Impfungen: Warum sind sie wichtig? Was sollte man darüber wissen?

Impfungen zählen in der Medizin zu den wichtigsten Möglichkeiten, Krankheiten vorzubeugen. Durch Schutzimpfungen lassen sich viele Infektionskrankheiten vermeiden und ihre Ausbreitung eindämmen. Welche Impfungen sind besonders wichtig? Wo kann ich mich umfassend über das Thema Impfen informieren?

Auf einen Blick

  • Dank Schutzimpfungen sind bestimmte Infektionskrankheiten, die früher gefürchtet waren, heute sehr selten geworden. Die Pocken wurden sogar weltweit ausgerottet.
  • Impfungen schützen nicht nur die geimpften Menschen vor Krankheiten, sie können auch dazu beitragen, die Ausbreitung der Erreger zu vermeiden.
  • Infolge einer Impfung kann der Körper potenziell gefährliche Erreger leichter und effektiver bekämpfen. Infolge einer Impfung kann der Körper potenziell gefährliche Erreger leichter und effektiver bekämpfen.
  • Leichte und vorübergehende Reaktionen auf Impfungen wie Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle sind normal und ungefährlich.
  • Schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach Impfung sind bei zugelassenen Impfstoffen sehr selten.
  • Die Kosten für die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen werden von den Krankenkassen übernommen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Impfungen: Eine Ärztin hält eine aufgezogene Spritze in der Hand. Im Hintergrund sitzt eine Patientin.

Was ist eine Impfung?

Impfungen werden oft auch als Schutzimpfungen bezeichnet. Ärztinnen und Ärzte sprechen bei einer Impfung auch von einer „Vakzination“ oder „Vakzinierung".

Durch Schutzimpfungen lassen sich viele Infektionskrankheiten, also ansteckende Krankheiten, vermeiden und ihre Ausbreitung eindämmen oder sogar verhindern. Daher werden die Kosten für viele Schutzimpfungen in Deutschland auch von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. 

Impfungen schützen vor Infektionskrankheiten 

Infektionskrankheiten werden häufig durch Bakterien oder Viren verursacht. Es gibt aber auch Infektionskrankheiten, für die Pilze oder Einzeller (Protozoen) verantwortlich sind. Das Spektrum der von Erregern ausgelösten Erkrankungen reicht von leichten Erkrankungen wie einer Erkältung bis hin zu schweren Krankheiten wie einer Hirnhautentzündung, Wundstarrkrampf (Tetanus), Kinderlähmung (Polio) oder Malaria. Übertragen werden die Erreger zum Beispiel bei direktem Kontakt mit anderen Menschen, beim Umgang mit Tieren, über die Luft oder auch über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Türklinken. 

Vielen Infektionskrankheiten kann durch gute Hygienemaßnahmen vorgebeugt werden, und ein gesundes Immunsystem schützt gegen eine Vielzahl von Erregern. Manche Erreger können jedoch auch bei einem gesunden Immunsystem zu schweren Erkrankungen führen, etwa Tetanus oder Masern. Hier können Schutzimpfungen zuverlässig schützen. 

Impfungen begrenzen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten 

Darüber hinaus schützen Impfungen häufig nicht nur die Menschen, die sich impfen lassen. Sie können auch dazu beitragen, dass die Ausbreitung der jeweiligen Infektionskrankheit, also die Weitergabe der Infektion von Mensch zu Mensch (Transmission), begrenzt oder sogar gestoppt werden kann.

Krankheiten wie Kinderlähmung, Masern oder Wundstarrkrampf sind in Deutschland dank hoher Impfraten äußert selten.

So konnten zum Beispiel Krankheiten wie die Kinderlähmung (Polio), Diphtherie, Masern und Wundstarrkrampf in Ländern mit hohen Impfraten (wie in Deutschland) stark eingedämmt werden. Die Pocken sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund einer weltweiten Impfkampagne seit 1979 ausgerottet, die Bekämpfung der Kinderlähmung wird derzeit verfolgt.

Wie funktioniert das Impfen?

Eine der stärksten Waffen der menschlichen Immunabwehr sind die sogenannten Antikörper. Wird ein Mensch mit Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren infiziert, versucht der Körper in der Regel selbst, passende Antikörper zu bilden. Diese Antikörper heften sich dann an die Krankheitserreger. Die körpereigenen Abwehrzellen können die Eindringlinge dadurch erkennen, beseitigen und die Krankheit erfolgreich bekämpfen.  

