Generalisierte Angststörung

Angst hat bei Gefahr eine wichtige Schutzfunktion: Sie versetzt den Menschen in Alarmbereitschaft, damit er schnell reagieren kann. Wenn Ängste jedoch alles überschatten, kann eine generalisierte Angststörung der Grund sein. In diesem Beitrag lesen Sie, wie man sie erkennt und behandelt.

Auf einen Blick

  • Jeder Mensch ist manchmal ängstlich oder hat stärkere Angst.
  • Wenn Gefahr droht, etwa im Straßenverkehr, hat Angst eine wichtige Schutzfunktion: Sie versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, damit er schnell reagieren kann.
  • Manche Menschen kommen irgendwann im Leben an einen Punkt, an dem sie sich ständig und über alles Mögliche Sorgen machen.
  • Eine generalisierte Angststörung kann sich sowohl seelisch als auch körperlich äußern.
  • Es ist schwer, aus diesem Zustand herauszukommen. Verschiedene Behandlungen können aber dabei helfen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine Frau sitzt mit geschlossenen Augen an einer U-Bahn-Haltestelle.

Was ist eine generalisierte Angststörung?

Jeder Mensch fürchtet sich manchmal oder hat echte Angst. Bei Gefahr hat dieses Gefühl eine wichtige Schutzfunktion: Es versetzt den Menschen in Alarmbereitschaft, damit er schnell reagieren kann – etwa bei kritischen Situationen im Straßenverkehr. Sorgen und Ängste können auch schützen, wenn es um die Arbeit oder die Familie geht. Sie lässt Menschen zum Beispiel vorsichtiger handeln und hilft, schwierige Situationen zu vermeiden.

Wenn Sorgen und Ängste überhandnehmen, können sie zu einer Belastung werden. Es gibt Menschen, die irgendwann im Leben einen Punkt erreichen, an dem die Ängste ihr ganzes Leben bestimmen. Sie machen sich ständig Sorgen, ängstigen sich vor allem Möglichen und die Angst will gar nicht mehr verschwinden. Dann könnte eine generalisierte Angststörung vorliegen – abgekürzt auch GAS genannt.

Menschen mit einer Angststörung wissen in der Regel, dass ihre Ängste über ein natürliches Maß hinausgehen. Sie können die Ängste aber nicht kontrollieren und es fällt ihnen schwer, diesen Zustand von allein wieder zu überwinden. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

Woran erkennt man eine generalisierte Angststörung?

Eine generalisierte Angststörung kann sich sowohl seelisch als auch körperlich äußern. Zu den psychischen Symptomen zählen anhaltende, wirklichkeitsferne und übertriebene Befürchtungen. Menschen, die derart ängstlich sind, haben nicht nur vor bestimmten Bedrohungen oder Situationen Angst.

Die Angst betrifft ganz unterschiedliche Lebensbereiche. Da sich die Angst auf alles Mögliche beziehen kann oder sich gar nicht mehr mit konkreten Anlässen in Verbindung bringen lässt, sprechen Fachleute von „generalisierter Angst“.

Wer eine generalisierte Angststörung hat, sorgt sich zum Beispiel in einem Moment, dass das eigene Kind auf dem Schulweg überfahren werden könnte. Im nächsten Augenblick macht der Gedanke Angst, der Partner könnte auf dem Weg zur Arbeit verunglücken. Und dann folgt die Sorge, man selbst könne bald einen Herzinfarkt bekommen.

Menschen mit solch einer Angststörung können sich wegen praktisch allem Sorgen machen. Die andauernden Befürchtungen schränken das tägliche Leben deutlich ein oder machen einen normalen Alltag unmöglich. Sie können auch die Stimmung verdüstern und bis zu einer Depression führen.

Mögliche weitere Symptome sind dann unter anderem:

  • Benommenheit
  • Nervosität
  • Schwindel
  • Zittern
  • Schwitzen
  • Muskelverspannungen
  • Herzklopfen
  • Magenbeschwerden

Wer ständig Angst hat, kann sich erschöpft fühlen und Konzentrations- und Schlafstörungen entwickeln. Besonders wenn zugleich eine Depression besteht, kann die Suizidgefahr erhöht sein.

Treten Ängste nur in bestimmten Situationen auf, handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine generalisierte Angststörung. Plötzlich einsetzende Ängste oder Panikattacken zählen nicht zu den Merkmalen einer generalisierten Angststörung, sie können aber manchmal hinzukommen.

Wichtig zu wissen: Die Nebenniere schüttet bei Angst das Hormon Adrenalin aus. Dadurch werden viele Körperfunktionen beschleunigt. Normalerweise erhöht das kurzfristig die Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft. Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung kann dieser körperliche Alarmzustand anhalten.

Eine Frau sitzt an einem Tisch in einem Garten, stütz ihren Kopf auf ihrer Hand ab und blickt auf den Tisch. Die Frau scheint besorgt zu sein.

Was sind die Ursachen für eine generalisierte Angststörung?

Wie eine generalisierte Angststörung entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen sowohl biologische als auch psychische Faktoren eine Rolle.

Manche Menschen mit einer Angststörung haben in ihrer Kindheit oder im späteren Leben ein schweres Ereignis (Trauma) durchlebt oder Verluste erlitten. Zudem gelten sehr belastende Erfahrungen wie starker familiärer Stress oder anhaltende extreme Arbeitsbelastungen als Risikofaktoren.

