Krankheiten Generalisierte Angststörung
ICD-Codes: F41.1 Was sind ICD-Codes?
Angst hat bei Gefahr eine wichtige Schutzfunktion: Sie versetzt den Menschen in Alarmbereitschaft, damit er schnell reagieren kann. Wenn Ängste jedoch alles überschatten, kann eine generalisierte Angststörung der Grund sein. In diesem Beitrag lesen Sie, wie man sie erkennt und behandelt.
Auf einen Blick
- Menschen mit einer generalisierten Angststörung haben nahezu ständig Angst.
- Das Angstgefühl lässt sich nicht kontrollieren und schränkt den Alltag ein.
- Beschwerden wie Herzrasen oder Magenprobleme können hinzukommen.
- Psychotherapie und bei Bedarf Medikamente können helfen, die Angst wieder in den Griff zu bekommen.
- Oft ist dazu Geduld nötig.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist eine generalisierte Angststörung?
Jeder Mensch fürchtet sich manchmal oder hat Angst. Bei Gefahr hat dieses Gefühl eine wichtige Schutzfunktion: Es versetzt den Menschen in Alarmbereitschaft, damit er schnell reagieren kann – etwa bei kritischen Situationen im Straßenverkehr. Auch Sorgen und Ängste um die Zukunft, die Arbeit oder die Familie können schützen – zum Beispiel davor, unvorsichtig zu handeln und in eine schwierige Lage zu geraten.
Wenn Sorgen und Ängste jedoch überhandnehmen, können sie zu einer Belastung werden. Es gibt Menschen, die an einen Punkt kommen, an dem Sorgen und Ängste ihr ganzes Leben bestimmen. Wenn diese Ängste alles überschatten und gar nicht mehr verschwinden, könnte eine generalisierte Angststörung (GAS) dahinterstecken.
Menschen mit einer Angststörung wissen in der Regel, dass ihre Ängste über ein natürliches Maß hinausgehen. Sie können die Ängste aber nicht kontrollieren und es fällt ihnen schwer, diesen Zustand von allein wieder zu überwinden. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten können dabei helfen.
Video Was ist eine generalisierte Angststörung?
In diesem Video erfahren Sie mehr über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer generalisierten Angstörung.
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Woran erkennt man eine generalisierte Angststörung?
Eine generalisierte Angststörung kann sich sowohl seelisch als auch körperlich äußern. Zu den psychischen Symptomen zählen anhaltende, wirklichkeitsferne und übertriebene Befürchtungen. Menschen, die derart ängstlich sind, haben nicht nur vor bestimmten Bedrohungen oder Situationen Angst.
Die Angst betrifft ganz unterschiedliche Lebensbereiche. Da sich die Angst auf alles Mögliche beziehen kann oder sich gar nicht mehr mit konkreten Anlässen in Verbindung bringen lässt, sprechen Fachleute von „generalisierter Angst“.
Wer eine generalisierte Angststörung hat, sorgt sich zum Beispiel in einem Moment, dass das eigene Kind auf dem Schulweg überfahren werden könnte. Im nächsten Augenblick macht der Gedanke Angst, der Partner könnte auf dem Weg zur Arbeit verunglücken. Und dann folgt die Sorge, man selbst könne bald einen Herzinfarkt bekommen.
Menschen mit solch einer Angststörung können sich wegen praktisch allem Sorgen machen. Die andauernden Befürchtungen schränken das tägliche Leben deutlich ein oder machen einen normalen Alltag unmöglich. Sie können auch die Stimmung verdüstern und bis zu einer Depression führen.
Mögliche weitere Symptome sind dann unter anderem:
- Benommenheit
- Nervosität
- Schwindel
- Zittern
- Schwitzen
- Muskelverspannungen
- Herzklopfen
- Magenbeschwerden
Wer ständig Angst hat, kann sich erschöpft fühlen und Konzentrations- und Schlafstörungen entwickeln. Besonders wenn zugleich eine Depression besteht, kann die Suizidgefahr erhöht sein.
Treten Ängste nur in bestimmten Situationen auf, handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine generalisierte Angststörung. Plötzlich einsetzende Ängste oder Panikattacken zählen nicht zu den Merkmalen einer generalisierten Angststörung, sie können aber manchmal hinzukommen.
Wichtig zu wissen: Die Nebenniere schüttet bei Angst das Hormon Adrenalin aus. Dadurch werden viele Körperfunktionen beschleunigt. Normalerweise erhöht das kurzfristig die Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft. Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung kann dieser körperliche Alarmzustand anhalten.
Was sind die Ursachen für eine generalisierte Angststörung?
Wie eine generalisierte Angststörung entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen sowohl biologische als auch psychische Faktoren eine Rolle.
Manche Menschen mit einer Angststörung haben in ihrer Kindheit oder im späteren Leben ein schweres Ereignis (Trauma) durchlebt oder Verluste erlitten. Zudem gelten sehr belastende Erfahrungen wie starker familiärer Stress oder anhaltende extreme Arbeitsbelastungen als Risikofaktoren.
