Was ist in der Schwangerschaft erlaubt und was nicht?

Vor allem in der ersten Schwangerschaft hinterfragen viele Frauen alltägliche Gewohnheiten und Tätigkeiten und deren Auswirkungen auf das ungeborene Kind. Der mütterliche Instinkt macht sich so schon lange vor der Geburt bemerkbar.

Auf einen Blick

  • Koffein ist in geringen Mengen auch während der Schwangerschaft erlaubt.
  • Auf Alkohol, Nikotin und Cannabis sollten Frauen bereits in der Schwangerschaftsplanung, spätestens aber mit Beginn der Schwangerschaft vollständig verzichten.
  • Auch frei verkäufliche Medikamente können sich teilweise schädlich auf die Entwicklung des Kindes auswirken.
  • Einige Impfungen werden während der Schwangerschaft ausdrücklich empfohlen.
  • Ausreichend Bewegung ist wichtig für Mutter und Kind, weshalb die meisten sportlichen Aktivitäten sich positiv auswirken.
  • Geschlechtsverkehr ist bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft kein Problem.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Eine junge hochschwangere Frau schiebt ihr Fahrrad über die Straße. Sie ist sommerlich gekleidet und die Sonne scheint.

Ausnahmesituation Schwangerschaft: Sind Veränderungen der Lebensweise nötig?

In der Schwangerschaft tragen Frauen auch für das ungeborene Leben Verantwortung. Schon in dieser frühen Phase steht das Wohl des Kindes im Fokus und führt bei vielen Frauen zu Veränderungen der eigenen Lebensweise: Der morgendliche Kaffee, das Glas Wein am Abend, der Yoga-Kurs am Wochenende – auf welche lieb gewordenen Angewohnheiten sollten Schwangere besser verzichten, um dem ungeborenen Kind nicht zu schaden? Und was ist in der Schwangerschaft weiterhin erlaubt?

Ist Koffein in der Schwangerschaft erlaubt?

Kaffee oder Tee gehören zu den Genussmitteln, auf die viele Schwangere nicht verzichten möchten. Die gute Nachricht ist: Geringe Mengen Koffein sind in der Schwangerschaft erlaubt.

Als Richtwert gelten 200 mg Koffein pro Tag. Dies entspricht etwa 1 bis 2 Tassen Kaffee oder 3 bis 4 Tassen Tee. Mehr sollte es jedoch nicht sein. Insbesondere bei Tee ist der Koffeingehalt abhängig von der Ziehzeit und der Wassertemperatur, weshalb der tatsächliche Koffeingehalt sehr unterschiedlich sein kann. Dies gilt für schwarzen, grünen und weißen Tee.

Wichtig zu wissen: Auch in Kakao ist Koffein enthalten – je nach Qualität des Kakaos ist die enthaltene Menge sogar mit der von grünem Tee vergleichbar.

Viele Energydrinks erreichen zwar nicht die Höchstmenge von 200 Milligramm Koffein, sind in der Schwangerschaft aber dennoch ungeeignet. Sie enthalten zusätzliche Inhaltsstoffe wie Glucuronolacton, Taurin oder Inosit, deren Auswirkungen auf das ungeborene Kind noch nicht ausreichend untersucht sind.

Warum ist Alkohol in der Schwangerschaft nicht erlaubt?

Im Gegensatz zum Koffein gibt es bei Alkohol keine Menge, die für das ungeborene Kind unbedenklich ist. Es wird sogar empfohlen, bereits bei der Planung einer Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten.

Selbst in geringen Mengen kann Alkohol zu Fehlbildungen, Wachstumsstörungen und einer Schädigung des Gewebes inklusive der Nervenzellen führen. Da vor allem die Entwicklung des Gehirns sehr störanfällig ist, können bei Alkoholkonsum in der Schwangerschaft sehr unterschiedliche Folgen auftreten, die teilweise auch erst beim heranwachsenden Kind auffallen. Darunter sind zum Beispiel eine Intelligenzminderung, Hyperaktivität, Impulsivität oder eine leichte Ablenkbarkeit. Daher sollten werdende Mütter unbedingt konsequent auf Alkohol verzichten.

Selbst in geringen Mengen kann Alkohol zu Fehlbildungen, Wachstumsstörungen und einer Schädigung des Gewebes inklusive der Nervenzellen führen.

Warum ist Cannabis in der Schwangerschaft nicht erlaubt?

Auch der Konsum von Cannabis wirkt sich auf die Entwicklung des Gehirns aus. Das in Cannabis enthaltene THC passiert die Plazentaschranke. Da die Strukturen, an die das THC binden kann (Endocannabinoid-Rezeptoren), bereits in einer frühen Entwicklungsphase des Embryos vorhanden sind, kann der Cannabiskonsum die Entwicklung des Gehirns stören. Erste Studienergebnisse zeigen Veränderungen im Gehirn von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Cannabis konsumiert haben. Diese Veränderungen unterscheiden sich von denen, die durch Rauchen verursacht werden.

Auch den Konsum von illegalen Drogen sollten Schwangere strikt meiden.

