West-Nil-Fieber

Das West-Nil-Fieber galt lange Zeit als Tropenkrankheit. Mittlerweile tritt die von Mücken übertragende Infektionskrankheit vereinzelt auch in Deutschland auf. Lesen Sie hier, wie West-Nil-Viren übertragen werden und wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann.

Auf einen Blick

  • Das West-Nil-Fieber wird von dem aus den Tropen stammenden West-Nil-Virus ausgelöst.
  • Seit 2019 wurden Infektionen mit dem West-Nil-Virus auch in Deutschland nachgewiesen.
  • Eine Ansteckung erfolgt meist über Mücken, die das West-Nil-Virus von wildlebenden Vögeln auf den Menschen und andere Tiere übertragen.
  • Bei 4 von 5 infizierten Personen treten keinerlei Symptome auf. Bei den anderen bricht eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung aus.
  • Schwere Verläufe sind selten. Sie können aber Schäden an den Nervenzellen verursachen und zum Tod führen.
  • Mit einem guten Mückenschutz lässt sich einer Ansteckung vorbeugen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Person sprüht sich mit Mückenschutzspray ein.

Was ist das West-Nil-Fieber?

Das West-Nil-Fieber ist eine fieberhafte Infektionskrankheit. Auslöser ist das West-Nil-Virus (WNV), das von Stechmücken übertragen wird.

Das West-Nil-Fieber ist eine Infektionskrankheit, die von Stechmücken übertragen wird.

Neben vielen milden oder symptomlosen Verläufen kommen selten auch sehr schwere Verläufe mit einer Schädigung der Nervenzellen vor.

Das West-Nil-Virus war ursprünglich nur in tropischen Regionen der Welt verbreitet. Daher zählt das West-Nil-Fieber zu den „exotischen Infektionskrankheiten“. Seit den 1990er-Jahren wurde das Virus vermehrt in anderen Teilen der Welt nachgewiesen. 2019 traten erstmals auch Ansteckungen mit dem Virus innerhalb Deutschlands auf.

Welche Symptome treten beim West-Nil-Fieber auf?

Oft bleiben Infektionen mit dem West-Nil-Virus ohne Symptome. Bei circa einer von fünf infizierten Personen kommt es zu einem Ausbruch des West-Nil-Fiebers: einer fieberhaften, grippeähnlichen Erkrankung, die in der Regel drei bis sieben Tage anhält.

Neben Fieber können Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Abgeschlagenheit auftreten. Weitere mögliche Beschwerden sind Augenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Bei rund der Hälfte der erkrankten Menschen kommt es außerdem zu einem fleckig-knotigen Hautausschlag (Exanthem), der sich vom Oberkörper zum Kopf und zu den Armen und Beinen ausbreitet und jucken kann.

Die schwere Form des West-Nil-Fiebers, bei der die Nervenzellen angegriffen werden, tritt bei ungefähr einer von 100 infizierten Personen auf.

Diese Erkrankung ähnelt einer Gehirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis). Dann zeigen sich neurologische Symptome wie:

  • Muskelschwäche
  • Verwirrtheit
  • Lähmungen
  • Bewegungsstörungen
  • Entzündungen des Sehnervs
  • epileptische Anfälle

Wie bekommt man das West-Nil-Fieber?

Der Auslöser des West-Nil-Fiebers ist eine Infektion mit dem West-Nil-Virus, das von Stechmücken übertragen wird.

Hauptsächlich übertragen die Mücken das Virus zwischen wildlebenden Vögeln. Aber auch eine Übertragung von Vögeln auf den Menschen oder andere Tiere, beispielsweise Pferde und Hunde, ist möglich.

Menschen und andere Säugetiere können sich zwar infizieren, das Virus aber nicht weiterverbreiten. Der Grund dafür ist, dass sich das West-Nil-Virus in ihrem Blut nicht in ausreichender Menge vermehrt, um von Mücken aufgenommen zu werden. Außerdem wird das Virus nicht in der Atemluft ausgeschieden und daher nicht durch Tröpfcheninfektion weitergegeben.

Bedingt durch die Mückensaison treten West-Nil-Virus-Infektionen in Deutschland überwiegend im Spätsommer und Frühherbst auf. In wärmeren Regionen der Erde sind Infektionen über längere Zeiträume hinweg möglich. In Südeuropa zum Beispiel kommt es bis in den November zu Übertragungen durch Stechmücken.

Selten kann es auch zu einer Übertragung des West-Nil-Virus über Blut- und Organspenden, Muttermilch oder während der Schwangerschaft kommen.

Wichtig zu wissen: Eine Ansteckung mit dem West-Nil-Virus findet – anders als bei vielen anderen Infektionskrankheiten – nicht durch engen Kontakt zu infizierten Personen oder Tieren statt. Durch Händeschütteln, Umarmen oder Kuscheln mit dem Haustier besteht kein Ansteckungsrisiko.

Wer hat ein erhöhtes Risiko, schwer am West-Nil-Fieber zu erkranken?

Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf des West-Nil-Fiebers haben vor allem Menschen über 50 Jahre.

Weitere Risikofaktoren sind:

Wie häufig kommt das West-Nil-Fieber vor?

