Restless-Legs-Syndrom

Ein unangenehmes Gefühl in den Beinen und ein starker Drang, die Beine zu bewegen, sind typische Symptome des Restless-Legs-Syndroms – kurz RLS. Die Beschwerden treten nur in Ruhe auf, vor allem abends und nachts. Sie können zu erheblichen Schlafstörungen führen.

Auf einen Blick

  • Menschen mit Restless-Legs-Syndrom (RLS) spüren ein unangenehmes Kribbeln oder Ziehen in den Beinen und den quälenden Drang, die Beine zu bewegen.
  • Die Missempfindungen treten nur in Ruhephasen auf und lassen nach, wenn man die Beine bewegt. Abends und nachts sind die Symptome am stärksten.
  • Das RLS kann ohne erkennbare Ursache auftreten, aber auch in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft, einem Eisenmangel oder bestimmten Erkrankungen.
  • Es gibt einige Maßnahmen, die die Beschwerden lindern können. Manchen hilft beispielweise regelmäßige Bewegung und ein Verzicht auf Koffein und Alkohol.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Ein unbekleideter Unterschenkel und Fuß auf einem Bett

Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

„Restless Legs“ ist Englisch und bedeutet „unruhige Beine“.

Menschen mit einem Restless-Legs-Syndrom (RLS) spüren ein unbehagliches Kribbeln oder Ziehen in den Beinen. Sie haben zudem das drängende Bedürfnis, die Beine zu bewegen. Die Missempfindungen treten nur in Ruhe auf und lassen zumindest vorübergehend nach, wenn man die Beine bewegt.

Auch geht das RLS meistens mit unwillkürlichen, ruckartigen Beinbewegungen während des Schlafes einher.

Man unterscheidet zwischen einem primären und einem sekundären Restless-Legs-Syndrom. Bei der primären Form ist die Ursache unbekannt. Sie kommt familiär gehäuft vor. Die sekundäre Form tritt im Zusammenhang mit bestimmten Umständen oder Erkrankungen auf – zum Beispiel einer Schwangerschaft oder einem Eisenmangel.

Medizinerinnen und Mediziner bezeichnen das RLS auch als Wittmaack-Ekbom-Syndrom.

Welche Symptome treten beim Restless-Legs-Syndrom auf?

Menschen mit Restless-Legs-Syndrom (RLS) spüren ein unangenehmes Gefühl in den Beinen und einen starken Bewegungsdrang. Sie beschreiben das Gefühl als Kribbeln, Spannungsgefühl oder Ziehen tief in den Beinen. Normalerweise bestehen keine Schmerzen, auch die Haut ist nicht berührungsempfindlich.

Menschen mit Restless-Legs-Syndrom spüren ein unangenehmes Gefühl in den Beinen und einen starken Bewegungsdrang.

Die Symptome treten nur in Ruhe auf. Gehen oder andere Beinbewegungen verbessern sie vorübergehend. Auch Reiben oder Massieren lindert die Beschwerden. Abends und nachts sind die Missempfindungen am stärksten, typischerweise beginnen sie kurz nach dem Zubettgehen.

Bei Menschen mit einem schweren RLS treten die Symptome schon früher am Tag im Sitzen oder Liegen auf, zum Beispiel beim Lesen eines Buches oder im Kino. Nachts können die Missempfindungen so quälend sein, dass man das Gefühl hat, aufstehen zu müssen, um Erleichterung zu finden.

Interessant zu wissen: Bei 80 Prozent der Menschen mit RLS kommen periodische Beinbewegungen im Schlaf vor. Diese sind ruckartig, dauern wenige Sekunden und wiederholen sich in einem bestimmten Rhythmus. Ärztinnen und Ärzte bezeichnen dies auch als „Periodic Limb Movements of Sleep“ (PLMS).

Was sind die Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom?

Die genauen Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom (RLS) sind unbekannt. Es gibt aber eine genetische Veranlagung für „unruhige Beine“: Bei 40 bis 60 Prozent der Menschen mit RLS tritt das Syndrom gehäuft in der Familie auf. Wahrscheinlich wirkt eine genetische Veranlagung mit anderen Faktoren zusammen und löst so das Restless-Legs-Syndrom aus.

Zu diesen Faktoren gehören:  

Was genau beim Restless-Legs-Syndrom im Körper passiert, ist bislang ungeklärt. Bei Menschen mit RLS wurden aber verschiedene Veränderungen im Nervensystem festgestellt, die mit dem Syndrom zusammenhängen könnten.

Dazu gehören unter anderem ein Eisenmangel und eine Störung des Dopaminhaushalts. Dopamin ist ein Botenstoff des Nervensystems und als „Glückshormon“ bekannt. Dopamin fördert aber nicht nur Glücksgefühle, sondern reguliert auch Bewegungen.

Möglicherweise spielt auch eine Durchblutungsstörung der Beine eine Rolle bei der Entstehung des Restless-Legs-Syndroms.

Welche Faktoren begünstigen das Restless-Legs-Syndrom?

Ein wichtiger Faktor, der das Risiko für ein Restless-Legs-Syndrom (RLS) erhöht, ist ein Eisenmangel. Niedrige Bluteisenwerte können ein Hinweis auf das RLS sein.

Niedrige Eisenwerte im Blut können ein Hinweis auf das Restless-Legs-Syndrom sein.

Auch manche Medikamente begünstigen „ruhelose Beine“. Dazu gehören:

  • Antihistaminika gegen Allergiebeschwerden
  • bestimmte Antidepressiva, die zum Beispiel bei Depressionen zum Einsatz kommen
  • Betablocker: Medikamente, die den Blutdruck senken
  • Dopaminantagonisten: Medikamente, die in den Nervenstoffwechsel eingreifen

Menschen mit einem Restless-Legs-Syndrom sprechen hierzu am besten mit Ihrer Ärztin oder ihrem Arzt.

