Herzklappenerkrankung

Mit Herzklappenerkrankungen sind Schäden an den Herzklappen gemeint, die im Laufe des Lebens entstehen. Sie treten meist im höheren Alter als Folge von Verschleiß auf. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Auf einen Blick

  • Mit Herzklappenerkrankungen sind für gewöhnlich Schäden an den Herzklappen gemeint, die im Laufe des Lebens entstehen.
  • Herzklappenerkrankungen treten meist erst in einem höheren Lebensalter als Folge von Verschleiß auf.
  • Etwa 13 von 100 Menschen ab 75 Jahren haben Probleme mit der Herzklappe.
  • Eine leichte Herzklappenerkrankung kann lange unbemerkt bleiben – oft kann das Herz sie ausgleichen, indem es stärker schlägt.
  • Erfordert die Herzklappenerkrankung eine Behandlung, kann die Herzklappe durch einen Eingriff wiederhergestellt oder durch eine Prothese ersetzt werden.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Herzklappenerkrankung: Ein Mann mittleren Alters liegt mit dem Rücken auf einer Behandlungsliege. Neben ihm steht ein Arzt. Mit einer Hand hält er ein Messgerät auf das Brustbein des Patienten. Der Arzt untersucht ihn per Ultraschall.

Was sind Herzklappenerkrankungen?

In unserem Herz gibt es vier Herzklappen. Sie funktionieren wie Ventile und sorgen dafür, dass der Herzmuskel das Blut in die richtige Richtung pumpt: Das sauerstoffarme Blut strömt in die Lunge und das sauerstoffreiche Blut fließt aus der Lunge wieder in den Körper.

Wenn von Herzklappenerkrankungen die Rede ist, sind für gewöhnlich Schäden an den Herzklappen gemeint, die im Laufe des Lebens entstanden sind. Man nennt sie auch erworbene Herzklappenfehler. Sie kommen meist erst im höheren Lebensalter vor, bedingt durch Verschleiß. Herzklappenprobleme bei Kindern sind oft angeboren und werden anders therapiert.

Zwei Formen von Herzklappenerkrankungen werden unterschieden:

  • die Verengung oder Klappenstenose – in diesem Fall kann sich die Klappe nicht mehr vollständig öffnen.
  • die Klappenschwäche oder Insuffizienz – hier kann sich dagegen eine Herzklappe nicht mehr komplett schließen.

Wenn beides zusammen vorkommt, spricht man von einem kombinierten Herzklappenfehler.

Welche Symptome zeigen sich bei Herzklappenerkrankungen?

Eine leichte Herzklappenerkrankung kann lange unbemerkt bleiben. Das liegt daran, dass eine Herzklappe, die nur leicht undicht oder nur etwas verengt ist, oft durch das Herz ausgeglichen werden kann. Das Herz schlägt dann kräftiger.

Eine Herzklappenerkrankung führt erst zu Beschwerden, wenn das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpen kann. Wenn eine Klappe stark geschädigt ist, staut sich das Blut im Herzen oder in der Lunge – und damit im gesamten Kreislauf.

Folgende Symptome sind dann möglich:

  • Schwäche und Leistungsknick
  • Schwellungen (Ödeme), besonders an den Unterschenkeln
  • unregelmäßiger, schneller oder langsamer Puls
  • Atemnot und Husten, vor allem nachts
  • Engegefühl und Schmerzen in der Brust
  • Ohnmachtsanfälle

Welche Ursachen haben Herzklappenerkrankungen?

Es gibt mehrere Gründe für Herzklappenerkrankungen, unter anderem Gelenkschmerzen, eine akute bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut, ein Verschleiß mit zunehmendem Alter, eine Herzvergrößerung oder ein angeborener Herzklappenfehler.

Die Hauptursache für Herzklappenerkrankungen in Ländern wie Deutschland ist vor allem der Verschleiß. Mit zunehmendem Alter können die Klappen langsam verkalken und sind weniger beweglich.

Es gibt aber noch weitere, seltenere Gründe für Herzklappenerkrankungen, etwa eine akute bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Oft führt eine Entzündung der Herzinnenhaut auch dazu, dass sich eine leichte Herzklappenerkrankung plötzlich verstärkt. Eine weitere Ursache kann das sogenannte rheumatische Fieber sein. Es tritt oft infolge einer bakteriellen Infektion an einer anderen Stelle im Körper auf und kann dann zu einer Klappenerkrankung führen. Dies kommt in Deutschland aber nur noch selten vor.

