Long-COVID

Manche Menschen, die an COVID-19 erkranken, haben noch Monate nach der akuten Erkrankung gesundheitliche Probleme. Der gängige Begriff dafür ist Long-COVID. Fachkreise sprechen vom Post-COVID-19-Zustand, kurz Post-COVID. Im Beitrag lesen Sie, was man bisher über die Langzeitfolgen von COVID-19 weiß.

Auf einen Blick

  • Eine akute COVID-19-Erkrankung kann längerfristige körperliche und psychische Beeinträchtigungen zur Folge haben.
  • Bestehen noch 3 Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion für mindestens 2 Monate Beschwerden, spricht man vom Post-COVID-19-Zustand – besser bekannt als Long-COVID.
  • Viele Menschen mit Long-COVID berichten von geringer Belastbarkeit, Müdigkeit und Erschöpfung.
  • Wer schwer an COVID-19 erkrankt, entwickelt wahrscheinlicher Long-COVID.
  • Aber auch ein milder oder symptomloser Verlauf kann zu gesundheitlichen Folgeproblemen führen.
  • Ziel der Behandlung von Long-COVID ist es, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine junge Frau liegt erschöpft auf der Couch. Sie hat die Augen geschlossen und hält eine Hand an die Stirn.

Was ist Long-COVID?

Menschen, die an COVID-19 erkranken, können – ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten – noch Wochen bis Monate nach Beginn der SARS-CoV-2-Infektion längerfristig gesundheitliche Probleme haben.

Bestehen die Beschwerden mindestens 2 Monate lang und sind 3 Monate nach der Infektion noch vorhanden, bezeichnen Expertinnen und Experten dies als Post-COVID-19-Zustand oder Post-COVID. Vielen Menschen ist jedoch noch der zuerst geprägte Begriff Long-COVID geläufig.

Wer schwer an COVID-19 erkrankt, hat ein erhöhtes Risiko, Long-COVID zu entwickeln. Aber auch bei einem milden Verlauf oder einer Infektion ohne Symptome sind Langzeitfolgen möglich.

Long-COVID kann sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten.

Menschen mit Long-COVID berichten über sehr verschiedene körperliche und psychische Beschwerden. Diese können so stark ausgeprägt sein, dass sie die Lebensqualität mindern, den Alltag erschweren sowie das Arbeits- und Sozialleben beeinträchtigen.

Um die Beschwerden bestmöglich zu lindern und die Lebensqualität und Belastbarkeit von Menschen mit Long-COVID zu verbessern, sind eine frühe und gezielte Beratung und Behandlung wesentlich.

Woran erkennt man Long-COVID?

Die Beschwerden, die Menschen mit Long-COVID beschreiben, sind individuell sehr unterschiedlich. Bei vielen von ihnen treten mehr als drei Symptome gleichzeitig auf.

Zu den häufigsten Symptomen gehören Müdigkeit und schnelle Erschöpfbarkeit – medizinisch Fatigue genannt.

Auch Beschwerden wie eine eingeschränkte Gedächtnisleistung oder Konzentrationsfähigkeit sowie Kurzatmigkeit bis hin zur Atemnot treten oft auf.

Long-COVID äußert sich sehr verschieden. Müdigkeit und schnelle Erschöpfbarkeit zählen zu den häufigsten Symptomen.

Darüber hinaus kann es nach Abklingen der akuten SARS-CoV-2-Infektion zu folgenden Symptomen kommen:

  • Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf
  • psychische Störungen wie Depressionen und Ängste
  • Schmerzen in der Brust und wahrgenommenes Herzrasen oder Herzstolpern
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • anhaltender Husten
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden wie erhöhter Blutdruck
  • verstärkter Haarausfall
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen

Wichtig zu wissen: Viele Menschen mit Long-COVID sind insgesamt körperlich und psychisch deutlich weniger belastbar als zuvor. Manche entwickeln ein Beschwerdebild, das die Kriterien eines chronischen Erschöpfungssyndroms erfüllt – auch Chronic Fatigue-Syndrom genannt.

Wie kommt es zu Long-COVID?

Long-COVID entsteht als Folge einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 – dem Erreger von COVID-19.

Wie genau es zu Long-COVID kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Diese können einzeln, aber auch zusammenwirken.

Zum einen vermutet man, dass es nach einer SARS-CoV-2-Infektion weiterhin zu Entzündungsprozessen im Körper kommt, die vor allem die Blutgefäße und damit verschiedene Organsysteme betreffen.

Auch könnten Autoimmunreaktionen – dabei greift das Immunsystem körpereigene Zellen an – die Entstehung von Long-COVID beeinflussen.

Zum anderen gibt es Hinweise, dass Veränderungen an den Blutzellen, Funktionsstörungen des Gefäß-, Nerven- und Immunsystems sowie Verschlüsse von meistens kleinsten Gefäßen durch Blutgerinnsel, sogenannte Mikrothromboembolien, zur Krankheitsentstehung beitragen könnten.

Wie häufig tritt Long-COVID auf?

Die Angaben, die man zur Häufigkeit von Long-COVID findet, sind sehr verschieden.

Sie hängen davon ab, welche Gruppe von Patientinnen und Patienten untersucht und welche Symptome erfasst worden sind.

Es wird geschätzt, dass bis zu 15 Prozent aller Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, Long-COVID entwickeln. Wie viele Menschen tatsächlich erkranken, ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Kinder und Jugendliche scheinen nach bisherigen Erkenntnissen im Vergleich zu Erwachsenen seltener Long-COVID zu bekommen.

Wie verläuft Long-COVID?

Es lässt sich nicht genau sagen, wie schnell sich Menschen von einer akuten COVID-19-Erkrankung erholen.

