Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüse reguliert viele Körperfunktionen. Wenn sie überaktiv ist, produziert sie zu viele Hormone. Das kann dann zum Beispiel zu Gewichtsverlust, nervöser Unruhe oder Herzrasen führen. Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auf einen Blick

  • Die Schilddrüse gehört zum endokrinen System des Körpers – also zu den Drüsen, die helfen, zahlreiche Körperfunktionen zu regulieren.
  • Wenn die Schilddrüse (Thyroidea) zu viele Hormone herstellt, liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor.
  • Typische Symptome sind Gewichtsverlust, nervöse Unruhe oder Herzrasen.
  • Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Die Schilddrüsenüberfunktion kommt bei ungefähr einer von 100 Personen vor und tritt damit recht häufig auf.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Schilddrüsenüberfunktion: Eine junge Frau liegt auf der Behandlungsliege in einer Praxis. Ein Arzt, der einen Medizinhandschuh trägt, hält der Frau ein Messgerät an den Kehlkopf. Der Arzt untersucht ihre Schilddrüse per Ultraschall.

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse (Thyroidea) zu viele Schilddrüsenhormone.

Die Schilddrüse gehört zum endokrinen System des Körpers. Das endokrine System nennt man auch Hormonsystem, dazu zählen unter anderem Drüsen, die helfen, zahlreiche Körperfunktionen zu regulieren. Wenn die Schilddrüse überaktiv ist, bildet sie zu viele Schilddrüsenhormone. Solch eine Überfunktion kann verschiedene Gründe haben – am häufigsten ist die sogenannte Basedow-Krankheit (Morbus Basedow).

Durch die verstärkte Hormonbildung werden viele Körperfunktionen beschleunigt. Das kann zu verschiedenen Symptomen führen. Typisch sind: Gewichtsverlust, Schwitzen, Nervosität oder Herzrasen. Durch eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hingegen bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone – dadurch verlangsamt sich der Stoffwechsel.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Schilddrüsenüberfunktion?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion kommt es oft zu einer sichtbaren Schwellung am Hals. Wenn sich die Schilddrüse vergrößert, passiert das im vorderen Halsbereich – es bildet sich dann ein Kropf. Dieser Kropf wird von Medizinern als Struma bezeichnet. Manchmal schwillt auch nicht die komplette Drüse an, sondern es ist nur ein Knoten tast- oder sichtbar. Es ist auch möglich, dass sich keine Struma und Knoten bilden. Zudem geht eine Struma oder ein Schilddrüsenknoten auch nicht immer mit einer Schilddrüsenüberfunktion einher.

Zu viele Schilddrüsenhormone im Blut bringen die verschiedenen Stoffwechsel- und Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Häufig treten dann folgende Symptome auf:

  • Herzklopfen und Herzrasen, manchmal auch Herzrhythmusstörungen
  • erhöhter Blutdruck
  • Gewichtsverlust (trotz verstärktem Hungergefühl)
  • Durchfall
  • Zittern, nervöse Unruhe, Gereiztheit, Schlaflosigkeit
  • Schwäche, Müdigkeit

Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion schwitzen häufig. Sie empfinden zudem Wärme schnell als unangenehm. Die Haut fühlt sich bei Betroffenen oft warm und feucht an, das Haar ist ausgedünnt.

Welche Ursachen hat eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die Gründe für eine Schilddrüsenüberfunktion können vielfältig sein.
Die häufigste Ursache ist jedoch die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow), eine Autoimmunkrankheit der Schilddrüse. Morbus Basedow entsteht durch eine Fehlfunktion des eigenen Immunsystems. Bei dieser Erkrankung werden Antikörper gegen die Schilddrüse gebildet, diese stimulieren wiederum die Schilddrüse und es werden weit über den Bedarf Hormone produziert.

Auch eine Schilddrüsenautonomie kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen. Für gewöhnlich steuert die Hirnanhangsdrüse die Schilddrüse. Wenn eine Schilddrüsenautonomie vorliegt, reagieren jedoch die Schilddrüsenzellen nicht mehr auf die Signale der Hirnanhangsdrüse. Als Folge können zu viele Schilddrüsenhormone gebildet werden.