Manchmal sind die Herzklappen auch an sich gesund, aber das Herz hat sich so stark vergrößert, dass sich die Klappen nicht mehr richtig schließen können. Für eine Herzvergrößerung kommen verschiedene Ursachen infrage: etwa eine Schwäche, eine Entzündung oder Durchblutungsstörung des Herzmuskels, chronischer Alkoholkonsum oder Stoffwechselerkrankungen.

Die Klappenfunktion kann auch gestört sein, wenn der Herzmuskel im Randbereich einer Herzklappe geschädigt ist – das kann beispielsweise durch einen Herzinfarkt passieren.

Wie häufig kommt es zu Herzklappenerkrankungen?

Bei Menschen ab 75 Jahren haben etwa 13 von 100 Probleme mit einer der Herzklappen.

Herzklappenerkrankungen treten in wohlhabenden Ländern vor allem bei älteren Menschen auf. Meist ist entweder die Aortenklappe verengt oder die Mitralklappe schließt nicht mehr dicht. Dafür muss der Herzmuskel mehr arbeiten: Er wird dadurch dicker und das Herz wird größer. Etwa 13 von 100 Menschen ab 75 Jahren haben Probleme mit einer dieser beiden Herzklappen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Wie verläuft eine Herzklappenerkrankung?

Das Herz kann eine verengte oder undichte Klappe oft jahre- oder jahrzehntelang gut ausgleichen. Dafür muss der Herzmuskel mehr arbeiten und er wird dadurch dicker und das Herz wird größer. Wenn das Herz auf Dauer überlastet wird, bilden sich diese Veränderungen nicht mehr zurück, vielmehr bilden sie sich weiter aus.

Das hat Folgen: Der verdickte Herzmuskel ist weniger elastisch, und die Herzkammern „leiern aus“ – das Herz wird insgesamt schwächer. Zu Beginn kommt es nur bei körperlicher Anstrengung zu Beschwerden, später auch im Ruhezustand. Es kann eine lebensbedrohliche Herzschwäche entstehen.

Beschwerden durch Schäden an den Herzklappen können durch andere Krankheiten des Herzens verstärkt werden. Das ist besonders bei einer koronaren Herzkrankheit und bei Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern der Fall. Auch nach einem Herzinfarkt können Herzklappen, die vorher schon geschädigt waren, plötzlich zu Beschwerden führen. Doch auch eine nicht vorgeschädigte Herzklappe kann durch einen Herzinfarkt akut geschwächt werden.

Folgen

Bei einer fortgeschrittenen Klappenerkrankung kann es passieren, dass das Herz trotz Höchstleistung nicht mehr genügend Blut in den Körper pumpen kann. Dann entsteht ein Teufelskreis: Das Herz selbst wird schlechter durchblutet, wodurch seine Leistung schneller abfällt. Wenn dann die Pumpkraft des Herzens nicht mehr ausreicht, um den Körper mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen, tritt ein Herzversagen ein.

Geschädigte Herzklappen können auch zu Herzrhythmusstörungen führen.

Es kann außerdem in der Lunge zu Veränderungen kommen, weil sich dort Blut staut. Die Folgen sind Bluthochdruck im Lungenkreislauf oder Wasseransammlungen im Lungengewebe (Lungenödem), die bei Betroffenen zu schwerer Atemnot führen.

Wie kann Herzklappenerkrankungen vorgebeugt werden?

Durch eine Entzündung der Herzinnenhaut haben manche Menschen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen an den Herzklappen. Das ist zum Beispiel bei Menschen der Fall, die einen angeborenen Klappenfehler haben oder denen eine neue Herzklappe eingesetzt wurde. Unter Umständen erhalten Betroffene daher kurz vor Eingriffen – beispielsweise an den Zähnen oder am Zahnfleisch – vorbeugend ein Antibiotikum. Dieses tötet Bakterien ab, die aus dem Mund ins Blut gelangen und so eine Entzündung der Herzinnenhaut bewirken könnten.

Eine lebenslange Antibiotika-Behandlung ist nur selten notwendig. Menschen, die aufgrund rheumatischen Fiebers eine schwere Herzklappenstörung bekommen haben, sollen so vor einem erneuten Schub des Fiebers geschützt werden.

Rauchen erhöht nicht nur das allgemeine Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – auch die Herzklappen kann es schädigen. Wer nicht raucht oder mit dem Rauchen aufhört, kann so auch Problemen mit den Herzklappen vorbeugen.

Wie werden Herzklappenerkrankungen diagnostiziert?

Ärztinnen und Ärzte können durch eine gründliche körperliche Untersuchung und das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop feststellen, ob eine Herzklappenerkrankung vorliegt.