Auch Lebenskrisen können Ängste verursachen, die sich zu einer generalisierten Angststörung entwickeln. Möglicherweise gibt es in einigen Familien eine verstärkte Neigung zu Ängsten, die eine Erkrankung begünstigen könnte.

Manchmal ist eine generalisierte Angststörung die Folge einer anderen Erkrankung – beispielsweise einer Depression oder Panikstörung. Generalisierte Angststörungen können mit Suchterkrankungen zusammenhängen. Sie können aber auch ohne erkennbare Ursachen auftreten.

Was ist eine generalisierte Angststörung?

In diesem Video erfahren Sie mehr über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer generalisierten Angstörung.

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Wie häufig kommt es zu einer generalisierten Angststörung?

Eine generalisierte Angststörung entsteht normalerweise langsam und fällt zunächst oft nicht auf. Ist sie stark ausgeprägt, dauert die Angststörung häufig viele Monate oder Jahre an. Bis sie überwunden ist, erleben die betreffenden Menschen häufig bessere und schlechtere Phasen. Meist beginnt eine Angststörung im mittleren Erwachsenenalter.

Langfristig schaffen es viele Menschen mit einer generalisierten Angststörung, diese zu überwinden.

Langfristig ist der Anteil der Menschen hoch, die ihre Ängste überwinden. Einer Studie zufolge hatte rund ein Viertel der untersuchten Menschen die Angststörung nach zwei Jahren überwunden.

Wie wird eine generalisierte Angststörung festgestellt?

Da es viele verschiedene Arten von Angststörungen mit unterschiedlichen Symptomen gibt, kann es schwierig sein, eine genaue Diagnose zu stellen. Zu den Angststörungen zählen Phobien, Panikstörungen und Zwangsstörungen. Viele Menschen mit einer Angststörung zeigen auch Anzeichen einer Depression.

Eine generalisierte Angststörung lässt sich daher nur in einem ausführlichen Gespräch mit geschultem Fachpersonal feststellen. Dazu zählen Psychologinnen und Psychologen sowie Psychiaterinnen und Psychiater.

Um eine geeignete Behandlung auswählen zu können, ist es wichtig zu klären, welche Beschwerden und Probleme im Vordergrund stehen.

Die Diagnose „generalisierte Angststörung“ wird gestellt, wenn die übermäßigen Ängste

  • an den meisten Tagen bestehen
  • mindestens 6 Monate andauern
  • unkontrollierbar werden
  • so belastend sind, dass sie den Alltag beeinträchtigen

Außerdem müssen mindestens drei körperliche Symptome der Angst auftreten – zum Beispiel beschleunigter Puls, Zittern, Muskelverspannungen oder Magenbeschwerden.

Wichtig zu wissen: Die hier genannten körperlichen Symptome können auch von anderen Erkrankungen hervorgerufen werden, unter anderem von einer Schilddrüsenüberfunktion. Ausgelöst werden derartige Symptome zudem von bestimmten Medikamenten oder Drogen wie Amphetaminen (Speed). Ärztinnen und Ärzte fragen deshalb auch nach anderen Möglichkeiten, um die Beschwerden erklären zu können.

Eine generalisierte Angststörung eindeutig festzustellen kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Oft passiert es, dass Menschen mit einer Angststörung zunächst wegen körperlicher Beschwerden ärztlichen Rat suchen. In der Folge wird manchmal nur ein Symptom der generalisierten Angststörung behandelt, beispielsweise Schlafstörungen.

Wie wird eine generalisierte Angststörung behandelt?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Angststörung im Lauf der Zeit besser in den Griff zu bekommen: Man kann lernen, mit dem Stress und der Angst besser umzugehen. Symptome lassen sich auch durch Medikamente lindern. Man sollte allerdings nicht erwarten, dass sich eine generalisierte Angststörung schnell und einfach überwinden lässt.

Zur Behandlung kommen vier verschiedene Verfahren infrage:

  • Psychologische und psychotherapeutische Behandlungen. Zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie: dabei lernt man, seine Gedanken und Ängste zu steuern oder zu verändern.
  • Entspannungstechniken: Dazu zählen unter anderem das autogene Training und die progressive Muskelentspannung. Diese Techniken können zur besseren Entspannung und Stressbewältigung beitragen. Häufig werden sie auch im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen angeboten.
  • Medikamente: Hier kommen insbesondere bestimmte Antidepressiva infrage. Manche Menschen nutzen auch pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian.
  • Maßnahmen zur Selbsthilfe: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen über persönliche Erfahrungen auszutauschen. Manchen hilft es auch, sich gut über die Erkrankung zu informieren – sei es mit Büchern, Broschüren oder im Internet.

Wichtig zu wissen: Vielen Menschen mit einer Angststörung gelingt es mit der Zeit, selbst sehr starke Ängste zu überwinden. Dies ist jedoch nicht einfach. Auch wenn keine schnelle und einfache „Heilung“ zu erwarten ist: Eine gute Behandlung verbessert die Symptome spürbar schon nach einigen Wochen. Eine Therapie kann dabei unterstützen, die Grundmuster der Ängste und Sorgen zu erkennen.

Vertiefende Informationen, zum Beispiel zu Behandlungsmöglichkeiten einer generalisierten Angststörung, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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