Digitalisierung im Gesundheitswesen – Ein Überblick

Die Digitalisierung wird auch im Gesundheitswesen immer wichtiger. Für Patientinnen und Patienten bringt sie viele Vorteile. Denn digitale Lösungen eröffnen neue Möglichkeiten: etwa beim Arztbesuch, bei der Behandlung und im Notfall. Und sie helfen, neue Herausforderungen zu meistern.

Auf einen Blick

  • Die Digitalisierung verändert nahezu alle Bereiche des Gesundheitswesens.
  • Ab 2021 vereinfacht die elektronische Patientenakte viele Abläufe und sorgt für mehr Transparenz.
  • Wichtige Dokumente wie der Impfpass und der Mutterpass stehen bald digital zur Verfügung.
  • Gesundheits-Apps können bei der Diagnostik und Therapie unterstützen.
  • Telemedizin ermöglicht medizinische Leistungen aus der Ferne – zum Beispiel die Online-Sprechstunde.
  • Datenanalysen unter Berücksichtigung der Datenschutzbestimmungen können helfen, die Gesundheitsversorgung zu verbessern.
Digitalisierung im Gesundheitswesen: Eine Ärztin und ein Mann sitzen auf einer Couch vor einer großen Fensterfront. Die Ärztin schaut den Mann an und zeigt mit einer Hand auf ein Tablet, das sie in der anderen Hand hält. Der Mann schaut auf das Tablet.

Digitalisierung im Gesundheitswesen – was ist das?

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits in vollem Gange. Besonders wichtige Fortschritte brachten das E-Health-Gesetz von 2016 und das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), das im Dezember 2019 in Kraft trat. Mit dem DVG wurde unter anderem eingeführt, dass Gesundheits-Apps von den Krankenkassen bezahlt und von allen Ärzten verschrieben werden können.

Inzwischen wurden wichtige Teile einer flächendeckenden Telematikinfrastruktur eingeführt. Ziel ist es, alle Beteiligten im Gesundheitswesen miteinander zu vernetzen – von den Ärzten und Psychotherapeuten über die Krankenhäuser und Apotheken bis zu den Krankenkassen. Diese Vernetzung bringt nicht nur Vorteile für die Kommunikation und Verwaltung. Sie hilft auch den Patientinnen und Patienten. Denn die Informationen, die für die Behandlung erforderlich sind, sind so direkter und einfacher verfügbar.

Telemedizinische Lösungen können in Zukunft den ein oder anderen Gang zur Arztpraxis ersparen. Auch Patienten in ländlichen Gebieten können dank Digitalisierung leichter versorgt bleiben.

Das Gesundheitswesen wird digitalisiert durch: gute Vernetzung, elektronische Gesundheitskarte, Notfalldatensatz, elektronischer Medikationsplan, Versorgung in ländlichen Gebieten, Videosprechstunde, elektronische Patientenakte, Telemonitoring, Lernen aus

Alles digital: die elektronische Gesundheitskarte und Patientenakte

Seit Anfang 2015 gibt es die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Bisher werden auf ihr zwar nur die Stammdaten wie der Name und die Adresse des Versicherten gespeichert. In Zukunft sollen auf der Karte aber weitere wichtige Informationen gespeichert werden können, etwa Medikationspläne und Notfalldaten.

Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) ist ein weiterer Schritt der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Ab 2021 erhalten alle gesetzlich Versicherten die ePA auf Wunsch von ihrer Krankenkasse. Damit kann die Ärztin oder der Arzt jederzeit sehen, welche Medikamente eingenommen werden, welche Vorerkrankungen bestehen oder welche Untersuchungen schon erfolgt sind. Anhand dieser Daten ist eine bessere und effizientere Behandlung möglich. Zudem ersparen sie die Belastung von Doppeluntersuchungen. Patientinnen und Patienten können mit der elektronischen Patientenakte ihre Gesundheitsdaten auch selbst einsehen – etwa per Smartphone.

Wichtig zu wissen: Ob die elektronische Patientenakte angelegt wird, welche Daten gespeichert werden und wer sie einsehen darf, entscheiden allein Sie als Versicherte oder Versicherter.

Vom digitalen Impfpass bis zu Gesundheits-Apps

Die Telematikinfrastruktur, das heißt vor allem die Vernetzung im Gesundheitswesen, und die elektronische Patientenakte sind die Basis für weitere Schritte der Digitalisierung. In Zukunft werden voraussichtlich auch Pflegedienste neue digitale Lösungen nutzen. Zudem soll es wichtige Dokumente, die zurzeit noch auf Papier geführt werden, bald digital geben. Dazu zählen der Impfpass, der Mutterpass, das Kinderuntersuchungsheft und das Zahnarztbonusheft.

Gleiches gilt für Rezepte: Auch sie sollen künftig nicht mehr ausgedruckt, sondern digital ausgestellt werden. Die technischen Voraussetzungen für elektronische Verordnungen werden aktuell geschaffen.

Gesundheits-Apps für Diagnostik und Therapie sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Telemedizin: Gesundheitsdienste aus der Ferne

Arztbesuche können per Videosprechstunde am Computer oder Smartphone erfolgen.

Zur Telemedizin gehören eine Reihe medizinischer Leistungen, die den persönlichen Besuch von Ärzten oder Therapeuten in manchen Fällen überflüssig machen. Videosprechstunden über Computer oder Smartphone können Wege und Wartezeiten sparen. Auch Mediziner untereinander können sich mit telemedizinischen Lösungen leichter austauschen und besser zusammenarbeiten. Ein weiterer Bereich der Telemedizin ist die elektronische Erfassung, Übermittlung und Überwachung wichtiger Gesundheitswerte, etwa des Blutdrucks oder der Herzfrequenz. 

Über Gesundheits-Apps können Arzt und Patient wichtige Gesundheitswerte teilen.

Sind digitale Lösungen im Gesundheitswesen sicher?

Ob bei der elektronischen Patientenakte, der Übermittlung sensibler Gesundheitsdaten oder der Online-Sprechstunde – eines der wichtigsten Themen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist der Datenschutz. Denn Patientinnen und Patienten haben ein Anrecht auf bestmöglichen Schutz ihrer Gesundheitsdaten. Fragen der Informations- und Datensicherheit sind daher bei allen Schritten der Digitalisierung des Gesundheitswesens von großer Bedeutung. Die Herausforderungen, die dabei bewältigt werden müssen, haben dazu geführt, dass längst nicht alles, was technologisch bereits möglich wäre, auch schon angewendet wird.

Big Data – viele Daten für Neues in der Medizin

Mit der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen stehen immer mehr Informationen zur Verfügung. Die Sammlung und Auswertung großer Datenmengen bezeichnet man als „Big Data“. Aus diesen Daten gewinnen Wissenschaftler künftig neue Erkenntnisse. So lassen sich mit Big Data zum Beispiel Zusammenhänge von Risikofaktoren und Krankheiten leichter erkennen.

Ärzte können individueller behandeln, Mediziner und Pharmazeuten werden in die Lage versetzt, neue Methoden zu entwickeln. Aber auch Abläufe im Gesundheitswesen lassen sich durch die Analyse großer Datenmengen effizienter gestalten. Wie bei allen Fragen der Digitalisierung im Gesundheitswesen werden auch im Bereich Big Data umfassende Maßnahmen zum Datenschutz getroffen.

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