Wie schädlich ist Rauchen in der Schwangerschaft?

Zigarettenrauch enthält etwa 250 giftige oder krebserregende Stoffe. Viele davon gelangen über die Nabelschnur zum Embryo. Selbst Passivrauchen hat Auswirkungen auf das ungeborene Kind. Das im Tabak enthaltene Nikotin ist ein Nervengift. Es wirkt gefäßverengend und stört die Entwicklung der Lunge. Babys rauchender Mütter leiden daher häufiger unter Asthma, Allergien und Atemwegserkrankungen. 

Unabhängig von den Giftstoffen wird beim Rauchen Kohlenmonoxid eingeatmet, wodurch das ungeborene Kind allgemein schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht so nicht nur das Risiko von Fehl- oder Frühgeburten, sondern beeinträchtigt auch die Entwicklung des Embryos, weshalb die Babys bei der Geburt im Durchschnitt meist kleiner sind.

Da Rauchen sich auch auf die Fruchtbarkeit auswirkt, sollten Paare bereits bei der Schwangerschaftsplanung auf Zigaretten verzichten.

Wichtig zu wissen: Auch bei ungeplanten Schwangerschaften gilt: Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören – das Risiko für Komplikationen sinkt deutlich, wenn werdende Mütter das Rauchen einstellen. 

Auf welche Medikamente sollte während der Schwangerschaft verzichtet werden?

Die kurze Antwort lautet: auf alle Medikamente, auf die ohne gesundheitliche Folgen für die Mutter verzichtet werden kann.

Medikamente können dem Ungeborenen auf unterschiedliche Weise schaden: Einige Wirkstoffe gelangen über die Nabelschnur zum Ungeborenen, andere haben Einfluss auf die Durchblutung der Mutter und können dadurch die Versorgung des Fötus beeinträchtigen. Darum sollten werdende Mütter auf die Einnahme von Medikamenten nach Möglichkeit verzichten. 

Dies gilt auch für frei verkäufliche Arzneimittel, die vermeintlich völlig harmlos sind. Dazu gehören zum Beispiel einige abschwellende Nasensprays. Bei einer Erkältung dürfen sie zwar in der normalen Dosierung für einen kurzen Zeitraum eingesetzt werden. In hoher Dosierung verengen sie jedoch die Gefäße und können dadurch die Durchblutung der Plazenta reduzieren. Insbesondere beim „Schwangerschaftsschnupfen“, der durch anschwellende Schleimhäute ausgelöst wird, dürfen sie nicht eingesetzt werden. Hier droht selbst bei einer normalen Dosierung eine Abhängigkeit. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten schwangere Frauen Nasensprays verwenden, die auf Salzlösungen oder Kamillenextrakte setzen. Reichen diese nicht, sollten Schwangere mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt Rücksprache halten.

Auch viele frei verkäufliche Schmerzmedikamente dürfen in der Schwangerschaft nicht oder nur in bestimmten Phasen eingenommen werden. Das gilt zum Beispiel für Ibuprofen, da eine Einnahme ab der 28. Schwangerschaftswoche zu Schädigungen der Nierenfunktion und zu Herzfehlbildungen führen kann. Paracetamol ist dagegen bei leichten bis mittelstarken Schmerzen sowie Fieber in der gesamten Schwangerschaft erlaubt. Dennoch sollten Schwangere insbesondere bei einer längeren Einnahme unbedingt ärztlichen Rat einholen.

Auch Schlaf- und Beruhigungsmittel sollten nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. Dies gilt auch für pflanzliche Präparate.

Generell sollten Schwangere, die auf bestimmte Medikamente angewiesen sind oder regelmäßig Medikamente einnehmen, mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über eventuelle Risiken sprechen. Bei kritischen Medikamenten lässt sich für die Zeit der Schwangerschaft häufig eine Alternative finden.

Wichtig zu wissen: Medikamente, die über einen langen Zeitraum eingenommen wurden, sollten in der Schwangerschaft nur unter ärztlicher Betreuung abgesetzt werden – unabhängig davon, ob es sich um frei verkäufliche oder verschreibungspflichtige Medikamente handelt.

Impfungen in der Schwangerschaft: Welche werden empfohlen und welche sind tabu?

Früher ging man davon aus, dass der Körper das Immunsystem der Mutter herunterfährt, damit es den Embryo nicht als fremd erkennt und abstößt. Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass das Immunsystem einen Balanceakt vollführt: Um den Embryo zu schützen, muss es ihm gegenüber eine sogenannte immunologische Toleranz ausbilden. Spezielle Zellen des Immunsystems fördern sogar das Einnisten und das Wachstum des Embryos. Gleichzeitig benötigen Mutter und Kind einen starken Schutz – deshalb wird die Immunabwehr nach außen weiterhin aufrechterhalten.

In der Schwangerschaft vollbringt das Immunsystem der Mutter Höchstleistungen. Wird es durch eine Infektion zusätzlich stark beansprucht, kann das Zusammenspiel zwischen dem Immunsystem der Mutter und den Zellen des Embryos gestört werden.