Auch Lebenskrisen können Ängste verursachen, die sich zu einer generalisierten Angststörung entwickeln. Möglicherweise gibt es in einigen Familien eine verstärkte Neigung zu Ängsten, die das Risiko für eine Erkrankung erhöhen könnte.
Manchmal ist eine generalisierte Angststörung die Folge einer anderen Erkrankung – beispielsweise einer Depression oder Panikstörung. Generalisierte Angststörungen können mit Suchterkrankungen zusammenhängen. Sie können aber auch ohne erkennbare Ursachen auftreten.
Wie häufig kommt es zu einer generalisierten Angststörung?
Die generalisierte Angststörung ist eine verbreitete Angsterkrankung. Nach Schätzungen erhalten etwa 5 Prozent aller Menschen im Laufe des Lebens diese Diagnose. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Meist beginnt eine Angststörung im mittleren Erwachsenenalter – manchmal aber auch schon im Kindes- oder erst im Seniorenalter.
Eine generalisierte Angststörung entsteht meist langsam und fällt zunächst oft nicht auf. Erst allmählich schränken die Beschwerden den Alltag immer stärker ein.
Eine ausgeprägte Angststörung kann sehr hartnäckig sein. Es dauert oft viele Monate oder Jahre, bis sie überwunden ist. Häufig erleben die betreffenden Menschen bessere und schlechtere Phasen.
Langfristig ist der Anteil der Menschen hoch, die ihre Ängste überwinden. Einer Studie zufolge hatte rund ein Viertel der untersuchten Menschen die Angststörung nach zwei Jahren überwunden.
Wie wird eine generalisierte Angststörung festgestellt?
Die Symptome einer generalisierten Angststörung können denen anderer psychischer Erkrankungen wie Phobien, Panikstörungen oder Zwangsstörungen ähneln. Viele Menschen mit einer Angststörung zeigen auch Anzeichen einer Depression.
Eine generalisierte Angststörung ist daher schwer zu diagnostizieren und lässt sich nur in einem ausführlichen Gespräch mit geschultem Fachpersonal feststellen. Dazu zählen Psychologinnen und Psychologen sowie Psychiaterinnen und Psychiater.
Um eine geeignete Behandlung auswählen zu können, ist es wichtig zu klären, welche Beschwerden und Probleme im Vordergrund stehen.
Die Diagnose „generalisierte Angststörung“ wird gestellt, wenn die übermäßigen Ängste
- mindestens 6 Monate andauern und an den meisten Tagen bestehen
- unkontrollierbar werden
- so belastend sind, dass sie den Alltag beeinträchtigen
- mit mindestens drei körperlichen Symptomen verbunden sind, etwa beschleunigtem Puls, Zittern, Muskelverspannungen oder Magenbeschwerden
Wichtig zu wissen: Die hier genannten körperlichen Symptome können auch von anderen Erkrankungen hervorgerufen werden, unter anderem von einer Schilddrüsenüberfunktion. Ausgelöst werden derartige Symptome zudem von bestimmten Medikamenten oder Drogen wie Amphetaminen (Speed). Ärztinnen und Ärzte fragen deshalb auch nach anderen Möglichkeiten, um die Beschwerden erklären zu können.
Eine generalisierte Angststörung eindeutig festzustellen kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Oft passiert es, dass Menschen mit einer Angststörung zunächst wegen körperlicher Beschwerden ärztlichen Rat suchen. In der Folge wird manchmal nur ein Symptom der generalisierten Angststörung behandelt, beispielsweise Schlafstörungen.
Wie wird eine generalisierte Angststörung behandelt?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Angststörung im Lauf der Zeit besser in den Griff zu bekommen: Man kann lernen, mit dem Stress und der Angst besser umzugehen. Symptome lassen sich auch durch Medikamente lindern. Man sollte allerdings nicht erwarten, dass sich eine generalisierte Angststörung schnell und einfach überwinden lässt.
Zur Behandlung kommen vier verschiedene Verfahren infrage:
- Psychologische und psychotherapeutische Behandlungen, zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie: Dabei kann man lernen, seine Gedanken und Ängste zu steuern oder zu verändern.
- Entspannungstechniken: Dazu zählen unter anderem das autogene Training und die progressive Muskelentspannung oder Atemübungen. Diese Techniken können zur besseren Entspannung und Stressbewältigung beitragen. Häufig werden sie auch im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen angeboten.
- Medikamente: Hier kommen insbesondere bestimmte Antidepressiva infrage. Manche Menschen nutzen auch pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian oder Kamille.
- Maßnahmen zur Selbsthilfe: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen über persönliche Erfahrungen auszutauschen. Manchen hilft es auch, sich gut über die Erkrankung zu informieren – sei es mit Büchern, Broschüren oder im Internet.
Vertiefende Informationen, zum Beispiel zu Behandlungsmöglichkeiten einer generalisierten Angststörung, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.
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In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
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