Krankheiten Reizmagensyndrom (funktionelle Dyspepsie)
ICD-Codes: K30 Was sind ICD-Codes?
Völlegefühl, Magenschmerzen und Übelkeit hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt. Treten diese Beschwerden über Monate hinweg immer wieder auf, sollte man sie ärztlich abklären lassen. Möglicherweise steckt ein Reizmagen dahinter.
Auf einen Blick
- Etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben einen Reizmagen.
- Typische Symptome sind ein verfrühtes Sättigungs- oder Völlegefühl und Schmerzen oder ein brennendes Gefühl im Oberbauch.
- Die Erkrankung ist nicht gefährlich, kann aber sehr belastend sein.
- Die möglichen Ursachen sind vielfältig und nicht abschließend geklärt.
- Es gibt unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten.
- Auch Kinder und Jugendliche können einen Reizmagen entwickeln.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist ein Reizmagen?
Das Reizmagensyndrom („Reizmagen“) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Medizinerinnen und Mediziner sprechen auch von einer „funktionellen Dyspepsie“. Mit „funktionell“ ist gemeint, dass der Magen und der Zwölffingerdarm zwar gesund erscheinen, aber nicht so arbeiten, wie sie sollen.
Die Beschwerden treten im Bereich des Oberbauchs auf und können sehr unterschiedlich sein. Ein verfrühtes Sättigungs- oder Völlegefühl und Magenschmerzen oder -brennen sind typisch.
Wodurch ein Reizmagen entsteht, ist bisher nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich spielen körperliche und psychische Faktoren zusammen. Es gibt zwar keine ursächliche Therapie, aber verschiedene Behandlungsmöglichkeiten – von Medikamenten bis zur Psychotherapie.
Welche Beschwerden deuten auf einen Reizmagen hin?
Die Symptome können sehr unterschiedlich und teils auch unspezifisch sein. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:
- verfrühtes Sättigungsgefühl beim Essen
- Völlegefühl danach
- Magenschmerzen oder -brennen
Einige Menschen mit einem Reizmagen berichten auch von einem Blähgefühl, Krämpfen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, häufigem Aufstoßen oder Sodbrennen.
Manchmal kommt es auch zu Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts wie Schlafstörungen.
Kinder und Jugendliche können ebenfalls funktionelle Verdauungsbeschwerden entwickeln. Sie beschreiben ihre Beschwerden vor allem als Schmerzen im Ober- oder Unterbauch.
Was sind die Ursachen für einen Reizmagen?
Die Ursachen für die Entstehung eines Reizmagens sind nicht vollständig geklärt.
Fachleute vermuten, dass mehrere Faktoren dabei eine Rolle spielen:
- eine chronische Infektion mit dem Bakterium Helicobacter Pylori
- eine eingeschränkte Dehnung und Entspannung des Magens nach dem Essen
- ein verzögerter Weitertransport des Mageninhalts in den Dünndarm
- Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien (Mikrobiom)
- psychische Ursachen, zum Beispiel anhaltender Stress, Angstzustände oder eine Depression
- Erforscht werden auch mögliche Zusammenhänge von Immunprozessen und Entzündungen im Dünndarm.
Bei Kindern und Jugendlichen diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ebenfalls verschiedene Ursachen. Auf Stress durch Ängste, Sorgen, Überforderung oder belastende Erlebnisse reagieren Kinder häufig mit Bauchschmerzen. Die Bauchschmerzen können die Kinder wiederum auch psychisch belasten und in ihren Aktivitäten einschränken.
Wie häufig kommt ein Reizmagen vor?
Das Reizmagensyndrom ist eine sehr weit verbreitete Erkrankung: Etwa 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben anhaltende Magenbeschwerden. Bei mehr als der Hälfte derjenigen, die sich deshalb ärztlich untersuchen lassen, finden sich keine organischen Ursachen. Das heißt, etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben einen Reizmagen.
Kinder und Jugendliche haben ähnlich häufig wie Erwachsene Bauchschmerzen und andere Symptome, die auf einen Reizmagen zurückzuführen sind. Zwischen 10 und 20 Prozent der Kinder klagen über die länger anhaltenden oder wiederkehrenden typischen Beschwerden.
Wie ist der Verlauf bei einem Reizmagen?
Bei einem Reizmagen können sich beschwerdefreie Zeiten und Rückfälle abwechseln. Während der Rückfälle können die Beschwerden mal stärker und mal schwächer ausgeprägt sein.
Ein Reizmagen kann über Monate und Jahre Beschwerden verursachen. Bei jedem zweiten Betroffenen verschwinden die Beschwerden nach mehreren Jahren auch ohne Behandlung. Bei manchen Menschen bleiben sie dauerhaft bestehen.
