Schwangerschaftsvorsorge

Während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt haben Frauen Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen. Dadurch kann man Risiken und mögliche Komplikationen früh genug erkennen und behandeln. Gut zu wissen: Einen Großteil der Untersuchungen kann auch eine Hebamme durchführen.

Auf einen Blick

  • Jede Schwangere hat Anspruch auf regelmäßige medizinische Untersuchungen.
  • Die Schwangerschaftsvorsorge dient dazu, die Gesundheit der Schwangeren und die Entwicklung des Kinds zu kontrollieren.
  • Einen Großteil der Untersuchungen können sowohl Ärzte und Ärztinnen als auch Hebammen durchführen.
  • Vorgesehen sind auch drei Ultraschalluntersuchungen: Diese werden vom Gynäkologen oder der Gynäkologin durchgeführt.
  • Die Kosten übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen.
  • Bei Frauen, die Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz beziehen, übernimmt das Sozialamt die Kosten.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Schwangerschaftsvorsorge: Eine Schwangere wird von einer Frauenärztin mit einem Ultraschallgerät untersucht. Ihr Mann sitzt neben ihr und legt behutsam seine Hand auf ihren Arm. Beide schauen auf den Monitor, auf dem die Ärztin auf die Bilder zeigt.

Schwangerschaftsvorsorge: Untersuchungen plus Beratung

Bei den Untersuchungen zur Schwangerschaftsvorsorge kontrolliert eine Ärztin, ein Arzt oder eine Hebamme regelmäßig die Gesundheit der Mutter und des Kinds. Es gehören aber auch Beratungsgespräche dazu. Zunächst sind diese Termine monatlich vorgesehen, ab der 32. Schwangerschaftswoche finden sie 14-tägig statt.

Risiken möglichst früh erkennen

Jede Schwangerschaft ist ein außergewöhnliches Ereignis, das nicht umsonst gerne als „Wunder“ bezeichnet wird. Es ist eine Zeit der ständigen Veränderung: Das Ungeborene entwickelt sich und wächst, der Körper der Frau verändert sich. 

Bei den Vorsorgeuntersuchungen beobachtet man die Veränderungen und Entwicklungen genau, um auf gesundheitliche Probleme oder Risiken bei Mutter und Kind rechtzeitig reagieren zu können. Die Ergebnisse der Untersuchungen stehen dann im Mutterpass. Auch die werdenden Eltern erfahren, was die Untersuchungen ergeben haben und wie die Schwangerschaft verläuft. Sie werden auch zu Zusatzuntersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten beraten. Die vorgesehenen Maßnahmen gehören zu den klassischen Vorsorgeleistungen; die Krankenkassen übernehmen die Kosten. 

Die Schwangerschaftsvorsorge beinhaltet Untersuchungen und Beratung, die Überwachung von Risikoschwangerschaften, Ultraschalldiagnostik, Untersuchungen auf Infektionen und die Untersuchungen nach der Geburt.

Zu diesen Vorsorgeleistungen gehören: 

  • Untersuchung und Beratung der Schwangeren
  • Beobachtung, wie das Ungeborene sich entwickelt
  • Erkennung und Überwachung von Risikoschwangerschaften 
  • Ultraschalldiagnostik
  • Untersuchungen auf Infektionen, inklusive Angebot eines HIV-Tests 
  • Untersuchung und Beratung nach der Geburt, in der sogenannten Wochenbettzeit

Spezielle Untersuchungen wie der Toxoplasmose-Test und bestimmte Tests der sogenannten Pränataldiagnostik, mit denen sich beispielsweise Chromosomen-Abweichungen wie Trisomie 21 feststellen lassen, gehören nicht zu den üblichen Vorsorgeleistungen. Sie zählen zu den „individuellen Gesundheitsleistungen“ (IGeL). Sie erfolgen nur nach Aufklärung und Einwilligung der Schwangeren und müssen meist selbst bezahlt werden. Bei Risikoschwangerschaften und wenn ein begründeter Verdacht auf eine Erkrankung besteht, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. 

Schwangerschaftsvorsorge: Was wird wann untersucht?

Zu Beginn der Schwangerschaft finden die Termine in der Regel alle 4 Wochen statt, ab der 32. Schwangerschaftswoche dann 14-tägig. Meist wird beim ersten Vorsorgetermin der Mutterpass ausgestellt, in dem später auch alle weiteren Untersuchungsergebnisse stehen. 

Zu Beginn der Schwangerschaft finden die Termine in der Regel alle vier Wochen statt, ab der 32. Schwangerschaftswoche dann 14-tägig.

Bei jeder Vorsorgeuntersuchung werden der Blutdruck und das Gewicht der Schwangeren notiert sowie der Urin untersucht. Bei den Ultraschalluntersuchungen kontrolliert der Arzt oder die Ärztin die Lage des Kinds und misst die Herztöne. Zudem wird die Gebärmutter ertastet. In regelmäßigen Abständen kommt eine Blutentnahme bei der Mutter hinzu, um Mangelerscheinungen oder Erkrankungen zu erkennen. Schließlich wird auch überprüft, ob Impfungen notwendig sind, zum Beispiel gegen Röteln oder Influenza.  