Während Impfungen mit Lebendimpfstoffen wie gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Gelbfieber und Cholera nicht durchgeführt werden sollten, sind Totimpfstoffe sind in der Schwangerschaft dagegen erlaubt und werden teilweise sogar ausdrücklich empfohlen. Schwangere Frauen haben beispielsweise ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Grippe. Daher sollte zu Beginn des zweiten Trimesters eine Grippeschutzimpfung erfolgen (bei einem erhöhten Risiko durch eine Grunderkrankung bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel).

Zu Beginn des letzten Trimesters empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) außerdem eine Impfung gegen Keuchhusten, damit der Säugling bei der Geburt bereits durch die Antikörper der Mutter geschützt ist. Besteht ein höheres Risiko für eine Frühgeburt, wird diese Impfung schon im zweiten Trimester empfohlen.

Darf man während der Schwangerschaft Sport treiben?

Ausreichend Bewegung ist und bleibt einer der Schlüssel zur Gesundheit. Dies gilt auch für werdende Mütter, die jedoch häufig Sorge haben, dem ungeborenen Kind mit Sport zu schaden. Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft ist diese Sorge jedoch unbegründet. Bewegung ist sogar gut für Mutter und Kind. Die allgemeinen Richtlinien empfehlen mindestens 30 Minuten körperliche Aktivität an mindestens 5 Tagen pro Woche, am besten täglich. Die Belastung sollte so gewählt sein, dass eine Unterhaltung dabei immer noch möglich ist.

Bewegung ist gut für Mutter und Kind – die allgemeinen Richtlinien empfehlen mindestens 30 Minuten körperliche Aktivität an mindestens 5 Tagen pro Woche.

Es gibt einige Sportarten und Übungen, die in der Schwangerschaft nicht geeignet sind. So sollten Schwangere Sportarten meiden, die wie Reiten, Abfahrtsskilaufen oder Mannschaftssportarten eine hohe Sturz- oder Verletzungsgefahr bergen. Auch Sportarten, bei denen – wie beispielsweise beim Volleyball – häufig gesprungen wird, sowie Aktivitäten, welche die Bauchmuskulatur stark beanspruchen, sind ungeeignet. Darum ist bei Pilates Vorsicht geboten. Sportarten unter extremen Bedingungen, wie Bergwanderungen in Höhen über 2.500 Metern oder tiefes Tauchen mit Sauerstoffflasche sind für Schwangere ebenfalls nicht zu empfehlen. 

Ideal sind Sportarten mit gleichmäßiger Beanspruchung der großen Muskelgruppen wie Radfahren, Joggen, Walken, Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga. Selbst Aerobic oder Zumba sind erlaubt, wenn Übungen mit Sprüngen ausgelassen werden. Viele Studios, Vereine und Hebammenpraxen bieten spezielle Kurse für Schwangere an, in denen gezielt auf die Bedürfnisse der werdenden Mütter eingegangen wird.

Frauen, die unsicher sind, wie viel und welcher Sport für sie geeignet ist, können das Thema bei einer der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen ansprechen.

Ist Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft erlaubt?

Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft spricht nichts gegen ein erfülltes Liebesleben. Vorsicht geboten ist lediglich bei Mehrlingsschwangerschaften oder Komplikationen. So kann bei Infektionen, Blutungen oder einem Blasensprung das Eindringen des Penis in die Scheide die Symptome verschlimmern.

Falls die werdende Mutter schon einmal eine frühe Fehlgeburt hatte, ist im ersten Trimester besondere Vorsicht geboten. Das Gleiche gilt bei vorzeitigen Wehen oder einer drohenden Frühgeburt im letzten Trimester. 

Schwangere, die unsicher sind, ob ein erhöhtes Risiko besteht, sollten mit ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber sprechen. Auch Hebammen können individuelle Risiken der Schwangerschaft einschätzen.

Eine Schwangerschaft stellt für beide Partner eine enorme seelische Herausforderung dar. Dazu kommen hormonelle und körperliche Veränderungen bei der werdenden Mutter. Sie führen teilweise zu einer leichteren Erregbarkeit, die jedoch auch schnell in eine unangenehme Übererregung und Berührungsempfindlichkeit kippen kann. Werdende Väter können sich von den körperlichen Veränderungen ihrer Partnerin extrem angezogen fühlen – einige haben jedoch auch Probleme damit, sind unsicher oder befremdet. Paare sollten sich daher keinesfalls unter Druck setzen, sondern genau auf ihre Bedürfnisse achten und sich viel Zeit füreinander nehmen.

Weitere Informationen

IRIS, eine Onlineberatung für Schwangere, hilft Ihnen, auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet Ihnen die Möglichkeit, Suchtberatungsstellen in Ihrer Nähe zu finden.

Informationen zu mehr als 400 Medikamenten und ihren Risiken in Schwangerschaft und Stillzeit finden Sie unter embryotox.de.

Geprüft durch den Deutschen Hebammenverband e.V.

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