Typhus

Typhus wird durch Bakterien in Trinkwasser und Nahrungsmitteln ausgelöst, die durch Abwässer verunreinigt sind. Aufgrund der guten Hygienebedingungen in Deutschland tritt die Krankheit hier extrem selten auf. Typhus muss mit Antibiotika behandelt werden, da ansonsten schwerwiegende Komplikationen auftreten können.

Auf einen Blick

  • Typhus ist eine bakterielle Infektionskrankheit: Die Bakterien werden über die Fäkalien infizierter Personen weitergetragen.
  • Eine Ansteckung erfolgt vor allem über Trinkwasser und Nahrungsmittel, die mit Abwasser verunreinigt wurden.
  • Es gibt 2 verschiedene Typhuserkrankungen: Bauchtyphus und Paratyphus.
  • In Deutschland tritt die Krankheit praktisch nur nach Reisen in Risikogebiete auf.
  • Reisende sollten sich vor einem Aufenthalt in einem Risikogebiet impfen lassen und vor Ort besonders vorsichtig mit Nahrungsmitteln umgehen.
  • Typhus muss immer mit Antibiotika behandelt werden.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Typhus: Nahaufnahme von zwei Händen, die eine Spritze in eine Phiole einführen.

Was ist Typhus?

Typhus ist eine Infektionskrankheit, die durch eine Untergruppe der Salmonellen-Bakterien ausgelöst wird (Salmonella enterica, Untergruppe Typhi). Der Name Typhus stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Schwindel oder auch „benebelter Geisteszustand“ – eine Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, die vor allem durch das hohe Fieber entsteht.

Die Bakterien werden vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser und verunreinigte Nahrungsmittel übertragen – aber auch eine Schmierinfektion ist möglich. Durch die guten Hygienebedingungen in Deutschland tritt die Krankheit hier nur sehr selten auf. In den meisten Fällen haben sich Fernreisende in Risikogebieten in Asien infiziert. Die Länder mit dem größten Infektionsrisiko sind Pakistan, Indien und Nepal. Aber auch in anderen Ländern, etwa Afrikas und Südamerikas, besteht ein Risiko für Typhus-Infektionen. Reisende sollten sich daher bei einer Reismedizinerin oder einem Reismediziner beraten lassen.

Es gibt 2 Typhusvarianten: Bauchtyphus (umgangssprachlich als Typhus bezeichnet) und Paratyphus. Para bedeutet „ähnlich“. Diese Erkrankung geht mit ähnlichen Symptomen einher wie Typhus, verläuft aber weniger schwer. 

Typhus muss immer mit Antibiotika behandelt werden, da die Krankheit zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.

Welche Symptome treten bei Typhus auf?

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, kann zwischen 3 bis 60 Tage betragen, in den meisten Fällen sind es 8 bis 14 Tage. 

Die beiden Typhus-Varianten Typhus (Bauchtyphus) und Paratyphus unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Symptome und des Krankheitsverlaufs.

Symptome bei Typhus (Bauchtyphus)

Typhus beginnt mit uncharakteristischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und leicht erhöhter Temperatur. Innerhalb von 2 bis 3 Tagen steigt das Fieber jedoch auf 39 bis 41 Grad an.

Weitere typische Symptome in dieser 1. Phase sind:

  • Schläfrigkeit und Benommenheit
  • Bauchschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Verstopfung

In der 2. Phase hält das hohe Fieber weiter an (bis zu 3 Wochen).

Darüber hinaus treten folgende Beschwerden auf:

  • erbsenbreiartige Durchfälle
  • hellrote, Stecknadelkopf-große Hautflecken an der Bauchhaut
  • verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)

Wird die Typhus-Infektion nicht mit Antibiotika behandelt, können weitere, sehr schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Symptome bei Paratyphus

Der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt 1 bis 10 Tage.

Typische Symptome des Paratyphus sind neben Fieber bis 39 Grad auch Magen- und Darmbeschwerden:

Was ist die Ursache von Typhus?

Typhus wird durch Bakterien verursacht. Es gibt zwei Arten von Typhusbakterien, die jeweils eine spezifische Typhus-Erkrankung auslösen:

  • Die Salmonellen-Bakterien der Untergruppe Typhi verursachen den sogenannten Bauchtyphus (Typhus abdominalis), der häufig auch in der Kurzform als Typhus bezeichnet wird. Der Bauchtyphus ist die weitaus gefährlichere Form der beiden Typhuserkrankungen.
  • Bakterien der Art Paratyphi verursachen typhusähnliche Krankheiten, die mit dem Sammelbegriff Paratyphus bezeichnet werden. Die Symptome sind bei Paratyphus zwar ähnlich wie bei Typhus, jedoch verläuft die Krankheit weniger schwer.

Die Bakterien werden über die Fäkalien infizierter Personen weitergetragen. Eine Ansteckung erfolgt vor allem über Trinkwasser und Nahrungsmittel, die mit Abwasser verunreinigt wurden. Die Keime gelangen dann über das Trinken beziehungsweise Essen in den Körper. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich, aber sehr selten.

