Krankheiten Typhus und Paratyphus
ICD-Codes: A01 Was sind ICD-Codes?
Typhus ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch bestimmte Salmonellen-Arten. Anstecken kann man sich über verunreinigtes Trinkwasser und den Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel. In Deutschland ist Typhus sehr selten. Wer in ein Risikogebiet reist, kann sich vorbeugend impfen lassen.
Auf einen Blick
- Typhus ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Die Bakterien werden über den Stuhl oder den Urin infizierter Personen verbreitet.
- Anstecken kann man sich, wenn man mit Abwässern verunreinigtes Wasser oder verunreinigte Nahrungsmittel zu sich nimmt.
- In Deutschland tritt Typhus praktisch nur nach Reisen in Risikogebiete auf.
- Reisende sollten sich vor einem Aufenthalt in einem Risikogebiet impfen lassen und vor Ort besonders vorsichtig mit Nahrungsmitteln umgehen.
- Typhus muss mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist Typhus?
Typhus ist eine Infektionskrankheit, die durch eine Untergruppe bestimmter Salmonellen-Bakterien ausgelöst wird.
Die Bakterien werden vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser und verunreinigte Nahrungsmittel übertragen.
Durch die guten Hygienebedingungen in Deutschland tritt Typhus hier nur sehr selten auf. In den meisten Fällen stecken sich Fernreisende in Risikogebieten in Asien an.
Es gibt zwei Formen von Typhus-Erkrankungen:
- Bauchtyphus: auch Typhus abdominalis oder kurz Typhus genannt.
- Paratyphus: Er geht mit ähnlichen Symptomen einher wie Bauchtyphus, verläuft aber häufig weniger schwer.
Typhus muss immer mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden, da die Krankheit zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.
Welche Symptome treten bei Typhus auf?
Typhus und Paratyphus verlaufen sehr ähnlich.
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, ist jedoch verschieden.
Zudem sind die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt.
Symptome bei Typhus
Die Inkubationszeit bei Typhus beträgt zwischen 3 und 60 Tage, meist sind es 8 bis 14 Tage.
Typhus beginnt mit unspezifischen Beschwerden wie ausgeprägten Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und leicht erhöhter Temperatur. Innerhalb einiger Tage steigt das Fieber jedoch auf 39 bis 41 Grad.
Dann entwickelt sich ein deutliches Krankheitsgefühl, häufig mit:
- Schläfrigkeit und Benommenheit
- Bauchschmerzen
- Gliederschmerzen
- Verstopfung
Das hohe Fieber kann bis zu drei Wochen lang anhalten.
Darüber hinaus kann es zu folgenden typischen Beschwerden kommen:
- im Verlauf erbsbreiartiger Durchfall
- hellrote, stecknadelkopfgroße Flecken an der Bauchhaut
- verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
Symptome bei Paratyphus
Die Inkubationszeit bei Paratyphus beträgt typischerweise 1 bis 10 Tage.
Die Symptome sind von den Beschwerden bei Typhus kaum zu unterscheiden. Typisch sind:
- Fieber
- ausgeprägte Kopfschmerzen
- zunächst Verstopfung, im späteren Krankheitsverlauf Durchfall
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen
Was ist die Ursache von Typhus?
Typhus wird durch eine Infektion mit der Bakterienart Salmonella enterica verursacht. Es gibt zwei Untergruppen dieser Bakterien, die entweder Typhus oder Paratyphus auslösen:
- Die Bakterien der Untergruppe Typhi verursachen Bauchtyphus, meist kurz Typhus genannt.
- Bakterien der Untergruppe Paratyphi verursachen typhusähnliche Krankheiten, die unter dem Begriff Paratyphus zusammengefasst werden.
Wie steckt man sich mit Typhus an?
Die Typhus-Erreger werden von infizierten Personen mit dem Stuhl und Urin ausgeschieden und gelangen so ins Abwasser. Zu einer Ansteckung kommt es vor allem, wenn man Nahrungsmittel verzehrt, die mit solchen Abwässern verunreinigt wurden. Auch durch verunreinigtes Trinkwasser, daraus hergestellte Eiswürfel oder Wassereis kann man sich anstecken.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich, aber sehr selten.
Wichtig zu wissen: Nach überstandener Erkrankung scheiden 2 bis 5 Prozent der Infizierten dauerhaft Typhus-Erreger aus. Sie können eine Infektionsquelle für andere sein. Das kommt häufiger bei Personen vor, bei denen die Erkrankung nicht mit Antibiotika behandelt wurde. Dauerausscheider dürfen nicht in der Lebensmittel-Branche, in der Gastronomie oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten, wenn sie dort mit Lebensmitteln Kontakt haben.