Außerdem kann das RLS im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen entstehen: 25 bis 50 Prozent der Menschen mit chronischem Nierenversagen im Endstadium entwickeln „unruhige Beine“. Weiterhin kommt es bei Erkrankungen der Nerven und des Rückenmarks, multipler Sklerose und möglicherweise der Parkinson-Erkrankung vor.

Bei Kindern tritt das Restless-Legs-Syndrom gehäuft in Verbindung mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Depressionen auf.

Wie häufig ist das Restless-Legs-Syndrom?

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) kommt häufig vor. Es tritt bei ungefähr 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen und bei 2 bis 4 Prozent der Kinder und Jugendlichen auf. Es wird jedoch geschätzt, dass nur 2 bis 3 Prozent der Erwachsenen mäßige bis schwere Symptome haben.

Das RLS kann in jedem Alter vorkommen. Bei älteren Personen ab 65 Jahren ist es jedoch häufiger. Bei Frauen tritt es ungefähr doppelt so oft auf wie bei Männern. Bei Kindern gibt es keinen Unterschied in der Häufigkeit zwischen Jungen und Mädchen.

Auch während der Schwangerschaft haben manche Frauen „unruhige Beine“ – besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel (drittes Trimester). Nach der Geburt verschwinden die Symptome wieder.

Wie verläuft das Restless-Legs-Syndrom?

Ein primäres Restless-Legs-Syndrom (RLS) – bei dieser Form ist die Ursache nicht bekannt – tritt vor dem 30. Lebensjahr auf. Oft gibt es auch eine Vorgeschichte in der Familie. Es entwickelt sich typischerweise langsam und erreicht zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr seine volle Ausprägung.

Bei ungefähr 70 Prozent der Menschen mit RLS verschlechtern sich die Symptome mit den Jahren. Bei schweren Formen kommen häufig noch Symptome in den Armen hinzu, oft Jahre nach Beginn der Beinbeschwerden.

Eine Folge des Restless-Legs-Syndroms sind Einschlafprobleme und nächtliches Aufwachen. Die Schlafstörungen können die Lebensqualität erheblich beinträchtigen und zu Erschöpfung am Tag führen. Menschen mit „unruhigen Beinen“ sind außerdem anfällig für Bluthochdruck und Kopfschmerzen.

Wie wird das Restless-Legs-Syndrom festgestellt?

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden und Vorerkrankungen und kann das Restless-Legs-Syndrom (RLS) anhand der typischen Symptome feststellen.

Die körperliche Untersuchung ist normalerweise unauffällig. Zusätzliche Tests sind für eine Diagnose nicht nötig. Die Ärztin oder der Arzt nimmt jedoch eine Blutprobe, um den Eisengehalt zu bestimmen, da dieser bei Menschen mit RLS oft niedrig ist. Bei Verdacht auf eine andere Erkrankung, die die Beschwerden verursacht, sind eventuell weitere Untersuchungen nötig.

Wie behandelt man das Restless-Legs-Syndrom?

Es gibt einige Maßnahmen, um die Beschwerden eines Restless-Legs-Syndroms (RLS) zu lindern. Bei mild ausgeprägten „unruhigen Beinen“ reicht Massieren oder Bewegen der Beine, um die Beschwerden zu lindern. Bei starken Beschwerden können einige Maßnahmen dazu beitragen, dass Menschen mit RLS weniger Medikamente benötigen.

Zu den Maßnahmen gehören regelmäßige Bewegung und geistige Beschäftigung in Ruhephasen, zum Beispiel das Lösen von Kreuzworträtseln. Auch der Verzicht auf Koffein, Nikotin und Alkohol wirkt sich positiv aus.

Sinnvoll ist es zu überprüfen, ob Medikamente, die man bereits einnimmt, die Symptome verschlimmern können. Wenn das der Fall ist, kann man mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob es geeignete Alternativen gibt.

Außerdem ist genügend Schlaf wichtig, da auch Schlafmangel die Beschwerden fördern kann. Besonders bei Kindern mit Restless-Legs-Syndrom sollten die Eltern auf regelmäßige und ausreichende Schlafenszeiten achten.

Falls der Eisengehalt im Blut niedrig ist, verschreibt die Ärztin oder der Arzt Eisentabletten. Ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt sollte man aber kein Eisen einnehmen, damit es nicht zu einer Überdosierung kommt.

Bei stärkeren Beschwerden, bei denen diese Maßnahmen nicht genügen, können Medikamente helfen.

Zur medikamentösen Behandlung des RLS kommen vor allem folgende Wirkstoffe zum Einsatz:

  • Dopaminagonisten wie Pramipexol, Ropinirol oder Rotigotin: Sie ahmen im Gehirn die Wirkung von Dopamin nach.
  • Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin: Das sind krampflösende Medikamente, die auch bei Epilepsie eingesetzt werden.

Wichtig zu wissen: Diese Medikamente sind gut wirksam, können aber Nebenwirkungen haben. Bei Dopaminagonisten kann es passieren, dass sich die Symptome plötzlich verstärken, obwohl das Medikament anfangs gut wirkt – ein Effekt, den man in der Medizin Augmentation nennt. Deshalb achten Ärztinnen und Ärzte darauf, die Dosis dieser Medikamente möglichst niedrig zu halten.

Außerdem kommen Levodopa – ein Wirkstoff, der die Menge des Botenstoffs Dopamin erhöht – sowie in schweren Fällen Schmerzmittel aus der Klasse der Opioide zum Einsatz.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand:

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