Wichtig zu wissen: Nach überstandener Erkrankung scheiden 2 bis 5 Prozent der Infizierten dauerhaft Erreger aus und können somit eine Infektionsquelle für andere sein. In Deutschland sind diese Personen meist älter als 50 Jahre und häufiger weiblich als männlich. Personen, die dauerhaft Erreger ausscheiden, dürfen nicht in der Lebensmittel-Branche arbeiten.

Welche Risikofaktoren gibt es für eine Typhus-Erkrankung?

Für in Deutschland lebende Personen ist die Wahrscheinlichkeit, an Typhus zu erkranken, äußerst gering.

Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht vor allem bei Reisen in Typhus-Risikogebiete wie Indien, Pakistan und Nepal – insbesondere bei unvorsichtigem Verzehr von Lebensmitteln.

Vor Reisen in Typhus-Risikogebiete wird daher dringend empfohlen:

  • eine Schutzimpfung vornehmen zu lassen
  • beim Verzehr von Lebensmitteln in den Risikogebieten besonders auf Hygiene zu achten

Wie häufig ist Typhus?

Laut einer Schätzung der WHO erkranken jährlich 11 bis 21 Millionen Menschen weltweit an Typhus. In Deutschland werden etwa 50-100 Fälle im Jahr gemeldet.

Die Erreger von Typhus (Bauchtyphus) und Paratyphus sind weltweit verbreitet. In Deutschland werden pro Jahr zwischen 50 und 100 Typhus-Erkrankungen gemeldet. 

Verbreitung von Typhus (Bauchtyphus) weltweit

Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich 11 bis 21 Millionen Menschen weltweit an Typhus. Zwischen 128.000 bis 161.000 infizierte Menschen sterben an der Infektion.

Verbreitung von Paratyphus weltweit

An Paratyphus erkranken Schätzungen zufolge 5,5 Millionen Menschen pro Jahr. In Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen wie in Afrika, Südamerika und Südostasien sind die Erkrankungszahlen besonders hoch. Dort kommt es wiederholt zu Ausbrüchen und Epidemien.

Verbreitung von Typhus (Bauchtyphus) in Deutschland

Typhus spielt in Deutschland praktisch keine Rolle mehr. Durch eine erhebliche Verbesserung der hygienischen Bedingungen ist die Zahl der Typhus-Erkrankungen seit 1951 etwa um den Faktor 100 gesunken. Kam es 1951 noch zu etwa 10,5 Typhus-Infektionen pro 100.000 Einwohner, waren es im Jahr 2018 nur noch 0,07 Infektionen pro 100.000 Einwohner.

Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 58 Typhus-Erkrankte gemeldet; ein Großteil hatte sich während einer Reise nach Asien infiziert. Im Jahr 2019 kam es zu einem Anstieg nach Aufenthalten in Pakistan. Zudem wurden in Deutschland erstmals Typhus-Erreger registriert, die gegen häufig eingesetzte Antibiotika resistent, also unempfindlich sind.

Verbreitung von Paratyphus (Typhus) in Deutschland

Im Jahr 2018 gab es 29 Paratyphus-Fälle. Über 90 Prozent der Erkrankten hatten sich bei einer Fernreise infiziert, die häufigsten Länder waren Indien, Thailand, Kambodscha und Pakistan.

Wie verläuft eine Typhus-Infektion?

Die Erkrankung verläuft typischerweise zunächst in zwei Phasen. In der Folge kann es zu teils schweren Komplikationen kommen.

Verlauf bei Typhus (Bauchtyphus)

Bei einem schweren Verlauf können folgende Komplikationen auftreten:

  • Darmblutungen und Darmdurchbrüche mit Bauchfellentzündung (Darmperforationen mit Peritonitis)
  • Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)
  • Blutgerinnsel (Thromboembolie)
  • Knochen- bzw. Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis)
  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)

Patientinnen und Patienten, die nicht mit Antibiotika behandelt wurden, benötigen lange, bis sie sich vollständig von der Erkrankung erholt haben. Nach einer teilweisen Erholung kann die Krankheit erneut ausbrechen (Rezidiv). Dies kann auch mehrfach passieren.

Bei Säuglingen verläuft die Erkrankung schwerer, und es treten häufiger Komplikationen auf.

Verlauf bei Paratyphus

Der Krankheitsverlauf bei Paratyphus ist ähnlich wie bei Typhus, jedoch meist leichter ausgeprägt. Die Krankheitsdauer beträgt 4 bis 10 Tage.

Wichtig zu wissen: Personen, die eine Typhus-Erkrankung überstanden haben, sind gegen eine Neuinfektion etwa ein Jahr immun.

Wie kann man einer Typhus-Infektion vorbeugen?