Im 3., 6. und 8. Schwangerschaftsmonat sind Ultraschalluntersuchungen vorgesehen:

1. Ultraschalluntersuchung (9. bis 12. Schwangerschaftswoche) 

Dieser erste Ultraschall dient vor allem dazu, die Schwangerschaft zu bestätigen und zu überprüfen, ob sich der Embryo in der Gebärmutter eingenistet hat. Die Schwangerschaftswoche und der Geburtstermin lassen sich jetzt leichter bestimmen als zu einem späteren Zeitpunkt. Die Körperform und das schlagende Herz geben einen ersten Anhaltspunkt, ob die Schwangerschaft intakt ist und wie weit sie fortgeschritten ist. Auch eine Mehrlingsschwangerschaft lässt sich hier bereits meistens feststellen.  

2. Ultraschalluntersuchung (19. bis 22. Schwangerschaftswoche) 

Hier können Schwangere zwischen einem Basis-Ultraschall und einem erweiterten Basis-Ultraschall wählen. Beim Basis-Ultraschall wird die altersgerechte Entwicklung des Kinds untersucht – die Größe von Kopf, Bauch und Unterschenkelknochen sowie die Fruchtwassermenge und die Lage des Mutterkuchens (Plazenta). Bei Auffälligkeiten können weitere Untersuchungen nötig sein.

Bei der erweiterten Basis-Ultraschalluntersuchung überprüft der Arzt oder die Ärztin zusätzlich, ob die Bauchwand und die Wirbelsäule geschlossen und der Magen und die Harnblase sichtbar sind. Kopf, Hirnkammern und Kleinhirn sowie das Größenverhältnis von Brustkorb und Herz werden genauer vermessen. Für die beiden Versionen der zweiten Ultraschalluntersuchung sind nicht alle Gynäkologinnen und Gynäkologen qualifiziert. Eventuell ist eine Überweisung an einen Kollegen oder eine Kollegin nötig. 

3. Ultraschalluntersuchung (29. bis 32. Schwangerschaftswoche) 

Hier wird ein weiteres Mal untersucht, wie die Entwicklung des Ungeborenen verläuft. Auch die Lages des Kinds und des Mutterkuchens sowie die Fruchtwassermenge werden überprüft. Diese Untersuchungen sind auch wichtig für die Planung der Geburt. Bei Auffälligkeiten kann die Ärztin oder der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen.  

Wichtig zu wissen: Bei Risiken oder Auffälligkeiten können weitere Ultraschalltermine nötig werden. Bei Risikoschwangerschaften kommen meist zusätzliche Ultraschalluntersuchungen und generell eine engmaschigere Betreuung hinzu.

Nach der Geburt stehen zwei weitere Termine an. In der 1. Woche ist eine Blutuntersuchung wichtig, um eventuelle Infektionen und Mangelerscheinungen feststellen zu können. Etwa 8 Wochen nach der Entbindung erfolgt eine allgemeine und gynäkologische Untersuchung, der Blutdruck wird gemessen und der Urin überprüft.  

Die Hebammenhilfe für die Wochenbettbetreuung beginnt unmittelbar nach der Geburt beziehungsweise nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Die Hebamme besucht die Mutter dann zu Hause, untersucht und wiegt das Kind regelmäßig. Sie befragt und berät die Mutter bezüglich Beschwerden und unterstützt bei Fragen rund um das Stillen, Wickeln, Schlafen und vieles mehr. Diese Versorgung ist für 8 bis 12 Wochen möglich und wird von den Krankenkassen übernommen.

Wer führt die Untersuchungen durch?

In der Schwangerschaft ist es für Frauen besonders wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt zu haben, bei der oder dem sie sich wohl und gut beraten fühlen. Alle Ultraschalluntersuchungen werden ausschließlich von einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin durchgeführt.  

Was viele nicht wissen: Abgesehen vom Ultraschall können auch Hebammen einige der Untersuchungen während der Schwangerschaft übernehmen, entweder in ihrer eigenen Praxis, im Geburtshaus oder bei Hausbesuchen. Jede gesetzlich krankenversicherte Frau hat einen Anspruch auf Unterstützung durch eine Hebamme.

Der Vorteil: Hebammen können sich mitunter etwas mehr Zeit nehmen, um Fragen zu beantworten oder auf Sorgen einzugehen. Sie können bei der Wahl des Geburtsorts helfen und insgesamt wertvolle Unterstützung leisten. Zudem ist es gut, die Hebamme frühzeitig kennenzulernen, die vielleicht später auch die Betreuung nach der Geburt übernehmen kann.

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