Lymphödem

Ein Lymphödem entsteht, wenn die Lymphe nicht richtig abfließen kann und sich staut. Das passiert häufig bei Krebserkrankungen und Krebstherapien. Es gibt aber auch andere Ursachen für diese oft schmerzhaften Flüssigkeitsansammlungen.

Auf einen Blick

  • Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn sich Lymphflüssigkeit im Gewebe staut. 
  • Man unterscheidet zwischen genetisch bedingten (primären) und erworbenen (sekundären) Lymphödemen. 
  • Zu den typischen Beschwerden gehören Schmerzen, Schwellungen sowie ein Spannungs- und Schweregefühl im betroffenen Bereich.
  • Oft entstehen Lymphödeme an Armen und Beinen.
  • Eine häufige Ursache sind Krebserkrankungen und Krebstherapien wie die Entfernung von Lymphknoten. 
  • Meist wird mit Lymphdrainage und Bewegungstherapie behandelt. Eine Operation ist nur selten sinnvoll.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Ein Physiotherapeut massiert die Beine einer Patientin, damit die gestaute Lymphe abfließen kann.

Was ist ein Lymphödem?

Die Lymphflüssigkeit fließt in den Lymphgefäßen durch den ganzen Körper. Sie enthält unter anderem Eiweiße, Salze und weiße Blutkörperchen (Lymphozyten). Die Lymphozyten sind wichtig für die Immunabwehr. Darüber hinaus dient das Lymphsystem der Entwässerung und Reinigung: überschüssige Flüssigkeiten, Stoffwechselabbauprodukte und Schadstoffe werden über die Lymphe aus dem Körper gespült. 

Von einem Lymphödem spricht man, wenn sich die Lymphflüssigkeit an einer bestimmten Stelle des Körpers staut und eine Schwellung (Ödem) entsteht. Dies kann passieren, wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten geschädigt sind.

Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die in jedem Lebensalter auftreten kann. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwischen angeborenen (primären) und erworbenen (sekundären) Lymphödemen. Letztere entstehen als Folge von Verletzungen, Therapien oder Erkrankungen wie Krebs.

Was sind die Symptome eines Lymphödems?

Häufig kommt es bei einem Lymphödem zu folgenden Beschwerden:

  • Schwellungen
  • Schmerzen
  • Spannungsgefühl
  • Schweregefühl
  • Hautveränderungen
  • Einschränkungen in der Beweglichkeit

Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten. Es ist möglich, dass Lymphödeme an einer oder mehreren Stellen des Körpers entstehen.

Generell kann jeder Bereich des Körpers betroffen sein, oft sind Lymphödeme jedoch an Armen oder Beinen zu finden.

Welche Ursachen kann ein Lymphödem haben?

Ein primäres Lymphödem hat genetische Ursachen. 

Ein sekundäres Lymphödem kann durch verschiedene Erkrankungen oder Verletzungen entstehen, aber auch von bestimmen Therapien ausgelöst werden. Die häufigsten Ursachen sind Krebserkrankungen und -behandlungen. Dazu gehören unter anderem die Entfernung von Lymphknoten oder eine Bestrahlungstherapie.

Faktoren, die ein Lymphödem begünstigen, sind starkes Übergewicht (Adipositas) und bestimmte entzündliche Erkrankungen wie Arthritis und Dermatitis.

Wie häufig kommen Lymphödeme vor?

Ein Lymphödem kann in jedem Lebensalter auftreten. Bei Kindern kommen vor allem primäre (genetisch bedingte) Lymphödeme vor.

Ein Lymphödem kann in jedem Lebensalter auftreten. Bei Kindern kommen vor allem primäre (genetisch bedingte) Lymphödeme vor.

Das primäre Lymphödem tritt bei etwa einem von 6.000 Neugeborenen auf. Bei Mädchen entwickelt es sich zehnmal häufiger als bei Jungen. 

Das sekundäre Lymphödem ist deutlich häufiger als das primäre. In den Industriestaaten entsteht es bei schätzungsweise 0,1 bis 2 Prozent der Menschen. 

Wie entwickelt sich ein Lymphödem?

Ein Lymphödem verläuft chronisch. Das heißt, es bleibt ein Leben lang bestehen. Die Erkrankung wird von Ärztinnen und Ärzten – abhängig von der Ausprägung – in die Stadien 0 (sehr gering) bis 3 (sehr stark) eingeteilt.

