine rheumatoide Arthritis mit Symptomen an den Finger-, Hand- oder Zehengelenken, manchmal auch an den Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Meistens sind dabei beide Seiten des Körpers betroffen. Auch Gelenke, die nah am Rumpf liegen, können sich entzünden, zum Beispiel die Schultern oder das Schlüsselbein.

Der weitere Verlauf kann unterschiedlich sein. In einer Studie, in der Menschen mit rheumatoider Arthritis befragt wurden, berichteten zehn Jahre nach Beginn ihrer Erkrankung:

  • knapp 50 Prozent von leichten Einschränkungen
  • gut 40 Prozent von mittelschweren Einschränkungen
  • etwa 10 Prozent von erheblichen Einschränkungen im Alltag

Gefragt wurde zum Beispiel nach Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anziehen oder beim Zubereiten von Essen, etwa beim Öffnen von Verpackungen, Flaschen oder Gläsern.

Die rheumatischen Beschwerden nehmen bei manchen Betroffenen nach und nach langsam zu, sie können aber auch lange Zeit unverändert bleiben. Andere erleben Schübe: Das heißt, dass die Entzündung und die Schmerzen plötzlich stärker werden, aber nach dieser Phase wieder nachlassen.

Im Spätstadium kann die Erkrankung neben den Gelenken auch andere Bereiche des Körpers betreffen. Durch die Entzündung im Körper können auch die Blutgefäße angegriffen werden. Das begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings kommt dies relativ selten vor, meistens nur, wenn aus anderen Gründen bereits ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht – etwa infolge von Übergewicht oder Bluthochdruck.

Wie wird eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert?

Die Ärztin oder der Arzt stellt zunächst viele Fragen und untersucht die Patientin oder den Patienten gründlich körperlich. Dabei achtet sie oder er vor allem darauf, welche Gelenke geschwollen sind. Sind bestimmte Gelenke an den Fingern und Zehen betroffen, weist dies auf eine rheumatoide Arthritis hin. Das Gleiche gilt, wenn große Gelenke wie die Schultern oder Knie schmerzen und geschwollen sind. Für die Diagnose ist auch von Bedeutung, seit wann die Beschwerden bestehen und wie viele Gelenke entzündet sind.

Auch die Analyse einer Blutprobe kann bestimmte Antikörper feststellen und Entzündungsreaktionen nachweisen. Sie ist aber nur begrenzt aussagekräftig, denn die Blutwerte können auch aus anderen Gründen verändert sein.

Wichtig zu wissen: Im Frühstadium kann es schwierig sein, eine rheumatoide Arthritis zu erkennen. Oft sind die Beschwerden in den ersten Wochen bis Monaten nur wenig ausgeprägt und nicht immer typisch. Besteht der Verdacht auf eine solche Erkrankung, empfiehlt sich ein Termin bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Rheumatologie.

Wie wird eine rheumatoide Arthritis behandelt?

Heilbar ist eine rheumatoide Arthritis bisher nicht. Sie kann aber mit Medikamenten und nichtmedikamentösen Verfahren wie Physiotherapie, also mit Krankengymnastik, behandelt werden. Verschiedene Hilfsmittel können zudem den Alltag erleichtern.

Medikamente können die Entzündung hemmen und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Sie können auch dazu beitragen, die Symptome wie Schmerzen und Schwellungen zu lindern, die Gelenkfunktion zu verbessern oder zumindest möglichst lange zu erhalten.

Durch Physiotherapie und Sport können die Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion verbessert oder bestmöglich erhalten werden. Geeignete Sportarten für Menschen mit Rheuma sind zum Beispiel Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, Kräftigungsübungen, Schwimmen und Wassergymnastik.

Die Behandlung hängt davon ab, wie stark die Entzündung und die Beschwerden sind, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist und wie die Ärztin oder der Arzt ihren Verlauf einschätzt. Berücksichtigt wird auch, wie bisherige Maßnahmen geholfen haben. Um Schmerzen und Einschränkungen im alltäglichen Leben besser zu bewältigen, können auch psychologische Angebote genutzt werden.

Vertiefende Informationen etwa zu der Bedeutung von Sport bei rheumatoider Arthritis finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

Was kann eine Rehabilitation bei rheumatoider Arthritis bewirken?

Eine rheumatoide Arthritis, die über längere Zeit nicht in den Griff zu bekommen ist und die oder den Betroffenen über eine längere Phase arbeitsunfähig macht, kann auch Anlass für eine Rehabilitation sein. Diese soll dabei helfen, im Alltag mit der Krankheit besser zurechtzukommen, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Eine Reha kommt aber auch für Rentnerinnen und Rentner infrage. Ziel ist dann, ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen und Pflegebedürftigkeit zu verhindern.

Eine Reha dauert in der Regel drei Wochen. Dabei arbeiten verschiedene Fachkräfte zusammen, zum Beispiel aus Medizin (Rheumatologie), Physio- und Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie. Bei einer stationären Reha wohnt man während dieser Zeit in der Klinik. Wer ganztags eine ambulante Reha macht, wohnt zu Hause und kommt tagsüber in die Klinik.

Je nachdem, welches Ziel eine Rehabilitation hat und wie man versichert ist, werden die Kosten von der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung getragen. In jedem Fall muss zuvor eine Ärztin oder ein Arzt feststellen, dass eine Rehabilitation erforderlich ist, und der Reha-Antrag muss durch den Kostenträger genehmigt werden.

Rheuma: Eine stehende Frau hält beide Arme vor die Brust. Mit einer Hand greift die Frau an das Gelenk der anderen Hand.

Wie gestaltet sich der Alltag mit einer rheumatoiden Arthritis?

Mit der Erkrankung gehen meist Schmerzen, Erschöpfung und körperliche Einschränkungen einher, dazu kommen Nebenwirkungen von Medikamenten. Dies alles kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Bei vielen Menschen mit Rheuma dauern normale Tätigkeiten länger, und sie müssen sich häufiger und ausgedehnter ausruhen als andere. Viel Zeit nehmen auch häufige Arztbesuche oder das Beschaffen von Hilfsmitteln in Anspruch, ebenso wie der Aufwand, der nötig ist, um die Medikamente korrekt einzunehmen. Aufgrund ihrer Erschöpfung haben manche Betroffene ein größeres Schlafbedürfnis. Sie können sich nicht so gut konzentrieren, und es fällt ihnen schwer, aktiv zu werden.

Rheumatoide Arthritis kann auch emotional belasten: So kann sie Angst vor der Zukunft, Trauer, aber auch Wut über die Erkrankung auslösen. Für andere ist das manchmal schwer nachvollziehbar.

Trotzdem gelingt es vielen Menschen, so mit der Erkrankung umzugehen, dass ihre Beschwerden in den Hintergrund rücken und sie trotz aller Einschränkungen ein erfülltes Leben haben.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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