Das ursprünglich aus den Tropen stammende West-Nil-Virus hat sich inzwischen in Europa angesiedelt. Zu häufigen Übertragungen des Virus durch Stechmücken kommt es unter anderem in Südfrankreich, Norditalien und Griechenland.

2020 wurden in der Europäischen Union insgesamt 336 West-Nil-Virus-Infektionen und 38 damit verbundene Todesfälle dokumentiert.

2019 wurden erstmals Ansteckungen mit dem West-Nil-Virus in Deutschland registriert. Auch in den darauffolgenden Jahren wurden vereinzelt Fälle gemeldet. Expertinnen und Experten rechnen damit, dass sich das Virus weiter in Deutschland ausbreitet, da die klimatischen Bedingungen für sein Überleben günstiger werden.

Die gemeldeten Zahlen für Europa und Deutschland sind bislang niedrig. Fachleute schätzen allerdings, dass nur knapp 2 Prozent aller West-Nil-Virus-Infektionen erkannt und gemeldet werden. Das liegt daran, dass viele infizierte Personen gar keine oder nur schwache Symptome haben und keine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen.

Zudem vermuten Ärztinnen und Ärzte hierzulande bei Menschen mit einer fieberhaften, grippeähnlichen Erkrankung meist nicht das West-Nil-Fieber und testen entsprechend selten darauf.

Wie verläuft das West-Nil-Fieber?

Bei 99 Prozent der infizierten Personen verläuft das West-Nil-Fieber symptomlos oder mild und ohne Beteiligung der Nerven. Die Erkrankung heilt dann in der Regel ohne Komplikationen und Spätfolgen aus.

Von den Menschen, bei denen es zu einem schweren Verlauf des West-Nil-Fiebers mit Gehirnentzündung kommt, sterben 5 bis 10 Prozent.

Bei denjenigen, die die Gehirnentzündung überstehen, kommt es bei jeder oder jedem zweiten zu Spätfolgen. Zu den möglichen Beschwerden zählen Erschöpfung, Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Gleichgewichts- und Gedächtnisprobleme.

Wie kann man einer Infektion mit dem West-Nil-Virus vorbeugen?

Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen das West-Nil-Virus. Die wirksamste Vorbeugung gegen eine Infektion ist daher ein guter Schutz vor Mückenstichen – insbesondere in Gebieten, wo das Virus verbreitet ist und zu Zeiten, in denen Mücken besonders aktiv sind.

Um einer Infektion mit dem West-Nil-Virus vorzubeugen, ist ein guter Mückenschutz wichtig.

Um sich vor Mückenstichen zu schützen, kann man:

  • draußen langärmelige Oberteile und lange Hosen tragen
  • sich vor dem Aufenthalt im Freien mit Anti-Mücken-Spray mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin/Picaridin einsprühen
  • sich abends eher drinnen aufhalten und Fenster ohne Insektenschutzgitter geschlossen halten
  • Fenster und Türen mit Insektenschutzgittern versehen

Wichtig zu wissen: Stehende Gewässer wie Vogeltränken und Regenfässer nutzen Mücken als Brutstätten. Um einer Vermehrung der Mücken entgegenzuwirken, kann man solche Brutstätten entweder ganz vermeiden oder mindestens einmal pro Woche restlos entleeren.

Wie wird das West-Nil-Fieber festgestellt?

Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit dem West-Nil-Virus, schicken Ärztinnen und Ärzte eine Blut- oder Liquorprobe zur Untersuchung in ein Labor. Mit Liquor bezeichnet man in der Medizin die Flüssigkeit, die das Rückenmark im Rückenmarkskanal der Wirbelsäule umgibt.

Im Labor stehen unterschiedliche Analysemethoden zur Verfügung, um das Erbmaterial des Virus oder Antikörper gegen das Virus nachzuweisen. Das Virus selbst lässt sich nur in den ersten Tagen nach der Infektion nachweisen, während Antikörper dann noch nicht nachweisbar sind – dafür aber im Anschluss über eine längere Zeit.

Wie lässt sich das West-Nil-Fieber behandeln?

Es gibt bisher keine wirksamen Medikamente zur Behandlung des West-Nil-Fiebers. Daher zielt die Therapie darauf ab, die Beschwerden zu lindern, zum Beispiel durch die Gabe von schmerz- und fiebersenkenden Mitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol.

Bei einem Großteil der Menschen mit West-Nil-Fieber reichen diese Maßnahmen aus und sie genesen in der Regel vollständig von der Erkrankung.

Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten neurologischen Symptomen müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Bei besonders schweren Verläufen mit Schädigungen des Gehirns kann auch eine mechanische Beatmung nötig sein.

Benötigt man eine Reha, wenn man am West-Nil-Fieber erkrankt ist?

Etwa eine von 100 infizierten Personen erkrankt schwer am West-Nil-Fieber und muss auf der Intensivstation behandelt werden.

Bei diesen Menschen greift das Virus die Nervenzellen an und schädigt sie. Viele von ihnen haben nach überstandener Infektion neurologische Schwierigkeiten und Ausfälle, zum Beispiel Probleme beim Gehen oder Konzentrationsstörungen. Um diese Dinge wieder zu erlernen oder zu lernen, den Alltag auch mit Einschränkungen zu meistern, können Patientinnen und Patienten mit Spätfolgen eine Rehabilitation machen.

Geprüft durch Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG). Stand:

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