Sein Fortschreiten lässt sich mit einer ausreichenden Behandlung verhindern. Selbst ein ausgeprägtes Lymphödem kann sich dann wieder zurückbilden.

Wie lässt sich einem Lymphödem vorbeugen?

Menschen mit einem erhöhten Risiko, ein Lymphödem zu entwickeln, können ihr Lymphsystem mit sportlichen Aktivitäten positiv unterstützen. Auch eine gesunde Ernährung wird empfohlen.

Wichtig zu wissen: Wenn zusätzliche Erkrankungen vorliegen, die den Lymphfluss beeinträchtigen können – etwa Diabetes mellitus oder eine venöse Insuffizienz – sollten diese fachgerecht behandelt werden.

Wie wird ein Lymphödem diagnostiziert?

Im Gespräch fragt die Ärztin oder der Arzt vor allem, ob

  • Lymphödeme oder Gefäßerkrankungen bereits in der Familie vorgekommen sind
  • man operiert wurde
  • Vorerkrankungen bestehen
  • eine Krebserkrankung vorliegt oder vorlag
  • sich die Haut verändert hat

Anschließend untersucht die Ärztin oder der Arzt:

  • wo sich die Schwellung befindet
  • ob Hautveränderungen vorliegen
  • ob man kurzatmig ist oder schwitzt
  • wie beweglich man allgemein ist
  • wie groß die Lymphknoten sind und wie sie sich anfühlen
  • die Beschaffenheit des Ödems
  • den Zustand der Blutgefäße
  • die Hauttemperatur
  • die Beweglichkeit der Gelenke

Lässt sich nach diesen Untersuchungen keine eindeutige Diagnose stellen, können weitere Methoden zum Einsatz kommen. Das sind vor allem bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) und eine Darstellung der Lymphgefäße (Lymphangiografie).

Mit einer Funktionslymphszintigrafie lässt sich der Transport der Lymphflüssigkeit beurteilen. Dabei wird eine schwach radioaktive Substanz gespritzt, die durch die Lymphgefäße abtransportiert wird.

Bei Verdacht auf ein primäres Lymphödem können bestimmte genetische Untersuchungen weiteren Aufschluss geben.

Wie kann man ein Lymphödem behandeln?

Um ein Lymphödem zu behandeln, wird in der Regel die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) angewendet. Diese zielt darauf ab, den Abfluss der angesammelten Flüssigkeit zu fördern. Sie beinhaltet:

  • manuelle Lymphdrainage 
  • Kompressionstherapie, zum Beispiel mit Kompressionsstrümpfen
  • Sport und Bewegung, insbesondere Gruppengymnastik und Rehasport
  • Aufklärung und Schulung zur Selbstbehandlung
  • Hautpflege und Hautschutz, etwa mit feuchtigkeitsspendenden Cremes
  • sofortige Behandlung von Hautverletzungen, zum Beispiel Desinfektion von Wunden

In der Regel erfolgt die erste Behandlungsphase im Krankenhaus. Im weiteren Verlauf der Therapie wird individuell entschieden, welche Maßnahmen wie oft angewendet werden.

Wichtig zu wissen: Bei bestimmten Begleiterkrankungen darf die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) nicht oder nicht vollständig angewendet werden. Dazu gehören unter anderem Herzschwäche, eine akute tiefe Beinvenenthrombose und eine akute schwere Wundrose.

Vor allem für übergewichtige Menschen mit Lymphödem können eine Gewichtsabnahme und sportliche Aktivitäten für Ausdauer, Flexibilität und Kraft von Vorteil sein.

Eine operative Therapie kommt erst infrage, wenn die konservative Therapie nach 6 Monaten noch nicht zu einer ausreichenden Verbesserung geführt hat.

Wie beeinflusst ein Lymphödem den Alltag?

Je nach Ausprägung können die eingeschränkte Beweglichkeit sowie das Aussehen des betroffenen Körperbereichs psychisch stark belasten. Die umfangreiche Therapie kostet Zeit und erfordert es, alltägliche Aufgaben an die Situation anzupassen.

Manchen Menschen mit einem Lymphödem hilft eine zusätzliche psychologische Betreuung. Dadurch lassen sich oft auch die körperlichen Beschwerden verbessern.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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