Typhus kann durch verschiedene Maßnahmen vorgebeugt werden: rohe oder gering erhitzte Lebensmittel vermeiden, Leitungswasser und Eiswürfel daraus vermeiden und Impfen vor Reisen in Risikogebiete.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Typhus sind:

  • Vorsicht beim Verzehr von Lebensmitteln bei Reisen in Typhus-Risikogebiete
  • eine Impfung vor Reiseantritt

Verzehr von Lebensmitteln

Typhus-Erreger werden in den meisten Fällen über das Trinkwasser übertragen. In Risikogebieten sollten Leitungswasser und damit hergestelltes Eis für Getränke nach Möglichkeit gemieden werden. Auch rohe oder nicht ausreichend erhitzte Speisen – wie Blatt- und Feinkostsalate, Meeresfrüchte, ungeschältes Obst oder Säfte – können mit Typhus- und Paratyphus-Erregern verunreinigt sein. 

Wichtig zu wissen: Reisende sollten sich unbedingt an die Regel erfahrener Tropenreisender halten: „Peel it, cook it, or forget it!“ („Schäle es, koche es oder vergiss es!“).

Impfung

Vor Reisen in die Typhus-Risikogebiete in Asien, Südamerika und Nordafrika sowie speziell bei einfachen Lebensbedingungen im Reiseland wird eine Impfung dringend empfohlen. Reisemedizinerinnen und Reisemediziner können hierzu umfassend informieren und beraten.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt eine Impfung für:

  • Reisen nach Südasien (Pakistan, Indien, Nepal, Afghanistan, Bangladesch) – unabhängig vom Reisestil.
  • Reisen unter einfachen Reise-, Aufenthalts- bzw. Arbeitsbedingungen (zum Beispiel Trekking, Hilfseinsätze) in alle Gebiete mit gehäuften Krankheitsfällen und niedrigen Hygienestandards in Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika. Dies gilt speziell bei aktuellen Ausbrüchen und Katastrophen.
  • Langzeitaufenthalte in Gebieten mit gehäuften Krankheitsfällen, insbesondere bei einfachen Aufenthaltsbedingungen.

Es stehen 2 verschiedene Impfstoffe zur Verfügung: als Spritze und in Form von Kapseln zum Einnehmen. Die Kosten betragen etwa 30 Euro. Die Injektionsimpfung (Spritze) steht auch in Kombination mit einer Impfung gegen Hepatitis A zur Verfügung.

Die Spritze wird in den Muskel gegeben. Sie bietet ab dem 7. Tag bei circa 60 Prozent der geimpften Erwachsenen und Kinder (über 2 Jahre) einen Impfschutz bis zu 3 Jahren. Eventuell ist eine Auffrischung nach 3 Jahren erforderlich.

An der Impfstelle kann es zu einer Rötung und Schwellung kommen, auch Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit sind möglich.

Die Kapseln basieren auf einem Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Bakterien und werden insgesamt 3-mal im Abstand von 2 Tagen eingenommen. Die Tabletten sind gut verträglich und verleihen circa 60 Prozent der Geimpften einen Schutz für mindestens ein Jahr. Eine Auffrischungsimpfung ist nach 3 Jahren erforderlich, bei häufigeren Reisen in Risikogebiete wird eine frühere Wiederholung empfohlen.

Durch die Tabletten können Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfällen, aber auch Kopfschmerzen und Fieber auftreten.

Wie funktioniert eine Impfung?

Im folgenden Video erfahren Sie, wie eine Impfung funktioniert.

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Wie wird Typhus diagnostiziert?

Typhus- und Paratyphus-Erkrankungen werden häufig mit grippalen Infekten oder bei Tropenrückkehrern mit einer Malaria verwechselt.

Auffälligkeiten im Blutbild geben Hinweise auf Typhus- und Paratyphus-Erkrankungen, sind aber noch keine sichere Diagnose. Dies gelingt nur durch den direkten Nachweis der Typhus-Bakterien. Dieser erfolgt in Proben aus Blut – seltener in Proben aus dem Knochenmark, Harn oder Stuhl, indem daraus im Labor eine Bakterienkultur angezüchtet wird.

Wie wird Typhus behandelt?

Je früher die Therapie erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen. Die Behandlung erfolgt mit einem geeigneten Antibiotikum zur direkten Bekämpfung der Bakterien. Die Auswahl des geeigneten Antibiotikums richtet sich nach dem genauen Typhus-Erreger, der mittels Labor-Diagnostik bestimmt wird.

Wichtig zu wissen: Seit November 2016 sind in Pakistan Typhus-Erreger (Bauchtyphus) aufgetaucht, die gegen alle gängigen antibakteriellen Medikamente resistent, also unempfindlich sind. Die Behandlung mit Medikamenten ist in diesen Fällen daher deutlich erschwert. Eine Impfung gegen Typhus für Reisende nach Pakistan wird daher aktuell dringend empfohlen.

Wenn Sie sich gegen Typhus impfen lassen wollen oder befürchten, an Typhus erkrankt zu sein, wenden Sie sich am besten an eine Praxis für Tropenmedizin. An einigen Universitätskliniken gibt es spezielle Tropeninstitute, die auch Beratung anbieten.

Geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG). Stand:

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