Überfunktion der Nebenschilddrüsen

Bei der Überfunktion der Nebenschilddrüsen handelt es sich um eine Hormonstörung, durch die der Kalziumspiegel im Blut steigt. Die Folge können Knochenabbau, Nierensteine, Magen-Darm-Beschwerden sowie psychische und geistige Beeinträchtigungen sein. Ein operativer Eingriff schafft häufig Abhilfe.

Auf einen Blick

  • Als Nebenschilddrüsen werden mehrere kleine hormonproduzierende Drüsen hinter der Schilddrüse bezeichnet.
  • Ihre Überfunktion ist eine der häufigsten hormonellen Störungen.
  • Ein Überschuss des Nebenschilddrüsenhormons führt zu einem gesteigerten Kalziumspiegel im Blut.
  • Langfristig kann das zu vielfältigen Beschwerden und Folgeerkrankungen führen.
  • Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen wird oft durch einen gutartigen Tumor in einer der Drüsen ausgelöst, mitunter auch durch andere Erkrankungen wie eine Nierenschwäche.
  • Abhängig von der Ursache lässt sich die Hormonstörung häufig mit einer Operation behandeln.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Frau wird am Hals mit Ultraschall untersucht

Was ist eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen?

Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen – medizinisch Hyperparathyreoidismus genannt – ist eine der häufigsten hormonellen Störungen. Als Nebenschilddrüsen werden mehrere sehr kleine hormonproduzierende Drüsen bezeichnet, die im Halsbereich hinter der Schilddrüse liegen und eine eigenständige Funktion haben.

Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen ist eine der häufigsten hormonellen Störungen.

Die Nebenschilddrüsen regulieren den Kalziumhaushalt im Körper. Dazu bilden sie das Nebenschilddrüsenhormon (Parathormon). Bei einer Überfunktion ist zu viel davon vorhanden. Dadurch wird vermehrt Kalzium aus dem Knochen freigesetzt, das nicht vollständig über die Nieren ausgeschieden wird. Der Kalziumspiegel im Blut steigt. Gleichzeitig wird mehr Phosphat über den Urin ausgeschieden, wodurch der Phosphatspiegel im Blut sinkt.

Ungefähr die Hälfte der Menschen mit überaktiven Nebenschilddrüsen spüren davon nichts. Bei anderen macht sich die Erkrankung durch vielfältige und teils starke Symptome bemerkbar, beispielsweise Knochenschmerzen, Nierensteine, Abgeschlagenheit, Ängste oder depressive Verstimmungen.

Oft steckt hinter der übermäßigen Aktivität der Nebenschilddrüsen ein gutartiger Tumor in einer der Drüsen. Diese Erkrankungsform ist bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern und nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Es können auch andere Erkrankungen zu einer Überfunktion führen, beispielsweise eine chronische Nierenschwäche.

In vielen Fällen werden überaktive Nebenschilddrüsen operativ entfernt. Dadurch lässt sich die Erkrankung häufig heilen.

Wie äußert sich eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen?

Eine leichte Überfunktion der Nebenschilddrüsen verursacht oft keine Symptome und wird nur zufällig im Rahmen von Routine-Blutuntersuchungen entdeckt.

Bei schwereren Krankheitsverläufen können durch den gestörten Kalziumhaushalt Beschwerden auftreten wie:

  • Müdigkeit und Muskelschwäche
  • Verstopfung, Appetitlosigkeit oder Übelkeit
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Gallensteine
  • vermehrtes Wasserlassen und gesteigerter Durst
  • Beschwerden durch Nierensteine, beispielsweise stechende Schmerzen in einer Flanke
  • Knochen- und Gelenkschmerzen, manchmal auch Knochenbrüche an den Wirbeln oder am Fuß, die ohne größere Verletzungen oder Unfälle auftreten
  • Juckreiz
  • Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und verminderte Merkfähigkeit
  • Stimmungsschwankungen bis hin zu Angstgefühlen und depressiven Verstimmungen
  • Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen

Wodurch wird eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen ausgelöst?

Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen kann verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet zwischen primärem, sekundärem und tertiärem Hyperparathyreoidismus.

Primärer Hyperparathyreoidismus

Diese Form kommt am häufigsten vor. Bei ihr liegt die Ursache für die Erkrankung in den Nebenschilddrüsen selbst. Meistens findet sich in einer der Nebenschilddrüsen ein gutartiger Tumor. Nur gelegentlich sind zwei oder mehr Drüsen betroffen. In der Regel handelt es sich bei den Tumoren um Adenome. Sie bilden übermäßig Nebenschilddrüsenhormone (Parathormon) und führen dadurch zu Beschwerden. 