Bei den meisten klingen die Beschwerden innerhalb von 4 Wochen nach Beginn der SARS-CoV-2-Infektion ab.

Ob nach Abklingen der akuten Erkrankung weiterhin Symptome bestehen, hängt nicht unbedingt von der Schwere des Erkrankungsverlaufs ab. Dennoch entwickeln Menschen mit einem schweren COVID-19-Verlauf nach bisherigen Erkenntnissen wahrscheinlicher Long-COVID.

Darüber hinaus können neue Symptome und Beschwerden auftreten. Wie häufig das passiert, lässt sich bislang nicht sagen.

Es fehlen weiterhin Langzeitdaten zum Verlauf von Long-COVID, insbesondere dazu, inwieweit sich die Beschwerden zurückbilden oder bestehen bleiben können. Auch in welchem Umfang schwerwiegende Organkomplikationen auftreten, lässt sich bisher nicht genau sagen.

Wie kann man Long-COVID vorbeugen?

Die einzige Möglichkeit, um sich vor Long-COVID zu schützen, besteht darin, eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu vermeiden.

Neben dem Einhalten der AHA+L-Regel – also Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Maske tragen und regelmäßig lüften – ist die Impfung gegen COVID-19 eine wichtige Maßnahme, um das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion zu senken.

Wie stellt man Long-COVID fest?

Um Long-COVID zu diagnostizieren, ist es wesentlich herauszufinden, ob und wann eine akute Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 stattgefunden hat.

Bei einer vorbekannten COVID-19-Erkrankung werden Ärztinnen und Ärzte erfragen, welche Beschwerden in der akuten Erkrankungsphase aufgetreten sind und welche zum aktuellen Zeitpunkt fortbestehen.

Auch erkundigen sie sich, ob und welche neuen Beschwerden hinzugekommen sind und ob sich Symptome, die bereits vor SARS-CoV-2-Infektion auftraten, infolge der Erkrankung verschlechtert haben.

Ziel ist es, alle körperlichen und psychischen Beschwerden sowie dadurch bedingte Beeinträchtigungen zu erfassen.

Im Gespräch kann unter anderem danach gefragt werden,

  • ob und in welchem Maß der Alltag und die Arbeit beeinträchtigt sind
  • ob es Gefühle von sozialer Isolation gibt
  • ob psychische Symptome wie Ängstlichkeit oder Depression auftreten
  • ob und inwieweit die geistigen und körperlichen Funktionsfähigkeiten eingeschränkt sind

Je nach Art und Schwere der Symptome oder bei unklaren Beschwerden kann eine spezielle fachärztliche Abklärung infrage kommen.

Wichtig zu wissen: Um Long-COVID richtig zu diagnostizieren, ist es wichtig, andere Erkrankungen als Ursache auszuschließen.

Wie wird Long-COVID behandelt?

Derzeit gibt es noch keine Therapie, die es ermöglicht, Long-COVID spezifisch zu behandeln. Ärzte- und Forscherteams arbeiten intensiv daran, die Therapiekonzepte weiterzuentwickeln.

Um die Beschwerden bestmöglich zu lindern und die Lebensqualität und Belastbarkeit von Menschen mit Long-COVID zu verbessern, sind frühzeitige und gezielte medizinische Beratungs- und Behandlungsangebote wichtig.

Diese werden auf das individuelle Beschwerdebild und die Lebenssituation ausgerichtet. Ziel ist es dabei auch, zu verhindern, dass die Symptome chronisch werden.

Ziel der Behandlung von Long-COVID ist es, Beschwerden zu lindern und zu verhindern, dass sie chronisch werden.

Je nach Art und Stärke der körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen helfen verschiedene Maßnahmen, den Gesundheitszustand zu verbessern. Dazu zählen:

  • Schmerztherapie
  • körperliches und geistiges (kognitives) Training
  • Anleitung zur Schlafhygiene
  • Verfahren zum Stressabbau
  • psychotherapeutische Betreuung

Ausgehend davon, welche Organsysteme betroffen sind, kann zudem eine fachärztliche Behandlung notwendig sein.

Wesentlich ist auch, dass Menschen mit Long-COVID lernen, mit der Erkrankung im Alltag besser umzugehen. Eine individuelle Anleitung durch geschultes Personal kann dabei unterstützen.

Welche Reha-Möglichkeiten gibt es bei Long-COVID?

Eine Rehabilitation durch ein geschultes, fachübergreifendes Team kann Menschen mit Long-COVID helfen, wieder belastbarer und leistungsfähiger zu werden.

Die Reha kann stationär oder ambulant erfolgen. Zudem besteht je nach Schwere der Beeinträchtigungen die Möglichkeit, eine Nachsorge sowie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in Anspruch zu nehmen.

Zusätzliche Informationen zur Rehabilitation bei Long-COVID finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Unter bestimmten Voraussetzungen erkennt die gesetzliche Unfallversicherung COVID-19 als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall an. Personen, für die das gilt, können sich an den Versicherungsträger wenden, wenn sie Rehabilitationsmaßnahmen aufgrund von Long-COVID in Anspruch nehmen möchten.

Wo finde ich Unterstützung im Alltag mit Long-COVID?

Selbsthilfegruppen bieten Menschen mit Long-COVID und ihren Angehörigen die Möglichkeit, sich zu informieren und beraten zu lassen sowie persönliche Erfahrungen auszutauschen.

Weiterführende Informationen zu COVID-19-Selbsthilfegruppen finden Sie auf der Website der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).

Zudem bieten Kliniken und Krankenhäuser Post-COVID-Sprechstunden an oder verfügen über Post-COVID-Ambulanzen, wo man sich vorstellen und beraten lassen kann.

In Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut (RKI). Stand:

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