Autonome Schilddrüsenzellen kommen manchmal in der gesamten Drüse vor, manchmal aber auch nur im Gewebe eines oder mehrerer gutartiger Knoten. So ein Knoten wird dann als autonomes Schilddrüsenadenom bezeichnet.

Wie häufig kommt es zu einer Schilddrüsenüberfunktion?

Die Schilddrüsenüberfunktion kommt recht häufig vor, ungefähr eine von 100 Personen ist betroffen. An Morbus Basedow erkranken etwa zwei von 1.000 Männern und 20 von 1.000 Frauen. In den meisten Fällen setzt eine Schilddrüsenüberfunktion zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr ein.

Bei 1 von 100 Menschen kommt eine Schilddrüsenüberfunktion vor.

Wie verläuft eine Schilddrüsenüberfunktion?

Wenn eine Schilddrüsenüberfunktion nicht ausreichend behandelt wird, können Betroffene Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln, wie beispielsweise ein Vorhofflimmern. Langfristig kann durch den beschleunigten Knochenumbau auch eine Osteoporose entstehen.

Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert?

An erster Stelle steht ein ausführliches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Im Anschluss findet für gewöhnlich eine körperliche Untersuchung statt, bei der die Schilddrüse abgetastet wird. Dabei lässt sich fühlen, ob das Organ vergrößert ist oder eventuell ein Knoten besteht.

Bei einer Untersuchung des restlichen Körpers kann es weitere Hinweise geben, wie zum Beispiel bei der Basedow-Krankheit: hervortretende, geschwollene Augen.

Auch Bluttests liefern weitere wichtige Informationen. Aus ihnen lässt sich ablesen, ob die Schilddrüse zu viele Hormone produziert und ob die Steuerung durch die Hirnanhangsdrüse funktioniert. Die Auswertung kann auch die für die Basedow-Krankheit typischen Antikörper nachweisen.

Eine weitere Methode zur Diagnose ist die Ultraschalluntersuchung. Mit ihr lassen sich das Schilddrüsengewebe und der möglicherweise vorhandene Knoten genauer erkennen und beurteilen.

Ein anderes Diagnoseverfahren ist die Szintigrafie – hierbei handelt es sich um eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode, mit der sich erkennen lässt, wie aktiv ein Knoten ist. Die Begriffe „heiß“ und „kalt“ bezeichnen das Verhalten des Knotens während der Szintigrafie. Wenn ein Knoten verstärkt Hormone produziert, handelt es sich um einen „heißen“ Knoten. 

Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?

Die geeignete Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion ist abhängig von verschiedenen Faktoren.

Eine milde Schilddrüsenüberfunktion kann manchmal auch ohne Therapie wieder von selbst zurückgehen. Meist wird die übermäßige Hormonproduktion in der Schilddrüse aber zunächst mit Tabletten gebremst, das sind die sogenannten Thyreostatika.

Bei Morbus Basedow kann es passieren, dass sich die Schilddrüsenfunktion durch eine längere Einnahme von Thyreostatika wieder normalisiert. Wenn das nicht klappt, wird die Drüse operativ entfernt oder es wird eine Radiojod-Therapie angewandt. Bei dieser Behandlung erhalten Betroffene radioaktives Jod zur Einnahme. Dieses lagert sich in der Schilddrüse ein und zerstört die überaktiven Zellen.

Geeignete Behandlungsmöglichkeiten bei einer Schilddrüsenüberfunktion können unter anderem sein: Tabletten, sogenannte Thyreostatika, eine Radiojod-Therpapie oder eine operative Entfernung der Drüse.

Bei einer vergrößerten Drüse mit Schilddrüsenautonomie wird die Schilddrüse mit Thyreostatika erst „beruhigt“ und dann meist operativ entfernt. Wenn ein operativer Eingriff nicht möglich oder die Drüse nicht stark vergrößert ist, wird auch eher eine Radiojod-Therapie durchgeführt.

Vertiefende Informationen, etwa wie eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt wird, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Stand:

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