Sekundärer und tertiärer Hyperparathyreoidismus

Hierbei wird die Überfunktion der Nebenschilddrüsen durch andere Erkrankungen verursacht. Eine verminderte Aufnahme von Kalzium durch eine chronische Darmerkrankung oder ein erhöhter Verlust durch eine chronische Nierenschwäche führt dazu, dass der Kalziumspiegel im Blut zu niedrig ist. Die Nebenschilddrüsen versuchen dies auszugleichen und bilden vermehrt Parathormon, das zusätzliches Kalzium aus den Knochen freisetzt.

Vor allem eine chronische Nierenschwäche geht mit Störungen des Mineralhaushalts einher und zieht dadurch häufig eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen nach sich. Auf lange Sicht fangen die Drüsen an zu wachsen und die hormonelle Überaktivität verselbstständigt sich. Dann sprechen Fachleute von einem tertiären Hyperparathyreoidismus.

Wie wird eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen diagnostiziert?

Gerade zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome oft nicht eindeutig oder nur leicht ausgeprägt. Daher fragt die Ärztin oder der Arzt gezielt nach der Vorgeschichte und den Beschwerden. Wird eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen vermutet, erfolgen verschiedene diagnostische Tests. Die genaue Abklärung übernehmen teilweise Hormonspezialisten.

Untersuchung von Blut und Urin

Typisch für eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen ist ein hoher Parathormonspiegel im Blut. Häufig, aber nicht immer, finden sich auch ein erhöhter Kalziumwert und ein erniedrigter Phosphatspiegel. 

Typisch für eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen ist ein hoher Parathormonspiegel im Blut.

Außerdem werden der Vitamin-D-Spiegel sowie die Nierenfunktion bestimmt und die Kalziumausscheidung im Urin gemessen.

Messung der Knochendichte

Mit einer speziellen Röntgenuntersuchung lässt sich feststellen, ob die Überfunktion der Nebenschilddrüsen bereits einen Knochenabbau verursacht hat. Typischerweise werden Wirbelsäule, Hüfte und Unterarmknochen untersucht.

Bildgebung vor einer Operation

Ist eine Operation geplant, werden die Nebenschilddrüsen und die Schilddrüse per Ultraschall untersucht. Außerdem führen Ärztinnen und Ärzte oft eine Szintigraphie durch. Mit diesem bildgebenden Verfahren lässt sich präzise erkennen, ob ein Tumor der Nebenschilddrüsen vorliegt und welche Drüse betroffen ist.

Darüber hinaus werden zunehmend auch hochauflösende Computertomographien (CT) des Halsbereichs für die Operationsplanung genutzt.

Wie behandelt man eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen?

Die Behandlung einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) richtet sich danach, wie stark sie ausgeprägt ist und ob es sich um eine primäre oder sekundäre Überfunktion handelt.

Behandlung des primären Hyperparathyreoidismus

Meist liegt bei dieser Form ein gutartiger Tumor in einer einzelnen Nebenschilddrüse vor. Diese wird bei einer Operation herausgenommen, in der Regel in Vollnarkose. Mitunter reicht ein minimalinvasiver Eingriff mit kleinen Einschnitten am Hals aus. Schon während des Eingriffs sinkt der überhöhte Hormonspiegel im Blut, wodurch sich der Operationserfolg überprüfen lässt.

Gelegentlich müssen auch mehrere oder alle Nebenschilddrüsen entfernt werden. Manchmal wird dabei ein Stück gesundes Drüsengewebe in die Halsmuskulatur oder den Unterarm transplantiert, um eine Restfunktion der Nebenschilddrüsen zu erhalten. Durch die Operation lässt sich die Hormonstörung häufig heilen und Folgeschäden lassen sich vermeiden. 

Wenn die Überfunktion jedoch sehr mild ist und keine Beschwerden verursacht, wird mitunter auf den Eingriff verzichtet und der Verlauf durch regelmäßige Tests kontrolliert.

Behandlung des sekundären Hyperparathyreoidismus

Hier kommt es in erster Linie darauf an, die Grunderkrankung – zum Beispiel eine chronische Nierenerkrankung – ausreichend zu behandeln. Darüber hinaus ist es prinzipiell wichtig, den Mineralhaushalt im Körper sowie den Parathormon- und Vitamin-D-Spiegel möglichst gut einzustellen. 

Wenn sich die Drüsen vergrößert haben, kommt eine Operation infrage, bei der man die überaktiven Nebenschilddrüsen ganz oder teilweise entfernt. Bisher fehlen jedoch Langzeitstudien zum Operationserfolg. Daher muss die Entscheidung für einen Eingriff individuell abgewogen werden.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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