Nach einem erneuten Kontakt mit dem Erreger kann das Immunsystem in der Regel viel schneller reagieren, weil sich der Körper gewissermaßen an den Krankheitserreger erinnert: Er stellt die passenden Antikörper zügiger her und kann die Erreger so schneller und effektiver bekämpfen. Aus diesem Grund kommen manche Infektionskrankheiten wie Mumps, Röteln oder Windpocken in aller Regel nur einmal im Leben vor. Danach ist man immun, also vor dieser Infektionskrankheit geschützt. 

Aktive und passive Impfungen  

Aktive Impfungen regen den Körper unter anderem zur Bildung von Antikörpern gegen einen oder mehrere Erreger an. Sie wirken vorbeugend gegen die von den Erregern ausgelösten Infektionskrankheiten. Bei einer passiven Impfung werden Antikörper verabreicht, die gegen einen Erreger gerichtet sind. Passive Impfungen können schnell einen kurz anhaltenden Schutz verleihen oder werden zur Behandlung von Infektionskrankheiten eingesetzt.  

Aktive Impfungen regen die Bildung von Antikörpern an 

Aktive Schutzimpfungen machen sich das „Gedächtnis“ des Immunsystems zunutze und bereiten den Körper auf den Ernstfall vor – also die Ansteckung mit bestimmten Erregern wie Viren, Bakterien oder Parasiten.

Ein Impfstoff enthält zum Beispiel abgetötete, ungefährliche Erreger oder Erregerbestandteile: Das sind inaktivierte Impfstoffe, auch Totimpfstoffe genannt. Oder er enthält stark abgeschwächte Erreger, sogenannte Lebendimpfstoffe. Genetische Impfstoffe enthalten die genetische Information für den Bauplan von Erreger-Bestandteilen.

Alle diese Impfstoffe regen den Körper –  wie der echte Erreger –  dazu an, passende Antikörper zu bilden. Infiziert sich ein geimpfter Mensch dann später mit dem Erreger, ist das Immunsystem dank der Impfung darauf vorbereitet, und eine schwere Erkrankung wird verhindert oder abgeschwächt. 

Für eine sogenannte Grundimmunisierung sind in der Regel eine oder mehrere Impfungen nötig, um einen belastbaren Impfschutz aufzubauen. Bei manchen Impfungen bleibt der Schutz danach das ganze Leben bestehen, andere müssen in bestimmten Abständen aufgefrischt werden (Auffrischimpfung). 

Passive Impfungen enthalten Antikörper 

Neben aktiven Impfungen gibt es auch passive Impfungen. Dabei wird der Körper nicht dazu angeregt, selbst Antikörper gegen bestimmte Erreger zu bilden, sondern es werden direkt die passenden Antikörper verabreicht. Meistens stammen diese Antikörper von Menschen, die bereits immun gegen die jeweilige Krankheit sind. Passive Impfungen können schnell vor bestimmten Erregern schützen. Sie werden zum Beispiel verwendet, wenn sich jemand vor kurzem mit einem Krankheitserreger angesteckt haben könnte und kein ausreichender aktiver Impfschutz gegen die Krankheit besteht. Anders als aktive Impfungen wirken passive Impfungen zwar sehr schnell, aber nicht sehr lange, oft nur etwa drei Monate. 

Wie funktioniert eine Impfung?

Im folgenden Video erfahren Sie, wie eine Impfung funktioniert.

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Es gelten die dort bekanntgegebenen Datenschutzhinweise.

Gegen welche Krankheiten kann ich mich impfen lassen?

Es gibt zahlreiche Infektionskrankheiten, die heute durch Impfungen vermieden werden können. In Deutschland gibt es ein unabhängiges Expertengremium, die Ständige Impfkommission (STIKO), die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Impfungen fortlaufend bewertet und darauf aufbauend Impfempfehlungen für Deutschland ausspricht. Informationen dazu finden sich auf den Webseiten des Robert Koch-Instituts (www.rki.de/impfen). Dabei ist zu beachten, dass manche Impfungen nur für bestimmte Alters- oder Personengruppen empfohlen sind, weil diese besonders von den Impfungen profitieren können: zum Beispiel, weil sie an besonderen Erkrankungen leiden.  

Einen Impfkalender mit einer entsprechenden Übersicht sowie weitere Informationen rund um das Thema Impfen stellt unter anderem die Internetseite impfen-info.de bereit: ein Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). 