Wie häufig ist Typhus?
Die Erreger von Typhus und Paratyphus sind weltweit verbreitet. In Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen wie in einigen Regionen in Afrika und Asien sind die Erkrankungszahlen besonders hoch.
Anzahl der Erkrankungen in Deutschland
In Deutschland werden pro Jahr zwischen 50 und 100 Typhus-Erkrankungen gemeldet. Hinzu kommen zwischen 30 und 50 Paratyphus-Erkrankungen pro Jahr.
Im Jahr 2023 erkrankten 79 Menschen an Typhus und 38 Menschen an Paratyphus. Ein Großteil davon hatte sich während Reisen nach Asien infiziert, insbesondere in Pakistan und Indien.
Anzahl der Erkrankungen weltweit
Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich 9 Millionen Menschen weltweit an Typhus, bis zu 110.000 Menschen sterben daran.
An Paratyphus erkranken Schätzungen zufolge 3,4 Millionen Menschen pro Jahr.
Wie verläuft Typhus?
Typhus verläuft typischerweise mit uncharakteristischen Beschwerden in der Anfangsphase und dann mit anhaltend hohem Fieber. In der Folge kann es zu teils schweren Komplikationen kommen.
Bei Patientinnen und Patienten, die nicht mit einem Antibiotikum behandelt wurden, dauert es oft länger, bis sie sich vollständig von der Erkrankung erholt haben. Auch wenn die Behandlung mit Antibiotika erst verzögert begonnen wird, besteht ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Komplikationen.
Nach einer teilweisen Erholung kann die Krankheit erneut ausbrechen. Dies kann auch mehrfach passieren.
Bei Säuglingen verläuft Typhus schwerer und es treten häufiger Komplikationen auf.
Paratyphus verläuft ähnlich wie Typhus, ist jedoch meist leichter ausgeprägt.
Welche Komplikationen sind bei Typhus möglich?
Bei einem schweren Verlauf können folgende, teils lebensbedrohliche Komplikationen auftreten:
- Darmblutungen und Darmdurchbrüche mit Bauchfellentzündung (Peritonitis)
- Bewusstseinsstörungen
- Gallenblasenentzündung
- Thromboembolie: Blutgerinnsel lösen sich und wandern an eine andere Stelle, wo sie das Blutgefäß verstopfen.
- Knochen- oder Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis)
- Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)
- Hirnhautentzündung (Meningitis)
Wichtig zu wissen: Personen, die eine Typhus-Erkrankung überstanden haben, sind gegen eine Neuinfektion ungefähr ein Jahr lang immun.
Wie kann man Typhus vorbeugen?
Die wichtigsten Maßnahmen, um Typhus vorzubeugen, sind:
- beim Verzehr von Lebensmitteln bei Reisen in Typhus-Risikogebiete vorsichtig sein
- sich vor Reiseantritt gegen Typhus impfen lassen
Verzehr von Lebensmitteln
Typhus-Erreger werden meist über das Trinkwasser übertragen. In Risikogebieten sollte man Leitungswasser und damit hergestellte Eiswürfel oder Wassereis aus Leitungswasser nach Möglichkeit meiden.
Auch rohe oder unzureichend erhitzte Speisen können mit Typhus- und Paratyphus-Erregern verunreinigt sein. Dazu zählen zum Beispiel Blatt- und Feinkostsalate, Meeresfrüchte, ungeschältes Obst oder Säfte.
Impfempfehlungen
Vor Reisen in Typhus-Risikogebiete in Asien, Südamerika und Afrika sowie speziell bei einfachen Lebensbedingungen im Reiseland wird eine Impfung empfohlen. Reisemedizinerinnen und Reisemediziner beraten hierzu umfassend.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung für:
- Reisen nach Süd- und Zentralasien, etwa nach Pakistan, Indien, Nepal, Afghanistan, Bangladesch – unabhängig vom Reisestil
- Reisen unter einfachen Reise-, Aufenthalts- oder Arbeitsbedingungen in alle Gebiete mit gehäuften Krankheitsfällen und niedrigen Hygienestandards in Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika. Dies gilt zum Beispiel bei Trekking-Reisen und Hilfseinsätzen und speziell bei aktuellen Ausbrüchen und Katastrophen.
- Langzeitaufenthalte in Gebieten mit gehäuften Krankheitsfällen, insbesondere bei einfachen Aufenthaltsbedingungen
- Reisen von Personen mit Migrationshintergrund in ihre Herkunftsländer, wenn dort ein erhöhtes Risiko besteht
Es stehen zwei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung: als Spritze (Totimpfstoff) und in Form von Kapseln (Lebendimpfstoff) zum Einnehmen.
Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für Reiseimpfungen. Am besten erkundigt man sich vor der Impfung bei der eigenen Krankenkasse, welche Regelung gilt.
Injektionsimpfung
Die Injektionsimpfung (Spritze) gibt es auch in Kombination mit einer Impfung gegen Hepatitis A.
Die Spritze basiert auf einem Totimpfstoff mit abgetöteten Bakterien und wird in den Muskel gegeben. An der Impfstelle kann es zu einer Rötung und Schwellung kommen, auch Kopf- und Gliederschmerzen, Unwohlsein oder Schwächegefühle sind möglich.
Die Impfung bietet ab dem 14. Tag einen Immunschutz für bis zu drei Jahre. Sie bietet allerdings keinen vollständigen Schutz vor einer Ansteckung. Die Erkrankung verläuft bei geimpften Personen aber in der Regel milder. Der Impfstoff schützt außerdem nicht vor Paratyphus. Auch nach einer Impfung sollte man daher auf Reisen die Vorsichtsmaßnahmen beim Essen und Trinken einhalten.
Schluckimpfung
Die Schluckimpfung basiert auf einem Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Bakterien. Sie wird insgesamt dreimal im Abstand von zwei Tagen als Kapsel eingenommen (Grundimmunisierung).
Die Kapseln sind gut verträglich und verleihen circa 50 Prozent der Geimpften einen Schutz für ungefähr 3 Jahre. Der Lebendimpfstoff schützt teilweise auch vor Paratyphus B. Da auch der Lebendimpfstoff keinen vollständigen Schutz vor einer Ansteckung bietet, sollte man auch nach der Impfung die Hygienemaßnahmen für Lebensmittel und Trinkwasser einhalten.
Mögliche Nebenwirkungen der Impfung sind:
- Übelkeit, Erbrechen
- Bauch- und Kopfschmerzen
- Fieber
- Hautausschlag
- Durchfall, der nach dem Fieber auftritt
Wiederimpfung und Auffrischungsimpfung
Für Menschen, die die Schluckimpfung erhalten haben und erneut in ein Risikogebiet reisen, wird eine vollständige Wiederimpfung nach einem Jahr empfohlen. Die Injektionsimpfung sollte bei erneutem Risiko nach 3 Jahren wiederholt werden.
Bei einem dauerhaften Aufenthalt wird unabhängig vom Impfstoff dazu geraten, den Impfschutz nach drei Jahren aufzufrischen.
Video Wie funktioniert eine Impfung?
Im folgenden Video erfahren Sie, wie eine Impfung funktioniert.
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Wie wird Typhus diagnostiziert?
Typhus- und Paratyphus-Erkrankungen werden häufig mit grippalen Infekten oder bei Reiserückkehrenden aus den Tropen mit Malaria verwechselt.
Auffälligkeiten im Blutbild geben einen Hinweis auf Typhus und Paratyphus, liefern aber noch keine sichere Diagnose.
Dies gelingt nur durch den direkten Nachweis der Erreger. Dafür entnimmt die Ärztin oder der Arzt eine Blutprobe, um daraus im Labor eine Bakterienkultur anzüchten zu lassen. Seltener kommen Proben aus dem Knochenmark, Harn oder Stuhl zum Einsatz.
Wie wird Typhus behandelt?
Je früher Typhus behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Behandlung erfolgt mit einem Antibiotikum.
Die Auswahl des Wirkstoffs richtet sich nach dem genauen Typhus-Erreger, der insbesondere bei Reiserückkehrenden aus Asien im Labor bestimmt wird. Zudem wird vorab geprüft, ob das ausgewählte Antibiotikum tatsächlich wirkt.
Wichtig zu wissen: Seit November 2016 sind in Pakistan Typhus-Erreger aufgetaucht, die gegen sehr viele Antibiotika resistent, also unempfindlich sind. Das heißt, die Antibiotika wirken dann nicht mehr, was die Behandlung deutlich erschwert. Eine Impfung gegen Typhus für Reisende nach Pakistan wird daher dringend empfohlen.
An wen kann ich mich bei Fragen zu Typhus noch wenden?
Wenn Sie sich gegen Typhus impfen lassen wollen oder befürchten, an Typhus erkrankt zu sein, wenden Sie sich am besten an eine Praxis für Tropenmedizin.
An einigen Universitätskliniken gibt es spezielle Tropeninstitute, die ebenfalls eine Beratung anbieten.
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit (DTG). Typhus. Aufgerufen am 18.02.2026.
- Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin 42/2025.
- Robert Koch-Institut (RKI). Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2023.
- Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber: Typhus abdominalis, Paratyphus. Aufgerufen am 18.02.2026.
Geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG).
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