Wie wird ein Reizmagen diagnostiziert?
Knapp die Hälfte der anhaltenden Magenbeschwerden wird bei Erwachsenen durch andere körperliche Ursachen oder Medikamente ausgelöst oder verstärkt. Von einem Reizmagen wird deshalb erst gesprochen, wenn andere Ursachen für die Beschwerden abgeklärt und ausgeschlossen wurden, etwa:
- Medikamente wie Antirheumatika oder Eisenpräparate
- Lebensmittelunverträglichkeiten wie Gluten- oder Laktoseintoleranzen
- Refluxkrankheit (GERD)
- Entzündungen der Schleimhaut von Magen, Speiseröhre oder Zwölffingerdarm
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse
- Magengeschwür
- Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang oder Reizdarm
- Gallensteine
- Durchblutungsstörungen in den Baucharterien
- eine Krebserkrankung der oberen Verdauungsorgane (selten)
Manchmal werden Gallensteine oder eine Magenschleimhautentzündung festgestellt, die die Beschwerden aber nicht ganz erklären. Dann kann ein Reizmagen zusätzlich bestehen.
Im persönlichen Gespräch fragt die Ärztin oder der Arzt nach der medizinischen Vorgeschichte und den Beschwerden. Daran schließen sich Blut- und Stuhltests, ein Bauch-Ultraschall und manchmal eine Magenspiegelung an. Das ist eine endoskopische Untersuchung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm.
Durch einen speziellen Atemtest wird untersucht, ob sich Helicobacter-Pylori-Bakterien im Magen finden – wenn das nicht bereits vorher im Rahmen einer Magenspiegelung geschehen ist.
Wie behandelt man einen Reizmagen?
Ein Reizmagen ist nicht gefährlich. Die Behandlung hat das Ziel, die oft belastenden Beschwerden zu lindern oder zumindest besser mit ihnen zurechtzukommen.
Viele Fachleute empfehlen Bewegung und Sport, weil das die Verdauung anregt. Manche Menschen mit einem Reizmagen haben den Eindruck, dass bestimmte Lebensmittel ihre Symptome verstärken, und stellen deshalb ihre Ernährung um. Andere machen gute Erfahrungen damit, über den Tag verteilt kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Speisen gut durchzukauen und sich Zeit beim Essen zu lassen, ist generell sinnvoll. Es gibt jedoch kaum gute Studien, die eine Änderung der Ernährungsweise bei Reizmagen untersucht haben. Deshalb gibt es dazu keine verlässlichen Empfehlungen.
Eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Helicobacter-Pylori-Bakterium kann gut mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem können Säurehemmer wie Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptor-Antagonisten bei einem Reizmagen helfen.
Pflanzliche Mittel mit verschiedenen Kräutern (unter anderem Pfefferminze und Kümmelöl) können krampflösend wirken und den Verdauungstrakt anregen.
Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung, etwa autogenes Training oder progressive Muskelentspannung, können beim Umgang mit den Beschwerden unterstützen. Wenn zugleich andere Erkrankungen wie ein Reizdarm oder psychische Probleme wie eine Depression bestehen, ist es wichtig, auch diese anzugehen. Haben Kinder über Wochen Beschwerden, ist ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Weitere Informationen dazu, was bei einem Reizmagen helfen kann, finden Sie auf gesundheitsinformation.de.
Wie geht man im Alltag mit einem Reizmagen um?
Ein Reizmagen kann das allgemeine Wohlbefinden und das tägliche Leben beeinträchtigen. Die Beschwerden führen oft dazu, dass Betroffene Essen und Trinken nicht mehr richtig genießen können.
Eine einfache Maßnahme kann sein, durch das Führen eines Beschwerde-Tagebuchs herauszufinden, ob bestimmte Lebensmittel die Symptome auslösen – und andere vielleicht problemlos genossen werden können. Viele Menschen versuchen, sich selbst zu helfen. Andere ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück oder melden sich häufig krank. Wieder andere stellen ihre Ernährung um und wenden teure Spezialprodukte an, kaufen rezeptfreie Arzneimittel in der Apotheke oder setzen auf naturheilkundliche Verfahren, Akupunktur oder Osteopathie. Alles Mögliche auszuprobieren, kann aber zusätzlich belasten und auch Nebenwirkungen haben.
Wer selbst etwas tun möchte, bespricht deshalb am besten mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Mittel sinnvoll und welche weniger geeignet sind. Sie oder er informiert auch darüber, bei welchen Behandlungen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen.
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In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
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