Bei Verdacht auf eine Herzklappenerkrankung wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) gemacht. Sie kann den Verdacht bestätigen, und es lässt sich zudem ersehen, wie schwer die Herzklappenerkrankung ist. Eine Echokardiografie des Herzens kann manchmal auch durch die Speiseröhre sinnvoll sein. Ähnlich wie bei einer Magenspiegelung, aber nur bis auf Höhe des Herzens, wird dazu ein Schlauch mit einem Ultraschallkopf in die Speiseröhre eingeführt, um das Herz zu untersuchen.

Um eine geeignete Therapie zu finden, überprüfen Ärztinnen und Ärzte im Anschluss an die Diagnose den sonstigen Gesundheitszustand. Weitere Untersuchungen sind zum Beispiel:

  • EKG und Belastungs-EKG (Ergometrie)
  • Blutdruckmessung
  • Blutuntersuchungen
  • Röntgenuntersuchung, unter Umständen Computer- und Magnetresonanztomografie (CT oder MRT)

Bei Verdacht auf weitere gesundheitliche Probleme, wie etwa eine Verengung der Herzkranzgefäße, kann auch eine Herzkatheteruntersuchung nötig sein.

Wie werden Herzklappenerkrankungen behandelt?

Welche Therapie geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab. Es kommt beispielsweise darauf an, welche Herzklappe wie geschädigt ist und wie ausgeprägt die Schädigung ist. Eine wichtige Rolle spielen auch die Beschwerden, das Lebensalter, der allgemeine Gesundheitszustand und die persönlichen Bedürfnisse.

Wenn eine Herzklappenerkrankung behandelt werden soll, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Eine Herzklappe kann durch eine Prothese ersetzt werden.
  • Eine Herzklappe kann durch einen Eingriff wiederhergestellt werden.

Dazu wird entweder am offenen Herzen operiert oder mithilfe eines Katheters behandelt. Danach kann eine dauerhafte Medikamenteneinnahme nötig sein.

Für gewöhnlich ist eine Herzklappenerkrankung kein Notfall und es bleibt ausreichend Zeit, um gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt die beiden Behandlungsmöglichkeiten gegeneinander abzuwägen.

Vertiefende Informationen, etwa wie Herzklappenerkrankungen behandelt werden, finden Sie unter gesundheitsinformation.de.

Was passiert bei einer Rehabilitation nach einer Herzklappen-OP?

In der Regel folgt auf eine Herzklappen-OP im Krankenhaus eine Rehabilitation. Sie hilft Betroffenen, sich wieder an körperliche Belastungen zu gewöhnen und diese dann Schritt für Schritt zu steigern. Eine Reha erhöht die Leistungsfähigkeit und verbessert die Lebensqualität. Zudem können Medikamente angepasst und das Herz regelmäßig kontrolliert werden.

Da manche Menschen nach dem Eingriff Angst haben, sich zu überlasten und die Symptome wieder zu verstärken, gehören neben Sport oft auch Gespräche und Übungen zum Reha-Programm. Diese sollen dabei helfen, mit der neuen Situation umzugehen und sich selbst besser einschätzen zu lernen.

Wie weit bestimmt eine Herzklappenerkrankung den Alltag?

Wenn eine Herzklappenerkrankung festgestellt, aber noch nicht behandelt wurde, kann das Wissen um die Erkrankung beängstigend sein. Besonders belastend ist es für viele Betroffene, wenn Symptome wie Schwäche und Müdigkeit ihren Alltag einschränken.

Zudem fällt es vielen Menschen schwer, sich für eine bestimmte Behandlung zu entscheiden. Dann kann es hilfreich sein, sowohl mit Angehörigen als auch mit der Ärztin oder dem Arzt Fragen und Unsicherheiten zu besprechen.

Als Hilfestellung für das ärztliche Gespräch lassen sich Fragelisten vorbereiten, die ausgedruckt mitgenommen werden können. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Behandlungen in einer Entscheidungshilfe festzuhalten, kann ebenfalls nützlich sein. Neben den Behandlungen auch die eigene Situation zu erfassen, kann dabei helfen, klarer zu sehen und herauszufinden, was für einen selbst wichtig ist.

Für eine gewisse Zeit ist man nach einer Herzoperation weniger belastbar. Daher ist es sinnvoll, bereits vor der OP mit Angehörigen oder Freunden zu besprechen, wer wann und wie helfen kann. Auch bei der Krankenkasse kann bereits vor einer OP Unterstützung beantragt werden – beispielsweise in Form einer Haushaltshilfe. Diese Art von Unterstützung muss allerdings ärztlich verordnet werden.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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