Die STIKO empfiehlt aktuell Standardimpfungen gegen folgende Krankheiten: 

Wichtig zu wissen: Wer ins Ausland reist, sollte sich über regionale Infektionsrisiken und über geeignete Impfmaßnahmen informieren. Auskünfte hierzu können Hausärztinnen und Hausärzte sowie Ärztinnen und Ärzte für Reisemedizin geben. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO), das Auswärtige Amt und das Institut für Tropenmedizin informieren über Impfmöglichkeiten bei Auslandsreisen.

Wie sicher sind Impfstoffe?

Impfstoffe gehören zu den sichersten Arzneimitteln überhaupt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Jeder Impfstoff, der in Deutschland auf den Markt kommt, muss vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, oder von der Europäischen Kommission nach einem Bewertungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA unter Teilnahme des PEI zugelassen werden.

Das Paul-Ehrlich-Institut überprüft die Qualität jeder Charge der produzierten Impfstoffe vor ihrer Vermarktung und gibt jede einzelne Charge für die Vermarktung in Deutschland frei. Ein gesetzlich geregeltes Meldesystem sorgt dafür, dass unerwünschte Impfreaktionen frühzeitig erkannt werden.

Wie verträglich sind Zusätze in Impfstoffen?  

Manche inaktivierten Impfstoffe enthalten beispielsweise Aluminiumverbindungen als Wirkverstärker (Adjuvans), um einen wirksamen Schutz aufzubauen. Wirkverstärker werden unter anderem in Impfstoffen gegen Tetanus, Diphtherie oder Keuchhusten verwendet. Diese sind notwendig, weil solche Impfstoffe nur abgetötete Erreger oder Teile davon enthalten, die das Immunsystem allein nicht ausreichend stimulieren. Der Gehalt an Aluminiumverbindungen der in Deutschland und Europa zugelassenen Impfstoffe liegt unter dem Grenzwert, den das Europäische Arzneibuch vorgibt. Die zusätzliche Aufnahme von Aluminiumverbindungen über Impfungen ist im Vergleich zur täglichen Aufnahme über die Luft, das Trinkwasser und die Nahrung minimal. Die Verträglichkeit der Impfstoffe wird zudem nicht nur beim Zulassungsverfahren sehr genau überprüft, sondern auch nach der Zulassung stetig weiter überwacht. Auch andere Wirkverstärker, beispielsweise Wasser-Öl-Emulsionen, werden mit dem Impfstoff vor der Zulassung und danach geprüft. 

Welche Reaktionen und seltenen Nebenwirkungen können auftreten?

Eine leichte Reaktion des Körpers auf eine Impfung ist ungefährlich. Dabei handelt es sich um eine natürliche Impfreaktion, die normalerweise innerhalb eines oder weniger Tage abklingt. Typische Beschwerden nach einer Impfung sind Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle. 

Beispiele für Allgemeinreaktionen nach Impfungen sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit und Durchfall. Bei der Verwendung von Lebendimpfstoffen, wie sie zum Beispiel gegen Masern, Mumps oder Röteln eingesetzt werden, können nach der Impfung gelegentlich leichte Symptome, die der jeweiligen Krankheit ähneln, auftreten. Diese sind aber mit der echten Erkrankung nicht vergleichbar und auch nicht ansteckend. 

Sehr seltene Nebenwirkungen 

Impfungen sind im Laufe der letzten Jahrzehnte immer verträglicher geworden, sodass es nur sehr selten zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommt. Darunter fallen beispielsweise schwere allergische Reaktionen, Fieberkrämpfe bei Kinderimpfstoffen oder Darmeinstülpung nach Rotavirusimpfstoff.  

Impfung bei Hühnereiweißallergie 

In manchen Impfstoffen sind produktionsbedingt Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Falls eine Hühnereiweißallergie besteht, sollte dies immer der Ärztin oder dem Arzt mitgeteilt werden, damit sie oder er geeignete Vorsichtsmaßnahmen ergreifen kann.

Wo kann ich mich ausführlich zum Impfen informieren?

Wer Fragen zum Impfen allgemein oder zu bestimmten Schutzimpfungen hat, kann sich direkt an eine Ärztin oder einen Arzt wenden. Darüber hinaus gibt es im Internet verlässliche Quellen mit umfassenden Informationen. Dazu gehören:

impfen-info.de

Bundesgesundheitsministerium: Impfungen

Paul-Ehrlich-Institut: Impfstoffe

Robert Koch-Institut: Impfungen A – Z

 Bei Auslandsreisen auch:

Auswärtiges Amt: Reisemedizin

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